Neee, der bleibt einfach drauf …

Auf dem Rezept für die Kundin: Jelonet Gaze – das ist so ein Spezialverband mit Paraffin, der nicht kleben sollte.

Kundin: „Das ist also der Verband?“

Pharmama: „Ja, das ist die Gaze, sie müssen sie aber noch mit dem Verband befestigen. Reichen ihnen da 8 Meter?“

Kundin: „Das dürfte mehr als genug sein.“

Pharmama: „Wie oft sollen sie ihn denn wechseln?“

Kundin: „Wechseln? Die Gaze bleibt drauf.“

Pharmama: „Ja schon, aber im Normalfall wechselt man sie alle 2-3 Tage.“

Kundin: „Nein, der Arzt hat gesagt, die bleibt drauf.“

Pharmama: „Und wie lange?“

Kundin: „Keine Ahnung. Der Arzt hat nichts gesagt, also reicht auch eine.“

Pharmama: „Vielleicht wechselt das auch der Arzt selber? Wann müssen sie wieder zu ihm?“

Kundin: „Erst in 2 Wochen.“

Pharmama: „Solange können sie aber nicht dieselbe Gaze drauf behalten. Ich bin sicher das muss man wechseln. Das ist doch für eine offene Wunde, oder?“

Kundin: „Ja, aber …“

Pharmama: „Das liegt ja auf der Wunde und sollte sauber sein. Und die Wunde süfert wahrscheinlich auch. Darum soll man das alle 2 bis 3 Tage wechseln.“

Kundin: „Aber der Arzt hat nichts gesagt von wechseln. Rufen Sie ihn doch an und fragen Sie.“

Offenbar kann ich sie nicht anders überzeugen, also rufe ich beim Arzt an.

Arzt: „Wechseln alle 2 Tage“

Okay!

Fast schon klassisch. Wenn man nicht gefragt hätte … das hätte eine nette Sauerrei gegeben.

Einfach zupflastern

Eine Gruppe Teenager in der Apotheke.

„Habt ihr Pflaster?“

Pharmama: „Sicher, Für was?“

Teenie: „Für das.“

„Das“ ist ein 1.5cm langer, blutender Schnitt am Hinterkopf.

Die Jugendlichen sind Ziemlich angedüdelt und blödeln herum. Vor allem der mit dem blutenden Hinterkopf.

Pharmama: „Wie ist das passiert?“

Teenie: „Ich habe eine Bierflasche über den Kopf bekommen.“

(Na, wenigstens Ehrlich!)

Pharmama: „Ah. Das gehört genäht.“

Teenie: „Genügt da nicht auch ein Pflaster?“

Pharmama: „Nur wenn Sie eine hässliche Narbe da behalten wollen. Ausserdem: wie steht es mit ihrer Tetanusimpfung?“

Teenie: „Hmmm. Ich soll also damit zum Arzt?“

Pharmama: „Ja.“

Teenie: „Sicher?“

Pharmama: „Ja!“

Von abgefallenen Stücken …

Erinnert ihr Euch noch an die Person mit der abgeschnittenen Fingerbeere ?

Gestern hatte ich tatsächlich nochmal so jemanden. Im Gegensatz zu der oben war allerdings schon einige Zeit vergangen seit dem Vorfall – sie meinte, es sei beim Kochen des Nachtessens am Vortag passiert – offenbar ist „kochen“ eine überaus gefährliche Beschäftigung.

Auch sie hat das Stück abgewaschen und einfach wieder rangepappt. Sie wollte wissen, wie sie das am besten verbindet.

Ich habe dann gefragt, ob ich mir den Finger mal ansehen darf – ich durfte.

Es war, wie vermutet: das abgeschnittene Teil klebte wegen dem Blut wohl noch dran, war aber, als ich vorsichtig etwas gereinigt habe deutlich weiss und selbst nicht mehr durchblutet. Fürs Nähen und irgendwelche anderen Reparaturen war es jedenfalls zu spät.

Ich habe ihr dann gesagt, dass sie das Stück wohl verliert, ich es jetzt aber nicht abreissen will. Ich denke, das löst sich demnächst sowieso selbst. Zum Glück handelte es sich nicht um ein grosses Stück, an der tiefsten Stelle vielleicht 1.2 mm tief.

… und jetzt warte ich gespannt auf Nummer Drei – denn so Sachen kommen immer im Dreierpack.

Frage des Tages (4)

„Warum schäumt es, wenn ich einen Schnitt mit Wasserstoffperoxid desinfiziere?“

3 % Wasserstoffperoxid gibt es auch in der Apotheke zu kaufen – man benützt es traditionell zum desinfizieren von Wunden. Das, obwohl es inzwischen effizienteres gibt. Wie auch immer, es ist nicht schlecht um Wunden auszuspülen und das schäumen sieht cool aus.

Aber warum schäumt es überhaupt? Das liegt daran, dass Blut und Zellen das Enzym Katalase enthalten. Ein Schnitt oder eine Schürfung enthält beides: Blut und kaputte Zellen und darum auch viel Katalase.
Kommt das Enzym in Kontakt mit Wasserstoffperoxid (Hydrogenii peroxidum), wird das Wasserstoffperoxid (H2O2) zu Wasser (H2O) und Sauerstoff (O2) gespalten.

Für Chemie-Fans: 2 H2O2 –> 2 H2O + O2

Die Katalase ist dabei enorm effizient – bis zu 200’000 Reaktionen pro Sekunde. Die Bläschen die man sieht, sind also reine Sauerstoffblasen, die gebildet werden.
Wenn man es auf unverletzte Haut schüttet, passiert nichts. Bei Raumtemperatur ist Wasserstoffperoxid einigermassen stabil (es baut sich mit der Zeit schon ab, aber nie so schnell).

Wie schnell die Reaktion geht, sieht man an diesem Versuch, den man auch „Draculas Eisbecher“ nennt:

Heute braucht man das Wasserstoffperoxid wirklich fast nicht mehr zum spülen oder desinfizieren. Es gibt bessere Desinfektionsmittel (Jod-Povidon, wie in Betadine oder Chlorhexidin wie im Merfen / Bepanthen plus) und das Peroxid steht im Verdacht, die Wundheilung zu verzögern. Trotzdem gibt es ein paar Traditionalisten, die unbedingt „das“ haben müssen – genauso, wie es solche gibt, die vom Merfen die Tinktur haben müssen – einfach, weil der Alkohol brennt, da „merkt man, dass es wirkt“.