Aus dem Pharmaziestudium – mündliche Prüfungen

Jeder weiss, sie kommen: die Prüfungen. Am Ende des zweiten Semesters sind sie dann da. Etwas seltsam ist es das erste Mal schon, denn … so lange Zeit hatte man keine Prüfungen mehr. In der Schule hat man alle paar Wochen (wenn nicht sogar alle paar Tage) welche. Hier im Studium: nada. Lange Zeit nada. Fast ein ganzes Jahr.
Also ist man unglaublich aufgeregt vor den ersten Prüfungen – weil man so irgendwie keine Ahnung hat, was kommt. Natürlich, man weiss welcher Stoff: das, was im ganzen Jahr vorher durchgenommen wurde. Und das ist viel. Sehr viel. Zu viel eigentlich … auch für die Prüfer. In den Prüfungen kommt dementsprechend immer nur ein kleiner Teil dran. Nur weiss man nicht, welcher. Also muss man alles lernen.

Frag nie nach „Muss ich dieses Detail wissen?“ – Die Antwort ist ja. Das kann drankommen. Alle Physik Formeln aus dem Buch. Die gesamten chemischen Formeln des Krebs-Zyklus. Welcher Ionenkanal verantwortlich ist für was in der Zellwand. Wehe dem Studenten, der nicht an die Vorlesungen gegangen ist. Lehrbücher haben zwar alles drin – zeigen aber nicht, auf was der Professor speziell Wert legt. Weh auch dem Studenten, der den Stoff nicht vorher in eine Form gebracht hat, die übersichtlich ist.

Jeder hat seine Lernmethoden – meine war immer: Schreiben. Während den Lektionen – mit speziellem System, dafür gedacht, rasch etwas wiederzufinden. Zusammenfassen, die Zusammenfassung zusammenfassen, was bekannt ist weglassen, bis am Schluss etwas herauskondensiert ist, das sich … zumindest erfassen lässt. Und hoffentlich reproduzieren. Kärtchen sind dafür auch geeignet.
Ich hatte auch Glück während den Prüfungen – das braucht man gelegentlich. Vor allem, was die Aufteilung der Prüfungen selber angeht. Eigentlich hatten wir immer etwa 1 Woche zwischen den verschiedenen Prüfungen- da ist gut Zeit, noch einmal alles zu wiederholen, sich ganz auf das Thema zu konzentrieren bis es dann soweit ist.
Ich habe immer viel gelernt. Ohne meine Mama wäre ich wohl verhungert bei den Prüfungen (wenn ich Stress habe, geht mein Hungergefühl flöten – und Zeit für so etwas unwichtiges wie Nahrungsaufnahme zu verschwenden, wenn ich doch lernen muss …?)

Vor den Prüfungen bilden sich häufig Lern-Gruppen. Das kann Gut sein: man hilft sich gegenseitig, schwierige Themen zu verstehen und es motiviert auch, wenn man weiss, dass man zu einem Zeitpunkt zusammensitzt um ein Thema durchzusprechen. Das kann aber auch Schlecht sein. Zum Beispiel, wenn sich eine Lerngruppe gegenseitig bestätigt, dass etwas ganz sicher nicht dran kommt an den Prüfungen … So geschehen bei uns im 2. Jahr mit Anatomie / Physiologie.
Im Prüfungsplan stand Anatomie und Physiologie in derselben Prüfung. Genauer gesagt – man hat es untereinander geschrieben – und daneben die Stunden, wann welcher Buchstaben des Alphabetes dran ist. Anatomie und Physiologie waren Themen die von 2 unterschiedlichen Professoren gelehrt wurden. Und beides ist ziemlich viel Stoff. Die Lerngruppe hat die Aufstellung missverstanden und gedacht die erste Gruppe (sagen wir, A-K) haben nur Anatomie und die zweite Gruppe (L-Z) nur Physiologie.
Ich hatte das Glück (oder Pech) genau nach der ersten Person, die diesem Irrtum verfallen war, Prüfung zu haben. Die Kollegin hatte nur Anatomie gelernt. Den Teil konnte sie – nun, wenn nicht perfekt, so zumindest sehr gut. Und dann kam die Physiologie… und der Professor war alles andere als erfreut. Tatsächlich habe ich ihn im Gang sehr deutlich verstanden – ich wette, man hat sein Geschrei noch auf der Strasse draussen gehört.
Im ersten Moment wusste ich noch nicht, weshalb die Aufregung – aber der Grund war dann deutlich erfassbar: „Sie haben WAS? KEINE Ahnung? Sie haben NICHTS gelernt von der Physiologie??“
Man kann sich vorstellen, dass die Kollegin weinend herauskam –und ich mit sehr gemischten Gefühlen hinein ging. Tatsächlich beruhigte mich der Experte aber vor Beginn: „Wenn sie auch nur ein bisschen etwas wissen über die Physiologie, dann ist es schon mehr, als die Kollegin vor ihnen. Es kann nur besser werden. Fangen wir an.“
Ich war dann … gar nicht schlecht.

Ach ja, die mündlichen Prüfungen. Bei der Matur hatte ich noch den Überraschungs-Bonus: die Lehrer haben kaum geglaubt, dass ich tatsächlich auch (länger) reden kann – in der Schule war ich gerne ruhig in den Stunden. Den Vorteil hatte ich im Studium dann nicht mehr – bei über 40 Studenten und reinem Frontal-Unterricht kennen einen die meisten Professoren kaum bis gar nicht.

So eine Prüfung läuft so ab, dass man in einen Raum kommt, da sitzen schon der Professor (manchmal auch 2, wenn wie oben 2 Themen geprüft werden) und ein Experte. Der Experte sitzt meist etwas seitlich – er ist dafür da zu prüfen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Man begrüsst sich per Handschlag, dann setzt man sich an den Tisch – auf dem meist ein paar Dinge liegen. Kärtchen zum ziehen mit den Fragen – Anschauungsmaterial wie Pflanzen oder Anatomiemodelle, ein paar Blatt leeres Papier, für wenn man etwas anschaulicher erklären muss … das half mir immer. Ich zeichne gerne – und zumindest einmal habe ich die ersten paar Zeilen des Periodensystem skizziert, um sicher zu sein, wie das mit den Elektroden jetzt … okay. Zuviel Detail.

Jedenfalls: die Prüfer stellen einem Fragen … und man antwortet so gut man kann. Je mehr man zu etwas sagen kann, desto besser. Je detaillierter die Fragen werden (und je schwerer), desto besser die Endnote – trotzdem kann man nicht immer von der Zeit, die man braucht sagen, ob das jetzt gut war, oder nicht. Manchmal dauert es länger, weil der Professor – oder der Experte – versuchen, doch noch etwas aus einem herauszuholen, dann sind über 30 Minuten vorbei, bis man rauskommt– manchmal schmeissen sie einen nach knapp 15 Minuten raus, wenn es keinen Sinn mehr macht (siehe die Kollegin oben). Die Terminplanung dafür ist schwierig. Als Student bekamen wir eben Listen mit den Prüfungsterminen und von wann an die Kandidaten dran waren. Ich war fast die letzte in meiner Gruppe. Rechnerisch bedeutet das – bei 7 Personen vor mir, dass ich zwischen 7×15 = 1 Stunde 45 Minuten nach dem ersten und 7 x 30 = 3 ½ Stunden nach dem ersten dran war. Weil man auf gar keinen Fall zu spät sein will (ich jedenfalls nicht) – musste ich also oft laaaange warten, bis ich dran war – und bekam dementsprechend einiges mit von den Kolleginnen vor mir.

Das kann hilfreich sein – oder es kann einen so nervös machen, dass man kaum mehr denken kann. Ich gehörte auch nicht zu denen, die noch mit den Unterlagen vor dem Prüfungszimmer sassen – in der Hoffnung, noch rasch etwas in den Kopf zu drücken, bevor man dran kam. Das funktioniert bei mir nicht. Entweder ich hatte es intus bis zu dem Moment oder … Schwamm drüber.

Schön auch das eine Mal, als der Experte herauskam, den Namen der Kollegin vor mir ausrief – und die dann einfach nicht da war. Er schaut mich an: „Wollen Sie vielleicht…?“ Ich wollte. Einerseits hatte ich es dann schneller vorbei – und andererseits stimmt das bestimmt die Professoren gutmütiger, wenn sie nicht warten müssen – und ich dann einfach etwas später trotzdem noch drankomme. Auch da hatte ich Glück – wie sich später bei der Besprechung mit meinen Kolleginnen herausstellte, benutzten sie 2 Sätze Kärtchen mit Fragen für die Prüfungen – abwechselnd. Und diejenigen, die sie mich da fragten, konnte ich besser als das auf dem anderen Satz. (Besser. Nicht: gar nicht).

Die seltsamste mündliche Prüfung war wohl die in Galenik. Das Büro war im alten Pharmaziegebäude oberhalb der Labors. Man wartete auf dem Gang.
Als ich hereingebeten wurde, sah ich statt dem üblichen Büro-Tisch nur ein Couchtischchen. Daneben auf der einen Seite ein Sofa und auf der anderen Seite 2 Lehnstühle. Gemütlich – nicht unbedingt das, was ich erwartet habe!
Man begrüsst sich, ich wurde aufs Sofa gesetzt und der Professor – auch eher ein gemütlicher Typ fragt: „Möchten Sie einen Kaffee?“
Worauf ich, überrascht und total ehrlich herausplusterte: „Danke, lieber nicht … ich bin auch so schon nervös genug!“
Freundliches Gelächter auf allen Seiten, dann gingen wir direkt zur Prüfung über.
Professor: „Nun, wenn sie das Coffein nicht oral wollen, dann können wir ein bisschen darüber reden, wie es mit der Aufnahme über die Haut aussieht. Was können sie uns erzählen über transdermale Systeme?“ … und schon waren wir mittendrin.

Andere interessante Situationen waren die Hanf-Pflanze (im Topf) in der Biologie Prüfung – *die* war aber nicht auf der Liste der Pflanzen, die wir erkennen und kennen mussten.
Oder als mich der Professor nach typischen Apotheker-Krankheiten fragte (Krampfadern vom vielen Stehen hauptsächlich – falls ihr das mal beantworten müsst, die Magengeschwüre wegen unleidlichen Kunden lassen wir mal beiseite :-)),
Oder als ich die Frage welche Art Ionen-Kanal in der Zellwande der Beta Zellen in der Bauchspeicheldrüse für die Ausschüttung des Insulins verantwortlich ist beantworten konnte. Kalium und dann Kalzium … Das war schon eine Zusatz/Zusatz Frage und der Experte war einigermassen überrascht, das ich das wusste – und ich fast noch mehr (Wo kam das her?). Ehrlich. Heute habe ich davon keine Ahnung mehr. Es ist ausgesprochen erstaunlich, was man alles in so einen kleinen Kopf reindrücken kann.

Nächstes Mal: praktische Prüfungen und Labor-Prüfungen

mehr lesen über das Pharmaziestudium (auf Pharmama.ch)

Und jetzt Ihr: Was hattet ihr für bemerkenswerte Prüfungen oder Situationen? Wie ging es Euch? Wie lernt ihr am liebsten?

Fragebogen zur Homöopathie in der Apotheke (für Apotheker)

Am Wochenende erreichte mich die folgende Bitte eines Pharmaziestudenten:
ich studiere Pharmazie in London und schreibe meine Masterarbeit zum Thema „Ansichten und Erfahrungen von Offizinpharmazeuten in der Homöopathie“. Es ist eine vergleichende Studie zwischen Apothekern im Großraum London und Bayern (Deutschland). Jedoch, aus persönlichem Interesse, wäre mir sehr viel daran gelegen, wenn Sie meinen Onlinefragebogen in Ihrem Blog veröffentlichen würden. Je nachdem wie viele Ihrer Approbierten-Follower teilnehmen, kann ich meine Supervisorin vielleicht dazu bewegen die Daten zu verwenden, gerade weil Ihr „Publikum“international ist!

 Link zum Fragebogen

Weitere Informationen zur Studie als auch zum Datenschutz werden auf der ersten Seite des Fragebogens erklärt.

Das ist die Chance für Apotheker ihre Meinung (wie auch immer) zur Homöopathie in der Offizin abzugeben.

Das ist aber keine Aufforderung hier und jetzt eine Diskussion über die Homöopathie in der Apotheke loszutreten!

Aus dem Pharmaziestudium: Im Labor

Ich muss zugeben – ich hatte es nicht so mit Labor. Vor allem am Anfang. Vom Chemiepraktikum am Gymnasium her hatte ich noch einen gesunden Respekt … das wurde noch verstärkt von der ersten Stunde – die praktischerweise eine Einführung in die Sicherheit war. Die wichtigsten Aussagen, die man für’s überleben im Labor braucht.

  • Du sollst eine Schutzbrille tragen – und dazu als Anschauungsmaterial einmal Laborunfall ohne Brille (üble Augenverätzung) und einmal mit Brille (wie ein umgekehrter Panda: wo die Brille war weiss, sonst schwarz)
  • Du sollst einen Laborschurz tragen – je länger, je besser.
  • Du darfst NIE mit dem Mund Flüssigkeiten ansaugen mit Pipetten – auch das mit Anschauungsbild: schön, wie man die Mundschleimhaut gleich am Stück abziehen kann …
  • Dann Säuren verdünnen: „Erst das Wasser, dann die Säure, sonst passiert das ungeheure!“ … wobei das Ungeheure eine Explosion des Säuregefässes ist.
  • Kein Essen und trinken im Labor. Man greift nur einmal daneben.
  • Wenn Du an etwas riechen musst, dann wedel es dir zu. Niemals sollte man die Nase direkt darüber halten. Wer es trotzdem mal probieren will – Eisessig eignet sich als Test, ob man das richtig macht. Vorsicht: hinter einem sollte dafür nichts stehen.
  • Achtung vor dem Siedeverzug! In Bechergläser und Reagenzglas, die über dem Bunsenbrenner erhitzt werden gehören Siedesteine.

Mit diesen Kurzinstruktionen wurden wir auch schon ins Labor gelassen. Jeder durfte sich einen eigenen Laborplatz aussuchen und anfangen, sich dort häuslich – äh, arbeitsmässig einzurichten. Das bedeutete als erstes, mit einer laaaangen Liste auf dem Labormaterial stand zu kontrollieren, ob alles vorhanden ist und falls nicht, das gegebenenfalls zu besorgen. Jetzt … das ist nicht ganz so einfach, denn als blutiger Anfänger kennt man die Namen der Gefässe und Geräte noch nicht. Becherglas und Reagenzglas – das ist noch einfach, aber Erlenmeyerkolben? Uhrglas? Exsiccator? Magnesiumstäbchen?… und was zum Geier ist eine Nutsche? (unreifes Kichern in den Ecken: hat das was mit Knutschen zu tun?) Mit etwas Hilfe vom Assistent schaffen wir es schliesslich alle durch die Liste.

Labor hat man viel im Pharmaziestudium. Man fängt bei den wirklich grundsätzlichen Sachen an und arbeitet sich durch die Jahre hoch. Man fängt mal an mit der Analyse von Einzelsubstanzen (anorganischen), dann organischen, dann Mischungen, dann Arzneiformen. Dann Synthese und und und …

Anfangs ist man noch unglaublich vorsichtig. Alles wird möglichst weit weg von einem gehalten, Handschuhe angezogen, die Brille natürlich (in Gedanken immer noch die netten Bilder aus der Einführung) … mit der Zeit, wenn nichts schlimmes passiert, wird man mutiger – manche tatsächlich ein bisschen übermutig.

Das mit dem verdünnen von Säure zum Beispiel: Wasser und konzentrierte Salzsäure … ja, es dampft ein bisschen – na und? Wasser und konzentrierte Schwefelsäure  – oh, das wird ja warm! Interessant.
Und irgendwann hat es dann tatsächlich die Kollegin direkt mir gegenüber geschafft, erst die Schwefelsäure in den Messkolben zu füllen und dann das Wasser reinzugeben … das wird dann nicht nur warm. Das wird heiss! Heiss genug, den Kolben zu sprengen und explosiv reichlich konzentrierte Säure durch die Gegend zu spritzen. Ein Glück für Labormäntel – die Spritzer verteilten sich wegen Labortisch unten und Chemikalienablage zwischen den Arbeitsplätzen oben alle auf Bauchhöhe – aber da hatten wir nachher in der Umgebung alle kleine Säurelöcher in den Schürzen. Diese Löcher haben übrigens die Angewohnheit mit jedem Waschen etwas grösser zu werden, so dass auch anfangs kaum sichtbare später einen Schurz wie ein Sieb erscheinen lassen.

Man kann sich vorstellen, dass wir nicht sehr erpicht waren, das Säureexperiment zu wiederholen und die unvorsichtige Kollegin noch Jahre den „ungeheuren“ Spruch anhören musste.

Die Chemikalien sind die eine Gefahrenquelle im Labor, Feuer ist die andere. Oft muss man etwas erwärmen, oder man muss die Flammenfarbe bestimmen – dafür braucht man den Bunsenbrenner. Der läuft mit Gas. Das kommt aus einem Hahnen an der Wand – der sieht ähnlich aus wie der Wasserhahn. Nur hat er eine andere Farbe vom Griff. Bunsenbrenner die Wasser sprühen sieht man nur am Anfang, das begreifen die Leute noch rasch.

Es ist aber keine gute Idee, erst das Gas einzuschalten und DANN auf die Suche nach Zündhölzern zu gehen. Oder den Gashahn aufzudrehen aber den Gummischlauch nicht oder nicht richtig fest befestigt zu haben … gleich daneben arbeitet nämlich sicher der Kollege auch mit brennender Flamme. Meine Erfahrungen aus der Feuerwehr konnte ich doch ein paar Mal einsetzen.

mehr lesen könnt ihr hier: Labor,  Labor ist gefährlichLabor und Darwins Theorie

Ja,  So war das bei uns.

Was habt ihr denn für Erfahrungen im Labor gemacht?

Aus dem Pharmazie-Studium … der allererste Tag

Der allerersten Tag, die erste Stunde – und uns wird vom Chef der Pharmazie der Uni erklärt, wie das so abläuft.

In kurz: morgens Studium, mittags Labor – und wenn wir nach Hause kommen, gibt es je nachdem noch einiges nachzubearbeiten, oder zu lernen. Allein 42 Stunden sind mit Studium und Labor verplant …

Ich höre meinen ehemaliger Klassenkameraden der sich für dasselbe Studium entschlossen hat, laut und ungläubig sagen: „Waas?“ bevor er sich hinter einem Buch versteckt–das hat er wohl nicht erwartet.

Ich habe eigentlich ihn nicht hier erwartet. Keine Ahnung, was er sich dabei gedacht hat, als er sich für Pharmazie entschieden hat – ich wusste, was auf mich zukommt. Immerhin habe ich da schon einen Tag in der Apotheke, wo meine Mutter arbeitete geschnuppert und hatte die Möglichkeit die Apothekerin auszufragen.

Was sie mir damals sagte: Es ist ein hartes Studium, es bedeutet viel Arbeit, viel Lernen. Es braucht ein Interesse an Naturwissenschaften und Durchhaltevermögen. Aber es lohnt sich, auch weil man danach eine Menge Möglichkeiten hat, was man machen kann.

Sie hatte recht. Weshalb mein Schulkollege – nennen wir ihn Richard – fand, das wäre etwas für ihn, wenn sein (erklärter) Berufswunsch „Sportartikelverkäufer – nur bräuchte ich dafür keine Matur … ach ich weiss nicht …“  war …  ich weiss es auch nicht.

Er hat dann auch nur knapp 3 Wochen durchgehalten. Danach ging er (klassisch) Jus studieren.

In den ersten 2 Monaten hatten wir die höchste Ausfallquote – etwa 30 Prozent, danach blieb unsere Zahl durch das Studium durch konstant. Etwa 10% fielen jeweils durch die ersten Prüfungen. Ein Teil davon schaffte es im zweiten Versuch, ein Teil bekamen wir von anderen Unis oder von oberen Jahren wieder dazu.

Es waren anstrengende Zeiten. Es ist im Winter nicht speziell gut für’s Gemüt, wenn so etwa das einzige Mal, wenn man die Sonne wirklich sieht ist, wenn man von den Vorlesungen zum Mittagessen in der Mensa hastet und danach von der Mensa zum Labor. Morgens und Abends ist es noch/schon dunkel, wenn man unterwegs ist – und in den Vorlesungen und im Labor ist man oft zu beschäftigt um das überhaupt richtig wahrzunehmen.

Trotzdem waren es auch schöne Zeiten. Man lernt viel, entwickelt mit den anderen Mitstudierenden einen Zusammenhalt … speziell das Labor eignet sich sehr dafür … aber davon später mehr.

Leistungssteigernde Mittel an der Uni

Laut einer Umfrage in Deutschlands Unis haben etwa 4% der befragten (1547) Studenten schon einmal versucht, ihre Konzentration oder Wachheit mit Hilfe von legalen oder illegalen Substanzen zu steigern. Illegalen meistens: Amphetamine, Kokain oder Ecstasy.  Etwa 5% greifen zu Mitteln, um die Anforderungen der Uni besser bewältigen zu können: Drogen oder verschreibungspflichtiges, weitere 5% zu weicheren Sachen wie pflanzliche, homöopathische oder Vitaminpräparate – oder einfach zu Kaffee oder Schwarztee.

An Rezeptpflichtigem wird folgendes (miss)braucht: Schmerz- und Schlafmittel. Antidepressiva, Betablocker, Ritalin, Modafinil …

Ob das auch wirklich Auswirkungen nicht nur momentan auf den Körper, sondern auch auf die schulische Leistung hat, ist bisher nicht bekannt. Lernen muss man nämlich trotzdem noch,.

In der Apotheke haben wir schon Probleme gehabt, weil manche Leute diese Mittel wollen – und zwar nicht die weichen Sachen. Speziell Medizinstudenten …

Dazu ist zu sagen: Auch ein Medizinstudent im letzten Semester darf noch keine rezeptpflichtigen Sachen ohne Aufsicht verschreiben. Dementsprechend hat er (entgegen der Meinung mancher) auch kein Recht darauf, in der Apotheke etwas rezeptpflichtiges einfach so zu bekommen.

Wer trotzdem mit solchem experimentiert: hier noch eine Warnung aus meiner persönlichen Erfahrung. Die Dozenten und die Leute, die Prüfungen abnehmen, die achten auf so etwas. Also: ob der Student vielleicht vorher etwas genommen hat …

Betablocker zum Beispiel nehmen manche wegen der Angstlösenden Wirkung. Nur … das kann auch ein bisschen zuviel des Guten sein. Dann ist nicht nur die Prüfungsangst weg, sondern gelegentlich auch der Respekt vor den Dozenten … oder das Bewusstsein, dass das jetzt eine Prüfung ist, und man sich entsprechend verhalten sollte. Also … auch Antworten auf die gestellten Fragen gibt, zum Beispiel … und sich nicht nur freundlich lächelnd über dies und das unterhält.

Nach einer Prüfung kam einmal der eine Prüfer zu uns wartenden heraus und fragte uns über die Studentin, die grad dran war aus: „Die hat doch etwas genommen, oder? Die ist so seltsam ruhig, antwortet kaum …“

Wir mussten ihn dann gemeinsam davon abbringen, denn: „Nein, die ist eigentlich immer so.“

Das stimmte auch. Echt.

 

Student der Pharmazie

Ach, das waren noch Zeiten …. bin ich froh, dass die vorbei sind :-)

Das Bild hat was. Als Pharmaziestudent hat man weit weniger Freizeit, als andere Studenten – und wenn man welche hat, tut man gut daran, sie für Lernen einzusetzen, sonst passiert es gelegentlich, dass die Anforderungen (zum Beispiel im Labor) den aktuellen Wissensstand überholen …