Mutter – Sohn -Verhältnis

Eine um die 40 jährige Frau bei mir in der Apotheke: "Mein Sohn ist 16 und er hat eine feste Freundin – und jetzt hat er mir gesagt, er ist bereit für Sex."

Meine Reaktion abwartend …

Ich reagiere … sparsam: "Ja – und?"

Frau: "Ich brauche also Kondome … und dann hätte ich da eine Frage …"

Pharmama: "Hmmm?"

Frau: "Er hatte als Kind eine Krankheit und … es ist nicht sicher, aber es könnte seine Penis-funktion beeinträchtigt haben. Gibt es da etwas, das ich ihm geben könnte als Hilfe?"

Pharmama: "Es ist nicht sicher?"

Frau: "Nein."

Pharmama: "Dann .. würde ich vorschlagen Sie warten ab. Solange man das nicht sicher weiss, dass das ein Problem gibt, würde ich auch nichts machen. Wenn / Falls gibt es Mittel, die der Arzt verschreibt und die wir dann versuchen können."

Und in Gedanken: Ihn da unter Druck zu setzen ist da sicher kontraproduktiv. Man muss auch daran denken, dass viele "Potenz-Probleme" psychische Ursachen haben.

Das Anliegen spricht für ein gutes Mutter-Sohn Verhältnis … und obwohl ich das noch nett finde von der Mutter, sich da Gedanken zu machen und so vorzusorgen … irgendwie wäre mir das etwas zuviel des Guten.

Was meint ihr?

Letzte Vorbereitungen für die Ferien (nicht unsere)

Es ist Freitag abend, 4 Minuten vor Ladenschluss – 4 Minuten vor meinen Ferien, denn am nächsten Tag fliegen wir – da kommt in die Apotheke eine jüngere Frau.

„Ich hätte da eine etwas …perverse Frage“ meint sie

„Na dann mal los!“ sage ich und lächle aufmunternd, während ich sie etwas auf die Seite nehme. Eigentlich unnötig, es ist niemand mehr in der Apotheke.

Frau: „Ich brauche ein Verhütungsmittel, aber keine Kondome. Was gibt es da?“

Also fange ich mal an aufzuzählen und zu erklären: … Pille, Pflaster, Ring, Implantat, Spirale … ferner Diaphragma, Femidom … Für die meisten – die hormonhaltigen – muss sie aber erst mal zum Frauenarzt.

Frau: „Ugh, dafür habe ich keine Zeit …“

Pharmama: „Na, dann gäbe es da noch die Sprechstunde der Frauenklinik vom Spital …“

Frau: „Und die Pille danach?“

Pharmama: „Ja, die bekommen Sie in der Schweiz in der Apotheke …. danach. Ausserdem ist das nicht zur normalenVerhütung gedacht.“

Frau: „Ich brauche jetzt gleich etwas, wir fliegen Morgen in die Ferien.

„Wie schnell wirken denn die Sachen?“

Pharmama: „Nun, die Hormonhaltigen brauchen nach Beginn etwa 7 Tage …“

Frau: „Das dauert alles zu lange!“

Pharmama: „Was spricht denn gegen die Kondome?“

Druckst sie etwas herum: „… mein Freund. Er mag sie nicht.“

… ich schaue sie nur an.

Frau: „Und morgen gehen wir in die Ferien! Hätten Sie mir nicht irgendwas?“

Pharmama: „Ich kann ihnen nicht einfach so irgendeine Pille geben. Das braucht beim ersten Mal eine Abklärung mit dem Frauenarzt … und selbst wenn, bis sie wirkt ….“

Frau: „Nun, ich hatte schon einmal vor Jahren die Pille, aber dann habe ich deswegen so zugenommen, dass ich sie wieder abgesetzt habe. Die will ich nicht mehr.“

….

Ich hatte nichts für sie. Ich versuchte ihr nochmals die Kondome schmackhaft zu machen – das ist wirklich so ziemlich das einzige „Instant“-Verhütungsmittel, inzwischen gibt es auch Latexfreie, falls das ein Problem wäre oder verschiedene Grössen … Sie wollte nicht. Meine „guten Ratschläge“ sonst habe ich für mich behalten. Ich bin sicher, das hätte sie nicht hören wollen:

Sie könnte natürlich ihrem Freund auch sagen, sie können gerne auf Kondome verzichten in den Ferien … wenn er dann später für das Baby aufkommt …

Und ich habe auch nicht gesagt, dass es geschickter gewesen wäre, wenn sie etwas früher einen Gedanken an die Verhütung verschwendet hätte. Jetzt ist es *etwas* spät.

Apropos spät … Zeit zum schliessen.

Ich hoffe, die sehe ich morgen nicht am Flugplatz :-)

(Gute und schlechte) Gründe, warum man die „Pille danach“ braucht

Allerbesten Dank an Nicoretta für diesen Gastbeitrag (oh und wie ich das kenne!)

Ich hätte da vielleicht noch etwas für einen Beitrag zur „Pille danach“. Ich habe letztes Jahr mal was für dich aufgeschrieben aber irgendwie nie losgeschickt:

Dies ist eine – bestimmt nicht vollständige – Liste von Gründen, wieso Kundinnen (und Kunden) in unserer Apotheke bisher die „Pille danach“ verlangt haben:

  • Die junge Frau möchte noch in den Ausgang und holt sie vorsichtshalber jetzt schon einmal, damit sie am nächsten Morgen ausschlafen kann… O-Ton: „Das ist am nächsten Tag immer so umständlich! Und da ich heute schon mal hier bin…“
  • Man holt die „Pille danach“ für eine Freundin… (Ja, klar…!)
  • Man(n) holt die „Pille danach“ für seine Freundin… (Nö, die muss schon selber kommen…)
  • Das Paar hatte ein Kondom benutzt, das aber LEIDER geplatzt ist. Dann bevor es geht, sagt der Freund: „Schau mal, die haben auch Kondome! Komm wir kaufen gleich eine Packung, dann haben wir das nächste Mal wenigstens welche.“ (Nie ärgern, nur wundern!)
  • Das Kondom ist beim Sex abgerutscht; dann kommt aber heraus, dass die Dame zusätzlich auch noch die Pille nimmt und das SEHR, SEHR regelmässig und genau. (Nein, die will wohl echt keine Kinder!)
  • Die Frau mittleren Alters hat schon 3 (fast erwachsene) Kinder und nach Jahrzehnten das erste Mal vergessen die Pille zu nehmen. (Ja, das IST ein guter Grund!)
  • Ein Kondom wurde 24h nach dem Sex in der Scheide gefunden (Wieso merkt man das erst so viel später? – Nein, ich will es gar nicht wissen…) Übrigens war die Dame dann aber erst 3 Tage nach dem spektakulären Fund bei uns; sie dachte allerdings es sei Freitag, obwohl es schon Samstag war… (Egal was Sie nehmen: Nehmen Sie weniger davon!)
  • Die junge Frau ist am Morgen nach dem Ausgang ohne Unterwäsche mit einem Unbekannten im Bett aufgewacht und kann sich an den feuchtfröhlichen Abend nicht mehr erinnern… (Einen HIV-Test würde ich Ihnen da vielleicht auch noch empfehlen…)
  • Man ist erst 16 Jahre alt und hatte in den letzten paar Stunden Sex mit 4 verschiedenen Typen; und die bringt man gleich alle in die Apotheke mit – da die vier Herren den Kaufpreis unter sich aufteilen wollen… (Manchmal bin ich froh, dass ich noch keine Kinder habe!)
  • Die junge Dame hatte vor mehr als 2 Wochen ungeschützten Sex und kommt erst jetzt!
  • Man hat eine Tochter, die sich mit ihrem Freund darauf geeinigt hat, dass er beim ersten Mal ein Kondom benutzt. Nach vollzogenem Akt ist aber kein gebrauchtes Kondom zu sehen… Die Tochter fragt beim Freund nach: „Nein, ich habe dann doch keines benutzt…“ (Netter Kerl! Das Mädchen war 15 und 7/8 und mit seiner Mutter da; die waren beide vielleicht gut gelaunt…)
  • Es kommt billiger 3x im Jahr bei einem One-Night-Stand die Pille danach zu kaufen als das ganze Jahr die Pille zu nehmen. (3 Kondome wären noch günstiger und schützen auch noch vor einer Ansteckung mit HIV etc.)
  • Eine Frau hat den Ehemann betrogen und darf auf keinen Fall schwanger werden! (Ähh ja… Kein Kommentar!)
  • Ein Mann hatte (als ca. 35-jähriger) Sex mit einer Minderjährigen (17), die einen „sehr strengen“ Vater hat und damit er es nicht doch bemerkt, darf sie auf keinen Fall schwanger werden. Er war übrigens ohne die junge Frau da…
  • Die junge Dame hatte in der letzten Nacht ungeschützten Sex. O-Ton: „…und dabei hat es sich noch nicht einmal gelohnt!“ (Ja, der Typ war da und hat es gehört!)
  • Eine sehr junge Frau war mit dem Freund „intim“. Bei genauerem Nachfragen ergibt sich, dass der Freund beim Petting auf den Oberschenkel ejakuliert hatte. (Nachhilfe: Wie ging das mit den Blumen und den Bienen noch…?)
  • Man hatte vor knapp 15 Minuten ungeschützten Sex. (Mann, die waren aber schnell da!)
  • Die Frau hat die Pille immer genommen, in der 7-tägigen Pause ist das Kondom aber geplatzt… (Etwas Aufklärungs-Nachhilfe und eine Beratung ist da wohl eher nötig!?!)
  • Die junge Dame hat ein Rezept für ihren Freund, der an Krücken geht. Sie weiss den Nachnamen des Freundes aber nicht und braucht dann noch die Pille danach…

Wir haben damals in der Apotheke darüber diskutiert, nachdem ich eine Kundin hatte, die eine ganz lustige Begründung hatte, warum sie die Pille danach brauchte… (Das erklärende Bild ist unten.) Und ich habe es dir aufgeschrieben, weil ich dachte, dass das etwas für deinen Blog wäre…

Definitiv!

Und wer noch nicht genug davon hat, findet hier noch mehr Begegnungen um die „Pille danach„.

Die Pille danach für davor

Leser Jörg hat mich auf diesen Artikel im Spiegel aufmerksam gemacht: „Pille danach für davor„.

Es wird ja in unterschiedlichen Ländern auch unterschiedlich gehandhabt, wie man an die „Pille danach“, die Notfallkontrazeption kommen kann.

Während man dafür in Deutschland und in Italien noch zum Arzt muss, um sich ein Rezept dafür ausstellen zu lassen, bekommt man sie in Österreich und der Schweiz ohne Rezept in der Apotheke. In der Schweiz braucht es dafür ein Beratungsgespräch mit der Apothekerin.

In anderen Ländern kommt man sogar noch einfacher an die Pille danach. In Amerika kann man sie ab 17 Jahren über den Ladentisch in der Apotheke kaufen. In Grossbritannien bekommt man die Pille danach sogar in den Drogerien und in Frankreich wird sie nach Bedarf auch an der Schule an Schülerinnen abgegeben.

Eines hatten alle aber gemeinsam: Es war die Abgabe „danach“ … das ist auch bei uns so. Auf Vorrat bekommt man sie nicht – höchstens noch via Frauenarzt. Und jetzt kommt Grossbritanniens British Pregnancy Advisory Service (BPAS) und schickt die Pille nach einem paarminütigem Telefongespräch per Post – mit dem klaren Hintersinn sie zu besorgen, bevor man sie braucht …. damit sie dann nicht so viele ungewollte Schwangerschaften haben nach den Festtagen. Denn … „ungeplanter Sex kommt vor.“

Klar tut es das. Aber … an die Pille danach kommt man in Grossbritannien schon einfach genug (oder?). Ein Schutz gegen Geschlechtskrankheiten (die wieder enorm im Kommen sind) ist es auch nicht. Kondome zu verteilen wäre da in meinen Augen wesentlich sinnvoller. Und Aufklärung. Viel mehr Aufklärung, nicht nur Betreff Verhütung, sondern auch Betreff Geschlechtskrankheiten und was es bedeutet, Kinder zu haben. Grossbritannien hat ein Problem in die Richtung: „In keinem anderen westeuropäischen Land werden so viele Teenager schwanger wie in Großbritannien, in wohl keinem anderen Land der Welt treiben mehr Minderjährige ab. „

Schwieriges Thema. Eure Gedanken dazu?

Geschlechterverwirrung

Ich kontrolliere ein Rezept, das gestern hereingekommen ist und wo wir noch ein paar Packungen bestellen mussten.

Auf dem Rezept: Kliogest – das ist Östrogen, weibliche Hormone.

Etwas irritiert bin ich, dass beim Patient im Computerdossier steht: Anrede „Herr“ und unter Geschlecht „männlich“.

Die Krankenkassenkarte wurde so eingelesen und das stand so drin.

Ich mache eine Bemerkung auf das Rezept, dass man da nachfragt. Vielleicht weiss sie nicht, dass das bei der Kasse falsch drin ist. Das hatten wir nämlich auch schon mal.

Als sie dann kommt, wird mir einiges klarer.

Offensichtlich war das einmal ein Mann. Zumindest äusserlich. Jetzt ist sie aber in der Umwandlungsphase – darum auch die Hormone. Sie sieht gut aus – besser als manche natürliche Frau. Einiges gepflegter auch. Nur … die Stimme verrät sie … und vielleicht ein ganz leichter Bartschatten.

Angesichts dessen verzichte ich auf das Nachfragen – aber am liebsten hätte ich sie an Svenja verwiesen. Die weiss, was sie durchmacht.