Was wird es denn?

Männlicher Kunde in der Apotheke zu anderer Kundin, die ganz offensichtlich schwanger ist:
„Was für ein Sternzeichen wird es denn?“

die Kundin ist baff, fängt sich aber rasch wieder. „Ich glaube … Zwillinge?“

Hat Euch das mal jemand in der Schwangerschaft gefragt? Fragen nach dem Geschlecht des Kindes und wann der Geburtstermin ist, das ist ja üblich, aber …. das Sternzeichen?

Kontraindikationen und Schwangerschaft

Weil wir Apotheker nicht (mehr) dazu kommen alle Rezepte selbst auszuführen, haben wir unseren Helferinnen beigebracht, wenn sie uns das Rezept zur Kontrolle zeigen, noch jeweils ein paar Zusatzinformationen zum Patienten zu sagen: Ob er/sie das Medikament schon einmal hatte, falls ja: wann (das ist zurm schauen wegen Missbrauch), angezeigte Wechselwirkungen und -ganz wichtig: Allergien und ob „sie“ schwanger ist.

So bringt mir die eine Pharmaassistentin letzthin ein Rezept für Androcur. Die Frau hatte es schon mehrmals (eine Repetition auf ein Dauerrezept), keine Wechselwirkungen.
Als die Kundin weg ist, kommt die Pharmaassistentin wieder zu mir und sagt: “Als sie wegging … also, ich bin nicht sicher, ob sie nicht etwa schwanger ist.“
Au, Mist! Das Androcur sind Hormone und in der Schwangerschaft darf man sie nicht nehmen. Gut, sie sollte / könnte es wissen, aber sicher können wir nicht sein.

Das gab ein – eher peinliches – Telefon.
Nun gut, lieber so …

Sie war es dann übrigens nicht. Sorry für die Störung!

Puh.

Plan B hat fehlgeschlagen …

Aus Amerika:
Im Dossier einer Kundin:

Monat 1 – Pille danach (Plan B genannt)
Monat 2 – Pille danach
Monat 3 – Pille danach
Monat 4 – Pille danach
Monat 5 – Pille danach
Monat 6 – Pille danach
Monat 7 – Itinerol und Elevit … (Mittel gegen Schwangerschaftsübelkeit und pränatale Vitamine)

Die Medikamentennamen habe ich angepasst – aber der Effekt bleibt der gleiche. … Die Pille danach ist halt wirklich nur als Notfallverhütung gedacht … unter anderem auch, weil die Wirksamkeit schlechter ist als die einer normalen Pille.
Bei der normalen Pille haben wir einen Pearl index von 0.2 bis 0.5, (der Pearl index gibt an, wieviel von 100 Frauen, die diese Verhütungsmethode ein Jahr lang verwenden schwanger werden) – eigentlich wäre er praktisch 0, aber Einnahmefehler und Wirkverlust bei Durchfall etc. erhöhen den Wert etwas.
Bei der Pille danach haben wir eine Wirksamkeit, die mit der Zeit, die zwischen ungeschütztem Geschlechtsverkehr und Einnahme vergeht, abnimmt: ca. 95% Wirksamkeit innerhalb von 24 Stunden, ca. 85% innerhalb von 24–48 Stunden, ca. 58% bei Anwendung innerhalb von 48 bis 72 Stunden – nach dieser Zeit wird die Anwendung nicht mehr empfohlen. Einen offiziellen Pearl index gibt es nicht – weil sie ja nicht regelmässig angewendet werden soll. Auf einer Seite habe ich ihn als zwischen 1-5 liegend angegeben gefunden – persönlich denke ich, er könnte höher liegen.

Da wundert es einen nicht, wenn halt bei solchen „Daueranwendern“ mal eine Schwangerschaft auftritt …

Hier kann man mehr Erfahrungen mit der Pille danach lesen

Lassen Sie mich das wiederholen (8)

Sie wollen also für ihre schwangere Tochter, die nicht hier ist, ein Antibiotikum haben, weil der Zahnarzt findet, sie sollte eins nehmen. Der Zahnarzt – dem ich telefoniert habe – will aber selbst keines verordnen ohne zuvor mit dem Frauenarzt gesprochen zu haben – der ist aber schon im Wochenende. Und jetzt wollen sie, dass ich ihnen grad jetzt ‚einfach ein’ Antibiotikum abgebe. Ausserdem scheinen sie zu denken, dass mich anzuschreien die Sache beschleunigt.

Okeee….

Sorry, nein. Gehen sie mit ihrer Tochter ins Spital, da hat es eine Frauenärztliche Notfallabteilung.

Frage des Tages (2)

Kundin: „Womit kann ich Früchte und Gemüse desinfizieren?“

Pharmama: „Warum wollen sie das denn?“

Kundin: „Ich bin Schwanger und meine Schwester in Italien hat gesagt ich muss das.“

Pharmama: „Ah, wegen der Toxoplasmose?

Es stimmt, man muss rohes oder nicht durchgekochtes Fleisch (Tartar, Schinken, Salami, blutige Steaks) meiden, die Hände waschen nach der Gartenarbeit und aufpassen mit rohem Gemüse und Salat – da die Erreger via Erde und Katzenkot darauf übertragen werden können. Aber: Waschen mit Wasser – und eventuell einer Spur Abwaschmittel – reicht absolut aus. Das braucht keine zusätzliche Desinfektion. Geschältes und gekochtes ist auch sicher.

Interessanterweise war ich selbst auch Toxoplasmose-negativ. 3 Katzen waren offenbar nicht genug, mich anzustecken…. Inzwischen muss man in der Schweiz übrigens nicht mehr routinemässig nach Toxoplasmose testen in der Schwangerschaft. Viel wichtiger als zu wissen, ob man jetzt Antikörper hat oder nicht, ist wirklich aufzupassen.

P.S.: gute Seite zu praktisch allen Fragen in der Schwangerschaft: www.swissmom.ch

Frage des Tages

Auch ich lerne nie aus und manchmal muss ich Kundenfragen erst nachgehen, bevor ich sie mit Sicherheit beantworten kann. Ich werde in Zukunft ein paar von diesen bringen.

hier ist die von heute:

Wenn man die Pille danach (mehrmals) nimmt – hat das dann einen Einfluss später auf die Wahrscheinlichkeit, dass man schwanger wird?“

V.a. ob es dann länger dauert oder weniger Wahrscheinlich ist.

Antwort: Nein. Die Pille danach hat nur gerade für das Mal wo sie genommen wird einen Einfluss – sie beinflusst nicht einmal den laufenden Zyklus, d.h. wenn man sie wegen ungeschütztem Geschlechtsverkehr einmal nimmt und dann in den folgenden Tagen wieder Sex hat, schützt sie schon nicht mehr. Auch mehrmals genommen hat sie keinen Einfluss auf die spätere Fruchtbarkeit – das haben die üblichen Pillen übrigens auch nicht. Man wird also nicht weniger schnell schwanger als wenn man sie nie genommen hat.

Trotzdem sollte der Einsatz auf den Notfall beschränkt bleiben, weil es hormonell eine rechte Belastung für den Körper bedeutet.

Übrigens: Was sie offenbar erhöht ist das Risiko einer Eileiterschwangerschaft falls man nach Einnahme von Norlevo doch schwanger wird – sie ist ja kein 100% Schutz.