Euthyrox für Frankreich – oder: never change a running system

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Seit ein paar Monaten bekommen wir auch hier in der Schweiz vermehrt Rezepte aus Frankreich über Euthyrox.

euthyroxfrance
Zuerst war ich ja etwas irritiert … ganz offensichtlich gibt es das Medikament dort auch, weshalb also sollen sie zu uns das kaufen kommen? Vor allem, da es wohl in der Schweiz etwas teurer sein dürfte als in Frankreich.

Des Rätsels Lösung findet sich im Internet – und eine betroffene Patientin hat mich sogar per mail auf dem Blog informiert.

In Frankreich wurde die Zusammensetzung von Levothyrox (Euthyrox) geändert. Man wollte den Wirkstoff (Levothyroxin) stabiler und länger haltbar machen und hat dabei den Hilfsstoff Lactose (der ja auch immer unbeliebter wird wegen der Lactoseintoleranz gewisser Patienten) durch Zitronensäure und Mannitol ersetzt. Kein Ding sollte man denken – es wurden auch Bioverfügbarkeitsstudien durchgeführt, damit die neuen Tabletten gleich aufgenommen werden, denn gerade das ist bei Schilddrüsenmedikamenten oft das Problem: wegen unterschiedlicher Aufnahme sind sie nicht beliebig untereinander austauschbar und ein Wechsel des Medikamentes kommt häufig einer Neueinstellung gleich.

Die Ärzte wurden über die Änderung kurz informiert, die Öffentlichkeit aber nicht – die Packung und die Tabletten sahen weiterhin gleich aus und es sollte ja auch gleich wirken.

Jetzt reklamierten aber tausende Patienten nach dem Austausch durch das neue Euthyrox über Nebenwirkungen die sie vorher nicht hatten: mehr Müdigkeit, Schwindel, Krämpfe und Gedächtnisstörungen. Symptome die auch Schilddrüsenfunktionsstörungen machen – Anscheinend ist das doch nicht „das gleiche“. Selbst eine Petition wurde gestartet um das „alte“ Euthyrox zurückzubringen – innert kürzester Zeit kamen über 200’000 Unterschriften zustande.
Bis die Firma reagiert hat, gingen die Patienten aus Frankreich ins nahe Deutschland … oder eben die Schweiz, wo es das Euthyrox in der ursprünglichen Formulierung noch gibt.

Inzwischen wird für einen Teil der Patienten das Euthyrox aus Deutschland importiert, aber nicht für alle – ein Teil muss sich das immer noch selber besorgen. Das ist der Grund, weshalb ich auch hier in der Schweiz Levothyrox-Rezepte sehe.

Anscheinend hat die Firma inzwischen eingelenkt die Tabletten in der alten Formulierung wieder auf den Markt zu bringen. Ein Wechsel zu einem anderen Schilddrüsenmedikament wäre in Frankreich übrigens nicht so einfach: Merck ist der einzige Anbieter dafür.

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Auf dem Gewissen

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Das alte Frauchen (nicht abwertend gemeint, die war echt herzig) zeigt mir ihren Hals, an dem sich offenbar ein Kropf bildet. Jodmangel – wahrscheinlich, eventuell aber auch etwas anderes.

Pharmama: „Ich denke, das ist die Schilddrüse. Vielleicht ein Kropf wegen Jodmangel, aber Sie sollten damit zum Arzt gehen, damit der sich das genau ansieht.“

Altes Frauchen: „Das will ich nicht. Geben Sie mir halt etwas mit Jod drin, wenn ich einen Mangel habe.“

Pharmama: „Es könnte auch etwas anderes sein. Von einer einfachen Entzündung bis zum Geschwür. Also, ich möchte, dass Sie mit diesem Problem zu einem Arzt gehen.“

Altes Frauchen: „Ich bin nicht mehr zu einem Arzt gegangen, seit mein Mann vor 10 Jahren von einem Arzt so mies behandelt wurde, dass der wahrscheinlich meinen Mann auf dem Gewissen hat“.

Pharmama: „Das tut mir leid zu hören … Aber trotz ihrer schlechten Erfahrung: damit brauchen Sie einen Arzt. Suchen Sie einen neuen und gehen Sie zu ihm. Ich helfe Ihnen auch dabei, denn ich … möchte nicht Sie auf dem Gewissen haben.“

Da draussen gibt es sicher das eine oder andere schwarze Schaf unter den Ärzten. Letztlich sind das auch nur Menschen. Aber: da draussen gibt es auch ganz wunderbare Ärzte, die sich wirklich kümmern. Man sollte nach einer schlechten Erfahrung nicht einfach alle aufgeben. Manchmal muss man auch im Hinterkopf behalten: der Arzt kann noch so gut sein. Manchmal ist die Infektion oder der Krebs oder was es ist einfach nicht zu bekämpfen. Manchmal lässt sich nichts mehr machen. Manchmal ist es wirklich so, dass es wichtig ist früh genug zu reagieren, wenn man etwas hat.

Auch darum schicke ich die Leute zum Arzt.

Und vielleicht ist das gar nicht schlecht, auch wenn es nichts sein sollte – dann hat sie doch wieder jemanden, falls mal akut etwas sein sollte. Auch ich hab‘ einen Hausarzt. Der sieht mich zwar so alle 5 Jahre Mal, aber: ich habe einen Hausarzt 🙂