Kann ich das dem Arzt verrechnen?

Die Kundin hat auf dem Rezept Prodafem 2.5 mg aufgeschrieben bekommen. Da wir es nicht an Lager haben -die Dosis brauchen wir eher selten- bestellen wir es für sie. Sie holt es ab … und kommt am nächsten Tag wieder zurück.

Das Problem: die Tabletten sehen anders aus als die welche sie vorher hatte. Sie hat jetzt aber natürlich die Packung angebrochen.

Ich schaue in ihrem Dossier nach. Sie hatte immer die 10 mg Tabletten. Ich suche das Rezept heraus – da steht deutlich 2.5 mg drauf. Ich frage sie, ob sie etwas von einer Dosisänderung weiss – das tut sie nicht.
Ein Telefon beim Arzt bestätigt dann meinen Verdacht: die Praxisassistentin hat sich verschrieben – und der Arzt hat bei der Unterschrift nix gemerkt.

Und ich darf ihr das Medikament jetzt ersetzen. Ihre Normaldosierung habe ich sogar an Lager, so dass sie wenigstens gleich richtig weitermachen kann.
Nur wer bezahlt nun den Arztfehler?
Weil aber von uns auch versäumt wurde, bei ihr ihre normale Dosierung nachzuschauen – und nachzufragen, beschliesse ich dass wir diesmal den Verlust tragen.
Trotzdem nervig.

Isotretinoin und „off label use“

Liebe Ärzte,
Das Aknemittel Isotretinoin wie in Roaccutan und seinen Generika (Tretinac, Curakne, Liderm und Isotretinoin Mepha) war noch nie ein einfaches Medikament. Bei der Verordnung müssen verschiedene Dinge beachtet werden –die wichtigsten: keine Vorgeschichte mit Depressionen, weil das Medikament selbst welche machen kann – engmachige Kontrolle wegen möglicher Hautprobleme und falls es für eine Frau ist muss eine Schwangerschaft vor und während der Behandlung unbedingt ausgeschlossen werden, da der Wirkstoff teratogen ist, also Missbildungen macht. Inzwischen wurde man noch vorsichtiger und Frauen soll nicht mehr als der Bedarf für einen (1!) Monat verordnet werden. Das bedeutet: Keine 100er Packungen und keine Dauerrezepte mehr dafür.

Im Kompendium steht:

Verschreibungs- und Abgabeeinschränkungen
Verschreibungen für Roaccutan müssen für Frauen im gebärfähigen Alter auf einen Behandlungszeitraum von 30 Tagen limitiert sein, und eine Fortsetzung der Therapie erfordert eine erneute Verschreibung. Idealerweise sollten der Schwangerschaftstest, die Ausstellung des Rezeptes und die Abgabe von Roaccutan am selben Tag erfolgen. Die Abgabe von Roaccutan muss innerhalb von maximal 7 Tagen nach der Ausstellung des Rezeptes erfolgen.

Ja, tut mir auch leid. Wenn ich ihnen also telefoniere, nachdem sie – wieder einmal – ein Rezept über 3 Monate ausgestellt haben, werden sie nicht aggressiv und sagen „Das weiss ich. Es gibt aber Apotheken, die das trotzdem abgeben, ohne jedes Mal anzurufen.“
Mag sein. Aber dazu gehören wir nicht.

Ich darf an der Stelle über die Vorschriften betreffend „Off label use“ von Medikamenten aufklären.

Unter Off-Label-Use versteht man die Verordnung eines zugelassenen Fertigarzneimittels außerhalb des in der Zulassung beantragten und von den nationalen oder europäischen Zulassungsbehörden genehmigten Gebrauchs, beispielsweise hinsichtlich der Anwendungsgebiete (Indikationen), der Dosierung oder der Behandlungsdauer.

Sie als Arzt dürfen tatsächlich trotz den Vorschriften auch für Frauen grosse Packungen aufschreiben. Da das aber nicht den Vorgaben entspricht, ist es definitionsgemäss eine off label use.
– Darüber müssen sie als Arzt die Patientin aufklären.
– Ausserdem müssen sie ihr sagen, dass sie als Arzt dementsprechend die volle Verantwortung übernehmen, wenn bei dieser Art Anwendung etwas schief geht.
– Plus sie müssen die Patientin darüber aufmerksam machen, dass die Krankenkasse das nicht übernehmen muss – das ist übrigens das, was bei den Patienten in der Apotheke am meisten zieht: da gehen sie lieber zur Kontrolle und holen sich ein neues Rezept.

Und unsere Verantwortung in der Apotheke ist, wenn wir eine „off-label“ Anwendung sehen, beim Arzt anzurufen, ob das ok ist und er den Patienten aufgeklärt hat. Das wird bei uns dann auch festgehalten. Sicher ist sicher.

P.S. obiges stimmt genauso für die ungewöhnlich hohen Dosierungen von Antibiotika, die in Krankenhäusern in letzter Zeit immer mehr verschrieben werden. Wenn das mehr ist als in der Packungsbeilage vorgegeben, braucht es einen Rückruf beim Arzt wegen „off label use“.
Wenn das wirklich gewollt ist, könnte man als Arzt auch, um das Ganze etwas abzukürzen ein „sic!“ hinter die Dosierung schreiben. Dann wissen wir, dass das gewollt ist.

Kein Weg zurück!

Telefonanruf in einer wirklich hektischen Periode.

Mann: „Hallo, ich versuche schon eine ganze Weile durchzukommen, was ist los?“
Apothekerin: „Ja, es war ziemlich hektisch hier und wir hatten viel zu tun. Wie kann ich ihnen helfen?“
Mann: „Ich habe heute ein Medikament bei ihnen abgeholt, es heisst Perindopril.“
Apothekerin: „Ok?“
Mann: „Ich weiss nicht, was das ist, ich hatte bisher Coversum.“
Apothekerin: „Ah, das ist das Generikum. Es hat aber denselben Wirkstoff in derselben Dosierung, das sollte also in Ordnung sein. Wenn sie ein Problem damit haben, rufen sie vielleicht den Arzt an, der neu das Generikum aufgeschrieben hat.“
Mann: „Sind sie sicher, dass es dasselbe ist?“

Apothekerin: „Ja, bin ich.“
Mann: „Sind sie Apothekerin?“
Apothekerin: „Ja.“
Mann: Ich schreibe jetzt Coversum auf die Packung!“
Apothekerin: „Ja, machen sie das.“
Mann: „Ich schreibe jetzt! Keine Möglichkeit das rückgängig zu machen!“
Apothekerin: „Ok, fahren sie fort.“
Mann: „Fast fertig!“
Apothekerin: „Ok …“
Mann: „Also. Fertig!“
Apothekerin: „Gut gemacht! Ich wünsche noch einen schönen Abend!“

Warum haben sie mich nicht benachrichtigt?

Kunde in der Apotheke: „Waaaas? Mein Dauerrezept ist abgelaufen? Warum haben sie mich nicht benachrichtigt?“

Pharmama: „Benachrichtigt?“

Kunde: „Ja, sie könnten ja allen Kunden deren Dauerrezepte nächstens ablaufen telefonieren, um sie darauf hinzuweisen.“

Äh, nein, das kann ich nicht. Erstens bräuchte ich dann eine zusätzliche Angestellte, die den ganzen Tag nur am Telefon sitzt und versucht die Leute zu erreichen, – von denen Zweitens eine Menge nicht gestört werden wollen.

Andererseits … das wäre doch eine Dienstleistung. Sie geben mir ihre email-Adresse und ich schicke ihnen ein mail, dass das Rezept nächstens abläuft. Da gibt es sicher ein Programm, wo man das eingeben kann.

Wer kann das lesen?

Das ist ein Originalrezept, das wir letzthin in der Apotheke bekommen haben.

Die Qualität des Fotos ist nicht überwältigend, aber das Rezept selbst war auch im Original nicht besser zu lesen.

Wer entziffert, was da drauf steht?

Tip 1: Es ist für ein Kind, Tip 2: Es hat eine ziemliche Erkältung.

Die Medikamente gibt es glaube ich mit dem gleichen Namen auch in Deutschland und Österreich.

Auflösung morgen abend.

Das harte Leben eines Rezeptes

„Was ist denn da passiert?“ denke ich, als die Pharmaassistentin mir ein Rezept reicht. Es ist teilweise zerrissen und fast am zerfallen. Ok, vielleicht nicht das, aber ein paar Teile fehlten schon. Zumindest ist die wichtige Info noch drauf, so dass ich es ausführen kann..

Aber manchmal fragt man sich schon, was mit diesen kleinen Papierblättern passiert zwischen dem Zeitpunkt, wo der Patient es vom Arzt bekommt und dem Moment, wo es in der Apotheke überreicht wird. Manche sind in fast unglaublichem Zustand. Man könnte denken, dass in den paar Stunden (oder Tagen) nicht so viel passieren sollte, aber … Rezepte scheinen ein hartes Leben zu haben.

Ich hatte schon Rezepte die voller Blut waren, solche, die die Waschmaschine knapp überlebten, solche die so nass waren, dass wir sie auf ein anderes Blatt legen mussten zum trocknen – sonst wäre es uns in der Hand zerfallen. Ich habe Rezepte gesehen mit Buntstiftzeichnungen drauf – offensichtlich hatte da ein Kind gleichzeitig Zugriff auf Rezept und eine Schachtel Farbstifte … und ich hatte Rezepte die rochen wie eine ganze Küche. Eines war angeblich in die Fritteuse gefallen – da konnte man durchschauen, so fett war das, aber noch nicht knusprig.Ich hatte auch schon eines das angebrannt war …

Ja, man könnte wohl eine Realityshow draus machen: das Leben eines Rezeptes. Da draussen sind ein paar gute Geschichten, was mit ihnen passiert ist!

Also: wenn Du als Patient beim Arzt ein Rezept bekommst, bring es an einem sicheren Platz unter. Dinge scheinen diesen kleinen Blättern einfach zu passieren. Und es macht unsere Arbeit in der Apotheke nicht gerade einfacher, wenn wir nicht nur das Geschreibsel des Arztes entziffern sondern es erst noch zusammenpuzzeln müssen …