Genaue Dosierungsangaben

Dosierungen sind wichtig. Vor allem, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, wie man ein Medikament anwenden kann – aber eigentlich auch sonst. Ich finde es noch gut, wenn man als Patient nicht die gesamte Packungsbeilage durcharbeiten muss um herauszufinden, wie das jetzt geht.

Gut – manche Sachen haben gar keine Packungsbeilage. Zum Beispiel diese pflanzlichen Urtinkturen von Ceres:

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Das mit dem in die andere Hand schlagen finde ich jetzt etwas esoterisch, aber manchmal können auch solche Sachen helfen, die Anwendung durch den Patienten zu verbessern. Er hilft sozusagen mehr mit.

Anderes finde ich fast etwas übertrieben, wie die Anweisung auf dem Rezept hier. (Tut mir leid die schlechte Kopie – ich war etwas in Eile.) Es ist ein Mittel zum auftupfen bei Warzen. Das ist Säure – ziemlich klar, dass man da vorsichtig sein muss. Allerdings finde ich das hier …

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… ein bisschen Overkill.

Da steht drauf:

1. Zuerst die gesunde Haut um die Warze herum mit einer dünnen Schicht Vaseline oder Fettcreme bestreichen um sie vor der ätzenden Wirkung des Acetocaustins zu schützen.

2. Danach ein wenig Acetocaustin mit der Spatelspitze auf die Warze tupfen. Ein ein- bis zweimaliges Betupfen genügt. Insgesamt dürfen nicht mehr als 3 Spatelspitzen Acetocaustin pro Behandlung aus dem Fläschchen entnommen und aufgetragen werden. Bei grösseren Warzen kann die Behandlung nach einer Woche wiederholt werden.

3. Nach dem Betupfen d.h. nach dem Eintrocknen von Acetocaustin ein Pflaster (Wundschnellverband) aufkleben.

4. Nach dem Gebrauch Flasche wieder fest zudrehen. Hautkontakt mit dem Gewinde vermeiden.

5. Einen Tag vor der beabsichtigten Warzenentfernung (ca. nach 4-6 Tagen) das Pflaster durch einen Streifen eines textilen Heftpflasters (ohne Wundkissen) ersetzen. So kann am nächsten Tag dieser mitsamt der Warte entfernt werden.

6. Warzen an den Händen erfordern in der Regel eine zwei- bis dreimalige, Warzen an den Füssen eine drei- bis viermalige Behandlung. Die Wiederholung des Vorgangs sollte nach jeweils einer Woche erfolgen.

Arbeiten nur mit Handschuhen!

Ich weiss schon, woher das kommt. Es gibt unvorsichtige Leute – und man hatte mit diesen Mitteln Probleme, wenn sie verschüttet wurden und auf gesunde Haut kamen – man kann sich die Verätzungen vorstellen.

Aber … wie soll ich das auf die Etikette bekommen?

unleserliches Rezept – zum üben

Im Post „bester Anruf an den Arzt“ vom letzten Mittwoch hat turtle of doom nach dem unleserlichen Rezept gefragt.

Von dem betreffenden habe ich keine Aufnahme gemacht, aber … hier ist ein anderes für die, die sich mal dran versuchen möchten. Arzt und Patientenname wurde unleserlich gemacht.

Tipp: es ist ein Augenarzt, der das Rezept ausgestellt hat

Tipp2: es gibt die Medikamente nicht nur in der Schweiz – sie sind mit denselben Namen auch in Deutschland und Österreich erhältlich, aber auch nur auf Rezept.

 

Wer traut sich?

Wer noch nicht genug hat, kann sich noch an denen hier versuchen: unleserliche-rezepte-und-die-folgen

Bester Anruf an den Arzt bisher …

Ein Patient gibt mir ein Rezept ab, das so etwas von unleserlich ist, dass ich wohl nicht einmal den Patienten herausgefunden hätte, wenn er nicht selber da gewesen wäre und ich ihn fragen konnte.

Der Patient weiss in etwa, für was das Medikament auf dem Rezept ist, aber nicht den Namen.

Ich rufe in die Praxis an.

Die Praxisassistentin erklärt mir, dass der Arzt gerade in einer Sitzung ist. Sie will aber nachschauen.

Blöd nur, wenn im Dossier nichts steht – der Arzt hat das Dossier des Patienten (noch?) nicht überholt – und die Praxisassistentin kann ihn nicht fragen, weil er nicht da ist.

Lustig ist, wenn sie das Telefon nicht in Pausenmodus gestellt hat und ich sie- während sie sucht und sucht- murmeln höre: „Ich bring ihn um !…Na, der hört noch etwas von mir! …“

War wohl nicht das erste Mal?

Es gibt keinen Grund auf mich ärgerlich zu werden.

Lieber Kunde. Kein Grund auf mich ärgerlich zu werden, nur weil ich Ihnen nicht einfach ein anderes Antibiotikum als das, was der Arzt auf Rezept geschrieben hat, abgeben kann.

Ich frage Sie dafür auch nicht, warum sie jetzt am Samstag mittag bei mir damit in der Apotheke stehen, wenn das Rezept schon vorgestern ausgestellt wurde.

Oder warum das ein Rezept aus Frankreich ist – und zwar nicht von einer Notfallstation oder so – sie sind offensichtlich (dem Dialekt nach) Schweizer -und jetzt auch in der Schweiz.

Oder warum der Arzt ausgerechnet ein Mittel aufgeschrieben hat, das es in der Schweiz seit Jahren nicht mehr gibt. Nicht einmal mehr den Inhaltsstoff.

Nein, ich kann das Ihnen nicht einfach durch „irgendein anderes“ ersetzen.

Das tut mir auch leid.

Was Sie jetzt machen sollen?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Zum Beispiel den ausstellenden Arzt anrufen, wegen einem Ersatz – das kann er uns auch faxen … falls er am Samstag erreichbar ist.

Das Medikament in Frankreich kaufen gehen – wenn er es aufschreibt scheint es das dort noch zu geben. Ist aber vielleicht ein bisschen zu weit für jetzt.

In der Schweiz zu einem Arzt gehen und einen geeigneten Ersatz aufschreiben lassen – wir haben auch ein paar „Walk-in-Kliniken“ in der Nähe.

Ja, ich weiss, das ist alles mit Aufwand für Sie verbunden. Und es ist Samstag. Und das kostet sicher etwas – ja, leider.

Aber vielleicht ist es auch nicht so dringend? Immerhin scheint es (*Blick aufs Rezept*) vorgestern und gestern noch nicht dringend gewesen zu sein … wieso heute auf einmal?

Hoppla, jetzt habe ich es doch erwähnt.

Er stürmt raus.

Schönes Wochenende!

:-(

Ja, das ist auch für mich unbefriedigend. Ich helfe gerne – wenn ich kann. Ein Antibiotikum aber einfach durch ein irgendein anderes auszutauschen liegt nicht in meinem Verantwortungsbereich – immerhin kenne ich die Diagnose nicht.

Preisdiskussionen – oder: ist meine Arbeit gar nichts wert?

Ich mag Diskussionen nach der Abgabe von Medikamenten auf Rezept über die Preise der Medikamente und die LOA gar nicht. Ich mache die Preise nicht, das sind hauptsächlich die Hersteller und bei den Sachen, die von der Grundversicherung übernommen werden – da hat der Gesetzgeber seine Hand drin, was die Preise angeht.

Für unsere Arbeit haben wir die Pauschalen, die zwischen den Krankenkassen und den Apotheken aushandelt wurden: den Vertrag nennt man von der LOA – Leistungs-Orientierten-Abgabe. Diese Pauschalen sind nicht wirklich hoch. Beide Pauschalen zusammen etwa CHF 7.30. Tatsächlich sind sie niedrig genug, dass etwa jede 4. Apotheke in der Schweiz sehr zu kämpfen hat. Dazu kommt noch, dass sie Nur für rezeptpflichtige Medikamente gelten, die von der Grundversicherung übernommen werden. Mehr über sparen an der Apotheke hier.

Trotzdem hatte ich wieder einen Kunden, der fand, er brauche für seine Medikamente keine „Beratungstaxe“ zu zahlen –schliesslich schaut der Arzt ja welche Medikamente er bekommt und erklärt ihm das. Also will er, dass wir ihm gar keine „Taxen“ verrechnen, ansonsten gehe er halt seine Medikamente via Internet besorgen.

Au ja. Das sind keine „Taxen“, das hat nichts mit Steuern zu tun. Das ist auch bei weitem nicht nur für eine „Beratung“. Das ist für unsere Ganze Arbeit, angefangen vom Medikament bestellen, an Lager halten, Patienten- Dossier führen, Interaktionen abklären, Nachfragen beim Arzt, Nebenwirkungen festhalten, mit Generika austauschen, Dosierungen kontrollieren, Medikamente und Anwendung erklären, Hauslieferungen, mit der Krankenkasse abrechnen und so weiter und so fort.

„Aber“ (sage ich ihm nach der Erklärung) „… ich könnte ihnen anbieten, auf eine der beiden Pauschalen (die für 3 Franken) zu verzichten, wenn Sie bereit sind, dafür die Medikamente gleich zu bezahlen und die Rezepte selbst der Krankenkasse zum Zahlen einzuschicken. Dann habe ich auch weniger Arbeit damit. Auf die ganzen Pauschalen kann ich nicht verzichten, denn DAS IST MEIN LOHN! Die Abgeltung für meine Arbeit! Arbeiten Sie etwa gratis??“

Ach, Sie sind pensioniert.

Ja, es tut mir leid, wenn Sie das nicht verstehen können.

In dem Fall gehen Sie von jetzt an ihre Medikamente im Internet bestellen. Das ist sicher auch viel weniger Arbeit für sie.

Danke dass Sie hier waren.

(Sehe ich den wieder?)