Vitamin B gegen Mückenstiche

Passend zur Sommerzeit. Pharmama zu einem Kunden letztens:

„Nein, wenn Sie mich fragen – ich kann ihnen das Vitamin B gegen Mückenstiche nicht empfehlen. Natürlich dürfen sie das gerne kaufen – schaden tut es ihnen nicht, nur … nutzen auch nicht.“

Es erstaunt mich, dass es immer noch Leute gibt, die Vitamin B1 (oder auch die anderen B-Vitamine) gegen Mückenstiche empfehlen. Die Theorie ist ja noch nett: es soll machen, dass wir nicht mehr so toll riechen für die Blutsauger. Das Problem ist nur, dass das nie bewiesen wurde – im Gegenteil – die meisten ernsthaften Untersuchungen zeigen überhaupt keinen Effekt.

Erstaunlicher finde ich darum, dass es Empfehlungen / Tipps geben soll, die von Vitamin B1 Spritzen in die Haut reden – speziell in die Gesichtshaut unter der Nase und hinter den Ohren  –  als Depotwirkung. Und dass damit die Kinder nicht so zerstochen werden. „Mückenimpfung“ nennen das dann manche.

Ehrlich? Mückenstiche sind schlimmer als Spritzen alle paar Wochen???

Mücke beim Aussaugen
Image by Necromundo via Flickr

 

Was hilft gegen Mücken:

  • Repellentien verwenden: mit DEET, Bayrepel (Icaridin), und EBAAP, ev. auch mit ätherischen Ölen wie Zitronellöl oder Zitroneneukalyptus  (dann aber Achtung wegen Allergien und die machen die Haut sonnenempfindlich) – bei Kindern: nicht im Gesicht und an den Händen. Ev. auch nur auf die Kleidung sprühen.
  • vor allem in der Dämmerung – wenn die meisten Mücken stechen – lange, leichte (helle) Kleidung tragen.
  • Apropos Kleidung: die kann man vorher schon imprägnieren mit Insektenabwehrmittel – dafür eignet sich z.B. der Mottenspray von Gesal – das hält dann auch bis zu ein paar Wochen – oder bis man sie wäscht.
  • Für draussen gibt es so Räucherdinger zum aufstellen, für drinnen Stecker für die Steckdose.
  • … und am besten ist es, wenn man einen Freund oder Familienmitglied hat, das als Mückenmagnet funktioniert und alle Stiche abbekommt. Sorry Kuschelbär – aber … ich bin dankbar.

Ah, ja.

Zum Patienten, der neu ein Schlafmittel verschrieben bekommen hat:

Pharmama: „Wissen Sie, wie sie es anwenden müssen?“

Patient: „Ja, die sind damit ich nicht träume. Meine Träume erschrecken den Psychiater.“

(also … *das* finde ich jetzt wieder etwas erschreckend.)

Recherche

Eine Kundin älteren Datums kommt in die Apotheke und streckt mir einen Prospekt hin: „Regelmässige Gewichts-Abnahme mit Diät und Teronac“ steht da auf dem etwas abgegriffenen Papier drauf.

Kundin: „Der Arzt hat gesagt, mein Mann muss abnehmen – hätten sie mir das?“ – zeigt auf den Prospekt.

Pharmama denkt: „Teronac? Noch nie gehört.“ … Auf dem Prospekt steht, dass das von der Firma Wander ist – und die gibt es ja in der Schweiz, das Modifast ist auch von ihnen.

Eine Suche im Datenstamm des Computers bringt keinerlei Treffer.

Aber: Es gibt ja noch das Internet.

Die Suche nach „teronac wander“ bringt mir dann auch als eines der ersten Treffer den Prospekt – als Buch in einem Antiquariat!

Oy.

Weitere Suche zeigt dann, das das Teronac ein Appetitzügler in der Schweiz gewesen sein muss – von wann ist mir allerdings immer noch nicht klar.

Richtige Appetitzügler gibt es inzwischen in der Schweiz gar keine mehr im Handel … was nicht gross verwundert. Die Dinger wirkten hauptsächlich dadurch, dass sie einen auf chemischem Weg sozusagen „nervös“ machten. Es waren Amphetamine oder andere Psychostimulantien, die zentral anregend wirken. Sie steigern Angst und Spannung. Die meisten Leute reagieren darauf so, dass das Essen zweitrangig wird. Als Nebenwirkung hat man dann aber auch Blutdruck- und Pulsanstieg, motorische Unruhe, Schlafprobleme, Herzprobleme … und dazu kommt ein starkes Suchtpotential, was dann wohl der Grund erst für die Rezeptpflicht und schliesslich für die Marktentnahme der Mittel war.

Dementsprechend musste ich die Kundin enttäuschen. Derartiges – auch ähnliches – gibt es nicht mehr. Selbst die neueren Präparate wie das Acomplia und das Reductil (beide waren auch rezeptpflichtig) mussten wegen ähnlicher Probleme vom Markt genommen werden. Das Nutzen – Risiko-Verhältnis war schlecht, wie man heute sagt.

Die Frau wird es bei ihrem Mann klassisch mit der Ernährungsumstellung und mehr Bewegung versuchen müssen. – medikamentöse Hilfe wäre vielleicht noch das Alli, aber dafür muss der Mann selbst kommen, ansonsten kann ich das auch nicht abgeben.

bei mir bleibt allerdings die Frage zurück: Woher hatte sie die Broschüre?  Das Ding muss mindestens 10 Jahre alt sein, wenn nicht viel mehr. Hat sie das auf dem Estrich gefunden? In der Hinterlassenschaft der Eltern? Vom Arzt???

Fassadenbehandlung

Gefunden auf jeder-Fehler-zählt, wo Ärzte (anonym) Fehler melden können – damit auch andere davon lernen können. Fall 605 stammt (ausnahmsweise) aus einer Apotheke und ist mal nicht so ernst:

Was ist passiert?
Ein Patient hat eine Rezeptur verordnet bekommen. Es war ein Warzenmittel. Der Allgemeinarzt war möglicherweise so gestresst, dass er als Signatur schrieb:

D.: Zum Betupfen der Apotheke

Wir haben uns amüsiert.

Was war das Ergebnis?
Wir haben natürlich das Betupfen zum Schutze des alten Gebäudes an den Patienten weitergegeben.

Mögliche Gründe
Gefahr bestand eher für das alte Gebäude als für den Patienten.

Wie hätte man das Ereignis verhindern können?
Ja, bei weniger Stress in der Praxis durchaus.

Was wird es denn?

Männlicher Kunde in der Apotheke zu anderer Kundin, die ganz offensichtlich schwanger ist:
„Was für ein Sternzeichen wird es denn?“

die Kundin ist baff, fängt sich aber rasch wieder. „Ich glaube … Zwillinge?“

Hat Euch das mal jemand in der Schwangerschaft gefragt? Fragen nach dem Geschlecht des Kindes und wann der Geburtstermin ist, das ist ja üblich, aber …. das Sternzeichen?

mit erhobenem Zeigefinger

Patientin, die ihre Medikamente nicht nimmt – oder zumindest nicht richtig, nämlich regelmässig.
Sie bekommt Blutdruckmedikamente und die Diskussion hatten wir schon ein paar mal.

Pharmama:. „Was kann ich noch machen? Soll ich ihnen ein Bild von mir geben, mit erhobenem Finger und richtig böse dreinschauend, damit sie es an den Badzimmerspiegel kleben – und daran denken, ihre Medikamente richtig zu nehmen?“

Wir lachen beide.

Pharmama: „Sie müssen ihre Medikamente nehmen. Mit dem hohen Blutdruck riskieren sie nämlich einen Schlaganfall in nicht allzu ferner Zukunft.“