Oh, ich hab kein Geld dabei …

Zuerst eine Frage, die sich jeder selbst beantworten soll: Angenommen, es passiert, dass ihr ohne Geld aus dem Haus geht – und ihr merkt das erst beim Einkauf, sagen wir – an der Kasse. Was macht ihr?

Gestern war ja ziemlich mieses Wetter und Regen hier. Das merken wir auch in der Apotheke. Weniger Leute (vor allem am Morgen), nasse Mäntel und Regenschirme … das nur im Voraus.

Die Kundin fragt beim Lehrling nach Brillenputztüchern.

Als sie sie bekommt, setzt sie sich auf unseren Wartestuhl, reisst – bevor der Lehrling reagieren kann- die Packung auf und beginnt sich gemütlich die Brille zu putzen.

Endlich fertig drückt sie dem verdutzten Lehrling den zerknüllten Abfall in die Hand.

„Ah, das macht 2 Franken 30“ sagt der Lehrling.

Die Frau fasst sich in die Manteltasche und zieht die Hand leer wieder heraus. „Oh, ich glaube ich habe kein Geld dabei. Ich komme später wieder vorbei, zahlen.“

überhaupt nicht aufgeregt oder so. Sie legt die aufgerissene Packung hin und will schon gehen.

Lehrling: „Was, ah … Nein, Moment …. könnten sie mir nicht etwas hier lassen? Wie heissen sie denn?“

Frau: „Nein, ich will ihnen den Namen nicht sagen, aber ich komme sicher ….“

Jetzt komme ich dazu, ich habe das Ganze mitbekommen, auch die Hilfesuchenden Blicke des Lehrlings: „Sie müssen uns etwas hierlassen – als Pfand sozusagen. Wie wäre es … mit ihrem Schirm?“

Wir bekommen den Schirm.

Die Frau war nach 15 Minuten wieder da – so ein bisschen Regen kann ziemlich motivierend sein  :-)

… Na klar, wären das *nur* etwa 2 Franken gewesen, aber … irgendwie geht’s mir da auch ums Prinzip. Was hättet Ihr denn getan? In meiner Situation oder der der Frau?

die Krankenkassenkarte ist kein Bezahlungsmittel (auch nicht in der Apotheke)

Ein Mann kommt zu mir in die Apotheke und verlangt verschiedene OTC Produkte (Panadol, Triofan, Nasobol) und als ich ihm sage, wie viel das kostet … hält er mir seine Krankenkassenkarte entgegen und will, dass ich es darüber abrechne …

Das hat viel Mühe und Zeit gebraucht, ihm zu erklären, dass das *so* nicht funktioniert. Wenn ich für ihn etwas über die Krankenkasse abrechnen soll, braucht er dafür mindestens ein Rezept (und das zu holen lohnt sich meist nicht – man bezahlt ja schliesslich auch für’s Rezept ausstellen etwas). Er könnte noch versuchen die Quittung für seine OTC Medikamente selbst einzuschicken … aber ich denke, die Erfolgsaussichten so etwas zurückzubekommen sind relativ gering.

Ich hatte schon Anfragen, ob die folgenden Dinge von der Krankenkasse bezahlt werden:

  • Mittel zum Verhüten (Angefangen bei der Pille bis zu Präservativen). Nö. Ich kann die Frage ja begreifen, weil es Länder gibt, wo man das über die Krankenkasse abrechnen kann (die USA z.B.). In der Schweiz zahlt man sie allerdings selbst. Auf Reklamationen diesbezüglich antworte ich im Normalfall: es ist immer noch günstiger als die Alternative!
  • Pampers. Nööö. „Erwachsenenwindeln“ wie Tena werden zum Teil übernommen, wenn der Arzt eine schwerere Inkontinenz feststellt, nicht aber die Babyausstattung. Dasselbe gilt für Babynahrung, es sei denn es handelt sich um Spezialnahrung.
  • Zahnpasta, die meisten Mundspülungen
  • Kosmetika
  • Sonnencreme (auch schon auf Rezept verschrieben)
  • die meisten Mittel zum Abnehmen
  • die meisten Vitamine (ausser vielleicht noch, man ist schwanger)
  • so ziemlich alles, für das Werbung gemacht wird  (da gibt es allerdings gelegentlich Alternativen, die bezahlt werden)

Für all das lohnt es sich auch nicht ein Rezept verschrieben zu bekommen, das wird auch dann nicht übernommen.

Wer wissen will, was die Krankenkasse in der Schweiz so übernimmt, findet die Antwort hier.

Empfindlich?

Kundin: „Würden Sie mich bitte nicht so ansehen, wenn Sie mit mir reden?!“

Pharmama: „Entschuldigen Sie, wie denn?“

Kundin: „Sie schauen mich an, als ob ich ein Problem hätte!“

Darauf gäbe es verschiedene Antworten, aber ich glaube keine wäre gut angekommen:

1. Wo sollte ich denn sonst hinschauen? Auf den Boden?

2. Nun, offensichtlich haben sie eines …

… weitere?

Detektei Apotheke

Relativ junger Mann in der Apotheke: „Haben sie mir etwas gegen Rückenschmerzen?“

Pharmama: „Was sind das für Rückenschmerzen? Sticht es? Zieht es?“

Mann: „Es sticht. Wenn ich mich bewege. Macht ziemlich weh.“

Pharmama: „Und wie lange schon?“

Mann: „Ein paar Wochen. Ziemlich.“

Pharmama: „Haben Sie schon etwas dagegen genommen?“

Mann: „Panadol, Saridon. Das hilft ein bisschen, aber nicht viel.“

Pharmama: „Und der Schmerz – wie hat der angefangen? Kam das plötzlich oder nach einer Anstrengung?“

Mann: „Das kam sehr plötzlich. War ziemlich furchtbar.“

Pharmama: „Haben Sie etwas schweres Aufgehoben?“

Mann: „Nein.“

Pharmama: „Oder vorher überanstrengt – wie Sport? Oder Gartenarbeit?“

Mann: „Nein, ich denke nicht.“

Pharmama: „Dann hat es einfach so angefangen? Am Morgen beim Aufstehen? Oder am Abend?“

Mann: „Ja, das war Abends so gegen 6 Uhr.“

Pharmama: „Und das wissen Sie weil …?“

Mann: „Das war gleich, nachdem ich vom Velo aufs Trottoir* gefallen bin.“

Pharmama: „Äh – das hätten sie auch vorher sagen können.“

Mann: „Ich dachte nicht, dass das wichtig wäre.“

Doch, doch, das denke ich schon …

 

*(Für Nicht-Schweizer: Trottoir = Gehsteig)

Unschön

Unschön: Wenn die inkontinente Kundin die Tena Einlagen in die Packung zurückstopft und die in der (öffentlichen) Abfalltonne vor der Apotheke versenkt – jedes Mal, wenn sie eine neue Packung holen kommt.

Nachspielzeit

Wir öffnen um 8 Uhr – und das heisst, wir sind bereit und fertig zum loslegen, wenn wir aufmachen. Alle in den Schürzen, die Kassen bereit, die Computer hochgefahren, die Ware schon geliefert. Ich selber bin zu dem Zeitpunkt schon meist 20 Minuten in der Apotheke und mache dies und das. Wir öffnen also pünktlich und ich … will dann auch pünktlich schliessen!

Es muss natürlich an dem Abend sein, an dem ich zu Hause Besuch eingeladen habe und hoffe, meinem Mann noch ein bisschen zu helfen mit dem Essen.

Eigentlich haben wir schon geschlossen, die Kollegin holt nur noch die vordere Kasse, während ich mit der hinteren Kasse nach oben gehe und mich umziehe. Wie ich wieder nach vorne schauen, steht besagte Kollegin am Computer mit einer Frau mit Rezept. Wiiieeeso musste sie die noch reinlassen?

Natürlich kann ich jetzt auch nicht weg. Ihr Rezept ist relativ zügig erledigt … und da es ein Antibiotikum ist, sehe ich noch ein, weshalb die Kollegin sie noch genommen hat – auch wenn es inzwischen 10 Minuten nach Ladenschluss ist.

Und wenn es jetzt fertig wäre, gut … aber Nein.

Frau: „Mein Freund hat auch ein Rezept hier. Könnten Sie mal schauen wegen den Schmerzmitteln.“

Seufz.

Ich öffne sein Dossier. Ja, er hatte ein Rezept hier für Voltaren. Wir haben ihm auf das Rezept auch schon ausnahmsweise eine Wiederholung gemacht.

Nein, NOCH eine Repetition kann ich ihm nicht machen – darum habe ich ihn damals darauf hingeweisen, dass er das nächste Mal wieder ein Rezept braucht.

Beides erkläre ich der Frau.

Frau: „Wie sieht es aus mit Dafalgan und Novalgin?“

Pharmama: „Davon hat er hier noch nie ein Rezept gehabt.“

Frau: „Nein, das ist in einer anderen Apotheke –

Aber dort hat er auch schon einen Vorbezug offen …“

… (Grillenzirpen)

Frau: „Könnten sie nicht….“

Kollegin: „Nein, entschuldigen sie, aber da er das bei uns noch nicht hatte und auch nicht selbst hier ist …“

Ich: (hilfsbereit, aber jetzt habe ich langsam genug): „Das Dafalgan bekommt er auch ohne Rezept. Wenn er die 1g hatte, kann er einfach 2 von den 500mg nehmen. Kaufen sie jetzt eine Packung davon und dann gehen sie morgen in die andere Apotheke oder ins Spital (das Rezept heute war auch vom Spital) und lassen sie sich da entweder einen Vorbezug machen oder dort ein Rezept ausstellen.“

Frau: „Wir waren erst heute im Spital, ich begreife nicht, warum sie nicht auch ein Rezept für die Schmerzmittel ausgestellt haben …“

Ich denke: wahrscheinlich, weil sie beide dort nicht gesagt haben, dass sie das noch brauchen? – Oder (böse) – weil der Arzt nicht der Meinung war, dass das noch nötig ist.

Sie kauft die Dafalgan und geht. Endlich.

20 Minuten nach Ladenschluss.

Ich hasse „Nur kurz“. Die Frage mag ja kurz sein, die Antwort ist es gezwingenermassen meist nicht.