Würden Sie?

Ich gehe ja auch in den Ferien noch gerne in die eine oder andere Apotheke – zum schauen, was es da für Medikamente gibt, wie sie ausgestellt sind, oder um die Einrichtung anzusehen.

Diesmal habe ich ein bisschen gelauscht, während ich darauf gewartet habe, meinen Ausrede-Einkauf zu bezahlen.

Der Kunde vor mir fragt nach einem spezifischen Medikament.

Das ist im Moment nicht lieferbar. Der Apotheker empfiehlt im ein Generikum.

Mann zum Apotheker: „Sind sie verheiratet? Würden Sie *das* zu ihrer Frau nach Hause bringen, wenn sie nach jenem verlangt hat?“

Oh. Hmmm ….

:-)

Unverständnis des Tages

Bei der Diskussion mit einer Schwangeren mit Husten:

Pharmama: „Es wäre besser, sie würden aufhören zu rauchen. Nicht nur wegen dem Husten, auch für das Baby.“

Frau: „Nein. Ich höre nicht auf zu rauchen, auch in der Schwangerschaft nicht. Dann hat man eine viel leichtere Geburt.“

Grrrrr. Wegen dem Sauerstoffmangel ist das Kind in der Entwicklung verzögert und hat ein leichteres Geburtsgewicht. Darum die „leichtere“ Geburt. Schön für die Mutter. Nicht schön für das Kind – das ausserdem danach auch eine viel höhere Wahrscheinlichkeit hat für Atemwegserkrankungen und Asthma.

Aber diese Vorzeigemama hat schon 2 Kinder – und so ich weiss hat zumindest das eine auch öfter mal eine Bronchitis. Es ist noch nicht ganz 5 – und darum „darf“ man noch nicht von Asthma reden.

Aber so eine Einstellung – ich finde sie unverantwortlich. Me first – und nach mir die Sintflut.

Rechtsdrehend, Linksdrehend, Verdrehend

Eine Frau kommt in die Apotheke mit einem Rezept. Auf dem Rezept: Optifen 800mg

Optifen ist das Generikum von Brufen … wie zum Beispiel Irfen (und etwa 20 andere) mit dem Wirkstoff Ibuprofen.

Unglücklicherweise gibt es aber das Optifen nicht in 800mg,

Pharmama: „Das Optifen gibt es leider nicht in dieser Dosierung, aber ich kann Ihnen Irfen 800mg geben – das ist dann dasselbe und in der richtigen Dosierung.“

Frau: „Nein, das möchte ich nicht. Ich soll unbedingt Optifen haben. Der Arzt hat mir erklärt, dass nur DAS Ibuprofen in linksdrehender Form drin hat und dass das besser ist als das rechtsdrehende in den normalen.“

Rechtsdrehend – linksdrehend, wer da an pendelnde Leute denkt liegt in dem Fall falsch.

Es gibt Wirkstoffe, die sind sogenannt chiral. Das heisst, sie sehen aus wie unsere Hände – sehr ähnlich, aber rechts und links sind nicht gleich wenn man sie übereinanderlegt, sie sehen aus wie Spiegelbilder.

Nun gibt es Wirkstoffe, wo man beide Formen im Gemisch benutzt und dann gibt es solche, wo man nur eine Form benutzt – oft in der Hoffnung, dass die dann zum Beispiel wirksamer sind, oder weinger Nebenwirkungen machen.

Beispiele dafür sind: Zyrtec (Cetirizin = Gemisch) und Xyzal (Levocetirizin)

Oder Antra (Omeprazol=Gemisch) und Nexium (Esomeprazol)

Oder Citalopram (Gemisch) und Cipralex (Escitalopram).

Ob da die isolierte rechts- oder linksdrehende Form auch wirklich wirksamer oder unbedenklicher ist … lasse ich hier mal dahingestellt. Die Studien, die ich bis jetzt gesehen habe, zeigen nicht gerade enorme Unterschiede zum Gemisch. Oft ist es auch so, dass Firmen das als „Trick“ benutzen, um ein bewährtes Medikament, dessen Patent demnächst abläuft neu zuzulassen – und so weiterhin zu profitieren.

Aber zurück zum Ibuprofen… hier ist es so, dass die eigentlich wirksame Substanz im Körper die rechtsdrehende Form wäre. Wenn wir Ibuprofen aber als Gemisch oder als linksdrehendes einnehmen, dann wandelt unser Körper das problemlos in die rechtsdrehende Form um – etwa zu 50% … und das wirkt dann.

Was sie (oder der Arzt) also meinte war Dexibuprofen – das rechtsdrehende Ibuprofen. Das gibt es auch als Inhaltsstoff – zum Beispiel als Seractil. Dann muss man praktischerweise für dieselbe Wirkung nur die Hälfte des Wirkstoffes einnehmen – also statt 800 mg Ibuprofen nur noch 400 mg Dexibuprofen.

(seid ihr noch alle dabei oder war das schon zu viel Info?). Zurück zur Patientin.

Pharmama: „In dem Fall meinte der Arzt also das Dexibuprofen – das ist das rechstdrehende Ibuprofen. Er hat sich aber geirrt, denn das ist in Seractil enthalten, nicht in Optifen.“

Kundin: „Er hat mir aber gesagt Optifen.“

Pharmama: „Vielleicht hat er das richtige aufschreiben wollen, aber vergessen, wie es heisst. Soll ich ihn anrufen und nachfragen?“

Kundin: „Nein heute ist er nicht in der Praxis. Geben sie mir einfach das Optifen 800.“

Pharmama: „Das würde ich gerne, aber vom Optifen gibt es keine 800mg … und selbst wenn: beim richtigen Dexibuprofen entspricht 400mg der gleichen Wirkung.“

Sie hat das Rezept dann wieder mitgenommen um das selbst mit dem Arzt abzuklären.

Ich finde es zwar noch nett, hat der Arzt sich offenbar die Zeit genommen, ein bisschen über den Wirkstoff den er verschreibt und dessen Pharmakologie mit der Patientin zu reden … nur hat das in dem Fall nicht viel gebracht.

Ausser ziemlich viel Verwirrung offensichtlich.

Es geht hier nicht ums Recht-haben

Was ich wirklich mal wünschen würde, wäre ein Kurs, wie man mit ungerechtfertigten Reklamationen umgeht. Zum Beispiel wenn jemand wie Frau Mnemonik, im (wahrscheinlich) nicht-mehr-ganz-Anfangsstadien von Alzheimer behauptet, dass wir für sie Medikamente auf Rezept bei einer anderen Apotheke bestellt hätten. Die Apotheke hat sie jetzt angerufen, weil sie die Sachen nicht abholen gekommen ist. Sie habe NIE dort etwas bestellt, sie komme immer nur zu uns. Wir müssen das also gewesen sein.

Ich frage (mit Erlaubnis von Frau Mnemonik) in der anderen Apotheke telefonisch an. Die Apothekerin kennt die Kundin und die Situation gleich, ohne nachschauen zu müssen. Die Kundin hat offenbar schon ein paar Mal dort Sachen bestellt und dann durften sie die Bestellung wieder stornieren, weil sie es nicht abholen ging. Offenbar hat sie den Arzt dort in der Nähe.

Ich informiere Frau Mnemonik über das Telefongespräch und dass ich ihre Bestellungen dort habe stornieren lassen, sie sich also nicht weiter darum zu kümmern braucht.

Die Kundin hört mir gar nicht zu, als ich versuche es ihr zu erklären. Das einzige, was sie am Schluss sagt ist: „Es war also nicht meine Schuld!“

Es geht hier nicht um Schuld. Es geht auch nicht darum, wer „recht“ hat. Ihr Problem – und das ist mir klar – ist, dass ich sie „erwischt“ habe, dass sie etwas vergessen hat. Das ist ihr peinlich. Das kann sie nicht zugeben.

Das muss sie auch gar nicht. Mir ist wichtiger, dass die Situation bereinigt ist. Natürlich behalte ich ihr Problem im Hinterkopf – für Zukünftiges, weil das bei ihr wohl mehr an Hilfe brauchen wird, damit Bestellungen nicht vergessen gehen oder nicht mehr klar ist, für was etwas ist und wie es angewendet wird.

Dementsprechend bleibt mir jetzt nicht viel mehr als zuzustimmen und ihr zu versichern, dass alles in Ordnung ist.

Oder wie soll man sonst damit umgehen?

Schwierige Fragen am Telefon (rerun)

Älterer Patient am Telefon: „Kann ich den Apotheker sprechen?“

Pharmama: „Am Telefon.“

Patient: „Sehen sie, letzte Woche hatte ich einen echt üblen Husten…“

Pharmama: „Ja“

Patient: „Also haben sie mir diese Tabletten gegeben…“

Pharmama: „Ja – und?“

Patient: „Ja, sie nennen sich A … M … O … X…“

Pharmama: „Amoxicillin, ja. Und?“

Patient: Ja und ich nehme sie seit gestern…“

Pharmama: „Ja?“

Patient: „Und der Arzt hat gesagt ich soll sie für eine Woche nehmen.“

Pharmama: „Ja. Wo liegt denn das Problem?“

Patient: „Eigentlich will ich nur wissen .. ich gehe an eine Hochzeit dieses Wochenende…“

Pharmama: „Ja?“

Patient: „Soll ich da gehen?“

Pharmama: „Was genau meinen sie?“

Patient: „Na, ob ich gesund genug bin da teilzunehmen?“

Pharmama: „Das kommt ganz darauf an, wie sie sich fühlen. (?)“

Patient: „Ja, aber wenn ich nicht gehen kann, dann muss ich meinen Freund anrufen, der mich sonst abholen gekommen wäre.“

Pharmama: „Wenn sie sich wohl genug fühlen, dann können sie gehen, wenn nicht, dann gehen sie nicht.“

Patient: „Ja, aber was ich frage ist: Denken sie das wird wieder gut sein dann?“

Pharmama: „Nun, der Arzt hat ihnen Antibiotika für eine Woche aufgeschrieben, die müssen sie fertig machen egal, ob sie auf die Hochzeit gehen oder nicht. Und ob sie da gehen, das ist dann ihre Entscheidung.“

Patient: „Ja, ja, aber was ich frage ist: macht mich diese Medizin noch vor der Hochzeit gesund?“

….

Pharmama: „Ich weiss es nicht.“

Soll ich ihm jetzt sagen, ob er an der Hochzeit teilnehmen soll? Da der Arzt ihn nicht ins Spital gesteckt hat, wird der Husten nicht ansteckender sein, als anderes auch. Dementsprechend kommt es nur auf ihn an, ob er gehen will oder nicht. (Tönt nach: eher nicht).