Es geht hier nicht ums Recht-haben

Was ich wirklich mal wünschen würde, wäre ein Kurs, wie man mit ungerechtfertigten Reklamationen umgeht. Zum Beispiel wenn jemand wie Frau Mnemonik, im (wahrscheinlich) nicht-mehr-ganz-Anfangsstadien von Alzheimer behauptet, dass wir für sie Medikamente auf Rezept bei einer anderen Apotheke bestellt hätten. Die Apotheke hat sie jetzt angerufen, weil sie die Sachen nicht abholen gekommen ist. Sie habe NIE dort etwas bestellt, sie komme immer nur zu uns. Wir müssen das also gewesen sein.

Ich frage (mit Erlaubnis von Frau Mnemonik) in der anderen Apotheke telefonisch an. Die Apothekerin kennt die Kundin und die Situation gleich, ohne nachschauen zu müssen. Die Kundin hat offenbar schon ein paar Mal dort Sachen bestellt und dann durften sie die Bestellung wieder stornieren, weil sie es nicht abholen ging. Offenbar hat sie den Arzt dort in der Nähe.

Ich informiere Frau Mnemonik über das Telefongespräch und dass ich ihre Bestellungen dort habe stornieren lassen, sie sich also nicht weiter darum zu kümmern braucht.

Die Kundin hört mir gar nicht zu, als ich versuche es ihr zu erklären. Das einzige, was sie am Schluss sagt ist: „Es war also nicht meine Schuld!“

Es geht hier nicht um Schuld. Es geht auch nicht darum, wer „recht“ hat. Ihr Problem – und das ist mir klar – ist, dass ich sie „erwischt“ habe, dass sie etwas vergessen hat. Das ist ihr peinlich. Das kann sie nicht zugeben.

Das muss sie auch gar nicht. Mir ist wichtiger, dass die Situation bereinigt ist. Natürlich behalte ich ihr Problem im Hinterkopf – für Zukünftiges, weil das bei ihr wohl mehr an Hilfe brauchen wird, damit Bestellungen nicht vergessen gehen oder nicht mehr klar ist, für was etwas ist und wie es angewendet wird.

Dementsprechend bleibt mir jetzt nicht viel mehr als zuzustimmen und ihr zu versichern, dass alles in Ordnung ist.

Oder wie soll man sonst damit umgehen?

Schwierige Fragen am Telefon (rerun)

Älterer Patient am Telefon: „Kann ich den Apotheker sprechen?“

Pharmama: „Am Telefon.“

Patient: „Sehen sie, letzte Woche hatte ich einen echt üblen Husten…“

Pharmama: „Ja“

Patient: „Also haben sie mir diese Tabletten gegeben…“

Pharmama: „Ja – und?“

Patient: „Ja, sie nennen sich A … M … O … X…“

Pharmama: „Amoxicillin, ja. Und?“

Patient: „Ja und ich nehme sie seit gestern…“

Pharmama: „Ja?“

Patient: „Und der Arzt hat gesagt ich soll sie für eine Woche nehmen.“

Pharmama: „Ja. Wo liegt denn das Problem?“

Patient: „Eigentlich will ich nur wissen .. ich gehe an eine Hochzeit dieses Wochenende…“

Pharmama: „Ja?“

Patient: „Soll ich da gehen?“

Pharmama: „Was genau meinen sie?“

Patient: „Na, ob ich gesund genug bin da teilzunehmen?“

Pharmama: „Das kommt ganz darauf an, wie sie sich fühlen. (?)“

Patient: „Ja, aber wenn ich nicht gehen kann, dann muss ich meinen Freund anrufen, der mich sonst abholen gekommen wäre.“

Pharmama: „Wenn sie sich wohl genug fühlen, dann können sie gehen, wenn nicht, dann gehen sie nicht.“

Patient: „Ja, aber was ich frage ist: Denken sie das wird wieder gut sein dann?“

Pharmama: „Nun, der Arzt hat ihnen Antibiotika für eine Woche aufgeschrieben, die müssen sie fertig machen egal, ob sie auf die Hochzeit gehen oder nicht. Und ob sie da gehen, das ist dann ihre Entscheidung.“

Patient: „Ja, ja, aber was ich frage ist: macht mich diese Medizin noch vor der Hochzeit gesund?“

….

Pharmama: „Ich weiss es nicht.“

Soll ich ihm jetzt sagen, ob er an der Hochzeit teilnehmen soll? Da der Arzt ihn nicht ins Spital gesteckt hat, wird der Husten nicht ansteckender sein, als anderes auch. Dementsprechend kommt es nur auf ihn an, ob er gehen will oder nicht. (Tönt nach: eher nicht).

Reine Verschwendung?

Der Arzt verschreibt dem Patienten Lisinopril 40mg Tabletten. Ein paar Tage später reklamiert der Patient beim Arzt, dass die Tabletten „seiner Speiseröhre weh tun“. Offensichtlich hat er die Packungsbeilage gelesen, da steht nämlich drin, dass es Magenbeschwerden wie Sodbrennen auslösen kann.

Jedenfalls schreibt der Arzt ihm ein neues Rezept – für Lisinopril 20 mg, das er uns in die Apotheke faxt.

Weil wir sehen, dass der Patient erst vor ein paar Tagen eine Packung zu 40mg bezogen hat, denken wir, dass er wohl intelligent genug ist, sie einfach zu teilen (was bei denen problemlos geht), bis sie ihm ausgehen. Darum nehmen wir das neue Rezept einfach ins Patientendossier auf, führen es aber nicht aus.

Am nächsten Tag steht der Patient in der Apotheke. Wir erklären ihm das mit dem Tablettenteilen, dass er dann die richtige Dosierung hat, die Tabletten kleiner sind und seine Speiseröhre sicher. Er will aber eine neue Packung. Gleich.

Ok. Kann er haben.

Ich finde das ist trotzdem eine nette Verschwendung von Resourcen und Geld.

medizinische Messgeräte

Der Post ist für meinen Bruder, der gerade dabei ist, die Arbeitsstelle zu wechseln … zu einer Firma, die medizinische Messgeräte herstellt – Nur damit Du weisst, für was für ein „Publikum“ Du die Geräte produzieren wirst! :-)

Die Frau kommt in die Apotheke, nachdem sie sich im Internet so ein Blutsauerstoff-messgerät für den Finger gekauft hat.

Sie kommt mit ihrem Gerät zu mir.

Kundin: „Könnten sie mal schauen? Ich glaube das Ding misst nicht richtig.“

Pharmama: „Was ist denn das Problem?“

Kundin: „Es zeigt so seltsame Zeichen. LB und GB … was bedeutet das? „

Ein Blick von mir darauf und ich weiss was passiert ist. Sie schaut nur falsch herum auf die Anzeige.

Pharmama (dreht das Gerät) – „Vielleicht geht’s so?“

Kundin: „Oh, so geht das.“

Sie geht wieder.

15 Minuten später kommt sie zurück.

Kundin: „Das misst immer noch seltsame Werte. 98 und dann wieder 97, dann wieder 98…. was bedeutet das? Und warum schwankt das so? Und was ist das für eine Zahl da unten?“ 

Zuallererst bedeutet es wohl, dass Laien vielleicht doch besser nicht mit (medizinischen) Diagnosegeräten spielen, wenn sie ja doch keine Ahnung haben, was Normwerte sind, und was nicht. Oder warum in dem Moment der Sauerstoffgehalt fluktuiert.

Pharmama: „Vielleicht ….. weil sie einatmen gleich mehr Sauerstoff und ausatmen gleich weniger Sauerstoff?“

Und die andere Zahl war der Puls.

Fragen, die ich nicht beantworten kann

„Warum habe ich keine Zusatzversicherung mehr?“

Hmm – keine Ahnung.

Ich könnte mir verschiedene Szenarien vorstellen, aber ich glaube nicht, dass ihnen eine davon gefallen würde und ich weiss auch nicht, was zutrifft.

Entweder haben Sie die Zusatzversicherung gekündet.

Oder die Versicherung hat Ihnen die Zusatzversicherung gekündet – Erschreckend, aber das können sie problemlos und bei jedem, denn sie ist freiwillig … für beide Seiten offensichtlich. Und es gibt Leute, bei denen es der Versicherung zu teuer wird …

Oder Sie haben eigentlich eine Zusatzversicherung laut Vertrag, aber weil Sie ihre Prämien nicht mehr bezahlt haben, sind sie bei der Versicherung nur noch Grund-Versichert … und je nachdem auch nur noch für Not-behandlungen.

Oder … es handelt sich um ein Computer-Problem und die Versicherung hat nicht die richtige Deckung hinterlegt auf ihre Kartennummer.

– Am besten rufen Sie selbst dort mal an.