Wenn es immer so einfach wäre …

Jüngere Frau in der Apotheke (ziemlich dramatisch): „Mein Fuss macht richtig weh, unten an der Fussohle, es schmerzt enorm. Ich habe keine Ahnung was da kaputt sein könnte, was soll ich tun?“

Pharmama: „Hmmm, mal sehen …. sind Sie gestern viel gelaufen oder gestanden?“

Patientin (aufgeregt): „Ja, Ja, das bin ich! Denken Sie es könnte von dem sein?“

Pharmama: „Ja, normalerweise machen die Füsse weh, wenn man viel auf ihnen steht.“

Mit meinem Job weiss ich, wovon ich rede – allerdings bringt hier Übung Abhilfe.

 

Auch Ärztemuster haben ein Verfallsdatum

Eine unserer Kundinnen kommt mit einem Muster Sonnencreme in die Apotheke.

Kundin: „Das habe ich vom Arzt bekommen. Davon hätte ich gerne eine Packung.“

Daylong 16 steht auf der Packung – was etwas seltsam ist, denn wir haben Daylong 15 an Lager.

Die Pharmaassistentin schaut auf das Verfalldatum. Dezember 1999 !!

Wow.

Das Teil ist seit über 10 Jahren abgelaufen.

PA: „Wir haben nur Daylong 15, nicht 16. Die 16er gibt es nicht mehr. Das Muster ist auch etwas älter …“

Kundin: „Was? Der Arzt hat mir das beim Besuch letzte Woche gegeben. Und er hat noch ein ganzes Regal voll mit diesen Mustern … Na, dem werde ich was erzählen!“

Lieber Arzt. Es tut mir leid, falls eine etwas aufgebrachte Kundin die Praxis gestürmt hat und verlangt hat, dass sie ihre Muster entsorgen. Ich bin sicher, sie haben es nur gut gemeint.

Aber auch für sie gilt, dass eine Verfalldatumskontrolle gemacht werden muss.

 

Körpersprache – Distanz

Meist weiss ich, wer alleine hier ist, oder wer mit jemandem zusammen ist, auch wenn ich die Leute nicht herein kommen gesehen habe. Das zeigt die Körpersprache. Aber es gibt Ausnahmen.

Bei denen hat mich die Körpersprache getäuscht:

Wenn Sie in knapp 20 cm Entfernung neben der anderen Person stehen und mich nicht anschauen, dann nehme ich an, dass sie zusammen hier sind. Woher soll ich wissen, dass Sie auch ein Rezept haben und überhaupt nichts mit der anderen Person zu tun haben? (Und wieso reagiert die überhaupt nicht, wenn sie so nahe dran stehen??)

… auf der anderen Seite: Wenn Sie mit jemandem zusammen sind, der ein Rezept abgibt, dabei aber über Einen Meter weiter hinten stehen und Sie ängstlich den Apotheker anstarren, dann denken wir, dass sie ein weiterer Kunde sind.

Entsprechend wird gefragt (oder, wie im ersten Fall – nicht).

Mir ist schon klar, dass das je nachdem unterschiedlich sein kann. Persönlichkeit und kulturelles Umfeld spielen da eine Rolle.

Wieviel „persönlicher Abstand“ braucht / verträgt ihr? Bei Freunden? Bei Kunden? Bei Fremden?

Ich bin definitiv nicht so der „Nahe“ Typ. Ich bin oft froh um die Theke zwischen mir und Kunde – vor allem, wenn das jemand ist, der mir nicht nur in meinen persönlichen Bereich (der ca. eine Armlänge um einen herum misst), sondern in meinen „Intimen Bereich“ eindringt.

Billdquelle: Libb Thims via wikipedia

Eigentlich Fachpersonal

Telefon in die Apotheke

„Hallo, hier ist die Spitex. Ich wollte für unsere Patientin Liseli von der Alp Ascensia Teststreifen bestellen, um den Blutdruck zu messen.“

Die Spitex – das ist eine (bekannte ) Hauspflegehilfe-Organisation in der Schweiz. Eigentlich beschäftigen sie Fachpersonal.

(Danke an den Einsender dieser Anekdote, der gerne nicht genannt werden möchte)

 

Wohnungsvermittlung? Sonst noch etwas?

Eine Frau kommt in die Apotheke und fragt mich direkt: „Könnten Sie mir etwas im Internet nachschauen?“

Pharmama: „Um was geht es?“

Frau: „Ich suche eine Wohnung – und ich brauche eine Telefonnummer.“

Pharmama: (unbeeindruckt): „Aha. Und da dachten Sie, sie kommen dafür in die Apotheke?“

Frau: „… können sie es nachschauen oder nicht?“

Pharmama: „Eine Telefonnummer. Nun gut. Wie ist der Name?“

Frau: „Hmmm … irgendetwas mit -aut-… es ist ein Immobilienhändler.“

Pharmama: „Entschuldigen Sie, aber Ich habe nicht die Zeit, alle Immobilienhändler nach einem Namensbruchstück zu durchsuchen. Warum gehen sie nicht nach Hause und schauen nach wie es genau heisst?“

Frau: „Aber ich habe kein Internet.“

Pharmama: „Ja, aber sie haben den Namen irgendwoher – und wenn sie den Namen wieder haben, können sie auch die Telefonauskunft anrufen und die Nummer erfahren oder sich verbinden lassen.“

Frau: „Aber das kostet und …  ich habe den Namen nicht.“

Pharmama: „Aber irgendwoher haben sie das doch? Zeitung? Vom Vermieter? Einem Freund?“

Frau: „Nein…. Niemand hilft mir. Seit einem Jahr schaue ich in der Zeitung nach Anzeigen für Wohnungen, aber ich finde niemanden, der mich nimmt. Ich habe einen Hund und bin auf IV … wahrscheinlich liegt es an dem.“

Pharmama: „Das tut mir leid, aber … was soll ich jetzt machen?“

Frau: „Könnten sie mir nicht im Internet nach einer Wohnung suchen?“

Pharmama: „Ernsthaft? Nein. Dafür fehlt mir die Zeit. … Aber wenn sie Internetzugang brauchen, dann können sie in ein Internetkaffee gehen oder eine Bibliothek, oder die Buchhandlung, die zeigen ihnen vielleicht auch gleich, wie das geht.“

Frau: „Aber das kostet!“

Tatsächlich. …  aber das ist wirklich nicht teuer.

Am Schluss habe ich ihr die Adresse von einem Internetcafe gegeben, von dem ich zufällig weiss, dass die den Nutzern auch helfen, wenn sie nicht mit Computern umgehen können. Und die Adresse von einer Immobiliensuchseite. Immoscout … wenn ich mir das so ansehe, ist das wohl die „Adresse“, die sie ursprünglich wollte.

Die Frau war trotzdem nicht dankbar.