Flasche nicht voll …

Ein Papa kommt mit einem Rezept für Amoxicillin – Sirup für sein Kleinkind. Ich nehme ihn aus der Schublade und erkläre ihm:

„Es dauert eine Minute. Ich muss ihn erst flüssig machen. Ich bin gleich zurück.“

Ich bereite die Suspension zu – das ist einfach: Man muss nur die richtige Menge Wasser zugeben und sehr gut schütteln.

Wieder vorne erkläre ich ihm die Anwendung: „Vorher schütteln, X Milliliter am Morgen und am Abend, vor dem Essen, den Sirup im Kühlschrank aufbewahren.“

Er geht mit dem Sirup.

15 Minuten später bekommen wir ein Telefon – es ist der Papa von vorhin:

Papa: „Ich bin wirklich nicht zufrieden mit dem Antibiotikum und Ihnen!“

Pharmama: „Oh, weshalb denn?“

Papa: „Das Siegel der Flasche ist angebrochen. Und die Flasche ist nicht ganz voll!“

So wie er sich anhört habe ich ihm entweder eine defekte Flasche gegeben oder gar selber etwas rausgenommen …

Also erkläre ich ihm NOCHMALS, das man den Sirup erst lösen musste – was man nur kann, wenn man den Siegel bricht. Und die Flasche ist so nicht voll, aber genau so hat sie die richtige Konzentration.

Manche Leute (Seufz) – Als ob wir so was machen würden.

Wie Don Quijote … kämpfen gegen Wind…mühlen

Mann in der Apotheke: „Haben sie mir etwas gegen Blähungen?“

Pharmama: „Wie lange haben sie denn das Problem schon?“

Mann: „Ach, schon Jahre. Das ist wirklich furchtbar, ich muss ständig furzen und … die Leute hören es. Meine Freunde haben mich schon darauf aufmerksam gemacht.“

Pharmama: „Was haben sie denn schon dagegen ausprobiert?“

Mann: „Ich trinke Tee.“

Pharmama: „Eine spezielle Sorte?“

Mann: „Nein, nur Tee.“

Pharmama: „Fencheltee oder Kamillentee würde vielleicht helfen bei Ihren Blähungen.“

Mann: „Die mag ich aber nicht besonders.“

Pharmama: „Haben Sie schon versucht, das was Sie essen zu ändern? Zum Beispiel blähendes Essen zu meiden, wie Bohnen, Kohl, oder die Milch wegzulassen?“

Mann: „Nein.“

Pharmama: „Gibt es Essen, das bei Ihnen mehr Blähungen verursacht?“

Mann: „Ja, Raclette oder Joghurt, danach ist es ganz übel.“

Pharmama: „Dann sollten wir das zuerst versuchen. Sie sollten eine Weile auf Milchprodukte verzichten, dann sehen wir, ob das etwas bringt.“

Mann: „Dann darf ich auch keinen Käse mehr essen.“

Pharmama: „Zumindest eine Weile nicht mehr.“

Mann: „Das will ich lieber nicht.“

Pharmama: „Dann … wollen Sie nicht herausfinden, was die Blähungen verursacht?“

Mann: „Nicht, wenn ich nicht essen kann, was ich will.“

Pharmama: „Okee … Sie können es ja mal mit dem Flatulex versuchen. Nehmen Sie zu jeder Mahlzeit 1-2 Kautabletten.“

Er zahlt und geht.

Wiedersehen!

 

Zuviel Arbeit abgenommen?

Das Gespräch musste ich letztens mit einer unserer Stammkundinnen führen. Die war von uns sehr enttäuscht.

„Okay, dann haben wir also ein Rezept für ein Medikament, das Sie bei uns bezogen haben vom *falschen* Arzt verlangt und Sie sind jetzt sauer, weil wir wissen *müssten*, dass Sie seit ein paar Monaten nicht mehr zu dem Arzt gehen. Weil das „wieder einer ist, der mich schwer enttäuscht hat“ – einer mehr in einer ganzen Reihe möchte ich noch anfügen.

Aber … denken Sie mal, das wäre nicht passiert, wenn Sie selber dafür sorgen würden, dass die Rezepte für Ihre vor-bezogenen Medikamente zu uns kommen. Wir haben das Rezept für das Medikament von dem Arzt besorgt, der das letzte Mal für dieses Medikamente ein Rezept ausgestellt hat. Da ist es nur logisch, dass wir das wieder von ihm verlangen.

Und Nein, die Rechnung, die sie vom Arzt für das Ausstellen der Rezepte bekommen haben, übernehmen wir nicht.

Auch wenn es nicht der Arzt ist, den sie wollten, eine Rechnung in gleicher Höhe hätte es sowieso gegeben. Die rechnen alle nach dem gleichen System ab.

Manchmal denke ich, wir machen einfach zu viel für manche Leute. :-(

In Deutschland gibt es das Konzept vom Vorbezug so nicht – das bringt dann andere Probleme, aber das sicher nicht.

Last Minute

Gestern Abend, kurz vor Ladenschluss.

Der Mann hat mir gerade ein Rezept in die Hand gedrückt mit zwei Medikamenten drauf.

Mann: „Habe ich noch Zeit nach Hause zu gehen und wiederzukommen, bevor sie schliessen?“

Pharmama: „Das … müssen Sie Sich selber fragen, ob das reicht. Wir schliessen in 10 Minuten.“

Ich weiss wirklich nicht, wie lange er braucht – aber vielleicht war die Frage auch eher: „Warten Sie, bis ich wieder hier bin?“

– Dann wäre die Antwort eher: „Nein.“

Ich will nämlich auch irgendwann nach Hause.

Benzodiazepin – Dispenser

Gestern hätte ich einen Temesta-Dispenser aufstellen können. So oft, wie ich dieses Medikament gestern auf Rezept hatte. Das ist ein Benzodiazepin, ein starkes Beruhigungsmittel. Ist irgendetwas speziell, dass das jetzt viele brauchen? Erster Vorweihnachtsstress?

Oh, einer allerdings hat das Mittel nicht von mir bekommen.

Warum?

Auf dem Rezept, das mir die PA kurz vor Mittag bringt:

1 OP Temesta 1mg, 1 x rep

erstes noch sehr kleines *bing* – Temesta ist einfach ein gerne missbrauchtes Medi – da ist man Vorsichtiger.

Pharmaassistentin (PA): „Er war noch nie bei uns.“

Zweites kleines *bing*. – immer noch nichts besonderes aber …

Ich schaue mir das Rezept von Nahem an.

Pharmama: „Hmm, das ist aber kein Original. Das ist eine Kopie.“

Grösseres *Bing!*

Pharmaassistentin: „Ah ja – und er muss es bezahlten, da er eine der Kassen habe, die keinen Vertrag mit den Apotheken haben.“

Drittes *BING*. Eigentlich für sich auch nichts besonderes, aber im Zusammenhang mit dem anderen?

Ausserdem ist das Datum auf dem Rezept von vor einem Monat. Hmmmm, hmmmm, hmmm.

Ich gehe nach Vorne. Mir den Kunden mal selber anschauen. Es ist ein … mittelalter Mann. Das ist eher untypisch – erwartet hätte ich jetzt jemanden Jüngeren, aber … mal sehen.

Pharmama (zum Mann): „Das muss ich erst mit dem Verschreibenden Arzt abklären.“

Mann: „Wieso?!“

Pharmama: „Ich brauche das Originalrezept. Das ist eine Kopie von einem Rezept.“

Mann: „Das ist ein Fax. Der Arzt hat es mir geschickt.“

Das Rezept war wunderschön auf die A5 Grösse eines normalen Rezeptes ausgeschnitten – Faxe kommen in A4.

Pharmama: „Das mag schon sein, aber das könnte auch die 10. Kopie sein. Ich muss nur rasch ein Telefon machen, dann kann ich es ihnen geben.“

Der Mann reisst mir das Rezept aus der Hand.

Mann: „Nicht nötig. Ich gehe das in meiner Apotheke holen!“

… und begibt sich sehr rasch aus der Apotheke.

Was meinen Verdacht wohl bestätigt. Mist. Das nächste Mal behalte ich das Rezept hier und der Arzt wird angerufen. Egal ob er will oder nicht.

Ich glaube ich bin etwas eingerostet was Fälschungen angeht – ich hatte jetzt schon länger keine mehr.