Symptombekämpfung

Junger Mann in der Apotheke:

„Ich brauche etwas gegen Husten, Halsschmerzen, laufende Nase, Niesen … UND ich muss heute abend wieder fit sein. Mein Freund hat seinen Junggesellenabend!“

Ich habe Sachen gegen Husten, Schnupfen, Schmerzen und so weiter … aber – und dessen muss man sich bewusst sein – was er hat ist eine ausgewachsene Erkältung und da kann ich wohl etwas gegen die Hauptbeschwerden machen, aber nicht garantieren, dass er fit genug ist oder gar gleich wieder gesund.

Bitte entschuldigen Sie die zerstörte Illusion …

Zu Anschauungszwecken

Manchmal würde ich gerne ein Foto machen – zum Beispiel, wenn ein Patient mit einer wirklich typischen Ausprägung von etwas kommt. Oder etwas speziellem …

So wie der jüngere Mann mit der Gürtelrose heute. Hübsche Bläschen mit Entzündung, einseitig dem Nervenstrang entlang am Rumpf – wie ein halber Gürtel …

—Und: Nein, es ist keine gute Idee, die Bläschen aufzustechen, davon wird es nicht besser.

Oder die Frau mit den wahnsinnig geschwollenen Mandeln …

—Ich glaube nicht, dass ich vorher geschwollene Mandeln überhaupt entdeckt hätte … aber die Frau hat ein Antibiotika-Sirup bezogen und als ich fragte, ob sie Probleme hat mit dem Schlucken, dass sie nicht Tabletten bekommt, hat sie mich gefragt, ob ich mir das anschauen will. Wow. Ein Wunder konnte sie überhaupt noch was Essen oder Trinken.

Oder das Kind mit der Ohrenentzündung …

—Ja, wenn der Eiter schon rausläuft, dann kann ich das auch ohne dieses Gerät vom Arzt, der damit in die Ohren schaut „diagnostizieren“.

Oder die Frau mit der grünen Zunge …

—Ja. grün. Da gibt’s nicht viel mehr dazu zu sagen. Das muss eine interessante Mischung an Bakterien und ev. Pilzen sein, die ihre Zunge da besiedelt hat.

Habt ihr mal etwas spezielles gesehen, von dem ihr gerne ein Foto gemacht hättet?

Was? Was? WAS?

Pharmama: „Kann ich ihnen helfen?“

Älterer Mann: „Ich war gestern hier und habe ihnen eine alte Spritze gebracht – meine Frau braucht das Medikament.“

Pharmama: „Wie heisst sie?“

Mann: „Was?“

Pharmama (lauter): „Ihr Name?“

Mann: „Mathilda Meier“

Ich schaue hinten bei den Bestellungen, aber auf den Namen ist nichts auf der Seite. Ich schaue in ihrem Dossier. Von gestern ist nur ein Vorbezug offen, allerdings mit „0“ als Abgabemenge und dem Vermerk: ‚vom Arzt Rezept angefordert’ “

Pharmama: „Hmm, ich sehe nicht, dass etwas bereit ist für sie. Aber es sieht so aus, als ob wir versucht haben, ihren Arzt zu erreichen … war das Medikament Metoject?“

Mann: „Was?“

Pharmama (lauter): „War es eine Spritze Metoject?“

Mann: „Was?“

Pharmama (kurz vor Schrei-Lautstärke). „WAR ES METOJECT?“

Mann: ?… Fragezeichen im Gesicht.

Ich nehme einen Zettel und schreibe drauf: „Metoject?“

Mann: „Ich weiss nicht.“

Also gehe ich und versuche jemanden zu finden, der gestern gearbeitet hat. Ich habe Glück und die Pharmaassistentin weiss davon. Es war für das Metoject. Die Kundin hatte das aber noch nie bei uns, deshalb wurde erst versucht ein Rezept vom Arzt zu bekommen, bei dem sie schon Medikamente hatte.

Nur hat der sich noch nicht zurückgemeldet. Das Mittel ist auch etwas, was man nur einmal pro Woche braucht.

Die Pharmaassistentin geht zu ihm und erklärt es ihm. Sie hört er offenbar besser als mich, denn :

Mann: „Oh, ok.“

Und geht

Fünf Minuten später.

Mann kommt zurück.

Pharmama: „Ja?“

Mann: „Könnte ich die Spritze von gestern zurück bekommen?“

Pharmama: „Oh, ich denke sie war leer – wir haben sie entsorgt.“

Mann: „Was?“

Pharmama (lauter): „Wir haben sie weggeworfen!“

Mann: „Was?“

Pharmama: „WIR HABEN SIE NICHT MEHR; WEIL WIR SIE WEGGEWORFEN HABEN!“

Raaah!

Hustensirup zum trinken

Vorausschickend: ich brauche am Morgen ein bisschen Zeit, bis ich warmgelaufen bin. Ich schiebe es auf das, dass ich den Mann nicht verstanden habe. Obwohl … eigentlich habe ich es auch jetzt noch nicht ganz verstanden.

Als: Samstag. Morgens früh, der erste Kunde des Tages. Ein jüngerer Mann – er sieht selbst so aus, als sei er noch nicht allzu lange aus dem Bett gefallen.

Mann: „Ich hätte gerne einen Hustensirup zum trinken.“

Pharmama: „Ist es für sie selber?“

Er: „Ja“

Pharmama: „Was für eine Art Husten haben sie denn?“

Er: „Mehr so trocken, aber … ich will einen, den ich so trinken kann.“

Pharmama: „Nun … (ich versteh’s nicht ganz) wenn es Hustensirup ist, dann ist er flüssig …“

Er: „Ja, ja, aber ich will etwas, wo ich so viel nehmen kann, wie ich will!“

Pharmama: „Nun … dann würde ich höchstens einen homöopathischen empfehlen. Oder vielleicht den von Weleda? Da kann man alle 2 Stunden …“

Er: „Haben sie nichts anderes?“

Pharmama: „Oh, ich habe noch eine Menge andere, aber … das ist alles medizinischer Hustensirup. Den kann man nicht einfach so trinken – den nimmt man Löffelweise, maximal 3 x pro Tag.“

Er: „Dann hole ich mir halt einen Hustensirup aus der Migros!“

Sagt’s und geht wieder raus. Ist das nur mein Eindruck, dass ich das Gefühl habe, er schwankt dabei leicht?

Was zum Geier?
Entweder meint er normalen Sirup – das gibt’s auch beim Lebensmittelhändler. Oder er meint Hustensirup und hat auf etwas „stärkeres“ spekuliert. Nicht, dass ich die Leute unterstütze, die tatsächlich Hustensirup auf Ex kippen, nur um sich einen „Kick“ zu holen.
Ich versteh’s nicht.

Ich bin eigentlich immer noch am Kopf kratzen.

Vielleicht sollte ich es auch einfach hinnehmen, dass es Leute gibt, die denken, wenn es Sirup ist, kann ich davon nehmen so viel ich will. Oder für was. Immerhin gibt es auch Leute, die aus Hustensirup Glace machen. Was? Ja. Guckst Du hier:

 

Von der Seite Unwholesome foods: „Today we topped our cough syrup ice cream with chicken-flavored whipped cream, Nyquil and a cough drop!“

Ah. Bäh! Ich sagte schon, dass ich noch keinen Hustensirup gefunden habe, der gut schmeckt? Aber vielleicht überdeckt die Kälte den Geschmack etwas.

Versicherungen und Versandapotheken

Ein beunruhigter Mann (und guter Kunde) bei uns in der Apotheke:

„Meine Versicherung möchte, dass ich die Medikamente per Post bestelle. Muss ich das wirklich? Ich habe das einmal gemacht und sie haben mir all meine Diabetes-medikamente spät geschickt!“

Sogar ich bekomme gelegentlich diese Aufforderungen von der Versicherung (mehr per mail als per Post, aber ich bin ja auch jünger) und das nervt  mich endlos. – Hallo! ich arbeite in einer Apotheke! Die wollen mir wohl meine Arbeit nehmen?

Und die Antwort ist: Nein. Muss er nicht. Es gibt hier so etwas wie die freie Wahl des Leistungserbringers – also hier der Apotheke !

Den Mann konnte ich beruhigen, aber ich frage mich immer, bei wie vielen diese -fast versteckte Drohung- zieht. Die Versicherungen geben ein Heiden-Geld dafür aus, Geld, das die Apotheke vor Ort nicht hat für dieselbe Art „Werbung“.