Gemeinschaftspraxen

Ich zum Patienten beim eingeben des Rezeptes:

Entschuldigen Sie, könnten Sie mir sagen welcher dieser Ärzte (zeige auf die Liste oben auf Rezeptkopf) das Rezept ausgestellt hat?“

Die Unterschrift ist nicht entzifferbar – und ich brauche das für unsere Unterlagen und zum abrechnen.

Patient: „Ich hab sie alle gesehen.“

Ummm – echt? Alle vier? Ist das Service oder was?

 

persönliche Tragödien hautnah miterlebt

Manche Leute – die sind ein bisschen wie ein Verkehrsunfall. Da kann man manchmal schon länger vorher sagen, dass sich etwas (Schlechtes) anbahnt. Leider kann man gar nichts machen, als mehr oder weniger unfreiwillig – und mit sehr schlechtem Gefühl- zuzuschauen, wie es passiert.

Frau Motzer, die bei der Assura Krankenkasse versichert ist (was bedeutet, sie muss die Medikamente in der Apotheke bezahlen) ruft laut aus:

„Ich bin seit Jahren Kundin bei Ihnen und sie *werden* mir meine Medikamente nach Hause liefern. Mein Mann kommt sie später bezahlen!“

Das Problem:  eine bekannterweise ganz schlechte Zahlungsmoral, weshalb wir auf Barzahlung bei Abgabe respektive Lieferung beharren. Es ist bei ihr nicht einmal unbedingt Geldmangel – eingekauft hat sie jedenfalls gut, den vollen Einkaufstaschen vom Modeladen nach zu urteilen, die sie mitbringt.

Pharmama: „Das geht leider nicht, aber ich habe einen Vorschlag: wir bringen es gleich, nachdem es bezahlt wurde … Sie könnten es auch jetzt mit Kreditkarte bezahlen …“

Frau Motzer: „Nein, kann ich nicht. Ich bin in Scheidung mit meinem Mann, denn es ist MEIN Geld und ER lässt immer meine Kreditkarten sperren.“

(Ui.)

Und noch später in der Diskussion:

Frau Motzer: „Nennen Sie mich von jetzt an Frau Gross.“

– das ist ihr Mädchenname.

„Wissen Sie überhaupt, was das bedeutet, Scheidung??“

– von der Theorie her. Was das allerdings mit dem Problem hier zu tun hat, weiss ich auch nicht.

„Ich will mit ihrem Eigentümer reden, ich will wissen, ob der weiss, was Scheidung bedeutet!“

– der ist leider nicht verfügbar für derartige Diskussionen.

Wir kommen nicht zu einem gemeinsamen Ergebnis. Zum Abschied wirft sie uns noch das hin:

„Mein Sohn wird ihnen anrufen. Mein Sohn! Nicht der Mann von dem ich mich scheiden lasse. Ich hatte auch eine künstliche Befruchtung, wissen sie!“

Umm, ja. Zu viel Info. Und leider ist nichts davon angetan, dass wir Ihr Geld vorlegen.

Es ist nicht so, dass ich ihr etwas vorenthalte. Die Medikamente, die sie hat sind wichtig, aber nicht lebenswichtig. Es könnte sein, dass sie wegen der Scheidung finanzielle Probleme hat – wobei sie das nicht gesagt hat. Alles was ich herausgehört habe war: „Ich will es jetzt nicht zahlen – und später auch nicht, soll das mein Ex-Mann machen.“

Was er kaum wird.

Hah!

Mann in der Apotheke ziemlich … geladen, also ärgerlich:

Also ich war gerade eben in der (grosse, zu Kette gehörende Konkurenzapotheke) und das war Mist!“

Pause.

Pharmama: „Nun, das war ihr erster Fehler …“

Zum Glück hat er gelacht und wir hatten sogar an Lager was die nicht hatten.

Hah!

Verdachtsmomente

(Rerun vom 17.1.2012)

Ein älterer Mann und ein Teenager kommen zusammen in die Apotheke. Ich bekomme mit, wie der Mann die Pharmaassistentin nach „Makatussin forte Sirup“ fragt.
Jetzt – das ist ein Medikament, das ich nicht an Lager führe … das hat verschiedene Gründe, der im Moment wichtigste aber: das Zeug wird missbraucht. Oft. Hauptsächlich von Teenagern. Was der Grund ist, dass da auch auf der Packung steht: Nicht für Kinder und Jugendliche…. wie jetzt auch einer vor der Theke steht.
Gut, der ältere Mann hat das Mittel verlangt.

Die Pharmaassistentin sagt ihm, dass wir es nicht hier haben. Sie fragt nach seinen Beschwerden – „Trockener Husten“ – sagt er.
PA: „Darf ich ihnen etwas anderes anbieten?“
Mann: „Sie können mir das Mittel bestellen. 2 Flaschen.“

Die PA schaut zu mir – ja, auch ihr ist das inzwischen aufgefallen, dass das vielleicht nicht ganz koscher ist.
Ich schüttle als Antwort nur den Kopf.

PA: „Tut mir leid, aber sie können davon nur jeweils eine Flasche haben. Das ist nicht für die Langzeitanwendung.“
Sie nimmt die Bestellung auf.
Kunde: „Dann möchte ich jetzt doch noch eine andere Flasche Hustensirup.“
PA: „Gerne, ich hätte ihnen diesen hier, sehr gut für trockenen Husten“ – und holt den Nitux.

:-) gut gemacht. Das ist zumindest einer, den man nicht missbrauchen kann – und der aber trotzdem wirkt.

„Der Junge kommt den bestellten Saft morgen abholen.“ Sagt der Alte noch, als er wieder geht.

Jaaaa … das habe ich mir fast gedacht – und es ist ein weiteres Zeichen, dass das eben nicht gegen trockenen Husten des älteren Mannes gebraucht wird.
Jedenfalls – haben jetzt sowohl ich als auch die Pharmaassistentin die beiden gesehen – und in der nächsten Zeit gibt es keinen Hustensirup mehr.
Ausser Nitux …

Ja, so was ist doof für die Kunden, die den Hustensirup normal brauchen. Ich stelle auch niemanden unter Generalverdacht, aber wenn sich mehrere derartige Verdachtsmomente häufen, hat das Konsequenzen. Dass wir von den gerne missbrauchten Mitteln nur je 1 Packung abgeben (ohne Ausnahmen) hängt halt auch damit zusammen. Besser als die Alternative – nämlich dass diese Mittel gesamthaft in der Rezeptpflicht verschwinden ist das allemal.

Nur staunen …

Nie ärgern, nur staunen – wie nicoretta sagen würde.

Bei dem Brief, den mir die Drogistin da gezeigt hat, habe ich ziemlich gestaunt.

Zur Erklärung: Wir verschicken von Zeit zu Zeit Prospekte mit Hinweisen auf laufende Aktionen an unsere Kosmetikkunden. Dies hier war für eine Lauder-Promo. So lange Vorrat bekam man bei einem Kauf eines Lauter Produktes ab 70 Franken ein Geschenk – in dem Fall glaube ich eine kleine Tasche mit sogenannten Luxusmustern – die sind selber auch schon einiges wert. Offenbar hat diese Kundin, die vor ein paar Monaten weggezügelt ist auch so einen Brief bekommen … und jetzt hätte sie gerne das Geschenk!

brief

 

(Was ich noch gelöscht habe vom Brief war nur noch ihre Bemerkung, dass sie uns: Drogerie und Mitarbeiter vermisst)

Die beigefügte Packung hat sie übrigens, wie man am Preisetikett gut erkennen konnte – nicht von uns gekauft, sondern von einer Import Parfümerie. Dafür will sie aber, dass wir ihr das Geschenk schicken. Immerhin ist das ja auch Lauder. Oder?

Ich melde mich wieder, wenn ich meinen Mund wieder zu bekomme. Der steht noch immer offen ob der … Dreistigkeit.

Immer wieder interessant …

Immer wieder interessant: wenn uns die Leute in der Apotheke Sachen erzählen, die sie offenbar nie mit ihrem Arzt diskutiert haben.

Dinge wie: „Lyrica, das ist wie Neurontin, ja? Wegen Neurontin bin ich schon im Spital gelandet!“

Und … zurück zum Arzt, bitte.

(Sorry)

Kleine Erklärung:  Wie Gabapentin (Neurontin) ist auch Pregabalin (Lyrica) ein Analog des hemmenden Botenstoffes Gammaaminobuttersäure (GABA). … Also: wenn das eine Probleme gemacht hat, ist die Chance ziemlich gross, dass das andere das auch macht.