Wieso komme ich nicht durch?

Der Tag vor Weihnachten. Einer der stressigsten Tage in der Apotheke – jeder und jede muss „nur noch schnell“ … dazwischen läutet das Telefon immer wieder einmal – und mindestens einmal sind wir vor lauter Kunden nicht dazu gekommen es abzunehmen, obwohl wir die Belegung aufgestockt haben.

Dann kommt die ältere Stammkundin mit einem Abholzettel und reklamiert:

„Sie sollten wirklich diese Telefonnummer da drauf löschen oder ändern. Jetzt habe ich fast eine Stunde lang versucht, sie anzurufen und nie kam ich durch! Ich wollte fragen, ob sie das bestellte schon bekommen haben.“

Gut, wir waren sehr beschäftigt, aber so lange?

Pharmama: „Welche Nummer denn?“

Die Kundin zeigt auf den Abholzettel von uns.

„Diese hier.“

Unsere Telefonnummer steht zuunterst unten. Darüber unsere Adresse, darüber das bestellte Produkt samt Pharmacode und darüber die Patienteninfo. Da … deutet die Kundin drauf.

Pharmama: „Die unter Ihrem Namen?“

(zeige) – sie nickt.

Pharmama (sehr vorsichtig): „Das ist Ihre Telefonnummer.“

Klassisch. Heutzutage weiss man kaum noch die eigene Telefonnummer … ist ja alles abgespeichert im Telefon und so. Und sich selber ruft man auch kaum an.

Die bestellte Ware war übrigens hier.

Das „alte“ Problem

Ich bin nicht gut darin, das Alter einer Person zu schätzen und gelegentlich liege ich arg daneben.

Das ist unangenehm, weil ich ja auch versuche Medikamenteninformation an den Patienten weiterzugeben … aber nicht zwingend der Patient selber in der Apotheke vor einem steht.

Zum Beispiel: das Rezept für die 65 jährige Frau … die Frau vor mir sah etwa aus, wie wenn sie in dem Alter wäre. Aber als ich anfing ihr ein paar Sachen zu erklären … „Diese hier nehmen Sie …“ unterbrach sie mich mit den Worten: „Aber das ist für meine Mutter!“

Oder das andere Rezept für eine 55 jährige Frau, das von einem Mann gebracht wurde (samt Versicherungskarte). Statt ihn zu fragen, ob das für einen Verwandten ist, fragte ich „Ist das für ihre Mutter?“

„Nein, es ist für meine Frau.“

Boden tu dich auf!… Gottseidank hat er dabei gelächelt.

 

Ich brauche das dann doch nicht.

Gestern hat eine Mutter versucht, das Medikament für ihren erwachsenen Sohn zu retournieren. Sie hat das Medikament für ihn vor etwa einer Woche auf Rezept vom Arzt bezogen – und meine Kollegin erinnert sich noch an die Diskussion dabei:

Mutter: „Ist das zum Schlafen?“

Pharmaassistentin (PA): „Das ist ein Mittel gegen Depressionen. Es könnte aber gut sein, dass ihr Sohn damit besser schläft.“

Mutter: „Das muss man vor dem Schlafen nehmen, oder?“

PA: „Nein. Der Arzt hat auch aufgeschrieben: 1 Tablette morgens. Sehen sie? Ich habe es ihnen auch so aufgeschrieben.“

Mutter: „Das macht nicht müde?“

PA: „Vielleicht etwas. Aber es ist kein Schlafmittel!“

Mutter: „Okay.“

Das wäre jetzt der Moment, wo sie sagen könnte: Ich nehme es doch nicht. Ich bespreche es noch einmal mit meinem Arzt / Sohn … Aber: sie nimmt es mit.

Und heute steht sie wieder da:

Mutter: „Das ist nicht das, was wir wollten. Wir wollten nur ein Mittel zum Schlafen.“

PA: „Ja – und ich habe es ihnen das letzte Mal erklärt, dass es das nicht ist.“

Mutter: „Nehmen sie es zurück.“

Die Pharmaassistentin holt mich dazu und erklärt mir rasch, was bisher war.

Pharmama: „Ich kann es für sie entsorgen, zurücknehmen kann ich es nicht.“

Mutter: „Weshalb nicht?“

Pharmama: „Weil Medikamente, wenn sie einmal abgegeben worden sind aus rechtlichen Gründen nicht zurückgenommen werden können. Sie hätten sicher auch keine Freude daran, wenn ich ihnen etwas verkaufe, das jemand anderes schon zu Hause oder in der Handtasche oder sonstwo gehabt hat.“

(Was ich nicht sagt: mit dem Mittel kann fast alles passiert sein – wir haben keine Kontrolle über die Lagerbedingungen mehr.)

Mutter: „Aber was mache ich dann damit? Wir wollen es nicht.“

Pharmama: „Sie können es mir geben zum entsorgen.“

Mutter: „Sie werfen es weg?“

Pharmama: „Ja.“

Mutter: „Bekomme ich dafür ein anderes Mittel?“

Pharmama: „Sie meinen ein Schlafmittel?“

Mutter: „Ja.“

Pharmama: „Dafür sollten sie vielleicht noch einmal Kontakt mit dem Arzt aufnehmen. Ich denke schon, dass er einen Grund hat, dass er das hier verschrieben hat und nicht einfach ein Schlafmittel.“

Die Mutter schaut das Medikament zweifelnd an.

Mutter: „Ich nehme es noch einmal mit und bespreche das mit meinem Sohn.“

Nein, ich habe nicht viel Hoffnung, dass er es nimmt.

Arbeiten mit Erkältung

Etwas Mitleid bitte! Ich bin erkältet und voll heiser und muss arbeiten.

Das hat gelegentlich amüsante Auswirkungen. Zum Beispiel wenn ich das Telefon beantworte:

„Pharmama’s Apotheke, Pharmama.“

Stammkundin: „Hallo, wer ist am Apparat?“

(krächz) „Pharmama“

Stammkundin: „Sie sind nicht Pharmama.“

„Doch, ich bin’s, aber ich bin ziemlich heiser.“

oder:

„Pharmama’s Apotheke, Pharmama.“

Stammkundin: „Ist Pharmama hier?“

„Ich bins selber! Ich bin nur heiser!“

Ganz toll habe ich die Drogistin erschreckt, als ich in Vollmontur mit Maske und Handschuhen aus dem Labor kam. Ja, wenn ich krank bin, packe ich mich auch für Kleinigkeiten so ein.

Sehr schön auch, wenn einem sogar die Kunden zum Abschied „Gute Besserung“ wünschen …