Mitteilungsfreudig

Es gibt Patienten, die teilen mit einem noch das letzte Detail des aktuellen Problems, das sie gerade haben.

Frau Schmiss ist ein gutes Beispiel.

Frau Schmiss ist eine ältere Frau mit einer sehr offenen Persönlichkeit. Sie redet auch nicht gerade leise. Auch nicht in der Apotheke. Sie kümmert sich überhaupt nicht um ihre Privatsphäre – oder die von anderen.

Sooo … Frau Schmiss bekommt auf Rezept Gyno Canesten Vaginal Creme verschrieben.

Frau Schmiss: „Was halten sie von dem Zeugs? Bringt das etwas?“

Ich antworte mit dem üblichen … dass es im Normalfall gut funktioniert, wenn man es nach Vorschrift anwendet – und lange genug.

Frau Schmiss: „Da ist ein Applikator drin, richtig?“

Pharmama: „Ja.“

Frau Schmiss: „Okay, das könnte ein Problem sein. Ich habe da unten schon eine Zeitlang Probleme und obwohl ich ein paar Sachen versucht habe – ist es im Moment ziemlich zugekleistert. Ich bin nicht sicher, ob ich mit dem Applikator durchkomme. Haben Sie da Vorschläge?“

Zu dem Zeitpunkt bewegt sich der Kunde, der bisher daneben gestanden ist weg – genau, wir die Pharmaassistentin hinten verschwindet. Sehr rasch verschwindet. Höre ich da ein Kichern?

Ich bin jetzt ganz alleine mit ihr – und im Kopf habe ich dieses üble Bild, das sie mir gegeben hat. (Zugekleistert?!?).

Ich bewahre aber Fassung und biete ihr einen Behandlungsplan: Dass sie die betroffene Gegend zuerst einweicht – zum Beispiel in dem sie ein Bad nimmt.

Frau Schmiss: „Oh, das ist eine Idee! Ich melde mich dann zurück, wie es gegangen ist!“

Ich kann es kaum erwarten.

Drückende Probleme

Eine Frau kommt mit einem dringlichen Problem zu mir – ihr Mann konnte seit 3 Tagen nicht auf die Toilette. Das ist im Normalfall nicht so tragisch –aber der Mann hatte kurz davor eine Hämorrhoiden-operation und eben seitdem keinen Stuhlgang mehr.

Das Spital hat ihn nach Hause geschickt ohne einen Stuhl-Weichmacher mitzugeben … was ich nach so einer Operation nicht gerade toll finde. Der Mann hat 4 Stiche und es tut ihm immer noch weh. Er darf nicht pressen und harter Stuhl könnte das wieder aufreissen.

Gegessen hat er aber normal die 3 Tage. Jetzt ..  ginge es ihm ziemlich schlecht. Wahrscheinlich hat er auch aus Angst vor den Schmerzen etwas verhalten. Das macht es nicht besser.

Ich habe ihr verschiedenes Vorgeschlagen, alles aber mit der Bemerkung, dass sie es dem Arzt auch mitteilen sollte. Und sie hat alles gekauft: Zäpfchen, Stuhl-Weichmacher, Mini-Klister …

Ich hoffe nur, sie haben zuhause mehr als eine Toilette, denn eine davon … wird heute Nacht besetzt sein.

Re-zept-PFLICHTIG

Erstes Telefon am Morgen:

Frau: „Bekomme ich von ihnen Tamiflu?“

Pharmama: „Wenn Sie ein Rezept haben, ja.“

Frau: (voll künstlich überrascht) „Oh, das braucht ein Rezept? WO bekomme ich das her?“

Pharmama: „Vom Arzt?“

und in die gleiche Richtung stossend hier eine allgemeine Durchsage:

Fragt mich nicht (Nicht!) hier oder per mail, ob ich gegen das Gesetz verstosse und etwas rezeptpflichtiges besorge / verschicke. Ich bin keine Versandapotheke und werde das auch nie sein. Ich kenne meine Kunden und Patienten gerne persönlich, dann weiss ich auch, wann / falls ich eine Ausnahme machen kann.  Hier wird es das aber nie geben. Sorry Leute, aber euer Reductil-Ersatz, Potenzmittel-pillen und derartiges bekommt ihr nicht hier. Und wenn ihr etwas auf Eure Gesundheit haltet, dann solltet ihr danach auch nicht auf dem Internet suchen.

Ende der Durchsage.

Dann kaufen sie es doch einfach! (Warum berate ich überhaupt?)

Kunde in der Apotheke:

„Ich weiss, Sie haben mir Cetirizin für meine Allergie empfohlen. Aber mein Nachbar hat gesagt ich soll Ranimed nehmen. Er ist Tierarzt!“

Arrrgh!

Drei Mal habe ich Anlauf genommen, um ihn den Unterschied zwischen H1 und H2-Histamin-Rezeptoren zu erklären. Es ist wirklich nicht so schwer: H1= Rezeptor, der für die allergische Reaktion verantwortlich ist. H2= Rezeptor, der für die Magensäure-Produktion verantwortlich ist. H1-Blocker = Cetirizin hilft also bei Allergien. H2-Blocker= Ranitidin hilft bei zuviel Magensäure. Nicht umgekehrt, nicht kreuzweise, Njet.

Dann habe ich es aufgegeben und ihm sein Ranimed verkauft.

Soll er doch schauen, ob der Placebo-Effekt für ihn gross genug ist.

Weshalb ich Leute zum Arzt schicke

„Entfernen sie auch Sprissen*?“ Fragt mich der Mann in Arbeitsoverall (Mechaniker?), der seinen eingebundenen Finger hochhält.

Pharmama: „Wenn ich kann. … Schauen wir uns das mal an.“

Ich bringe ihn in den Beratungsraum und bereite meine Instrumente vor, der Mann nimmt sein Pflaster vom Zeigefinger.

Es sieht nicht sehr spektakulär aus – blutet kaum, man sieht wo der Holzsprissen neben dem Nagelende im Finger steckt. Bis mir auffällt, dass er unten – in der Nähe des Gelenkes auch eine offene Stelle hat.

Ich drehe den Finger nach rechts und links.

Pharmama: „Äh, ist es möglich, dass der Sprissen glatt durchgeht?“

Mann: „Könnte sein. Da war ziemlich viel Kraft dahinter.“

In der Tat. Der Sprissen ist etwas über 1 cm lang, nadeldick und geht durch.

Leider ist er von unten nicht zu fassen ohne ziemlich zu graben und von oben … kann ich ziehen, was ich will, er rührt sich nicht.

Einmal zum Arzt, bitte!

Ja, wegen einem Sprissen.

* Splitter – für meine deutschen Leser

Schluck! Impfung

Mann in der Apotheke: „Ich muss Vivotif nehmen. Jetzt habe ich versehentlich die mitteler Kapsel am ersten Tag genommen – ist das schlimm?“

Pharmama: „Nein, da ist in allen dasselbe drin. Kein Problem.“

vivotifkarte

 

Vivotif ist die Schluckimpfung gegen Typhus. Eigentlich eine Seltenheit: eine Schluck-Impfung. Sie kommt in 3 Dosen – und einem Info-Blatt, weil es wichtig ist, die richtig zu nehmen (das Info Blatt sieht ähnlich aus wie das oben, nur bei uns in deutsch/französisch/italienisch). Nämlich: 1 Stunde VOR dem Essen. Unzerkaut und ungeöffnet. 1 Kapsel am ersten Tag, 1 Kapsel am 3. Tag und 1 Kapsel am 5. Tag.

Aber welche Kapsel aus der Packung man wann nimmt … das ist Wurst.