Schleichend

Auf dem Rezept steht leider nicht die Dosierung des Medikamentes, von dem es verschiedene Varianten gibt, darum sagen wir der Kundin, Frau Merlin: „Wir rufen beim Arzt an, um das abzuklären und bestellen ihnen dann das richtige Medikament.“ 

Sie bekommt einen Zettel mit zum abholen ihres Mittels. Weil wir nicht wissen, welches Medikament es sein wird, schreiben wir halt nur ihren Namen drauf.

Telefon am Mittag. Frau Merlin: „Ich habe da einen Zettel von ihnen, ich glaube, ich sollte ihnen anrufen wegen etwas?“

Pharmama: „Nein, aber wir haben inzwischen dem Arzt angerufen und wissen jetzt, welches Mittel sie bekommen. Sie können es ab 4 Uhr mit dem Zettel abholen kommen.“

(Hmmmm…)

Telefon am Abend. Frau Merlin: „Ich habe da einen Zettel von ihnen – ich glaube ich muss noch etwas bestellen? Was wollten sie von mir wissen?“

Pharmama: „Wir müssen nichts mehr wissen, ihr Medikament ist schon für Sie auf der Seite bereit zum abholen.“

(Ui. das ist nicht gut.)

Am nächsten Tag – noch ein Anruf von Frau Merlin: „Ich habe da einen Zettel von ihnen, aber ich weiss nicht mehr warum?“

Pharmama: „Wir haben etwas für sie bestellt. Sie können es abholen kommen.“

(Wirklich nicht gut!)

Und als sie dann nicht kommt, müssen wir ihr noch ein paar Mal anrufen um sie daran zu erinnern.

So fängt Alzheimer nicht an … das ist schon etwas fortgeschritten. Bisher ist ihr Problem bei uns noch nicht aufgefallen, aber das … ist schon deutlich.

Habe ich zuviel bezahlt?

Eigentlich war ja meine Pharmaassistentin an ihm, aber als er gemerkt hat, dass ich die Apothekerin bin, wendet er sich nach dem Kauf seines Schmerzmittels an mich.

älterer Kunde: „Sie sind Apothekerin?“

Pharmama: „Ja.“

Kunde: „Ich hätte da eine Frage – wegen Sortis.“

Pharmama: „Ja?“

Kunde: „Also, ich habe immer (zieht Zettel aus der Hosentasche) 221 Franken* dafür bezahlt.“

Pharmama: „Ja.“ 

Kunde: „Ausser beim letzten Mal, da waren es nur noch 170 Franken.*

Und jetzt … habe ich bei meinem Freund etwas gesehen – er sagte, das sei sein Sortis – und das hat nur noch 80 Franken* gekostet.“

Pharmama: „Jaaa…“

Kunde: „Wieso?“

Pharmama: „Wieso es günstiger geworden ist?“

Kunde: „Ja. Habe ich zuviel bezahlt?“

Pharmama: „Nein – solange das Sortis noch in der Patentzeit war, war es so teuer, wie sie geschrieben haben. Etwas über 200 Franken. Jetzt ist das Patent aber abgelaufen und es kommen die Nachfolgepräparate – die sogenannten Generika. Sortis hat deshalb die Preise gesenkt … auch als Anreiz für die Kunden, beim Sortis zu bleiben.

Die Generika sind aber trotzdem noch einiges günstiger. Sie heissen einfach anders.“

Kunde: „Ah. – Und was muss ich machen, damit ich diese bekomme? Soll der Arzt mir ein neues Rezept verschreiben?“

Pharmama: „Nein, sie können das in der Apotheke in der sie das Sortis-Rezept haben einfach anmelden. Die können das gegen das Generikum austauschen. Dafür brauchen wir den Arzt nicht.“

Kunde: „Und was ist mit der Krankenkasse?“

Pharmama: „Die werden sehr zufrieden mit ihnen sein :-) sie werden keine Probleme machen.“

*alle Preise nur geschätzte Angaben

Heute ist es meine Schuld

Heute bin ich offenbar Schuld.

Es ist meine Schuld, dass die Krankenkasse meldet, dass Sie nur noch Grundversichert sind … ich nehme an, Sie bekommen wieder eine Zusatzversicherung, sobald die ausstehenden Prämien bezahlt sind.

Es ist meine Schuld, dass Sie nicht bemerkt haben, dass die Karte der neuen Versicherung zuhause in einem Brief in dem riesigen Haufen Post auf ihrem Küchentisch liegt.

Es ist meine Schuld, dass der Arzt Ihnen kein Dauerrezept mehr ausstellt, bis er Sie persönlich gesehen hat.

Es ist meine Schuld, dass Ihnen der Arzt ein Medikament aufgeschrieben hat, das Ihre Versicherung nicht bezahlt.

Es ist meine Schuld, dass Ihre Versicherungsprämien dieses Jahr kräftig gestiegen sind.

Es ist meine Schuld, dass das Produkt, das Sie zur Ansicht bestellt haben wieder zurückgeschickt wurde – nachdem es 8 Tage hier war und man Ihnen zwei Mal telefonisch Nachricht gegeben hat.

Es ist meine Schuld, dass wir nicht genug Packungen von ihren Medikamenten für die 3 Monate langen Ferien an Lager haben – und zum Bestellen reicht es auch nicht mehr, weil Sie ja heute mittag abfliegen.

und an was bist Du heute Schuld?

Jetzt juckt es mich schon wieder …

Eine Frau mittleren Alters kommt zur Theke und winkt mich zu sich, während sie in ihrer Handtasche nach etwas sucht.

Frau: „Sind Sie die Apothekerin?“

Pharmama: „Ja?“

Frau (zieht einen durchsichtigen Ziplock Plastiksack aus der Handtasche) „Könnten Sie sich das mal ansehen?“

(Sie nestelt oben am Plastiksack) „Sind das Läuse?“

Pharmama: (leicht hektisch): „Haaaalt! Nicht aufmachen!!“

Frau (friert mitten in der Bewegung ein): „Aber …“

Pharmama: „Ich kann sie auch im Beutel anschauen.“

(kurzer Blick): „Jaaaa … das sind Läuse.“

… und sie waren noch lebendig. Nein, das brauche ich nicht auf meiner Theke.

Nein, nein, nein …

Nicht mein Problem

Kundin: „Ich brauche mein Medikament, der Name ist Ochsner.“

Ich suche oben und unten: in den Bestellschubladen, neben dem Wareneingang, im Computer, was es sein könnte …

Pharmama: „Was brauchen sie denn?“

Kundin: „Das Euthyrox“

Nochmals Blick in den Computer.

Pharmama: „Sie haben kein Rezept mehr dafür – und ihnen wurde das letzte Mal schon ein Vorbezug dafür gemacht. Sie müssen ein neues Rezept beim Arzt verlangen.“

Kundin: „Nein! Das ist schon das dritte Mal, dass ich hier bin und Sie haben noch nichts gemacht.“

Ich nehme das Blatt mit dem Vorbezug hervor – daran hängen in dem Fall die restlichen Unterlagen von dem „Fall“. Vorbezüge lassen wir übrigens unterschreiben. Als Beweis, dass es bezogen wurde.

Pharmama: „Nun, nach meinen Unterlagen haben wir ihrem Arzt gefaxt – tatsächlich schon zwei Mal , ihm  3 Mal angerufen, ihm einen Brief geschickt, Zwei Brieftauben und mindestens einmal haben wir es mittels Rauchsignal versucht .. (Okay – letzteres stimmt so nicht ganz, aber … wir haben gemacht, was möglich war). Er hat sich nicht zurückgemeldet. Haben Sie schon versucht, ihn anzurufen?“

Kundin: „Nein, denn das sollten Sie machen! Das ist die schlechteste Apotheke überhaupt!“

Sie stürmt raus – nur um am nächsten Tag wiederzukommen … und das selbe erzählt zu bekommen. Wir haben getan, was wir konnten. Jetzt liegt es an ihr. Ist ja auch ihre Gesundheit.

Ei-gen-ver-ant-wor-tung Leute!