Mein Tag in der Apotheke

… War eigentlich ausgesprochen ruhig. Wir hatten die durchschnittlichen 40 Rezepte, etwa 10% davon zahlten es selbst, der Rest geht via die Krankenkasse.

Es gab den üblichen Kunden, der nicht glauben wollte, dass er ohne aktuelle Krankenkassenkarte das Rezept selbst zahlen muss – und ja, wie sich herausstellte, zu Recht, denn offensichtlich hat er eine Leistungssperre bei der Krankenkasse wegen nicht bezahlter Prämien. Das haben wir herausgefunden, als wir ihm anboten, bei der Krankenkasse selbst anzufragen, etwas, was ich nur dann grad machen lasse, wenn ich Zeit habe, ansonsten ist es Sache des Kunden für den Nachweis zu sorgen.Tja.

Dann war da noch der Jugendliche, der „für seine Mutter“ eine Packung Hustentabletten möchte. Er weiss nicht mehr den Namen „aber die Packung ist rot-weiss“. Ja, klar. Wenn Du Dextromethorphan Tabletten willst, musst Du es woanders probieren! Ich habe ihm erklärt, dass wir die nicht an Jugendliche abgeben und dass seine Mutter, wenn sie die will selbst kommen muss. Ihm kann ich Sirup anbieten …. wollte er (logischerweise) nicht. Sein Kollege draussen vor der Apotheke sah fast so enttäuscht aus wie er, dass er es nicht bekommen hat. Tja.

Und nicht zu vergessen der unbekannte Kunde, dem der Bankomat das Kärtchen eingezogen hat und dem sein Portmone verloren gegangen ist. Er braucht aber unbedingt ein Geschenk für seine Schwester … ob er anschreiben lassen kann? Äääh … nein. Er kann ihr ja einen Gutschein machen, bis er wieder an Geld kommt.

Und das Rezept, das verdächtig nach Fälschung aussah, Ich bezweifle auch, dass der Arzt Anxiolyt als Angxiolyt schreiben würde. Hat er auch nicht …. das war die Praxisasisstentin …

Dann waren da noch 2 Auslieferungen zu machen, 1 Arzt zu telefonieren wegen einer Wechselwirkung, 3 Vorbezüge und ein Kunde, den ich mit Verdacht auf Borreliose nach Zeckenstich zum Arzt geschickt habe etc etc.

Ein normaler Tag in der Apotheke eben.

Du kennst den Typ

Wenn Du im Verkauf arbeitest, kennst Du sicher den Typ Kunden der 5 Minuten vor Verkaufsschluss hereinkommt und noch eine ausführliche Beratung will? Und er/sie ist sicher nicht fertig, bis der Laden normalerweise schliesst. Und das stört die Person überhaupt nicht, es ist schliesslich eine Selbstverständlichkeit, dass man für sie da ist.

Dasselbe gibt es in der Apotheke, nur dass sie da mit etwa 3 Rezepten aufmarschieren, die sicher nicht problemlos sind.

Ich liebe es    – nicht.

Gestern Samstag Abend kurz nach 6 Uhr, wir haben geschlossen und waren noch am etwas reden in der Apotheke, sehe ich aussen am Schaufenster jemanden, der hineinschaut, ein paar Schritte läuft, nochmals hineinschaut … schliesslich winkt … ich kenne den Kunden, er ist genau einer jener Typen oben. Nur diesmal ist  er wirklich zu spät dran.

Wie wir herauskommen meint er  „wir könnten ihm doch nur schnell …“ nein, Sorry, aber jetzt haben wir geschlossen. Alle Kassen sind versorgt, die Computer heruntergefahren. Wenn ich jetzt noch jemanden bediene, müsste ich die Notfalldienst-taxe verlangen, weil es ausserhalb unserer Öffnungszeiten ist.

Da ist er dann reichlich unwillig vor sich hin mutternd gegangen.

Bis am Montag, dann. Wenn es wirklich wichtig ist, gibt es ja noch die Notfallapotheke. Aber eher sehe ich ihn am Montag abend um kurz vor 7 Uhr….

Das Beste daran finde ich aber, dass das er ein Rentner ist. Wenn es jemand gewesen wäre, der den ganzen Samstag (oder die ganze Woche) gearbeitet hat, und deshalb nicht früher konnte, würde ich noch etwas Verständnis aufbringen. aber so?

Das fällt unter: „Things that make me go Hmmmmm?“

Über die richtige Anwendung – Zäpfchen

Es ist unglaublich wichtig, dass man die Patienten über die Anwendung ihrer Medikamente richtig informiert. Das ist etwas, was ich immer wieder betonen muss bei meinen Mitarbeitern. Grundsätzlich darf man nichts, aber auch gar NICHTS als gegeben annehmen.

Wenn der Arzt auf dem Rezept aufschreibt, wie oft pro Tag eine Tablette geschluckt werden muss, so gehört das auf eine Etikette auf die Medikamentenpackung. Wenn es wichtig ist, ob vor, mit oder nach dem Essen auch.

Aber damit ist es noch nicht getan.

Offensichtlich genügt es nicht, wenn auf eine Packung entzündungshemmender Schmerzzäpfchen steht „3 mal täglich 1 Zäpfchen „.

Besser schreibt man: „3 mal täglich 1 Zäpfchen einführen“

Das einführen ist hier so hervorgehoben, weil es immer wieder vorkommt, dass Patienten versuchen, die Zäpfchen zu schlucken. Ich wette fast jeder Apotheker hatte schon einen Patienten, der zurückkam und reklamierte, er „könne diese Dinger nicht schlucken, sie sind zu gross!“ … oder „die schmecken so wachsig!“

Damit nicht genug habe ich schon von einem gehört, der Zäpfchen verschrieben bekommen hat gegen Ohrenschmerzen. Und jetzt raten sie mal, wo er die einführen wollte. Genau. Er kam dann zurück und meinte: „die Dinger sind zu gross für meine Ohren, gibt es die auch eine Nummer kleiner?“

Also sollte man am besten auf die Etikette schreiben: „3 mal täglich 1 Zäpfchen in den After einführen“ – aber irgendwo finde ich hat es Grenzen und das letzte grenzt an Patienten-bevormundung. Hat der Patient denn nicht auch irgendwo eine gewisse Eigenverantwortung für seine Gesundheit? Da gibt es schliesslich auch noch die Packungsbeilage wenn einem etwas seltsam vorkommen sollte.

Übrigens: bei Vaginaltabletten frage ich zur Sicherheit immer nach, ob die Patienten auch wissen, wo sie hingehören.

Ich werde noch einen Post machen, wo die korrekte Anwendung beschrieben ist.

Der Kunde hat nicht *immer* Recht

Diesen Nachmittag in der Apotheke: kommt eine ältere Frau mit einer Frage zu uns. Sie hat da ein Rezept, das sie eingelöst hat. 2 Arten Augentropfen. Sie denkt, sie habe die einen Augentropfen nicht bekommen,HMSj als sie das Rezept eingelöst hat. Sie hat überall zuhause gesucht, sie aber nicht gefunden. Auf dem Kassabon, der am Rezept hängt ist das Fläschchen aber abgerechnet. Das bedeutet, es wurde per Scanner eingelesen. Auch auf dem Rezept selbst ist der Preis des Fläschchens vermerkt. Sie denkt, vielleicht hat sie es auch hier liegen lassen? Ich checke unseren Lagerbestand (obwohl wir normalerweise liegen gelassene Medikamente den Kunden telefonisch melden, v.a. wenn wir die Daten haben, da sie es auf Rezept hatten) – der Lagerbestand stimmt auch, es wurde nichts wieder eingeräumt oder angepasst.

Was jetzt? Ich kämpfe ein bisschen mit mir, ich bin versucht ihr ein neues Fläschchen gratis zu geben – auch wenn es nicht so aussieht, als ob es ein Fehler von uns gewesen ist. Da fällt mein Blick auf das Datum des Rezeptes und des Kassabons. Was zum Geier? Dezember 2007 ??

Pharmama: „Tut mir leid, aber das ist schon zu lange her. Das kann ich Ihnen nicht gratis geben. Ich kann es Ihnen jedoch so parat machen, dass sie es mit diesem Rezept der Krankenkasse einschicken können.“

Widerwilligst lenkt sie ein. Sie meint dann noch: „Aber ich bin eine Stammkundin von ihnen!“ Ja. Seit 2005 hat sie bei uns 2 Rezepte eingelöst.

Ich denke dass sie die Augentropfen in den 4 Monaten (!) seit Dezember wahrscheinlich schon aufgebraucht hat – und das vergessen hat.

Ich glaube nicht, dass sie es mit Berechnung gemacht hat – aber wie auch immer: Was denken diese Leute? Gehen Sie nach 4 Monaten ins Geschäft zurück (egal welches: Lebensmittel, Kleider, Elektronik und sagen: „Ich glaube ich habe das eine Produkt nicht mitbekommen, obwohl ich es bezahlt habe, kann ich jetzt dafür ein neues haben?“ Sowas merkt man doch vorher!

Nein, der Kunde hat NICHT immer Recht.

Die moderne Heimsuchung: Handys

Eines der Dinge die ich nicht ausstehen kann, nie konnte und wohl auch nicht mehr werde sind Natels, genauer gesagt Leute, die das Gefühl haben, sie müssten jederzeit und immer erreichbar sein. Leute, die wegen jeder Kleinigkeit telefonieren („Schatz, ich bin jetzt an der Station XY, ich bin in 10 Minuten zu Hause“). Ein Freund hat mal gesagt: „Wo waren eigentlich all die Schlangen vor den Telefonkabinen früher? Wenn die Leute vor den Natels soviel telefoniert haben, müssten die Kabinen eigentlich nonstop belegt gewesen sein.“

Ich bin ja der Meinung, man muss nicht immer erreichbar sein. Es gibt genug Orte, wo es besser wäre das Natel abzuschalten -nicht nur im Kino oder Theater. Oder finden Sie es toll, wenn ihre Verabredung im Restaurant alle paar Minuten am Natel hängt, weil eine Freundin gerade jetzt wissen will, was sie macht (sie selbst sitzt im Bad) oder die Arbeitskollegin nur rasch eine Frage hat wegen einem Formular etc. all das kann warten, oder?

Genau so empfinde ich auch in der Apotheke. Da ist man mitten in einer Beratung, da klingelt das Natel des Kunden. Statt dass er es abstellt (die Nummer wird ja gespeichert, man kann zurückrufen) oder es abnimmt und sagt „Ich bin beschäftigt, ich ruf zurück, tschüss“, nimmt er ab und beginnt ein längeres Gespräch „Ja, hallo. Nein, ich bin gerade in der Apotheke. Nein, kein Problem, Du störst nicht. … aha … ja, das habe ich mir schon gedacht, da war doch diese ……“

Und das ist dann der Moment, wo ich den Kunden einfach stehenlasse und mich dem nächsten zuwende. Er ist nämlich nicht alleine in der Apotheke und ich finde es eine Frechheit, wenn er nicht nur mich, sondern auch noch die paar hinter ihm warten lässt, nur um die neusten Gerüchte anzuhören.

Dieser Kunde darf dann sein Gespräch beenden – und warten, bis ich mit dem anderen fertig bin.

Nur damit wir uns verstehen: ich habe nichts dagegen, wenn der Ehemann rasch seine Frau anruft, um sich zu versichern, dass er auch das Richtige mitbringt. Wobei – dabei stellt sich bei mir die Frage: was haben diese Leute vor den Natels gemacht? Diese Dinger fördern nur die Unselbständigkeit.

In dem Zusammenhang fällt mir immer Ray Bradburys Buch „The murderer“ ein. Ich hatte so ein AHA Erlebnis, als ich es gelesen habe. Geschrieben 1953 (!) hat er so viele von den heutigen technischen Errungenschaften und die damit einhergehenden sozialen Veränderungen hervorgesehen. Die Welt in der der Protagonist lebt könnte heute sein, oder ein nicht sehr fernes morgen. Jedermann hat ein „wrist radio“, ein Handgelenk Radio, über das er telefonieren, Musik hören etc. kann (hört sich doch an wie die heutigen Natels?). Die ganze Welt ist verbunden … und nirgendwo ist mehr wirkliche Ruhe. Und irgendwann fängt der Protagonist an durchzudrehen und die technischen Geräte zu ermorden…

hier sind 2 Auszüge:

There sat all the tired commuters with their wrist radios, talking to their wives, saying, ‚Now I’m at Forty-third, now I am at Forty-fourth, here I am at Forty-ninth, now turning at Sixty-first.‘ One husband  cursing,  ‚Well,  get  out of that bar, damn it, and get home and get dinner  started,  I’m at Seventieth!‘ And the transitsystem radio playing ‚Tales from  the Vienna Woods,‘ a canary singing words about a first-rate wheat cereal. Then  I  switched  on my diathermy! Static! Interference! All wives cut off from husbands  grousing about  a  hard  day at the office. All husbands cut off from wives  who  had  just  seen  their  children  break a window! The ‚Vienna Woods‘ chopped down, the canary mangled! Silence!  A terrible, unexpected silence. The bus  inhabitants  faced  with  having to converse with each other. Panic! Sheer, animal panic!“

…und später …

„But  they  went  too  far.  If  a  little music and ‚keeping in touch‘ was charming,  they  figured  a lot would be ten times as charming. I went wild! I got  home to find my wife hysterical. Why? Because she had been completely out of  touch  with  me  for  half a day. Remember, I did a dance on my wrist radio? Well, that night I laid plans to murder my house.“
„Are you sure that’s how you want me to write it down?“
„That’s  semantically  accurate.  Kill  it dead. It’s one of those talking, singing,    humming,    weather-reporting,    poetry-reading,    novel-reciting, jingle-jangling,   rockaby-crooning-when-you-go-to-bed   houses.  A  house  that screams opera to you in the shower and teaches you Spanish in your sleep. One of those  blathering  caves  where all kinds of electronic Oracles make you feel a trifle  larger  than  a thimble, with stoves that say, „I’m apricot pie, and I’m done.‘  or  ‚I’m prime roast beef, so haste me!‘ and other nursery gibberish like  that. With beds that rock you to sleep and shake you awake. A house that_barely tolerates  humans, I tell you. A front door that barks: ‚You’ve mud on your  feet,  sir!‘ And an electronic vacuum hound that snuffles around after you from  room  to  room,  inhaling every fingernail or ash you drop. Jesus God, I say, Jesus God!“

Natürlich habe auch ich ein Natel (für nicht-Schweizer: das ist ein Handy). Aber es gibt Zeiten (häufig), da ist es abgestellt. Ich muss nicht immer erreichbar sein, oder?

Bären-Repellent oder: Bären sind keine Mücken!

Aus Amerika

Eine Gruppe junger deutscher Männer kommt in die Apotheke (in Yukon), alle mit verbrannt aussehender, roter Haut im Gesicht und auf den Armen.

Mann: „Haben Sie eine gute Notfallsalbe?

Apotheker: „Klar, aber, was ist denn passiert?“

Mann: „Wir waren wandern in den Bergen, da sahen wir, dass sich ein Bär aus der Umgebung nähert und um uns gegen eine Bärenatacke zu schützen … haben wir uns gegenseitig mit dem ‚Bären-Repellent‘ eingesprüht …“

Jetzt sollte man nur wissen: … das ist super konzentrierter Pfeffer-Spray!

Das wirkt nicht wie Mückenschutz …

Autsch!

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