Bestellbar: heute, morgen, gar nicht

Da, wo ich arbeite haben wir über 10’000 Artikel an Lager (laut letzter Inventur) und was nicht da ist kann im Normalfall bestellt werden und zwar innerhalb eines halben Tages. Das bedeutet, ich bestelle vor 12 Uhr und es ist spätestens um 4 Uhr Nachmittags hier. Ich bestelle vor 7 Uhr abends und es ist am nächsten Morgen hier.*

Ich finde das wirklich erstaunlich und eine sehr gute Dienstleistung für die Kunden. Ehrlich: wo sonst ist das auch so? Nirgends, oder?

Trotzdem gibt es Leute denen das offensichtlich nicht reicht.

Besonders liebe ich dazu folgende Aussagen:

„WAS? Sie haben es nicht da? Immer, wenn ich komme und etwas brauche, müssen Sie es bestellen!“ – Ja, wenn Ihr Arzt natürlich irgendwelche seltenst gebrauchten Medikamente aufschreibt und Sie auch noch darauf bestehen genau das zu nehmen und nicht etwa das Generikum, das wir an Lager haben. Und „immer“ heisst also alle 2 Jahre einmal?….

„Aber ich gehe heute Mittag in die Ferien / fliege morgen früh … und ich brauche es sofort!“ – Sie wissen wie lange, dass Sie in die Ferien gehen und Medikamente brauchen und das Rezept ist über eine Woche alt? Hmmpf. Viel Glück bei der Suche nach einer Apotheke, die die Medikamente an Lager hat! (Wobei ich dann noch nett – oder blöd- genug bin, anzubieten ein paar Apotheken anzurufen und anzufragen).

„Oh, Sie haben dieses … (irgendeinobskureswundermittelchen)…… also nicht hier und können es auch nicht bestellen….“

Doch, ich kann ihnen dieses Wundermittel, das Sie in einer Illustrierte gefunden haben schon bestellen, aber so wie ich den Hersteller kenne wird er neben dem Porto noch einen Einzelstückzuschlag daraufhauen. Ausserdem ist es kein Medikament, sie könnten auch selbst anfragen, dass sie es zu ihnen schicken. Die Adresse steht auch im Heft, samt der (gebührenpflichtigen) Telefonnummer.

„Sie haben das nicht im Computer? Aber ich habe es im Fernsehen gesehen!“ Ja, mag gut sein – Es war nicht zufällig auf dem ZDF, ARD, Pro7 oder Sat1? Das sind Deutsche Sender, also ist es wahrscheinlich ein deutsches Produkt. Im Computer habe ich nur die Schweizer Produkte. Doch, ich kann es ihnen aus Deutschland besorgen, aber das wird teurer. Es gibt in der Schweiz wahrscheinlich auch Produkte wo dasselbe drin ist (jetzt muss ich nur noch herausfinden was darin ist …)

*kleiner Disklaimer: Samstags gibt es keine Nachmittagslieferung (auch der Grossist macht Wochenende) und gewisse obskure oder seltene Dinge können nur direkt vom Hersteller bestellt werden, was ein paar Tage dauern kann.

Unvernunft ist …

… Wenn die Patientin mit einem bauchfreiem Top und Minirock bei noch nicht wirklich sommerlichen Temperaturen kommt, sich eine Packung „Blasen und Nierentee“ schnappt und fragt, was sie sonst noch gegen eine Blasenentzündung und schmerzende Nieren tun kann. Dann darf sie sich nicht wundern, wenn ich sie durch Anfassen mit meinen immer ziemlich kühlen Händen in die Nierengegend zum Hüpfen bringe. Jedenfalls war das eine deutliche Demonstration zu meinem Rat: „Ziehen Sie sich etwas wärmeres an!“….

So traurig es ist, aber bei einer Allergie gegen Katzenhaare ist es keine gute Idee, sich weiterhin eine Katze zu halten, deswegen ständig Antiallergika zu nehmen und schliesslich sogar einen Asthma-Inhalator zu brauchen. Wenn diese Patientin mich also fragt, was sie denn noch tun kann, so muss mein Rat (leider) lauten: „Sehen sie sich nach einer guten Unterkunft für ihre Katze um“.

In dieselbe Kategorie fallen Personen mit Lebensmittelallergie, die partout nicht auf das auslösende Lebensmittel verzichten können. So z.B. die Frau mit dem Ausschlag am ganzen Körper: Aber die Erdbeeren waren sooo fein!“. Klar. Und das nächste Mal, wenn Sie sie essen, bringen sie Sie vielleicht um, aber das hat man Ihnen schon gesagt, oder? Nennt sich anaphylaktischer Schock. „Übrigens: haben Sie immer ein Notfallset mit Zyrtec / Prednison dabei?“

Dazu passt doch auch dieses Zitat:

„Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen.“

– Hoimar von Ditfurth, Innenansichten eines Artgenossen, 1989

Die Rückkehr der Läuse

Es wird wieder Sommer und wie jedes Jahr, haben wir wieder eine Menge Kinder, die aus den Ferien (oder sonst wo) Läuse mitbringen. Und nicht nur mitbringen. Wenn es Ein Kind hat, hat es danach oft ein Grossteil der Schulklasse auch.
Ich habe noch keine persönliche Erfahrungen mit Läusen. Ich erinnere mich zwar, dass es auch in meiner Klasse von Zeit zu Zeit eine Epidemie gab, aber irgendwie hat es mich immer verschont. Dabei hatte ich praktisch immer lange Haare – die Läuse würden sich wohlfühlen, aber … nein. Ich vermute es liegt daran, dass ich ein Einzelgänger war und auch nicht dazu neigte, meine Haarbürste oder die Kappe mit anderen auszutauschen.
Wie auch immer. Gelegentlich haben wir wieder eine Mutter (es sind nie die Väter, die damit kommen), die uns ihr Kind bringt und sagt: „Könnten sie mal schauen? Ich glaube sie/er hat Läuse“. Oft genug stimmt das auch. Die Läuse selbst sieht man selten, weil sie rasch flüchten, die Nissen sind deutlicher, wenn auch recht klein.
Nach so einer „Begutachtung“ habe ich jedes Mal das Gefühl, dass es mich beisst und juckt. Eigentlich reicht dazu allein die Erwähnung „Laus“ von einem Kunden …

Gute Info zum Thema findet man hier: http://www.kopflaus.ch/

Ich will noch ein paar Dinge anmerken: Die meisten chemischen Mittel wirken inzwischen nicht mehr, weil sich die Läuse daran gewöhnt haben und Resistent geworden sind. Man kann es einmal versuchen aber wenn es nach einer Behandlung mit Prioderm oder Loxazol nicht gewirkt hat, muss man etwas anderes probieren.

Die Methode der Wahl ist inzwischen das „Ersticken“ der Läuse und Nissen mit Silikonöl oder Kokosöl, wie es z.B. in Lausweg enthalten ist. Man muss es allerdings lange genug einwirken lassen: unbedingt die Packungsbeilage beachten. Länger einwirken macht in dem Fall übrigens nichts – die Mittel sind sehr inert. Die kann man laaange drauf lassen, ohne dass das Probleme gibt.

Das A und O einer erfolgreichen Läusebehandlung ist die Entfernung der Nissen. Das heisst, nach dem Lausmittel muss das Haar vollständig mit dem Nissenkamm durchgearbeitet werden.
Überleben irgendwelche Nissen die Behandlung schlüpft nämlich nach ca. 2 Wochen die nächste Generation Läuse und das Ganze geht wieder von vorne los. Deshalb empfiehlt es sich die Behandlung nach 10-14 Tagen noch einmal zu wiederholen.

Also ich geh’ mich jetzt kratzen.

Rätselaufgabe in der Apotheke

Da kam letzthin ein älterer Mann in die Apotheke mit einem Dosett, in dem genau noch 3 Tabletten waren. Genauer gesagt: eine oblonge weisse Tablette, eine halbe weisse runde Tablette mit 2 Bruchrillen und eine rosa Kapsel.
Der Mann wollte wieder diese Medikamente.
Problem: er war noch nie bei uns gewesen, die Medikamente seien aber auch nicht rezeptpflichtig. Er hat keine Ahnung für was die Medikamente sind (O-Ton: „für die Gesundheit“ ), und er hat auch keine der Packungen mehr zuhause. Er weiss nicht einmal mehr, woher er die Medikamente ursprünglich hatte.

??? – Ich habe alles versucht, ich habe die identa hervorgenommen – das ist ein Büchlein mit Fotos von Tabletten, allerdings hauptsächlich rezeptpflichtigen. Ich habe versucht genauere Angaben zu bekommen, was die Medikamente denn machen. Ich habe einzelne Packungen aufgemacht, um zu schauen, ob es eventuell diese sind. Nichts.
Am Schluss musste ich passen.

Es hat mir dann aber doch keine Ruhe gelassen (ich mag Rätsel wirklich). Ich habe im Internet gesucht, ob es die identa, eventuell dort gibt – und etwas aktueller, denn die letzte Druckversion ist von 2002 und seitdem hat sich viel getan. Es ist schon ein echtes Problem.
Wenn früher jemand kam und sagte: „ich brauche wieder die weissen Tabletten gegen das Wasser“, dann konnte man fast sicher sein, es waren die Lasix. Heute sind es entweder die Lasix, oder die Oedemex, oder Fursol, oder Furodrix oder Furosemid Helvepharm. Wobei letztere die aktuellen Generika sind. Dasselbe gilt für eine Menge der anderen Medikamente. Wir führen natürlich auch aus genau dem Grund Patientendossiers, wo genau festgehalten wird, was der Patient wann bekommen hat und in welcher Dosierung (und von welchem Arzt und welche Krankenkasse etc.).

Aber all das nützt natürlich nix, wenn der Patient noch nie bei uns war. Oder die Medikamente nicht über Rezept bezogen wurden – wobei, bei den meisten freiverkäuflichen Medikamente kenne ich das Aussehen.
Diejenigen, die er gebracht hat, kamen mir eher vor wie Rezeptpflichtige. Deshalb suchte ich weiter, bis ich im Internet eine identa fand – allerdings nur für Deutschland :-(. Aber eine Menge Medikamente sind ja trotzdem die gleichen, weil sie von den gleichen Firmen hergestellt und vertrieben werden.

Dort fand ich dann auch eine rosa Kapsel, die verdächtig nach der aussah, die er gebracht hat.
Es war ein Mittel gegen Alzheimer …
… Das erklärt doch einiges…

P.S. die Suche nach den weissen runden Tabletten habe ich dann aufgegeben: „Die Suche nach ihren Vorgaben erbrachte über 500 Ergebnisse. …“

Update: seit Compendium.ch nicht mehr nur die Fachinformationen veröffentlicht, sondern auch Bilder der Medikamentenpackungen und Tabletten/Kapseln, gibt es auch für die Schweiz eine Identa!

 

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Anhängliche Kunden

Ich finde es toll, wenn Kunden zurückkommen und sagen, sie kommen gerne in die Apotheke weil xy da ist und weil xy drauskommt und immer so freundlich ist. Selbst so ein Kompliment zu bekommen ist immer ein gutes Gefühl.

Aber da gibt es auch die Schattenseite. Die Kunden, die wirklich NUR noch zu einem wollen, kann man noch tolerieren, wenn sie warten können (denn meistens sind sie ja nicht alleine in der Apotheke). Aber manchmal geht es wirklich zu weit. Da ist der (ältere) Verehrer, der der Drogistenlehrtochter Blumen bringt und von uns ihre Adresse haben will (sorry: nein!). Da ist die Kundin, die so lange mit einem über ihre Hunde reden will, dass die Mittagspause, die man eigentlich hätte, vorbei ist, wenn sie endlich geht.

Da ist es schwierig den professionellen Abstand zu wahren und den Leuten möglichst schonend beizubringen, dass man halt am arbeiten ist und noch andere Dinge zu tun hat.

Manchmal muss man etwas deutlicher werden.

Ich erinnere mich da an eine Pharmaassistentin, die mir erzählte, wie ein Drogenabhängiger in ihrer Lehre so eine Beziehung zu ihr entwickelt hat. Immer musste sie ihn bedienen, und als er herausgefunden hat, dass sie (wie in den meisten Apotheken) kleinere Verletzungen behandeln, kam er öfter mal mit kleinen Wunden um sich verarzten zu lassen von ihr. Das war besonders „creepy“, weil er sich die Wunden offensichtlich selbst zufügte.

Als er also wieder einmal kam, mit einer Reihe winziger Schnittwunden schnappte sich besagte Pharmaassistentin statt dem normalerweise verwendeten Wasserstoffperoxid die Flasche mit Alkohol 70%!

Ich sollte das vielleicht erläutern. Wasserstoffperoxid ist ein sanftes Desinfektionsmittel, Alkohol 70% dagegen brennt ziemlich, vor allem auf offenen Wunden wie die Kratzer mit denen der Drögeler so gerne kam.

Angeblich hat man ihn bis vorne im Laden schreien gehört.

Muss ich noch erwähnen, dass er danach nicht mehr so häufig auftauchte?

Sch…tuhlgang

Dass der Stuhlgang ein wichtiges Thema ist (und je älter der Mensch, desto mehr) stellt man in der Apotheke bald einmal fest. Ich selber achte kaum darauf, ausser wenn ich in den Ferien Durchfall habe und mich frage: woher wohl? Oder während der Schwangerschaft, als ich einmal wirklich furchtbar verstopft war (Eisentabletten sei dank)  – dort konnte ich dann gewisse Probleme besser nachvollziehen.

Es ist gut, wenn man regelmässig und ohne zu drücken und pressen auf die Toilette kann.

Aber: es ist kein Muss, dass man jeden Tag Stuhlgang hat. Ok, ich verstehe ja, dass wenn sie jeden Tag um die gleiche Zeit können, sie das beunruhigt, wenn es mal nicht geht. Aber das ist noch lange keine Verstopfung! Und sicher kein Grund gleich ein Abführmittel zu nehmen.

Eine Verstopfung ist definiert durch 2 Dinge: die Häufigkeit, nämlich weniger als 3 mal pro Woche (oder im Abstand von mehr als 3 Tagen) und die Konsistenz des Stuhls, nämlich hart, knotig.

Die Ursachen sind ziemlich vielfältig, dazu gehören zuwenig trinken, zuwenig Ballaststoffe, zuwenig Bewegung, Bewegungsstörungen des Darms wegen Krankheiten, Medikamenten (z.B. Eisenpräparate, aber auch Antidepressiva und starke Schmerzmittel) sowie psychische Probleme (mit dazugehörendem Stuhl-verhalten) und so weiter.

Es gibt einiges, was man dagegen tun kann. Wo bekannt, kann man gegen die Ursache angehen. Ansonsten gibt es Darmregulierende Mittel mit Ballaststoffen, solche die im Darm Wasser an sich ziehen (entweder auf Zucker – oder Salzbasis), und dann die Abführmittel, die den Darm reizen und so Wasser in den Darm bekommen. Letztere sind die aggressivsten und auch die, die am häufigsten genommen werden, bis zu dem Moment, wo man nicht mehr ohne kann.

Der Kreislauf stellt sich recht schnell ein. Man ist eine dieser Personen, die täglich auf die Toilette gehen. Jetzt geht es einmal nicht. Man nimmt ein Abführmittel – und es klappt. Aber: das Mittel leert den ganzen Darm. Und am nächsten Tag kann man wieder nicht (eigentlich logisch: wo nichts ist, kann auch nichts kommen). Also nimmt man wieder das Abführmittel…. etc. Mit der Zeit will der Darm gar nicht mehr ohne. Er hat sich an die Stimulation gewöhnt. Und schon hat man eine Person, die abhängig ist von Abführmitteln. Du hast keine Ahnung, wie viele das sind. Es hat etwas abgenommen, seit es die 200 er Packung Dulcolax nur noch auf Rezept gibt. Aber ich kann eine Person, die schon lange Abführmittel missbraucht schon an der Hautfarbe erkennen: sie hat einen typischen gelblichen Stich. Mit diesen Leuten zu diskutieren ist auch ziemlich sinnlos.

Das andere Extrem sah ich vor ein paar Wochen. Die Kundin sagte, sie konnte seit 2 Wochen nicht mehr (!). Gar nicht? Gar nicht. Wow. Ob sie Schmerzen habe? (Etwas gebläht sah sie schon aus). Geht so. Ob sie normal isst? Ja. (Nochmal: Leute, die nicht essen, müssen auch nicht auf die Toilette). Ich habe Ihr empfohlen ein Klistier zu machen (das ist ein Flüssigkeitseinlauf in den After) weil sie wohl inzwischen einen steinharten Pfropf hat im Rektum. Und dann soll sie ein Abführmittel nehmen. Wenn das beides nicht hilft, muss Sie ins Spital.

Ich habe ihr nicht gesagt, was sie da machen, aber vermutlich einen grösseren Einlauf und gegebenenfalls „manuell ausräumen“. Das ist genau das, wonach es sich anhört (ugh).