Missverständnis (2)

Kunde kommt mit Packung Voltaren, die er vor etwa einer Stunde auf Rezept bekommen hat wieder zurück:

„Ich hätte lieber Tabletten, nicht Zäpfchen, wenn das geht“.

Ein Blick auf die Packung: „Das sind Tabletten“.

„Oh.“ Sagt der Kunde, „aber da steht drauf ANAL-getikum“.

(Das heisst einfach nur: Schmerzmittel)

Unglauben

Es gibt schon seltsame Ärzte. Vielleicht hat er aber einfach zuviel Dr. House geschaut – der sagt ja auch immer: „Alle Patienten lügen“.

Das mag schon sein, aber wenn die herzige ältere Dame aufgewühlt zu mir kommt und mir erzählt, der Arzt glaube ihr nicht, wenn sie sagt, dass sie keinen Alkohol trinkt – und was sie jetzt machen soll? bin ich doch etwas erstaunt über das fehlende Einfühlungsvermögen.

Der Hintergrund: wegen ihrer ständigen Müdigkeit habe ich ihr empfohlen einen Bluttest machen zu lassen, um die Leberwerte zu überprüfen. Sie nimmt seit längerer Zeit recht hochdosiert Paracetamol gegen die Schmerzen wegen ihrer kaputten Wirbelsäule (es ist das einzige was sie verträgt) und das ist bekannt dafür, dass es Leberschäden machen kann. Ich habe schon darüber geschrieben.

Nun, ihre Leberwerte sind tatsächlich nicht gut. Aber der Arzt glaubt nicht, dass das vom Schmerzmittel kommen kann. Er denkt das liegt daran, dass sie zuviel Alkohol trinke und das hat er ihr auch gesagt. Sie sagt, sie trinkt schon seit Jahren gar keinen Alkohol mehr und hat nie viel getrunken, weil ihr das Zeug einfach nicht schmeckt. Ich glaube ihr. Sie ist einfach nicht der Typ dafür. Nicht der Typ, der Medikamente missbraucht, exzessiv Alkohol trinkt oder wegen so etwas lügt. Ich meine: was hätte sie denn davon? Klar ist sie entsetzt. Was würden sie denn tun, wenn der Arzt sie etwas fragt und auf ihre Antwort nur sagt „Ich glaube ihnen nicht?“. Was kann man denn dann tun? Man kann den Arzt ja nicht zwingen etwas zu glauben. Aber der Arzt sollte ja trotzdem in der Lage sein auch anderes zu denken oder in Betracht zu ziehen. Falls nicht …. bleibt ihr wohl nur noch die Variante den Arzt zu wechseln.

Übrigens: der Test hat auch ergeben, dass ihre Schilddrüse nicht richtig arbeitet. Das ist eher die Ursache ihrer Müdigkeit – und auch dass sie stetig zunimmt, obwohl sie kaum etwas isst.

Aber wahrscheinlich glaubt ihr der Arzt auch das nicht.

Missverständnis

Die Ärztin verschreibt der Patientin Agiolax Pulver- offenbar weil sie etwas gegen Verstopfung verlangt hat.

Nach 3 Tagen kommt die Patientin wieder in die Apotheke und sagt:

„Jetzt habe ich das ganze Pulver reingekippt und die Toilette ist immer noch Verstopft!“


Kein Wunder, denn Agiolax ist gegen Verstopfung beim Menschen.

Solche Sachen kann man nicht erfinden, das passiert wirklich!

Abgelaufen

Kundin kommt zur Pharmaassistentin: „Tag, ich bräuchte jemanden aus der Apotheke, aber Sie sind… (Blick von seeehr nahe auf das Namensschildchen am Busen) ... ja nur die Assistentin.“

Pharmaassistentin „Um was geht es denn?“

Kundin: “Kann man herausfinden, ob diese Medikamente noch gut sind?“ – Sie hat eine Packung Aspirin oder sowas dabei.

Pharmaassistentin (denkt sich wahrscheinlich: und dafür braucht die die Apothekerin?): „Ja kann man, anhand des Verfalldatums, und nein, diese sind es nicht mehr“.

Gleiche Kundin, einige Tage später:

Sie kommt mit seit 6 Jahren abgelaufener Packung Noroxin: „Kann man die denn wirklich nicht mehr nehmen? Auch nicht, wenn sie noch einwandfrei aussehen?“

Pharmaassistentin:  „Nein!“

Irgendeine andere Kundin: „Ich habe Ihnen Medikamente zum entsorgen.“

Pharmaassistetin: “Ja?“

Kundin: drückt ihr 1 (Eine!) offene Tablette Panadol in die Hand

….

Empörter Kunde: „Die Tabletten, die sie mir gestern verkauft haben sind abgelaufen! Schauen Sie, hier steht: 3.5.2008!“

Pharmaassistentin: „Könnte ich sie mir ansehen?“

Wirft einen Blick darauf und sagt: „Nein, die sind noch gut. Das Ablaufdatum ist das mit dem EXP davor, das Datum das Sie meinen ist das Herstellungsdatum, das hat ein MFD davor.“ (steht übrigens für Manufacturing Date)

Kunde: „Oh. Danke.“ – und Abgang

Etwas mehr Eigenverantwortung für die Gesundheit

Ich bin sehr für Eigenverantwortung. Sehr. Dazu gehört auch, dass die Patienten selbst ihre Rezepte beim Arzt bestellen müssen. Das gilt auch für Vorbezüge. (Ein Vorbezug ist übrigens die Abgabe eines Medikamentes, das über Rezept läuft, noch ohne Rezept. Z.B. Bei Dauermedikation etc). Ich bin im Normalfall auch grosszügig mit den Vorbezügen, aber wenn jemand dann das Rezept trotz Erinnerung unsererseits daran dann nicht besorgt, der bekommt das nächste Mal keinen Vorbezug mehr. Ganz einfach.

Es gibt noch einige solche Fälle, so auch letzthin: Die Spitex schickt ein Fax für eine Medikamentenbestellung für eine Kundin. Mit der Spitex haben wir eine Abmachung, dass wir uns um die Rezepte kümmern. Besagte Kundin war allerdings schon eine ganze Zeit lang nicht mehr beim Arzt und wir haben Order (vom Arzt) bis er sie wieder gesehen hat, nichts abzugeben. Also rufe ich der Spitex an, um ihnen das mitzuteilen (zum 2. Mal übrigens). Die Frau von der Spitex meint:Frau XY? Die hatte gestern einen Arzttermin“ – da tönt es aus dem Hintergrund: „Ja, aber Sie hat sich geweigert zu gehen!“ – Eben.

Weder wir noch die Spitex können die Frau zwingen zum Arzt zu gehen.

Wahrscheinlich muss sie erst wieder vor der Apotheke umkippen und wir müssen ihr die Sanität holen, dann bekommt sie wenigstens ein Rezept vom Spital.

Oder dann war da die Kundin, die 3 offene Vorbezüge hatte (!) und am Freitag Nachmittag die Nachbarin schickte für noch etwas. Nein, sorry, zuerst bringt sie mir die Rezepte für die anderen 3. „Aber ich kann erst am Montag zum Arzt….“ Egal. Ich habe ihr dann (am Telefon) gesagt, sie kann das Medikament das sie will -und für das es nicht mal unbedingt ein Rezept braucht- jetzt zahlen. Wenn sie dann am Montag die Vorbezüge bringt und ein Rezept dafür, können wir es immer noch über die Krankenkasse machen.

Echt! Ich bin doch nicht die Bank!

Oder die Kundin, die eigentlich bei einer anderen Apotheke Stammkundin ist und jetzt zum 5. Mal an dem Samstagnachmittag telefoniert. Sie habe Bauchschmerzen, was sie da machen kann. Nachdem ich via Telefon fast 30 Minuten lang versucht habe herauszufinden, an was es liegt, dass sie Bauchweh hat (und sie dabei immer neue Symptome entwickelt) – will sie, dass die Apothekerin persönlich vorbeikommt und sie untersucht.

Sorry, das geht nicht.

Ich darf während der Arbeitszeit die Apotheke nicht verlassen (ich habe eine gesetzlich vorgeschriebene Anwesenheitspflicht) und dann bin ich kein Arzt: mehr tun als durch Fragen herauszufinden was sie hat und sie bei Verdacht auf etwas gefährlicheres zum Arzt zu schicken, kann ich nicht. Wenn sie das Gefühl hat, es sei etwas ernsthafteres (und ich glaube das nach dem halbstündigen Telefon nicht), dann soll sie in den Notfall gehen oder sonst die Sanität rufen. Sie meint dann noch: „Sie haben mir gar nicht geholfen, sie reden nur viel“ und hängt mir das Telefon auf.

Ehrlich, ich war sooo knapp daran ihr die Sanität zu rufen. Grrrrr.

Bitte lesen Sie nicht die Packungsbeilage

Dank dem Zusammenschluss der Firmen Sandoz und Ecosol ändert (wieder einmal) eine Menge. Es gehen Produkte ausser Handel, d.h. sie werden nicht mehr hergestellt- meist, weil jede der beiden Firmen ihr eigenes Generikum von einem Medikament hatte, jetzt reduzieren sie es auf eines. Dann müssen natürlich die ganzen Packungen äusserlich angepasst und vereinheitlicht werden. Das Ganze bedeutet auch für uns Apotheker wieder eine Menge Überzeugungsarbeit, denn viele (vor allem ältere) Patienten sind beunruhigt, wenn die Packung nicht mehr genau gleich aussieht wie zuvor.

Da kann man noch so viel erklären warum und sagen, dass es innen drin immer noch genau das Gleiche ist – manche sind einfach nicht überzeugt.

So einen Fall hatte ich gestern. Der Kunde, ein älterer, freundlicher Herr hatte bisher auf Dauerrezept  „Amlo Eco“ von der Firma Ecosol.

Das Produkt wurde nun äusserlich dem gemeinsamen Auftritt von Ecosol Sandoz entsprechend angepasst und heisst neu: „Amlodipin Sandoz eco“ – und die Packung ist jetzt hübsch rosa. Ich habe es dem Kunden bei der Abgabe vor etwa 2 Wochen erklärt, dass es jetzt neu aussieht und etwas anders heisst, dass die Tabletten innen (das sieht er auch selbst) genau dieselben sind, die er schon gehabt hat. Ok.

Also gestern kommt er wieder und erzählt mir, dass er die ganze Packungsbeilage gelesen hat … (Auweh, mir schwant übles) – und da steht genau dasselbe drin wie bei der alten Packung AUSSER bei den Nebenwirkungen. Da haben sie ein paar Sachen mehr reingeschrieben. Jedenfalls ist er der festen Überzeugung, dass er ein paar (so 4 oder 5) von den „neuen“ Sachen hat. Leichtes Schwindelgefühl und müde Augen und derartiges. Darauf hat er beschlossen das Medikament einfach abzusetzen. (Oh, nein!)

Vorher hat er das Medikament jahrelang genommen, ohne Beschwerden und seit er die Packungsbeilage gelesen hat – hat er die Nebenwirkungen. Es liegt natürlich an der neuen Tablette …

Ich habe ihm noch mal erklärt, dass es dieselbe ist, wie bisher immer. Dass er die Tablette nehmen muss um einem Herzinfarkt vorzubeugen, das ist sehr wichtig! Und dass er besser mit dem Arzt Kontakt aufnimmt, wenn er das Gefühl hat, er bräuchte wirklich eine andere Medikation.

Aber eigentlich denke ich, es wäre am Besten ihm einfach die Packungsbeilage wegzunehmen …