Fräulein … mit 85

Ich weiss nicht wie andere weibliche Angestellte das sehen, aber ich dachte schon zu Beginn meiner Karriere vor über 10 Jahren dass „Fräulein“ als Bezeichnung überholt, veraltet und eigentlich ausgestorben sein sollte. Ich reagiere auf „Entschuldigung?“ „Hallo?“ „Könnten Sie mir helfen?“ und meistens schon auf einen suchenden Blick. Ausserdem habe ich einen Namen – der auf dem Namensschild deutlich sichtbar ist und wenn man mich damit adressiert, dann besser mit „Frau Pharmama“ als „Fräulein Pharmama“.

Normalerweise akzeptiere ich das Fräulein von älteren Personen – ich glaube das ist einfach noch nicht bis zu ihnen durchgedrungen, dass das nicht mehr „in“ ist – oder aber alte Gewohnheiten sind schwer abzulegen.

Im Gegensatz dazu nenne ich natürlich auch niemanden Fräulein … bis auf Fräulein Weiss*, eine alte Kundin, die darauf besteht. Sie ist inzwischen 85 und hat mir mal deutlich erklärt, dass man – solange man als Frau unverheiratet ist – sie als Fräulein anzusprechen hat. Dementsprechend machte es ihr viel Freude trotz meinem Protest, mich als Fräulein Pharmama zu betiteln.

Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als ich heiratete. Als sie das nächstemal kam –sagte ich: „Und übrigens ist der Name jetzt „Frau Pharmama“ – Fräulein Weiss.“

Aaaah, endlich!

*ja, auch der Name ist natürlich geändert.

So, so.

Wenn wir etwas bestellen müssen, bekommt der Kunde einen Abholzettel. Speziell bei Rezeptpflichtigen Sachen müssen wir diesen Zettel beim abholen wieder haben – das oder einen Ausweis (und eine Unterschrift). Der Grund ist, dass die Person nicht später mit dem (wiedergefundenen) Zettel kommt und es – noch einmal abholen will. Und damit verhindern wir auch einen gewissen Missbrauch – da könnte ja jeder kommen …

Genug der Vorrede.

Apothekerin: „Wenn ich ihnen das abgeben soll, muss ich von ihnen einen Ausweis haben. Haben sie eine Krankenkassenkarte?“

Kunde: „Nein.“

Apothekerin: „Einen Führerschein?“

Kunde: „Nein.“

Apothekerin: „Einen Pass vielleicht?“

Kunde: „Habe ich im Auto liegenlassen …. „

So, so.

Quicky (6)

Frau (ziemlich laut und direkt – in der vollen Apotheke): „Mein Freund hat sich gerade den Penis piercen lassen und er beklagt sich, dass es noch so empfindlich ist. Was kann er da draufschmieren?“

Draufschmieren sollte man da nichts, weil das Fett in Salben die Wundheilung verhindern kann. Desinfizieren, vor Verunreinigung schützen und … in dem Fall ein paar Monate (!) Abstinenz müssen reichen.

Was? WAS? WAAAAAS??

Telefon: „… Apotheke, Pharmama am Apparat.“

weibliche Stimme: DIOVAAAAN!“

Pharmama: „Entschuldigen Sie?“

Kundin: „DIOVAAAAN!“

Pharmama: (etwas lauter) „Hallo?“

Kundin: „DIOVAAAAN!“

Pharmama: „ENTSCHULDIGUNG, aber ich brauche ihren NAMEN!“

Kundin: „Warum schreien sie denn?“

(Picture by Axel Hess von Jean-Luc Cornec’s „Telephone Sheep“ . Website Axel Hess)

Blasse Blätter

Kommt eine Frau mit je einer Flasche Alkohol 70%, Alkohol 96% und Wasserstoffperoxid 3% zur Kasse.

Frau: „Welche von denen riecht am stärksten?“

Pharmaassistentin (PA): „Nun, Wasserstoffperoxid riecht nach praktisch gar nichts, demnach einer der Alkohole – da riechen sie auch den Kampfer, den man zum vergällen dazugibt“

Frau: „Ich möchte die Gerüche mit denen auf meinen Pflanzen vergleichen um herauszufinden, was meine Nachbarn draufschütten, damit sie immer eingehen.“

PA: „Also, Alkohol verdunstet ziemlich schnell, das würde man auch nicht riechen auf den Pflanzen.“

Frau: „Und welches bleicht von denen?“

PA: „Das Wasserstoffperoxid, das braucht man ja auch zum Haare bleichen.“

Frau: „Also, ich will einfach herausfinden, was die benützen um meine Pflänzchen umzubringen.“

PA: „Das tut mir leid zu hören, aber … es gibt ja auch Pflanzenkrankheiten, die blasse Blätter machen …“

Frau:Ja, Danke vielmals. Ich nehme einfach all die drei Flaschen und schaue zuhause mal.“

Das war übrigens im Sommer – ich hoffe, sie denkt das im Herbst nicht auch noch … sonst müsste man um die Nachbarn fürchten.

Die Kunst der Reklamation

Ich weiss noch, wie ich das Problem mit einem anderen Kunde hatte, aber trotzdem war das hier … anders.

Ein herziges älteres Fräulein kommt in die Apotheke und fragt: „Ist die nette Dame von gestern nicht hier heute?“

Weil sie mir die Haarlänge zeigt, weiss ich, dass es sich um meine Kollegin handeln muss. „Nein, sie arbeitet heute nicht, aber vielleicht kann ich ihnen helfen?“

Frau: „Ja, vielleicht. Sehen sie, ich habe bei ihr gestern das hier gekauft (zieht eine Packung Bepanthen plus Salbe heraus) und zuhause zeigt mir meine Freundin das hier“ (zeigt auf den Aufdruck auf der Lasche, wo Charge und Verfall draufsind).

Pharmama: „Ja? Darf ich mal sehen?“

Frau: „Ja. Ich glaube hier steht … Feb 09 … könnte es sein, dass die Packung abgelaufen ist?“

Ich schaue es mir an. Da steht wirklich Feb09, allerdings steht davor: MFD Feb09,

also erkläre ich: „Sehen Sie das MFD? Das heisst ManuFacturing Date. Das ist das Herstellungsdatum. Schauen Sie, darüber steht EXP Okt12: Das ist das Verfallsdatum. Die Packung ist noch 3 Jahre lang gut.“

Frau: „Oh, da bin ich aber erleichtert …. vor allem, das ich nicht hier hineingestürmt bin und sie angeschrieen habe …“

Pharmama: „Ja, da bin ich auch froh!“

Wir lachen uns an und sie geht zufrieden wieder.