Lassen sie mich das wiederholen (7)

Sie wollen also Fenistil Tropfen für ihr knapp halbjähriges Kind, aber nicht, weil es eine Allergie hat und auch nicht, weil es Juckreiz hat wegen Windpocken, sondern weil sie gehört haben, dass es als Nebenwirkung müde macht und sie ‚auch etwas Ruhe brauchen können’ und sie wollen auch vorher nicht einfachere Sachen wie Orangenblütentee ausprobieren, weil sie jetzt gleich etwas wollen das ‚wirkt’ ….

Okeee ….

(Und was machen sie in ein paar Monaten, wenn es aktiver wird? Bekommt es dann Benzodiazepine?)

mehr aus dieser Reihe

Bitte gehen sie ins Spital. Gleich.

Folgend mein Teil der Unterhaltung mit einer älteren Frau, die im Kaufhaus auf der Rolltreppe gestürzt ist – und von der ich finde, dass sie untersucht und eventuell behandelt werden muss. Nur: Sie will nicht.

Pharmama:

„Ich verstehe ja, dass man nicht gerne ins Spital geht. Ich verstehe, dass man Verpflichtungen hat … ja, ihr Mann kann nicht gut alleine laufen, ja, die Einkäufe müssen nach Hause, ja … aber: Sie gehören ins Spital und zwar bald!

Sie sind auf Blutverdünner – das sehe ich an den Flecken auf ihren Armen und sie hatten einen heftigen Sturz. Sie haben eine Platzwunde auf der Stirn und auch im Auge blutet es …. Das kann ich sehen, ja. Jetzt gehen sie bitte abklären, ob es nur an der Oberfläche blutet oder auch tiefer, denn das wäre gar nicht gut .

Ja, sie haben mir gesagt, dass sie auf dem einen Auge nicht mehr gut sehen … sie wollen aber nicht noch das Augenlicht am anderen Auge verlieren, oder?

Eben. Und jetzt rufe ich ihnen ein Taxi, das sie beide, Sie und ihren Mann nach Hause bringt, wo sie die Einkäufe abstellen können und dann auf dem direkten Weg ins Spital.

Ok? GUT !“

Danke.

Rundumschutz

Kunde: „Konnten sie das Medikament für meine Katze bestellen?“
Pharmama: „Ja, es ist hier.“ (holt es)
Kunde: „Wieviel kostet es?“
Pharmama: „32 Franken.“
Kunde: „Auch wenn es über die Versicherung geht?“
Pharmama: „Sie haben eine Versicherung für die Katze?“
Kunde: „Nein, ich meinte meine.“

… Sorry, das kann ich nicht machen.

es gibt ja inzwischen Haustierversicherungen, aber die haben keinen Vertrag mit den Apotheken, so dass man als Tierhalter das Medikament auch erst einmal selbst bezahlen muss. Über die Krankenkasse des Tierhalters lässt sich das aber auf keinen Fall abrechnen.

Ohne Federlesen

Morgens in der Apotheke

„Haben sie mir ein Mittel gegen Milben auf dem Kopf?“ Fragt der mittelalte Herr.
Pharmama: „Ja, habe ich.“ – ich nehme das geeignete Produkt heraus und frage: „Sind sie sicher, dass es Milben sind?“
Mann: „Ja.“
Ich zeige ihm das Produkt, wobei ich erkläre, wie man es anwenden muss: „Dieses Spezielle Mittel ist auch auf Haut mit Haaren gut anzuwenden, weil es nicht verklebt und… „
Mann: „Geht das auch auf Federn?“
Pharmama:  Federn?!?!?
Mann: „Ja, das Mittel ist nicht für mich, sondern für den Kanarienvogel.“
Ah.


Erste Regel bei der Beratung verletzt: IMMER erst fragen, ob das Produkt auch für die fragende Person selber ist … oder für jemand (oder in dem Fall etwas) anderes.


Ich habe das Mittel dann nicht verkauft … denn mit der Behandlung von Vögeln habe ich keinerlei Erfahrung.

Danach brauchte ich erst mal einen Kaffee … ich bin einfach nicht so fit vor 9 Uhr und / oder einem Kaffee.

Gruss an alle, die wie ich am Samstag arbeiten!

kaum eine „Mama des Jahres“

Begebenheit aus Amerika – könnte aber auch bei uns passiert sein.

Eine Frau kommt mit ihren 2 Töchtern in die Apotheke und fragt den Apotheker nach einer Beratung bezüglich Hydrocortison Cremen.
Apotheker: „Für was brauchen sie die denn?“
Frau: „Meine Tochter hat eine Verbrennung, der Arzt hat gesagt, ich soll eine Hydrocortison Creme drauf tun.“
Apotheker: „Auf eine Verbrennung? Eher ungewöhnlich. Welche Tochter hat sie denn?“ (Schaut die etwa 7-8 Jährige an).
Die Mutter hält aber das kleinere, etwa 3 Jahre alte Mädchen hoch: „Dieses hier.“
Die Haut im Gesicht, v.a. um die Augen herum ist geschwollen und rot.
Apotheker: „Was ist passiert? Wissen sie, was das verursacht hat?“
Es sah nicht nach Verbrennung aus und das war es auch nicht.
Frau: „Nun, sie ist an mein Make-up gegangen. Also habe ich heisses Seifenwasser benutzt, um es ab zu waschen. Und als nicht alles abging, habe ich es mit Nagellackentferner versucht.“
Aha.

Wer zum Geier nimmt Make-up mit Nagellackentferner -das ist Aceton -ab?!  Die Frau würde es auch kaum auf ihrem eigenen Gesicht anwenden, warum macht sie das dann mit dem Gesicht ihres KINDES? Und dann noch um die Augen herum???

Sie hat dann die Hydrocortison-creme bekommen mit der Anweisung, sie nur ein paar Tage lang zu verwenden und den Arzt aufzusuchen, wenn es nicht besser wird.

Hoffentlich geht das Kind nicht noch einmal ans Make up.

Ich spiele nicht gerne Polizist …

… aber manchmal gibt es so Tage, da muss ich das. Gestern war so einer.

Die Kundin hat zum wiederholten Male ihre Schlaftabletten auf Dauerrezept zu früh bezogen. Normalerweise versuchen meine Mit-Apothekerinnen und ich solches Verhalten früh einzuschränken, indem man z.B. das erste Mal wenn das vorkommt nachfragt, wie viele Tabletten sie davon denn nimmt, das rasch nachrechnet und sie dann darauf aufmerksam macht, dass sie eigentlich noch welche haben sollte. Das warnt den Patienten auf eine nicht so aufdringliche Art davor, dass wir aufmerksam sind, was den Tablettenverbrauch angeht.

Wenn die Person sehr früh kommt und mit einer Story was mit den Tabletten passiert ist (gestohlen, ausgeleert, liegengelassen), hat sie zwar noch den   des Zweifels, aber ich sage meist dann sehr deutlich, dass – auch wenn sie die Tabletten jetzt von mir kriegt – das festgehalten wird in ihrem Dossier.

Und falls das dann trotzdem wieder passiert – ja, dann werde ich mit dem Arzt Kontakt aufnehmen wegen möglichem Missbrauchs des Medikaments und dem Zweck eine Lösung zu finden. Ich mag dieses Polizei spielen nicht, aber es gehört zum Job.

Die meisten Ärzte sind zwar auch nicht erfreut über solche Anrufe, finden es aber gut, dass wir auch Aufmerksam sind.  Jedenfalls versuchen wir dann gemeinsam eine Lösung zu finden. Zum Beispiel in Form einer kontrollierten Abgabe. Dann bekommt die Patientin wirklich nur alle X Tage Y Tabletten – und keine Ausnahmen mehr, ausser sie geht ein neues Rezept holen vom selben Arzt. Was ich erstaunlich finde ist, dass das noch recht gut funktioniert, vor allem, wenn man dem Patienten das erklärt: „Ich mache das ja nicht zu meinem Vergnügen, sondern weil ich um Ihre Gesundheit besorgt bin. Das ist die Abmachung, die wir mit dem Arzt getroffen haben. Wenn das nicht gehen sollte, müssen sie mit dem Arzt Kontakt aufnehmen.“– nach ein paar anfänglichen Reklamationen spielt sich das mit der kontrollierten Abgabe oft gut ein.

Fangt mir hier nicht an mit: es liegt in der Eigenverantwortung von jedem selbst wie er mit seiner Gesundheit und seinen Medikamenten umgeht. Es liegt in meiner Verantwortung die Medikamente korrekt abzugeben . und dazu gehört auch zu schauen, dass die Leute sich nicht selbst vergiften. Auch nicht absichtlich, wenn’s geht.

Irgendwie ist es ja schon interessant, dass diese Aufgabe an uns fällt, die wir ja Medikamente verkaufen, denn wenn ich derart aufmerksam bin und solche Massnahmen ergreife … schränke ich ja auch meine Einnahmen ein. Trotzdem mache ich das, wie wohl die meisten Apotheker … man hat die moralische Grundlage und schliesslich hängt meine Berufsbewilligung daran.