Verzögerte Freisetzung

Telefon vom Patient: „Warum haben sie mir die Lyrica 75mg gegeben und nicht die 25mg?“
Apothekerin (schaut im Dossier nach): „Weil der Arzt das so aufgeschrieben hat: Lyrica 75mg, morgens und abends je 1 Kapsel einnehmen.“
Patient: „Aber eine 75mg Kapsel ist weniger wirksam als drei 25er Kapseln! Wenn ich morgens 3 Kapseln nehme, dann wird eine im Magen sofort aufgelöst und wirkt und die anderen beiden erst nachher – so habe ich eine gleichmässige Freisetzung und sie wirken länger!“

Interessante Idee, aber so funktioniert das nicht. Gleichzeitig geschluckt werden die (selben) Kapseln auch gleichzeitig aufgelöst und aufgenommen.

Aber so einen ähnlichen Fall hatten wir auch schon: verzögerte Abgabe

Versichert oder nicht?

Ein Mann und eine Frau kommen in die Apotheke. Augenscheinlich sind sie irgendwo aus dem Osten – ich sag jetzt mal Russen. „Sie“ redet offensichtlich kein deutsch, also übernimmt „er“ die Kommunikation. Er gibt mir ein Rezept, ich suche die Sachen heraus und frage nach der Versicherung. „Wir haben keine Karte, aber ich habe eine Nummer.“
Gut, geben sie mir die Nummer. Wenn ich die Versicherungsdeckung abrufen kann, dann ist das in Ordnung. Wenn nicht, müssen sie allerdings die Medikamente zahlen und selbst einschicken.“

Er gibt mir die Nummer und die Angabe welche Versicherung es ist und ich setze mich an den Büro-Computer zum Validieren. Die Nummer geht … zeigt aber eine ganz andere Person an. Nicht mal das Geburtsdatum stimmt. Nun würde ich auch der Versicherung telefonieren, aber es ist schon einiges nach 5 Uhr – und die machen erfahrungsmässig rechtzeitig Feierabend. Ich probiere es trotzdem, natürlich niemand da.
Weil ich etwas Zeit habe, versuche ich ein paar andere Kombinationen mit der gegebenen Nummer – vielleicht wurde eine Zahl vertauscht? Aber: Nichts. Mit dem Namen kann man übrigens nicht suchen.

Mit der Info gehe ich zu den geduldig wartenden Russen zurück und erkläre es ihnen: „Tut mir leid, aber ich konnte es nicht kontrollieren, die Nummer ist falsch …“ etc.
Mann: „Aber wir zahlen es nicht, wir haben eine Versicherung! Wir zahlen monatlich mehrere Hundert Franken ein und …“
Pharmama: „Haben sie vielleicht einen Beleg von der Versicherung zu Hause? Da steht sicher die Nummer und so auch drauf.“
Mann: „Ja, haben wir. Ich gehe es holen.“

Bald darauf kommt er zurück mit etwas, das ich noch nie gesehen habe … jedenfalls nicht als Versicherungsnachweis. Im Prinzip ist es der Lohnauszug von einem – sagen wir mal „Etablissement“. Ein Schreibmaschinendurchschlag auf einem blauen Blatt. Da steht unter Lohnabzügen „Krankenkasse, Helsana Franken 405.-„

Ähh. Ja. Aber da ist keine Nummer drauf – und dass das direkt vom Lohn abgezogen wird, habe ich in der Schweiz auch noch nie gesehen.

Pharmama (bedauernd): „Tut mir leid, aber das geht immer noch nicht. Sie müssen trotzdem zahlen.“

Sie gehen dann, ohne die Medikamente bezogen zu haben (nichts lebenswichtiges).
Aber ich frage mich seitdem: Vielleicht wird die Frau vom Arbeitsgeber betrogen? Da wird monatlich etwas (ziemlich viel etwas sogar)  vom Lohn abgezogen, aber einen ordentlichen Nachweis, dass sie versichert ist, bekommt sie offenbar nicht. In der Schweiz ist es Norm, dass jeder selbst für die Krankenversicherung verantwortlich ist – nicht der Arbeitgeber.
Seitdem sind die beiden noch mal dagewesen – wieder nach 5 Uhr – und haben eines der Medikamente auf dem Rezept gekauft. Offenbar waren auch andere nicht in der Lage die Versicherungsdeckung nachzuprüfen…

Reine Gewohnheitssache

Kunde kommt am Abendverkauf: Haben sie die kurzen braunen Nadeln?“
(ja, wofür wohl?)
Pharmama: „Ich zeige ihnen mal, welche wir hier haben“ -sage ich und halte ihm eine hin.
Kunde: „Oh, das sind die langen. Die kurzen finde ich besser. … ach, wenn man mal was gewöhnt ist …. Dann nehme ich halt ein braunes Flash-Pack.“
Dazu sage ich erst mal gar nichts – was soll ich da auch sagen? und nehme das Flash-Pack raus. Aber er überlegt wohl was er grad gesagt hat und meint:
„Also nicht grad gewöhnt …. ich meine, so oft brauche ich sie ja nicht …“
… Ich lese das Flash Pack ein …
Kunde: „Wissen sie, ich mache ja eigentlich Pause … das heisst … im Moment mache ich Pause von der Pause ….“ verlegenes Lachen.
Pharmama: „Uhumm …. das macht 3 Franken 50.“

Je mehr er gesagt hat, desto mehr hat er sich in die Bredouille geredet. Ehrlich, ich weiss schon, dass sie die Nadeln nicht für Insulin oder anthroposophische Krebstherapie brauchen und mehr muss ich gar nicht wissen.

Das hier ist übrigens ein Flash-Pack. Ein oranges – Unterscheiden tun sie sich durch die enthaltenen Nadeln.

Im Prinzip ist es das „Fixer-Notfallset“:

Es enthält 2 Spritzen 1ml mit Filter, 2 Kanülen 0.5 x 16mm,, 2 Alkoholtupfer, 2 Trockentupfer, Ascorbin 2x 0.5g, 2x 1.5ml NaCl 0.9% (Trägerlösung für Medikamente).

Ausserdem steht da drauf:

Warnung des Bundesamtes für Gesundheitswesen: Der Konsum von verbotenen Drogen kann ihre Gesundheit gefährden und ist strafbar.

und

Filterung: Lösung von Kokain und Heroin unbedingt gut erhitzen.

Achtung: Überdosis vermeiden. Der Reinheitsgrad des Stoffes ist immer unterschiedlich, darum langsam konsumieren. Bei Überdosis Sanität rufen Tel. 144.

Und das verkaufen wir in der Apotheke, ja.

Die Allergie-Liste

Gelegentlich trifft man auf einen Patienten, der/die auf fast alles allergisch zu sein scheint. Oft genug haben die ihre Allergien aber aufgelistet und tragen sie als Allergie-Pass oder als einfachen Zettel immer auf sich. So auch diese Person.

Allergie – Liste

Chlorpromazin (bin fast gestorben)

Paspertin (bin beinahe gestorben)

Penisillin (Ich hätte sterben können!)

Sulfonamide (dasselbe)

Iod (Ich hätte beinahe sterben können)

Ich habe versucht, den Zettel so wiederzugeben, wie er mir präsentiert wurde. Bis auf das Iod sind das alles rezeptpflichtige Sachen – trotzdem wird der Zettel natürlich auch beim normalen Panadol-Kauf „präsentiert“ und zwar jedesmal- was mich gelegentlich auf den Gedanken bringt, ob die Person wohl ein bisschen stolz ist auf ihre Allergien? Oder nur seeeehr vorsichtig?

Das Superwaschmittel

Mitgehört in der Drogerie letzthin. Ich lasse die Antworten der Drogistin mal weg, ich glaube man kann sich ihren Teil gut denken:

Kundin:Haben sie dieses Superwaschmittel, das ich letzthin auf der Herbstmesse angeboten gesehen habe?“

„Nein, keine Ahnung wie es hiess, oder was darin, war, aber der Verkäufer der es demonstriert hat, hat gezeigt, wie toll es Flecken aus Stoff entfernt.“

„Sie haben es also nicht?“

„Und wie sieht es mit Bestellen aus?“

„Könnten sie nicht nachfragen?“

Gibt’s die auch in kleiner?

Ein Teenager steht schon eine ganze Zeit vor dem Regal mit den Kondomen. Ich schaue da in angemessener Entfernung zu, da ich weiss, dass das vor allem bei jüngeren Diskretion braucht … und wenn er Fragen hat, bin ich da.
Schliesslich kommt er mit einer Packung zu mir und fragt: „Haben sie die auch in kleiner?“
„Kleiner?“ frage ich, „ich müsste nachschauen, da haben wir einen Prospekt wo die Durchmesser und Längen angegeben sind.“
Er schaut mich an, wird auf einmal krebsrot und sagt : „Die Packungsgrösse! Ich meinte die Packungsgrösse!

Oh. hoppla. :-)

mehr Fragen zu Kondomen hier.