Frusthaufen

Wie frustriere ich die liebe Drogistin?
Ganz einfach: wenn sie aufgestellt und freundlich lächelnd auf sie zukommt, wenn sie in das Geschäft hineinlaufen, fallen sie ihr, bevor sie etwas sagen kann ins Wort:
„Sie müssen mich gar nicht abfangen, ich komme schon zu Ihnen!“
Und nachdem die Drogistin ihnen eingeschüchtert ihr Panadol verkauft hat, setzen sie noch einen drauf:
„Und einen guten Tag müssen Sie mir auch nicht wünschen! Das ist er nicht.“

Für Sie ist wahrscheinlich kein Tag ein guter Tag, aber das heisst nicht, dass Sie es an meiner Kollegin auslassen müssen.

Es ist wirklich unglaublich, wie einen eine einzige solch negative Person den Tag vermiesen kann.

Non Sequitur

Mann: „Ein Mittel gegen Haarausfall, bitte.“
Pharmama: „Ist es für sie?“
Mann: „Nein, für meine Frau. Sie hat lockige Haare.“

Haarausfall hat nichts damit zu tun, ob man glatte oder lockige Haare hat, oder was für eine Farbe sie haben. Auch für die Behandlung ist diese Information nicht relevant -ausser vielleicht der Haarausfall wäre soweit fortgeschritten, dass sie eine Perücke braucht …

Haarige Geschichte

Ein jüngerer Mann kommt in die Drogerie mit einer ungewöhnlichen Bitte:

„Könnten sie mir das Wachs auf der Brust entfernen?“

Das Problem: er hat sich mit Heisswachs selbst die Brust enthaaren wollen. Dabei hat er aber das Wachs zu heiss gemacht – jedenfalls hat er jetzt wohl Verbrennungen untendran – und Angst, das Wachs abzuziehen.

Die Drogistin, die Erfahrung hat mit Heisswachs (wobei sie es eher für die Beine benutzt), empfiehlt ihm das Wachs stückweise mit Paraffinöl anzulösen, dann das Ganze vorsichtig zu waschen und mit einer desinfizierenden Salbe zu verbinden.

Wenn das nicht klappt, hilft nur noch der Arzt.

Jaja, Schönheit muss leiden, sagt man immer. Autsch.

Noch mehr Haariges findet sich hier.

Doch kein Umtausch

Kunde: „Ich habe diese Blutzucker-Teststreifen von meinem Arzt bekommen. Die passen aber nicht in meine Maschine. Kann ich sie bei ihnen umtauschen?“

… Also das regt mich gleich doppelt auf: Ärztemuster ginge ja noch, aber mit der Selbstdispensation hat der Arzt sie dem Kunden ja verkauft. Und ich darf das jetzt ausbaden, wenn es nicht das richtige ist?

Die Antwort war dann „Nein.“ Aber er hat von mir dann noch richtige bekommen – von seinem Rezept, das er noch bei uns hatte nämlich.

Kurze Aufregung

Die Stammkundin von der ich weiss, dass sie Antipsychotika nimmt, kommt an einem Freitag-morgen in die Apotheke.
Sie ist von oben bis unten mit halbgetrocknetem Blut besudelt.
Die Hälfte der Belegschaft und Kunden verschwindet als hätte sie etwas ansteckendes und ein Schild um, die andere Hälfte beobachtet mit offenem Mund, wie die Kundin zur Theke kommt.
Ich „übernehme“ sie.

Pharmama: „Guten Tag Frau A.P., was haben sie denn gemacht??“ – Manchmal ist es am besten, wenn man derartiges direkt anspricht.
Sie schaut an sich runter, als ob ihr das ganze Blut erst jetzt auffällt.
„Oh,“ sagt sie Ich bin in eine Glastüre gelaufen.“ …. dann stockt sie und sagt: „Das ist nicht ganz richtig. Ich habe eine Glastüre eingeschlagen. Ich war so sauer und musste mich irgendwie abreagieren.“
„Das sieht aber gar nicht gut aus“ sage ich „Soll ich mir das mal ansehen? Oder wollen sie hinten das Blut etwas abwaschen?“.
Kundin: „Nein danke, das geht so.“
Sie gibt mir eine Liste der Medikamente, die sie braucht. Ich suche sie heraus und gebe sie ihr.
Pharmama: Den Schnitt an der Hand würde ich aber anschauen lassen“.
„Ist ok,“ sagt sie, „das heilt wieder, das kenne ich schon.“

Sie geht wieder.

Das mag zwar nach aussen etwas seltsam ausgesehen haben, war aber eine ziemlich „harmlose“ Begegnung. In der Apotheke kommt man natürlich auch in Kontakt mit einigen psychisch Kranken Menschen – immerhin bekommen sie von uns ja auch die Medikamente für ihre Krankheit. Und manchmal (selten, denn auch hier sind die meisten recht nett) verlaufen dann diese Begegnungen nicht ganz so … ruhig.

Kinder und Fieber

Kinder haben häufig Fieber. Bei kleinen Erkältungen, beim Zahnen, nach Aufregung- das reicht schon.
In den meisten Fällen ist das aber auch nicht weiter gefährlich und man muss das Fieber nicht zwingend behandeln, respektive die Temperatur drücken. Fieber kann dem Körper sogar dabei helfen, Infektionen zu bekämpfen. Ich in der Apotheke empfehle erst ab 38.5 Grad (rektal gemessen) etwas zu geben – wenn der Allgemeinzustand des Kindes nicht so gut ist. Ansonsten kann man sogar noch länger warten.

Eine Frau kommt am Nachmittag in die Apotheke mit einem Rezept für ihr ca. 2 Jähriges Kind.
Auf dem Rezept: sage und schreibe 3 Fieber- und Schmerzmittel
1 OP BenURon Zäpfchen (Paracetamol)
1 OP Mefenacid Zäpfchen (Mefenacid)
1 OP Algifor Sirup (Ibuprofen)

keine Dosierungsangabe.

Ich frage nach: „Wissen sie, wie sie es geben müssen? Es ist alles für dasselbe: Schmerzen und Fieber.“
Frau: „Ja, der Arzt hat es erklärt. Wir bekommen das Fieber einfach nicht herunter.“
Pharmama: „Wie hoch ist es denn?“
Frau: „Na so um die 38 Grad!“
Hmpf.
Pharmama: „Und wie geht es dem Kind sonst?“
Frau: „Na, er ist etwas müde.“
Pharmama: „Isst und trinkt er normal?“
Frau: „Ja.“
Pharmama: „Und wie lange hat er schon Fieber?“
Frau: „Seit heute Morgen.“

Ich habe ihr dann geraten, erst mal zuzuwarten – was sie gar nicht hören wollte. Aber dem Kind geht es ausser der etwas erhöhten Temperatur gut. Da muss man nicht wirklich etwas tun – und vor allem nicht grad mit 3 Medikamenten!

In dem Zusammenhang möchte ich auf diesen Artikel hinweisen, mit wirklich interessanter und aktueller Info, die zeigt, dass es gar nicht so gut ist, wenn man Fieber drückt:

Immerhin 400 Patientendaten hatte sich Gavin Barlow vom Hull and East Yorkshire Hospitals NHS Trust angesehen, alle Erkrankten litten an Pneumonie (Lungenentzündung). Die Zahlen der Auswertung sprechen für sich: Während von jenen Patienten, deren Körpertemperatur unterhalb 36 Grad gehalten wurde, über ein Drittel innerhalb von 30 Tagen nach Erkrankungsbeginn verstarben, überlebten mehr als 82 Prozent der Patienten mit erhöhter Körpertemperatur. Die Sensation allerdings kam bei 40 Grad Celsius daher: In dieser Gruppe überlebten alle Patienten die Pneumonie.

Also: Fieber ist gut! Und so lange der Allgemeinzustand in Ordnung ist, würde ich es nicht einfach dämpfen.