Kurze Aufregung

Die Stammkundin von der ich weiss, dass sie Antipsychotika nimmt, kommt an einem Freitag-morgen in die Apotheke.
Sie ist von oben bis unten mit halbgetrocknetem Blut besudelt.
Die Hälfte der Belegschaft und Kunden verschwindet als hätte sie etwas ansteckendes und ein Schild um, die andere Hälfte beobachtet mit offenem Mund, wie die Kundin zur Theke kommt.
Ich „übernehme“ sie.

Pharmama: „Guten Tag Frau A.P., was haben sie denn gemacht??“ – Manchmal ist es am besten, wenn man derartiges direkt anspricht.
Sie schaut an sich runter, als ob ihr das ganze Blut erst jetzt auffällt.
„Oh,“ sagt sie Ich bin in eine Glastüre gelaufen.“ …. dann stockt sie und sagt: „Das ist nicht ganz richtig. Ich habe eine Glastüre eingeschlagen. Ich war so sauer und musste mich irgendwie abreagieren.“
„Das sieht aber gar nicht gut aus“ sage ich „Soll ich mir das mal ansehen? Oder wollen sie hinten das Blut etwas abwaschen?“.
Kundin: „Nein danke, das geht so.“
Sie gibt mir eine Liste der Medikamente, die sie braucht. Ich suche sie heraus und gebe sie ihr.
Pharmama: Den Schnitt an der Hand würde ich aber anschauen lassen“.
„Ist ok,“ sagt sie, „das heilt wieder, das kenne ich schon.“

Sie geht wieder.

Das mag zwar nach aussen etwas seltsam ausgesehen haben, war aber eine ziemlich „harmlose“ Begegnung. In der Apotheke kommt man natürlich auch in Kontakt mit einigen psychisch Kranken Menschen – immerhin bekommen sie von uns ja auch die Medikamente für ihre Krankheit. Und manchmal (selten, denn auch hier sind die meisten recht nett) verlaufen dann diese Begegnungen nicht ganz so … ruhig.

Kinder und Fieber

Kinder haben häufig Fieber. Bei kleinen Erkältungen, beim Zahnen, nach Aufregung- das reicht schon.
In den meisten Fällen ist das aber auch nicht weiter gefährlich und man muss das Fieber nicht zwingend behandeln, respektive die Temperatur drücken. Fieber kann dem Körper sogar dabei helfen, Infektionen zu bekämpfen. Ich in der Apotheke empfehle erst ab 38.5 Grad (rektal gemessen) etwas zu geben – wenn der Allgemeinzustand des Kindes nicht so gut ist. Ansonsten kann man sogar noch länger warten.

Eine Frau kommt am Nachmittag in die Apotheke mit einem Rezept für ihr ca. 2 Jähriges Kind.
Auf dem Rezept: sage und schreibe 3 Fieber- und Schmerzmittel
1 OP BenURon Zäpfchen (Paracetamol)
1 OP Mefenacid Zäpfchen (Mefenacid)
1 OP Algifor Sirup (Ibuprofen)

keine Dosierungsangabe.

Ich frage nach: „Wissen sie, wie sie es geben müssen? Es ist alles für dasselbe: Schmerzen und Fieber.“
Frau: „Ja, der Arzt hat es erklärt. Wir bekommen das Fieber einfach nicht herunter.“
Pharmama: „Wie hoch ist es denn?“
Frau: „Na so um die 38 Grad!“
Hmpf.
Pharmama: „Und wie geht es dem Kind sonst?“
Frau: „Na, er ist etwas müde.“
Pharmama: „Isst und trinkt er normal?“
Frau: „Ja.“
Pharmama: „Und wie lange hat er schon Fieber?“
Frau: „Seit heute Morgen.“

Ich habe ihr dann geraten, erst mal zuzuwarten – was sie gar nicht hören wollte. Aber dem Kind geht es ausser der etwas erhöhten Temperatur gut. Da muss man nicht wirklich etwas tun – und vor allem nicht grad mit 3 Medikamenten!

In dem Zusammenhang möchte ich auf diesen Artikel hinweisen, mit wirklich interessanter und aktueller Info, die zeigt, dass es gar nicht so gut ist, wenn man Fieber drückt:

Immerhin 400 Patientendaten hatte sich Gavin Barlow vom Hull and East Yorkshire Hospitals NHS Trust angesehen, alle Erkrankten litten an Pneumonie (Lungenentzündung). Die Zahlen der Auswertung sprechen für sich: Während von jenen Patienten, deren Körpertemperatur unterhalb 36 Grad gehalten wurde, über ein Drittel innerhalb von 30 Tagen nach Erkrankungsbeginn verstarben, überlebten mehr als 82 Prozent der Patienten mit erhöhter Körpertemperatur. Die Sensation allerdings kam bei 40 Grad Celsius daher: In dieser Gruppe überlebten alle Patienten die Pneumonie.

Also: Fieber ist gut! Und so lange der Allgemeinzustand in Ordnung ist, würde ich es nicht einfach dämpfen.

Das Wort zum Sonntag …

Keine Angst, ich gehe nicht unter die Wanderprediger. Mir ist da nur eine Geschichte eingefallen, die schon etwas älter ist.

Ich versuche ja, Religion aus der Apotheke herauszuhalten. Meiner Meinung hat sie da nämlich nichts zu suchen. Das gilt für Apotheker, die sich aus religiösen Gründen weigern Verhütungsmittel oder die ‚Pille danach‘ zu verkaufen, genauso wie für Kunden. Ich mag es zum Beispiel gar nicht, wenn jemand versucht mich zu bekehren, zuhause nicht und noch weniger am Arbeitsort.

Das gilt auch für die Zeugen Jehovas, die da manchmal ziemlich aktiv sein können. Wie die nette ältere Dame mit der deutlich sichtbaren „Keine Blutspende!“-Karte im Portemonnaie.

Dass mein Arbeitsort nicht der richtige Platz für ein glauben sie an Gott?“-Gespräch ist, sieht die liebe Frau mit Mühe noch ein. Aber mir dann nach meiner eher ablehnenden Haltung noch demonstrativ ein Exemplar vom „Wachtturm“ hinzulegen ….

Ich beachte das Heft erst mal nicht, kassiere ein und frage freundlich: „Möchten sie noch eine Tasche?“

„Ja, bitte.“

…ich habe die Broschüre dann mit ihren Sachen in die Tasche gepackt.

Ui, gab das einen bösen Blick.

:-)

Mitgehört (2)

Ich höre ja noch gerne zu, wenn meine Mitarbeiter Kunden beraten. Nicht unbedingt um sie nachher zu korrigieren – auch ich lerne noch dazu: zum Beispiel, wie man etwas erklärt :-)

Kunde: „Ein Dafalgan bitte.“
Pharmaassistentin: „Tablette oder Brausetablette?“
Kunde: „Was sind Brausetabletten?“
Pharmaassistentin: „Ah, das sind die Dinger, die sie in ein Glas Wasser werfen und die dann so „blubbern“ beim auflösen.“

geschlechterspezifische Medikamente

Frau: „… und geben sie mir noch ein Pack Prostagutt Kapseln.“
Apothekerin: „Ist es denn für sie selbst?“
Frau: „Ja.“
Apothekerin: „Hmmm, haben sie denn irgendwelche Beschwerden?“
… vielleicht denkt sie, die seien allgemein für Probleme beim Wasserlassen.
Frau: „Nein, ich nehme das nur zur Vorbeugung.“
Apothekerin: „Aber sie wissen, dass das ein Mittel ist, das Männer nehmen gegen Prostatabeschwerden? Sie als Frau haben keine Prostata und brauchen das nicht.“
Frau: „Ja, aber meinem Nachbarn hat das immer so gutgetan, ich nehme sie trotzdem!“

Wenn es gut war für den Nachbar, dann ist es auch gut für mich?

Partnerbehandlung

Ein Rezept vom Gynälokogen, ein Mann holt die Medikamente.
Auf dem Rezept steht:

3 x Flagyl Tabletten 500mg –  1. und 3. Tag je 4 Tabletten aufs Mal – eine Behandlung pro Person.

Zur Erklärung: Flagyl (Metronidazol) ist ein Antibiotikum, das in dieser Dosierung zur Behandlung von Trichomonasis, einer sexuell übertragenen Krankheit eingesetzt wird. Der (oder die :-) ) Partner sollte/n bei einer entdeckten Infektion unbedingt mit behandelt werden, auch wenn „er“ oft keine Symptome zeigt.

Die Apothekerin sucht die Packungen heraus -es gibt Packungen zu 4 Tabletten, also hier insgesamt 3×2 = 6 Packungen und erklärt dem Mann die Anwendung.

Mann: „Geben sie mir nur 4 Packungen, ich kenne da jemanden, der selber für die Behandlung zahlen kann!“

– Ah, doch keine glückliche Dreiecksbeziehung?