Die falsche Anwendung (14)

Ein Gastbeitrag! Eine Geschichte aus der Apo von Leserin Ramona, die ihrer Lehrtochter passiert ist:

Kundin: „Ich hätte gerne Vicks Medinait.“
Azubi: „Ja, gerne. Kennen Sie die Anwendung schon?“
Kundin: „Ja, sicher. Ich gebe jeden Abend einen Becher ins Wasser.“
Azubi: „In welches Wasser?“
Kundin: „Wenn es mir nicht gut geht, nehme ich abends ein Bad und gebe einen Becher voll hinein. Danach schlafe ich so gut und fühle mich viel besser!“
Azubi: „Wie bitte???“

Naja, der Kundin ist die Anwendung nach einer ausführlichen Erklärung nun klar….

Pharmamas P.S.: Also das Packungsdesign erinnert schon ein bisschen an einen Badezusatz – dazu die grellgrüne Farbe des Inhalts …

Noch mehr falsche Anwendungen hier.

Unsicherheiten

Kundin: „Lösen sich die Adalat CR Tabletten eigentlich nicht auf? Ich finde die Dinger immer in meinem Stuhl wieder!“
Pharmama: „Nein, das sind spezielle Tabletten wo der Wirkstoff langsam durch die Hülle freigegeben wird, aber die Hülle löst sich nicht.“
Kundin: „Aber wirkt das dann trotzdem?“
Pharmama: „Ja. Ganz sicher.“
Kundin: „Na, wenn sie das sagen, ok.“

Naja, wenigstens hat sie mir nicht eine als Anschauungsmaterial mitgebracht.

Gedankennotiz für’s nächste Mal: unbedingt bei der Erstabgabe Kunde darauf hinweisen.

Vorbildliche Mutter – nicht.

Das war letztens ein ziemliches Spektakel, das uns eine Mutter da bot, die mit ihrem etwa 4 Jahre altem Sohn in die Apotheke kam. Sie zetterte eigentlich schon vom Eingang her auf dem Weg zu uns hinten auf ihn ein. Der Grund wurde rasch klar, ihr Junge hat im Kaufhaus wieder etwas eingesteckt.

„Das macht er öfter!“ schimpfte sie. „Ich kann ihn keinen Moment aus den Augen lassen, schon hat er wieder etwas eingesteckt.“

Blick zu ihm. „Halt mal, hast Du da schon wieder etwas in der Tasche?“
Grinsend zieht der Junge rasch die Hand aus der Vordertasche der Hosen und zeigt sie ihr: leer. Sie aber sagt: „Los, zieh’ es raus! Sofort!“

Und tatsächlich, aus der Tasche kommt eines der Sonnencrememuster aus der Ausstellung zum Vorschein.
„Leg das sofort wieder hin! Wie oft habe ich dir gesagt, du sollst nicht einfach Zeug einstecken? Huh? Wenn Du älter bist, dann nennt man das klauen! Und dann kommst Du dafür ins Gefängnis. So wie ich! Ich habe dir schon hundertmal gesagt …“ usw.

Moment mal … das habe ich jetzt schon richtig mitbekommen. ‚Wie ich?!?‘
Na super Vorbild.
Die Mutter löst ihr Rezept ein, in den paar Minuten, die wir brauchen ihr das Medikament zu erklären hat ihr Junge … schon wieder etwas eingesteckt. OK, es ist auch wieder nur Dekomaterial, aber …
Pharmama: „Entschuldige, das lässt Du aber hier, ja?“
… es folgt die nächste Schimpftirade der Mutter, die der Junge halb grinsend halb schuldbewusst dreinschauend über sich ergehen lässt.
Hmpf.

Noch schöner ist, wenn einem die Mutter dann erzählt, dass sie schwanger ist, alle ihr sagen, dass sie das Kind doch abtreiben soll, weil sie angeblich nicht auf ihre Kinder achten kann … ein erstes lebt nicht mehr bei ihr und ihrem Mann, das zweite ist oben erwähnter Junge, der von Amts wegen ins Tagi gehen muss (gibt’s das?) und jetzt ist sie wieder schwanger.

Ich höre mir das alles an und versuche möglichst sparsam dreinzuschauen. Meine Meinung dazu brauche ich ihr nicht zu sagen und Erziehungstipps … ihr Junge ist älter als meiner.

Aber ich hoffe doch, dass ich es besser mache.

Die doppelte Pumpe

… gehört von einer „Nachbarapotheke“.

Eine Frau wird nach der Geburt ihres Kindes aus dem Spital entlassen. Sie bekommt vom Spital eine Milchpumpe mit, … die aber im Auto vergessen wird.

Ein paar Tage darauf mietet sie in der Apotheke eine neue Milchpumpe der gleichen Marke, weil sie ja eine braucht.

4 Monate später.
Sie finden die erste Milchpumpe im Auto wieder (Hoppla). Sie bringen sie ins Spital zurück.

Jetzt will sie bei der Rückgabe der Pumpe in der Apotheke die Miete für die 2. Milchpumpe nicht zahlen. Schliesslich habe sie nur eine gebraucht und nicht zwei (und zwei Mieten zahlt die Krankenkasse nicht). Es folgt ein Riesenaufstand der Kundin in der Apotheke, aber der Apotheker bleibt hart.

Und ich finde das richtig: Immerhin hat sie sie verwendet – und dass sie zwei hatte, ist auf ihre eigene Schusseligkeit zurückzuführen und nicht die Schuld der Apotheke oder des Spitals.

Was denkt ihr?

Wohin schmiere ich das jetzt?

Die folgende Situation hatte ich so (oder so ähnlich) schon ein paarmal in der Apotheke – und irgendwie staune ich doch jedes Mal wieder darüber.

Auf dem Rezept für die Salbe steht: „1 x täglich auf betroffene Hautstellen auftragen.“
Das schreibe ich wortgetreu auf die Dosierungsetikette, die auf die Salbentube aufgeklebt und der Kundin mit Erklärung übergeben wird.
Fragt die Kundin: „Für wo ist die Salbe?“

Hmmmm. Am liebsten würde ich dann ja fragen: „Wissen sie noch, als sie gedacht haben: ‚Ich sollte mal wegen dem zum Arzt gehen‘? Das ist der Ort, wo sie es draufstreichen müssen!“

Stattdessen sage ich: „Haben sie irgendwelche Hautreizungen? Dahin gehört sie“.

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Und was würdet ihr manchmal am liebsten sagen?