In der Warteschleife …

Ein Kunde kommt mit einem Rezept. Er hat die Krankenkassenkarte nicht dabei, aber ich muss das Mittel sowieso bestellen, also sage ich ihm, er soll die Karte mitbringen, wenn er es abholen kommt, ansonsten muss er es selbst bezahlen.

Als er am nächsten Tag nachmittags kommt … hat er die Karte nicht dabei.
Kunde: „Könnten sie nicht der Kasse anrufen?“
Pharmama: „Ich kann es versuchen, aber es ist nach 5 Uhr – die meisten Kassen haben schon zu.“

Erstaunlicherweise scheint noch jemand da zu sein, aber ich werde in die Warteschleife versetzt.

Kennt ihr das? „Im Moment sind alle Leitungen besetzt. Der nächste Mitarbeiter ist gleich für sie verfügbar. Sie sind in Warteposition ..5.., bitte haben Sie noch einen Moment Geduld!“

Offensichtlich dauert das dem Herrn zu lange, denn er drängt bei meiner Kollegin, dass er jetzt weitermuss.
Sie meint (zu Recht) dass sie das nicht beschleunigen kann.

Kunde: „Ok, dann zahle ich es halt jetzt.“

Machts und geht.

… und in der Zwischenzeit hätte ich die Nummer und Deckung …

Aller Anfang ist schwer …

Eine Geschichte noch aus meiner Anfangszeit als Apothekerin. Das war kurz nach dem Studium, das ich mit Ende 24 beendet habe. Damals sah ich natürlich auch noch einiges jünger aus als heute – so jung, dass ich beim Alkohol kaufen gelegentlich die ID zeigen musste …

Kundin: „Sind sie die Apothekerin?“
Pharmama „Ja, bin ich.“
Kundin: „Aber … sie sehen so jung aus?“
Pharmama: „Danke für das Kompliment, kann ich ihnen irgendwie helfen?“
Kundin: „Ich brauche einen Apotheker mit mehr Erfahrung. Kann ich mit jemand anderem sprechen?“
Pharmama: „Ich bin im Moment die einzige Apothekerin hier – aber kommen sie doch in ein paar Jahren zurück, wenn sie wollen.“

Nein, natürlich habe ich sie dann noch darauf hingewiesen, dass mein Kollege am nächsten Tag arbeiten würde.
Heute passiert mir derartiges eher weniger. … Das finde ich aber auch ok. :-)

Der Vorteil der Hausapotheke

Nein, nicht von der Zuhause, die man im Apothekenschrank hat, sondern die Apotheke, wo man nach Möglichkeit alle seine Medikamente holt …

Telefon von der Frau eines unserer Patienten. Sie ist beunruhigt, weil ihr Mann sich nicht wie er selbst benimmt und irgendwie „neben sich steht“.
Sie will wissen, ob das neue Antibiotikum, das er bekommen hat die Ursache dafür ist.

Ich schaue sein Dossier an.
Er nimmt Tegretol, ein Antiepileptikum (Carbamazepin)– und ist damit seit einigen Jahren stabil.

Das Antibiotikum das er neu nimmt? Erythromycin.
Das Problem ist, dass das Antibiotikum den Abbau von Tegretol in seinem Körper drastisch reduziert – was dann praktisch eine Überdosierung von Tegretol für ihn bedeutet. Kein Wunder benimmt er sich so seltsam, wegen der geringen Therapeutischen Breite (dem Bereich zwischen der noch wirksamen Dosis und der Grenze zur Vergiftung) müssen Antiepileptika genau eingestellt werden und bei Änderungen irgendwelcher Art muss man gut aufpassen.

Warum wir das nicht bemerkt haben?
Weil er das Antibiotikum nicht bei uns, sondern in einer anderen Apotheke eingelöst hat. Und verschrieben wurde es ihm nicht vom Hausarzt – der Ferien hatte – sondern im Notfall im Spital.

Was macht man in so einem Fall? Ich habe hier geraten das Antibiotikum zu stoppen und mit dem Arzt Kontakt aufzunehmen wegen einem Ersatz. … und es das nächstemal entweder bei uns beziehen und unbedingt zu sagen, dass er Antiepileptika nimmt.

Kuchen mit Tabletten

Ich habe ja schon einiges gehört, wenn es darum ging, warum die Leute relativ früh ihre Tabletten wiederholen kommen, aber der war neu:

Die ältere Kundin erzählt, wie sie einen Kuchen gemacht hat und dabei ist versehentlich von der Ablage ein Blister mit Tabletten in den Teig gefallen. Sie hat davon nichts bemerkt, bis sie den Kuchen nach dem Backen gestürzt hat und da geschmolzenes Plastik und Tabletten oben auf ihrem Kuchen waren… als Dekoration sozusagen.

Und was soll ich sagen: ich glaube ihr, immerhin handelt es sich bei den Tabletten um ein Blutdruckmedikament und nicht um irgendein Beruhigungsmittel … die sind wesentlich anfälliger für so Unfälle.

Kundenkarten-Probleme

Wir haben schon seit einiger Zeit Kundenkarten, die wir anbieten.
Im Normalfall fragen wir nach der Kundenkarte, aber zugegeben (noch) nicht jeden. Wir sind ja auch nicht die Migros „Hei sie au e Kümülüskaarte?“ jedes ver*+“% Mal.

Heute nun kommt eine Kundin und sagt – wohlgemerkt nach dem Verkauf: „Ich habe eigentlich eine Kunden-Karte bei ihnen … funktioniert das automatisch?“ – Nein, das ist nicht so wie beim Skifahren, wo man mit der Karte nur in die Nähe der Kasse kommen muss …

Oder: „Wie funktioniert das jetzt mit dieser Karte, wann bekomme ich da etwas?“ … Ich erkläre ihr das Punktesammeln und dass entsprechend Bons per Post zugeschickt werden … sagt sie: „Oh, ich habe die Briefe immer weggeworfen.“ Tja, Pech – ihre Bons damit auch grad. Nein, ich kann nicht nachschauen, wie viel das gewesen wäre und es ohne die gutschreiben.

Oder sie kommen zwar mit den Bons- auf denen aber auch statt einem Betrag nur XXX gedruckt ist, weil sie nicht genügend Punkte haben. – und wollen die jetzt einlösen…

Kunde: „Ich habe meine Karte immer noch nicht zugeschickt bekommen! Das ist jetzt ewig her.“ Lassen sie mich mal nachschauen …. sie haben ihren Antrag vor gerade mal 9 Tagen ausgefüllt. Das dauert aber mindestens 3 Wochen, bis die Karte gedruckt und zugeschickt wird.

Nett auch von dem Mann, der uns brieflich mitteilte, dass wir die Briefe einstellen sollen, weil seine Mutter, die Karteninhaberin gestorben ist – und dazu hat er extra eine Kopie der Sterbeurkunde mitgeschickt …. ok, ok, ich hab’s begriffen!


Und: habt ihr bei Euch auch Kundenkarten? Wie sind die Erfahrungen damit?

Läuse und der Coiffeur

Kalt ist es draussen, da kommt an einem solchen Wintertag eine Stammkundin mit ihrer Tochter in die Apotheke gestürmt. Beide mit ziemlich nassen Haaren und die Mutter reichlich aufgeregt.

„Wir waren gerade beim Coiffeur. Sie wollen uns die Haare nicht machen, weil sie sagen, meine Tochter hat Läuse!“

Ah, ja.
Der Coiffeur hat so seine Richtlinien. Sobald bei jemandem Läuse entdeckt werden, wird er oder sie nicht mehr weiterbe… – sagt man da -behandelt?
Solche Hygienerichtlinien sind gut – wer will schon nach einem Besuch beim ‚Höörlifilzer‘ anschliessend Läuse haben, weil die noch vom Vorkunden am Kamm oder an der Schere klebten?

Nur: Die Tochter hat keine Läuse. Oder besser: nicht mehr. Sie wurde vor 5 Wochen und dann – um ganz sicher zu sein, nochmals vor 3 Wochen dagegen behandelt. Ja. Was sie noch hat – wie ich nachschauen kann -sind aber ein paar noch in den Haaren klebende Nissen. Die hängen da ziemlich fest und sind, da sie lange (und schöne dichte) Haare hat, nur mit sehr viel Mühe, einem Nissenkamm und viel Zeit und Geduld zu entfernen. Dass jetzt noch aus den Nissen Läuse schlüpfen ist eher unwahrscheinlich, da schon nach der ersten Behandlung trotz regelmässiger Kontrolle keine mehr sichtbar waren – und es hat sie auch nichts mehr gejuckt oder so seitdem.

Das haben sie dem Coiffeur danach auch noch zu erklären versucht. Genützt hat es nichts. Er hat beide mit immer noch nassen Haaren bei diesem Wetter heimgeschickt.
Aber: hätte er nicht wenigstens die Haare noch trockenföhnen können? Da gab es doch einen Bericht nach dem Läuse (und Nissen) empfindlich reagieren auf heisse Luft?

(Achtung: das ist keine offizielle Behandlung gegen Läuse und man sollte nicht selbst zu lange mit einem heissen Föhn an den Haaren der Kinder werken, weil das im schlimmsten Fall auch Verbrennungen geben kann)