Blutige Entlassung

Es kommt eine Frau in die Apotheke und fragt mich, ob ich sie verarzten könne. Da wir das tun, sagte ich: „Natürlich. Wo sind sie denn verletzt?“
Sie deutet auf ihren Unterbauch: „Ich hatte einen Kaiserschnitt. Dann ist es nicht gut verheilt, es gab ein Hämatom. Heute haben sie mir im Spital das Blut aus dem Hämatom rausgedrückt und mich verbunden …. Aber da stimmt etwas nicht. Ich kann spüren, wie mir das Blut die Beine runterläuft.“

Dem war auch so, wie ich mich kurz darauf in unserem Beratungsraum versichern konnte. Das Gazeplätzchen, das sie auf die ca. 13 cm lange Wunde aufgeklebt haben, hat sich gelöst.
Ich war etwas erstaunt den Schnitt zu sehen, denn er war praktisch vollständig offen. Keine Nähte, die die Wundränder zusammenhielten, ein klaffender Schnitt.
Ich flickte so gut es ging mit viel Steristrip und neuer Gaze und Mefix Pflaster zum Festhalten des Ganzen.

„Was haben sie denn im Spital gesagt?“ Frage ich
Frau: „Nicht so viel. Nachdem sie das Blut rausgedrückt haben, haben sie mich nach Hause geschickt. Aber ich kann fast nicht laufen.“

Ich habe mich versichert, dass sie zuhause jemanden hat, der ihr hilft, ihr geraten, die Wunde vom Arzt anschauen zu lassen und ihr dann ein Taxi gerufen.

Übel.

Übrigens: der Titel ist bewusst zweideutig
Eine vorzeitige Entlassung von Patienten aus dem Krankenhaus aus wirtschaftlichen Gründen wird von Kritikern als „Blutige Entlassung“ bezeichnet. Vorzeitige Entlassungen bergen neben den Risiken für die Patienten aber auch Kostenrisiken, z. B. wenn wegen der Erkrankung vermehrt ambulante Krankenbehandlung, häusliche Krankenpflege oder gar ein erneuter stationärer Krankenhausaufenthalt nötig werden.

Wenn demnächst in den Spitälern nur noch Fallpauschalen abgerechnet werden darf, erwarten manche vermehrt solche Fälle – Brrrr.

Es wird Frühling

Gestern kam ein junger Engländer in die Apotheke. Warum ich weiss, dass das ein Engländer war, noch bevor ich ihn reden hörte – herziges Deutsch übrigens ?
… Na ja, er hatte kurze Hosen an und Sandalen.
Brrrrr. Dabei ist es erst gerade ein paar Grade wärmer geworden.

Das ist mir schon ein paarmal bei den Engländern aufgefallen. Sind das alles „harte Kerle“, Optimisten – oder sind sie viel schlechteres/kälteres Wetter gewöhnt??

Ächt jetzt?

Ich musste einer Kundin zeigen, wie man den Applikator der Vaginalcreme benutzt/füllt – und sie flippt aus, weil ich ihn mit den Fingern angefasst habe.

Ja, schön. Sie wollten, dass ich ihnen zeige wie – und es gibt sowieso nur einen Applikator für die ganze Tube, also müssen sie ihn nach Gebrauch jeweils waschen. Jetzt waschen sie ihn vor dem ersten Gebrauch einfach auch noch, dann ist alles wieder gut.

Hmmmpf. Ächt jetzt!

 

Blubb, Blubb!

Brausetabletten brausen – für das macht man sie in ein Glas Wasser …

Und dann gibt es den Kunden, der sich die Supradyn Brausetablette nach dem Kauf direkt in den Mund steckt.

Und mit (ziemlich vollem Mund), als er meinen entsetzten Blick sieht:

„Ja, es sprudelt schon ziemlich, aber das geht schneller, als auflösen in Wasser und trinken.“
Ehrlich: Nicht empfehlenswert.

Aber es gibt bald eine Lösung für ihn: Supradyn Kautabletten. Mal sehen, ob er sich umjonglieren lässt.

Ihre „Vitamine“

Neulich in der Apotheke:

Mann: „Ich würde gerne die Medikamente meiner Tochter abholen. Der Name ist:  …“

Pharmama: „Ok.“ – rufe im Computer das Dossier auf.

Mann: „Bitte geben sie mir wieder ihre Vitamine.“

Pharmama: „Oh ….. (das Mädchen hat ein einziges Medikament im Dossier: ihre Pille.) …… sicher.“

Was mich angeht, kann er weiter denken, dass es Vitamine sind. Die Tochter ist alt genug und es liegt in dem Fall nicht an mir, ihn aufzuklären – das wäre sogar ein Bruch des Berufsgeheimnisses.