In der Warteschleife …

Ein Kunde kommt mit einem Rezept. Er hat die Krankenkassenkarte nicht dabei, aber ich muss das Mittel sowieso bestellen, also sage ich ihm, er soll die Karte mitbringen, wenn er es abholen kommt, ansonsten muss er es selbst bezahlen.

Als er am nächsten Tag nachmittags kommt … hat er die Karte nicht dabei.
Kunde: „Könnten sie nicht der Kasse anrufen?“
Pharmama: „Ich kann es versuchen, aber es ist nach 5 Uhr – die meisten Kassen haben schon zu.“

Erstaunlicherweise scheint noch jemand da zu sein, aber ich werde in die Warteschleife versetzt.

Kennt ihr das? „Im Moment sind alle Leitungen besetzt. Der nächste Mitarbeiter ist gleich für sie verfügbar. Sie sind in Warteposition ..5.., bitte haben Sie noch einen Moment Geduld!“

Offensichtlich dauert das dem Herrn zu lange, denn er drängt bei meiner Kollegin, dass er jetzt weitermuss.
Sie meint (zu Recht) dass sie das nicht beschleunigen kann.

Kunde: „Ok, dann zahle ich es halt jetzt.“

Machts und geht.

… und in der Zwischenzeit hätte ich die Nummer und Deckung …

Plastikkarten

Der Patient gibt mir, als ich ihn nach der Versicherung frage, 5  Karten-  von 3 verschiedenen Versicherungen.

und sagt: „Es ist eine von diesen.“

Und ich darf dann heraussuchen, welche jetzt die aktuelle ist.

Na Danke  – und warum werfen Sie die alten Karten nicht einfach weg??

 

Versicherungslos

Da kam letzthin eine Frau in die Apotheke und beklagte sich, dass sie sehr erkältet sei, viel huste (so dass es schmerzt) und Blut im Auswurf gefunden hat.
Pharmama: „Das bedeutet: Verdacht auf Lungenentzündung. Dafür müssen sie zum Arzt!“
Frau: „Aber ich habe keine Versicherung!“
Oh, schlecht, aber.. umm, was erwartet sie? Das ich ihr ein Antibiotikum verkaufe, so rein auf Verdacht?
Pharmama: „Nun, dann werden sie den Arztbesuch halt selbst bezahlen müssen. Ich rate ihnen aber, es nicht aufzuschieben.“

Ja, das ist ist nicht gut. Ich habe dann ein bisschen mit ihr geredet, auch wegen dem „keine Versicherung“ – in der Schweiz muss man zwingend eine Krankenversicherung haben – sie meinte dazu nur, sie „wohne nicht hier.“

Aber: da hat sie eventuell Jahrelang gespart, indem sie sich nicht versicherte und dann braucht sie es einmal und will dann auch das nicht zahlen? Ich schreibe jetzt „will“, weil sie wirklich nicht so ausgesehen hat, als ob sie kein Geld hätte.

 

Im Moment muss man auch gut schauen, dass man die Krankenkassendeckung gleich validieren kann, denn offensichtlich ist die Zahlungsmoral reichlich schlecht – gestern hatte ich gleich 2 Personen, bei denen es geheissen hat: „Karte gesperrt.“ Das heisst es dann, wenn die Krankenkassenprämien nicht bezahlt wurden, dann sistiert die Versicherung die Übernahme der Medikamente und anderer Leistungen, bis die Schulden bezahlt sind.

Übrigens: Wer Schulden bei einer Krankenkasse hat, der kann die Kasse nicht wechseln, bis die bezahlt sind. Und eine Krankenversicherung muss man haben – die ist obligatorisch und vom Gesetz vorgeschrieben. Wer finanziell nicht in der Lage ist, die Prämien zu zahlen, kann eine Prämienverbilligung beantragen – oder gar eine Prämienübernahme durch die Sozialversicherung.

Trotzdem: Gegen 400’000 Personen in der Schweiz haben Schulden bei den Krankenkassen und gegen 150’000 Personen haben einen Leistungsstop. Die Spitäler sitzen wegen diesen auf Schuldenbergen und auch wir in der Apotheke haben zu kämpfen mit säumigen Zahlern.

Wenn trotz Betreibung kein Geld kommt, müssen die Kantone 85% der Kosten und die Krankenkasse 15% der Kosten von Spital und Medikamenten übernehmen. Das heisst: das zahlt der Steuerzahler. Kann die Krankenkasse später doch noch das Geld eintreiben, bekommen die Kantone die Hälfte des Geldes wieder zurückbezahlt.

Personen mit einem Leistungsaufschub haben aber nur noch Anspruch auf Notfallversorgung.

Wie eine Krankenkasse ihre (teuren) Kunden vergrault

Originaltext hier im Tagesanzeiger. Hier nur 2 kleine Auszüge:

W. B. aus Zürich traute seinen Augen nicht, als ihm seine Krankenkasse Intras gleichzeitig mit dem Prämienaufschlag mitteilte: «Ab 1. Januar 2011 sind kassenpflichtige Medikamente in Apotheken ausschliesslich gegen Barzahlung oder mittels EC-/Kreditkarte erhältlich.» Für den HIV-Patienten bedeutet das, dass er künftig in der Apotheke fast 7500 Franken hinzublättern hat, wenn er seine Medikamentenration für drei Monate bezieht. Die Quittung muss er dann mit dem Arztrezept der Kasse einschicken und drei Wochen auf die Rückerstattung warten.


Die Umstellung des Vergütungsmodus begründet Intras damit, dass sie die «Eigenverantwortung der Patienten fördern» wolle. «Wenn die Patienten in der Apotheke selbst bezahlen müssen, haben sie einen Anreiz, auf ein Generikum zu pochen oder eine kleinere Packung zu beziehen.»

Na super. Dann kann ich die Intras nächstes Jahr auf die Liste der anderen Krankenkassen mit dem „tiers garant“-System setzen, wo die Kunden selbst in der Apotheke bezahlen müssen. Das gibt wieder die schönsten Diskussionen. Für mich in der Apotheke macht es keinen grossen Unterschied. Etwas weniger Arbeit vielleicht, weil ich die Rezepte nicht einschicken muss und ich habe das Geld gleich in der Kasse … ohne Wochen (oder gar Monate) darauf warten zu müssen.

Zu den „Selbstzahler-Krankenkassen“ gehören inzwischen:

  • Assura,
  • Fondation Natura Assurances (GM)
  • Intras (NEU ab 2011)
  • Maxi.ch
  • Moove Sympany
  • Sana Top
  • Sanagate
  • Sanitas Compact
  • Supra

… und wenn ich das richtig gelesen habe, macht die CSS selbst das dann 1 Jahr später wohl auch?

Kunden die „auf ein Generikum pochen“ … das finde ich leicht amüsant. Die meisten Apotheker machen die Kunden sowieso auf die Möglichkeit eines Generikums (wo vorhanden) aufmerksam. Und kleine Packungen mögen bei vorübergehenden Beschwerden vielleicht besser sein, aber bei chronischen Krankheiten sind mehrere kleine Packungen meist teurer als die entsprechenden grossen Packungen. Was die Krankenkasse da macht ist ein Teil des Verwaltungsaufwandes an den Patienten abwälzen … und sie hoffen natürlich auch darauf, dass eine Menge Rezepte die eingelöst wurden dann nicht eingeschickt werden.

Krankenkassenberatung

Liebe ungenannt bleibende Krankenkasse,

Es ist absolut unnötig, dass ihr in den letzten Tagen 3 x telefonisch versucht habt meinen Mann zu erreichen, v.a. wenn es sich bei der wichtigen Nachricht, die sie ihm offenbar unbedingt direkt überbringen müssen darum handelt, dass er „in die nächste Runde eines Wettbewerbes gekommen ist … bei dessen erstem Preis es sich um eine gratis-Krankenkassen -Beratung handelt.“ (!).

Ich bin Apothekerin und kenne mich einigermassen mit Krankenkassen aus. Die Telefone halte ich für Geldverschwendung, auch wenn ihr damit natürlich versucht möglichst viele gesunde Personen für ihre Kasse zu gewinnen.

Und im übrigen kann heute jeder auf www.comparis.ch selbst für sich einen Krankenkassen-Vergleich machen.

Wer wechseln möchte sollte übrigens bis am 30. November seine Kasse künden – es empfiehlt sich aber, vorher bei der Zusatzversicherung abzuklären, ob die neue Kasse einen auch nimmt. Wenn nicht, könnte man sie bei der alten Kasse lassen … aber dann bitte immer beide Krankenkassenkarten in die Apotheke mitnehmen.

Warum zahlt die Krankenkasse nicht?

In die Apotheke kommen immer wieder Kunden mit der Abrechnung der Krankenkasse und wollen wissen, was die einzelnen Posten jetzt bedeuten und warum die Krankenkasse das nicht zahlt.

Die Medikamente werden in der Schweiz entsprechend den Listen bezahlt, in denen sie stehen. Für den Patienten ist es fast unmöglich zu wissen, welches Medikament auf welcher Liste steht – respektive, ob und wie es bezahlt wird.
Wer selbst einmal suchen will, findet die Links in meinem Post „Wann / was bezahlt die Krankenkasse?“.
In der Apotheke haben wir die Listen bei den Medikamenten im Computer angegeben, so dass wir – mit Einschränkungen gleich sagen können, ob die Krankenkasse das bezahlt.

Die Unsicherheiten betreffen dabei die Sachen auf der NLP Liste, also die, die über Zusatzversicherung gehen. Wer keine Zusatzversicherung hat, dem wird das nicht bezahlt, aber auch mit Zusatzversicherung hat man bei NLP keine Garantie. Einerseits muss die Kasse nicht den Gesamtpreis zahlen, andererseits gibt es je nach Krankenkasse Ausnahmen – also Sachen, die auf der NLP Liste stehen und trotzdem nicht bezahlt werden. Beispiele dafür sind: Viagra, Levitra, Cialis (also die Potenzmitel), Triomer, Rhinomer, Nasmer – also die Salzspüllösungen, befeuchtende Augentropfen usw.

SL- Produkte – die gehen über die Grundversicherung. Aber: Wenn ein Kunde mit der Rechnung von der Krankenkasse zurückkommt und reklamiert „Warum bekomme ich diese Rechnung? Ich zahle monatlich 500 Franken Prämien und trotzdem zahlen sie das nicht – warum?!“ liegt es meist daran, dass die Franchise (noch) nicht erreicht ist. Die Franchise ist der Teil, den man selbst bezahlen muss, erst nach Erreichen zahlt die Krankenkasse. Die Franchise kann man bei Versicherungsantritt selbst wählen. Auf der Abrechnung der Krankenkasse sieht man das am Vermerk: „Restliche Jahresfranchise 2010 X Franken.“

Limitationen: es gibt Medikamente, da wird nur eine bestimmte Menge innert einem bestimmten Zeitraum bezahlt und alles was darüber ist nicht. Für manche Medikamente bestehen auch Einschränkungen im Sinne von Bestimmungen, die erst erfüllt werden müssen, bevor sie übernommen werden:

Limitatio: Bsp Xenical
Mindestens BMI 28_Nur für die Behandlung von adipösen Patienten mit Diabetes Typ II, die gleichzeitig mit einem/mehreren oralen Antidiabetikum/Antidiabetika behandelt werden. Die Behandlung muss nach 6 Monaten abgebrochen werden, wenn der Gewichtsverlust nicht mindestens 5 kg des Körpergewichts zu Beginn der Medikation und/oder die Reduktion des HbA1c-Wertes nicht mindestens 0,5% beträgt. Bei Erreichen des Ziels wird die Therapie bis auf maximal 2 Jahre verlängert._Vorgängige Kostengutsprache durch den Vertrauensarzt des Krankenversicherers._Mindestens BMI 35_Nur für die Behandlung von adipösen Patienten. Die Behandlung muss nach 6 Monaten abgebrochen werden, wenn der Gewichtsverlust nicht mindestens 10% des Körpergewichts zu Beginn der Medikation beträgt. Bei Erreichen des Ziels wird die Therapie bis auf maximal 2 Jahre verlängert._Vorgängige Kostengutsprache durch den Vertrauensarzt des Krankenversicherers.

Oder bei MiGeL – auf der Mittel-Gegenstände-Liste stehen Verbandsmaterial, Geräte …: Da wurden letzhin neue Höchstpreise für die Produkte festgelegt. Es kann aber sein, dass der Verkaufspreis höher ist als der von der Krankenkasse festgelegte Höchstpreis – dann muss die Differenz vom Patienten bezahlt werden. Z.B. bei Blutzuckerteststreifen, Stützstrümpfen, Verbandmaterial. Bis anhin waren die Kassen da noch kulant, aber inzwischen verweigern sie die Zahlung – das bedeutet, es gibt Rechnungen mit zum Teil Minibeträgen (unter 5 Franken). Das sind Probleme, die in Zukunft eher grösser werden – und vielleicht müssen wir bald diesen Differenzbetrag gleich in der Apotheke vom Patienten verlangen.

Und manchmal (selten) ist es auch einfach Willkür der Kasse:
Eine Bekannte hat, als sie schwanger war, Magnesium gegen die häufig auftretenden Muskelkrämpfe verschrieben bekommen. Genauer gesagt: Magnesiocard 10. Das Präparat ist auf der SL Liste, die (extra vorher niedrig gewählte) Franchise war erreicht. Trotzdem hat die Kasse sich erst geweigert das zu zahlen – allerdings nicht uns, der Apotheke gegenüber, denn die Bekannte hat das Mittel erst selbst bezahlt und die Rechnung der Krankenkasse eingeschickt.
Ich habe ihr dann geraten zu insistieren, dass es bezahlt wird.
Nach dem 3. oder 4. Telefon hat die Mitarbeiterin der Krankenkasse dann zugesagt, dass sie das Medikament übernehmen – sozusagen aus Goodwill.
… klar.