Ich sollte auch in der Apotheke arbeiten …

Patientin, die bei der Assura versichert ist, leicht erbost über die Menge Geld, die sie für ihre Medikamente hinlegen muss: „Ich sollte auch einen Job in der Apotheke haben, dann bekäme ich das alles gratis.“

Die Frau musste ich enttäuschen. Ich bekomme als Angestellte in der Apotheke ein paar Prozente auf die Sachen, die ich selber kaufe. Was über die Krankenkasse läuft, dafür bezahle ich genau gleichviel wie sie. Vielleicht noch mit dem Unterschied, dass ich es meiner Kasse direkt abrechnen kann (was sich bei meiner Franchise aber nicht lohnt) – aber immerhin hat sie ja die Assura als Krankenkasse selbst ausgesucht.

 

Übrigens: da habe ich grad letzthin wieder gelesen, dass das Modell Tiers garant – also, dass man als Patient zuerst selbst bezahlen muss in der Apotheke oder beim Arzt eigentlich das übliche System wäre – also sozusagen der Normalzustand und dass das Modell Tiers payant, also dass der Leistungserbringer (Arzt, Apotheke) mit der Krankenkasse direkt abrechnet eigentlich als Ausnahme gedacht war.

Die Realität sieht heute in der Apotheke aber genau umgekehrt aus – die Patienten sind sich das auch so gewohnt, dass sie ausrufen, wenn es bei einer Kasse dann anders ist – und die Kassen, die das so verlangen werden wieder mehr. Der Trend geht (von den Kassen aus) eindeutig weiter in Richtung Tiers garant.  Ich bin gespannt auf nächstes Jahr.

Leute, schaut die Verträge gut an, die ihr unterzeichnet!

Krankenkassen-Werbeanrufe: auf der Suche nach den „guten Risiken“

In den letzten 2 Wochen habe ich zuhause wieder mindestens 3 Anrufe von Krankenkassen (respektive deren Makler) bekommen.

Und das obwohl eigentlich seit dem 1. Juni diese Jahr damit weitgehend Schluss sein sollte.

Seit dem Tag gilt nämlich der Verhaltenskodex der Santesuisse (das ist der Zusammenschluss der Schweizer Krankenversicherer), der besagt, dass „telefonische Kaltaquise“ für die Grundversicherung nicht mehr erlaubt ist. Das heisst sie dürfen am Telefon keine Grundversicherung mehr anbieten. Erlaubt bleiben „nur“ Beratungen für eine Zusatzversicherung. Zudem dürfen Krankenkassen auch keine Versicherten anrufen, die in den letzten fünf Jahren nicht Kunden bei ihnen waren.

Gemacht wurde das Ganze, weil damit verhindert werden soll, dass die Kassen Geld für Telefon-Werbung und Makler ausgeben. Am Anfang hätte daraus ein Gesetz werden sollen, aber die Krankenkassen konnten das mit diesem „Verhaltenskodex“ noch abwenden.

Es sieht nicht so aus, als ob das irgendetwas gebracht hat.

Vielleicht auch, weil der Kodex so viele Ausnahmen zulässt: Wenn ich (oder jemand von der Familie) in den letzten 5 Jahren Kunden waren bei der Kasse dürfen sie trotzdem anrufen. Ebenso, wenn es „nur“ um die Zusatzversicherung geht.  Und dann gibt es natürlich die Kassen, die nicht bei der Santesuisse Mitglied sind- allen voran die Assura, aber auch die Helsana etc.

Jedenfalls: Sie nerven weiterhin. Bei mir waren es die Visana, die Groupe mutuel und die Assura.

Was mache ich jetzt dagegen?

Herausfinden, was der Anrufer will und bei einem Verstoss das melden. Das geht per Meldeformular hier. Die Meldung geht allerdings an die Santesuisse – die bisher offenbar noch nicht viel Grund sieht, da ernsthaft einzuschreiten …

Oder:

Eine bestehende oder fiktive chronische Krankheit angeben – das sind für die Kasse „schlechte Risiken“ – weil sie da mehr Geld hinlegen müssen als reinbekommen, das wollen sie nicht, also hat man zumindest von der Kasse/dem Maklerbüro Ruhe.

Oder:

Wenn man Zeit hat: Zurückfragen mit dem „Gegenskript“ – Ausdrucken, neben das Telefon legen und auf den nächsten Anruf warten …ich kann mir vorstellen, dass das Spass machen kann.

Oder:

Anrufe von Telefonnummern, die man nicht kennt, nicht annehmen und nicht gelistete Anrufe sperren lassen (bei swisscom: Hörer abheben > * drücken > 99 eingeben > # drücken.  Einschaltbestätigung abwarten > Hörer auflegen.)

Validierung, Abfrage, Nachweis.

Abends nach 6 Uhr kommt ein Kunde in die Apotheke mit einem Rezept für ein Schmerzmittel.

Wir sind voll beschäftigt und die Kollegin übernimmt ihn. Beim Eingeben in den Computer sieht sie, dass er schon einmal da war, aber sie kann seine Krankenkasse nicht validieren (geht normalerweise mit ein paar Knopfdrücken via Internet) – der Grund ist schnell klar: er war seit 2008 nicht mehr hier und inzwischen hat die Nummer gewechselt.

Pharmaassistentin (PA): „Ich bräuchte noch ihre aktuelle Krankenkassenkarte“
Kunde: „Sie haben meine Info im Computer“
PA: „Die Info ist nicht mehr aktuell.“
Kunde: „Dann fragen sie halt bei der Krankenkasse nach.“

(Grumpf. Nicht: „Könnten sie nicht bei der …“)

PA: „Es ist zu spät heute, die haben schon zu. Ich kann noch versuchen die manuelle Abfrage via Internet zu machen – wenn das aber nicht klappt, müssen sie das Medikament selbst bezahlen.“

Die Abfrage war mit der Nummer von 2008 nicht möglich.

Der Kunde stürmt aus der Apotheke ohne Medikament.

PA (nervös): „Hast Du das mitbekommen?“
Ich: „Ja. Du hast das richtig gemacht. Die Krankenkasse schreibt uns die sofortige Validierung der Versicherungsdeckung vor – ansonsten zahlen sie je nachdem nicht. Es kann ja einiges gewechselt haben. Dass wir auch noch seiner Kassendeckung her rennen, das ist reiner Goodwill von uns.“

Am nächsten Morgen kommt derselbe Kunde wieder in die Apotheke und erklärt:
„Ich habe die Krankenkassenkarte nirgends gefunden – ich zahle die Medikamente.“

Okay!

… Irgendwie habe ich das Gefühl, er hat die Kasse gewechselt und dann zuhause festgestellt, dass er bei der neuen sowieso selbst zahlen muss … ansonsten hätte er auch noch mit der aktuellen Krankenkassenabrechnung kommen können und ich hätte dann telefonisch nachgefragt.

Wenn einer eine Reise tut … die gesundheitliche Seite

Das wichtigste ist natürlich, dass man Tickets, Pass, Geld und ev. Visa hat – den Rest kann man sich im Notfall unterwegs besorgen.

Aber: Wer wirklich vorbereitet sein will, muss auch die gesundheitliche Seite betrachten.

Impfungen zum Beispiel – die sollte aktuell sein für die Reise – und manchmal braucht es zusätzlich welche. Für manche Länder ist zum Beispiel die Gelbfieberimpfung vorgeschrieben.
– eine gute Seite mit Infos über Länder, Krankheiten, Impfungen, Malaria und mehr um sich vorzubereiten ist z.B. Safetravel.ch

Praktisch jede Apotheke hier kann – wenn man sich nicht selbst informieren will, im Internet auch kompetent Auskunft geben über benötigte Impfungen und Malariaprophylaxe.

Dann die Medikamente:
Man sollte unbedingt die Medikamente mitnehmen, die man auch regelmässig nehmen muss.
Zu beachten ist aber: Nicht alles, was bei uns erlaubt ist, darf man auch in andere Länder mitnehmen. Leider gibt es dafür keine Listen online, da hilft im Zweifel nur selbst anfragen bei der Botschaft des Landes. Siehe auch hier: Medikamente auf Reisen.
– es hilft sicher, eine ärztliche Bescheinigung mitzuführen für die Medikamente, die man regelmässig nehmen muss. Speziell gilt das auch für Spritzen, die man ins Flugzeug mitnimmt (Insulin, Epi-pen).

Für Reisen in abgelegenen Gebieten empfiehlt es sich auch ein Antibiotikum als Notfallmedikation mitzunehmen – das braucht allerdings, wie die Malariamedikamente ein rezept vom Arzt.

Für Betäubungsmittel gibt es Extrabestimmungen – sogar für Reisen innerhalb Europas im Schengenraum. Noch vorsichtiger muss man damit in Übersee sein.

Und was, wenn in den Ferien etwas passiert und man ins Spital muss?
Die obligatorische Grundversicherung der Krankenkasse (oder die Unfallversicherung) zahlt bei Krankheit (oder Unfall) bis das Doppelte dessen, was der Arzt oder die allgemeine Abteilung im Spital im Wohnort gekostet hätte.
In Europa genügt das in der Regel, bei Reisen in Übersee, speziell Amerika, Japan und Australien riskiert man jedoch, dass man einen ziemlich grossen Teil der Behandlungskosten selbst zahlen muss (v.a. die USA sind da unglaublich teuer). Für dies lohnt sich eine Zusatzversicherung – wenn man die nicht schon hat – da gibt es auch solche, die man nur für die Dauer der Reise bekommt, die wirklich günstig sind (um die 30-40 Franken für eine Familie für 3 Wochen). Dafür sollte man vorher bei der jeweiligen Krankenkasse nachfragen – oft ist der Abschluss der Versicherung auch online möglich.

Zusammenfassend:

  1. Information über das Reiseland, benötigte Impfungen, Malariarisiko und Prophylaxe entweder im Internet oder in der Apotheke – oder man geht gleich ins nächstgelegene Tropeninstitut – wo auch Ärzte sind , die gleich Impfen und Rezepte ausstellen können.
  2. Gang zum Arzt: Verschreiben lassen (falls nötig): genug Medikamente für die Ferien von der Dauermedikation, ev. Malariaprophylaxe, ev. Impfungen, ev. Bescheinigungen für die Dauermedikation / Spritzen oder Betäubungsmittelformular
  3. In der Apotheke: Medikamente abholen, erklären lassen, ev. Betäubungsmittelformular verifizieren lassen (CH)
  4. Ev. bei der Krankenkasse Zusatzversicherung abschliessen für Dauer der Ferien
  5. Ev. nochmals zum Arzt Impfen was nötig ist/nachgeholt werden muss
Gute Reise!

Finanziell erzwungene Einsicht

Wie ihr vielleicht wisst, halte ich nicht viel von den Versicherungen, die ihre Kunden alles im Voraus zahlen lassen. Aber … es gibt einen Typ Kunden, bei dem das wirklich Sinn macht. Der nämlich, der keine Ahnung hat – und den es auch überhaupt nicht interessiert was die Medikamente die auf dem Rezept sind, denn so kosten – schliesslich zahlt er das ja nicht, sondern die Kasse.

Da hatten wir einen, der regelmässig mit Rezepten kam, auf denen alles drauf war. Die Blutdruckmedikamente (ok), das Mittel gegen Diabetes (ok), aber auch regelmässig Salben gegen Hautausschlag, diverseste normal käufliche Schmerzmittel und Hautpflegemittel zum einreiben, Grippemittel … gelegentlich hatte man das Gefühl, dass er für die gesamte Familie das Zeug beim Arzt auch noch gleich aufschreiben liess. Die Rezepte waren Listen – von oben bis unten gefüllt.

Das war so bis Anfang Jahr, wo er auf einmal zahlen musste.

Pharmama: „Das macht 431 Franken.“
Er schaut mich an wie ein Reh Nachts im Scheinwerferlicht.
Kunde: „Was?“
Pharmama: „431 Franken. Ihre Krankenkasse hat den Vertrag mit den Apotheken gekündet, sie müssen die Medikamente auf dem Rezept jetzt selbst zahlen und einschicken.“

Muss ich noch sagen, dass er sein Rezept wieder mitnahm?
Und dass er nachher mit der Kasse telefoniert hat – die ihm wohl nichts anderes gesagt hat?
Und es vielleicht noch bei der einen oder anderen Apotheke mit dem gleichen Ergebnis versucht hat?

Nach einer Pause von ein paar Monaten kommt er übrigens wieder und jetzt … sind auf dem Rezept nur noch 2 bis maximal 3 Medikamente drauf.

Das … würde ich sagen, ist ein Erfolg für das Gesundheitswesen.

Es gibt vielleicht ein paar, die da jetzt finden, ich müsste eigentlich damit unzufrieden sein – immerhin nehme ich so auch weniger ein. Ja – aber ich sehe auch die andere Seite: diese Leute, die immer zum Arzt rennen und alles (oft nicht zwingen notwendiges) über Rezept nehmen – und über die Krankenkasse, die schaden dem Gesundheitswesen finanziell. Die sind ein Grund für steigende Krankenkassenprämien – und die zahle ich genauso mit wie jeder auch. Ehrlich: mich freut diese „Einsicht“, auch wenn sie finanziell erzwungen wurde.

Kein Bedauern

Wenn der Kunde, der bei der Assura versichert ist (Nein, das tönt zu passiv, ‚der sich bei der Assura versichert hat’ wäre korrekter) sich beim abholen der Medikamente – die er wegen seiner Krankenkasse in der Apotheke selbst bezahlen muss – beklagt: „Das ist aber ganz schön teuer!“

… Da habe ich in diesem Fall kein Bedauern. Warum?

Er selbst hat seine Krankenkasse ausgesucht und damit gewählt, dass er die Medikamentenkosten sozusagen „vorschiessen“ muss. Ja, es ist eine der günstigsten, aber das kommt mit einem „Preis“ – man macht dann halt auch einen Teil der Arbeit für sie.

Er selbst besteht darauf, dass ich ihm das Original gebe für seine Blutdruckmedikamente und sein Diabetesmedikament – obwohl ich ihn mehrmals darauf hingewiesen habe, dass es für beide inzwischen Generika gibt, die wesentlich günstiger sind, und die ich ihm auch ersetzen darf.

Er selbst hat auch nicht reklamiert, als der Arzt ihm Nexium (Esomeprazolum) aufgeschrieben hat – obwohl Omeprazol (wie in Omezol) mit einer vergleichbaren Wirkung einiges günstiger im Preis ist. – … ok, das weiss er vielleicht nicht, aber wenn ich ihn darauf aufmerksam mache und er das nächstemal wieder damit kommt … da kann ich nichts dafür. Und inzwischen gibt es Esomep – das ist das generische Original (also wirklich dasselbe) … auch das will er nicht.

So ist er halt ein unzufriedener Apothekenkunde, aber der Grund liegt hauptsächlich im eigenen Verhalten. Wenn er ein bisschen mitmachen würde, könnte ich ihm helfen, viel Geld zu sparen.

Aber anscheinend will er nicht.

Lieber motzt er jedes Mal.