Cash gegen Karte?

Kunde am Montag in der Apotheke: „Ich habe am Samstag dieses Rezept eingelöst, aber ich hatte meine Versicherungskarte nicht dabei. Also bringe ich sie jetzt, damit ich mein Geld retour bekomme.“

Ich lese die Karte ein – er ist nur Grundversichert. Das Medikament, das er bezogen hat, ist aber eines, das nur von der Zusatzversicherung bezahlt wird.

Pharmama: „Haben Sie vielleicht woanders eine Zusatzversicherung?“

Kunde: „Nein.“

Pharmama: „Dann kann ich Ihnen das nicht über die Krankenkasse abrechnen. Sie sind nur Grund-versichert. Das Medikament wird nur von der Zusatzversicherung übernommen.“

Kunde: „Aber man hat mir gesagt, wenn ich meine Krankenkassenkarte bringe, bekomme ich mein Geld zurück!“

Pharmama: „Wenn das Medikament gedeckt ist, ja – sonst eben –nein.“

Mann: „Aber ich will mein Geld zurück!“

und nochmals … und nochmals. Warum verstehen manche Leute nur das, was sie verstehen wollen?

Zwischen allen Stühlen

Im Moment haben wir einen eher problematischen Fall – eine nicht versicherte Person. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit in der Schweiz–ist doch zumindest die Grundversicherung obligatorisch und gesetzlich vorgeschrieben, dass jeder eine haben muss.

Der Mann hatte auch eine letztes Jahr. Dann hat er festgestellt, dass er Prämien sparen kann, wenn er sich bei einer anderen Kasse versichern lässt und hat sich bei der neuen Kasse angemeldet und bei der alten Kasse gekündet.

So weit so gut – das machen jedes Jahr viele ohne Probleme. Es ist auch nicht so, als ob in der Grundversicherung die Kasse jemanden ablehnen kann, die müssen einen nehmen.

Dementsprechend hat er von der neuen Kasse schon die neue Krankenkassenkarte zugeschickt bekommen. Aber die geht nicht – ich kann die Deckung nicht abrufen, als er bei uns in der Apotheke steht und seine Dauermedikamente beziehen will. Ein Telefon an die Krankenkasse macht das Ganze noch ominöser. Der Mann sei nicht bei ihnen versichert.

Pharmama (verwirrt): „Aber ich habe die neue Krankenkassenkarte in der Hand – die Nummer ist …. „

Kassenangestellte: „Tut mir leid, er ist nicht bei uns versichert. Fragen sie doch bei der alten Krankenkasse nach.“

Was sich –einige Telefone später herauskristallisiert ist, ist, dass da etwas sehr schief gelaufen ist. Das Problem: der Mann hat offenbar bei der alten Kasse einen Teil seiner Prämien nicht rechtzeitig bezahlt. Man darf aber die Kasse nicht wechseln, bis eventuelle Schulden abbezahlt sind. Das hat man damals so bestimmt, damit die alte Kasse nicht auf unbezahlten Prämien von Springern sitzen bleibt.Offenbar hat die alte Kasse der neuen Kasse das so mitgeteilt – worauf die Anmeldung bei der neuen Kasse storniert wurde.

Dann traf die Zahlung bei der alten Kasse ein, die darauf auch die Kündigung annahm. Und volia: der Mann hat weder eine neue noch eine alte Versicherung.

Gratis = Nichts wert ?

Von einem englischen Apotheker:

So sehen 131 Viagra 100mg aus – kurz bevor ich sie vernichtet habe. Diese wurden von einem Patient zurückgebracht, der sie nicht haben wollte. Obwohl er sie nicht verwendet hat, hat er sie jeden Monat von seinem Arzt verlangt! Warum hat er das getan? Nun, in England zahlen Leute über 60, Leute mit niedrigem Einkommen und Leute mit speziellen Krankheiten genau Gar nichts an ihre Medikamente. Das resultiert in enormer Verschwendung. Allgemein gesehen schätzen die Leute die Sachen, die sie gratis bekommen sehr gering ein. Totale Kosten der Krankenkasse an diese Episode? Ungefähr 800 Pfund!
Ich sollte noch Dankbar sein, dass sie an uns zurückgegeben wurden und er sie nicht an Freunde verteilt, verkauft oder im Schrank gelassen hat (und ja, ich habe sie wirklich vernichtet und nicht selbst mitgenommen).

Übersetzt von Pharmama – Original hier.

Das ist ein Extremfall – aber ähnliches sehe ich bei uns auch.

Wenn man Medikamente / Leistungen einfach immer bekommt, ohne den Preis / den Wert davon zu sehen, verliert man auch die Wertschätzung dafür. Gratis ist nichts – irgendwer zahlt immer. Das scheint manchen nicht bewusst zu sein.

Ich sollte auch in der Apotheke arbeiten …

Patientin, die bei der Assura versichert ist, leicht erbost über die Menge Geld, die sie für ihre Medikamente hinlegen muss: „Ich sollte auch einen Job in der Apotheke haben, dann bekäme ich das alles gratis.“

Die Frau musste ich enttäuschen. Ich bekomme als Angestellte in der Apotheke ein paar Prozente auf die Sachen, die ich selber kaufe. Was über die Krankenkasse läuft, dafür bezahle ich genau gleichviel wie sie. Vielleicht noch mit dem Unterschied, dass ich es meiner Kasse direkt abrechnen kann (was sich bei meiner Franchise aber nicht lohnt) – aber immerhin hat sie ja die Assura als Krankenkasse selbst ausgesucht.

 

Übrigens: da habe ich grad letzthin wieder gelesen, dass das Modell Tiers garant – also, dass man als Patient zuerst selbst bezahlen muss in der Apotheke oder beim Arzt eigentlich das übliche System wäre – also sozusagen der Normalzustand und dass das Modell Tiers payant, also dass der Leistungserbringer (Arzt, Apotheke) mit der Krankenkasse direkt abrechnet eigentlich als Ausnahme gedacht war.

Die Realität sieht heute in der Apotheke aber genau umgekehrt aus – die Patienten sind sich das auch so gewohnt, dass sie ausrufen, wenn es bei einer Kasse dann anders ist – und die Kassen, die das so verlangen werden wieder mehr. Der Trend geht (von den Kassen aus) eindeutig weiter in Richtung Tiers garant.  Ich bin gespannt auf nächstes Jahr.

Leute, schaut die Verträge gut an, die ihr unterzeichnet!

Krankenkassen-Werbeanrufe: auf der Suche nach den „guten Risiken“

In den letzten 2 Wochen habe ich zuhause wieder mindestens 3 Anrufe von Krankenkassen (respektive deren Makler) bekommen.

Und das obwohl eigentlich seit dem 1. Juni diese Jahr damit weitgehend Schluss sein sollte.

Seit dem Tag gilt nämlich der Verhaltenskodex der Santesuisse (das ist der Zusammenschluss der Schweizer Krankenversicherer), der besagt, dass „telefonische Kaltaquise“ für die Grundversicherung nicht mehr erlaubt ist. Das heisst sie dürfen am Telefon keine Grundversicherung mehr anbieten. Erlaubt bleiben „nur“ Beratungen für eine Zusatzversicherung. Zudem dürfen Krankenkassen auch keine Versicherten anrufen, die in den letzten fünf Jahren nicht Kunden bei ihnen waren.

Gemacht wurde das Ganze, weil damit verhindert werden soll, dass die Kassen Geld für Telefon-Werbung und Makler ausgeben. Am Anfang hätte daraus ein Gesetz werden sollen, aber die Krankenkassen konnten das mit diesem „Verhaltenskodex“ noch abwenden.

Es sieht nicht so aus, als ob das irgendetwas gebracht hat.

Vielleicht auch, weil der Kodex so viele Ausnahmen zulässt: Wenn ich (oder jemand von der Familie) in den letzten 5 Jahren Kunden waren bei der Kasse dürfen sie trotzdem anrufen. Ebenso, wenn es „nur“ um die Zusatzversicherung geht.  Und dann gibt es natürlich die Kassen, die nicht bei der Santesuisse Mitglied sind- allen voran die Assura, aber auch die Helsana etc.

Jedenfalls: Sie nerven weiterhin. Bei mir waren es die Visana, die Groupe mutuel und die Assura.

Was mache ich jetzt dagegen?

Herausfinden, was der Anrufer will und bei einem Verstoss das melden. Das geht per Meldeformular hier. Die Meldung geht allerdings an die Santesuisse – die bisher offenbar noch nicht viel Grund sieht, da ernsthaft einzuschreiten …

Oder:

Eine bestehende oder fiktive chronische Krankheit angeben – das sind für die Kasse „schlechte Risiken“ – weil sie da mehr Geld hinlegen müssen als reinbekommen, das wollen sie nicht, also hat man zumindest von der Kasse/dem Maklerbüro Ruhe.

Oder:

Wenn man Zeit hat: Zurückfragen mit dem „Gegenskript“ – Ausdrucken, neben das Telefon legen und auf den nächsten Anruf warten …ich kann mir vorstellen, dass das Spass machen kann.

Oder:

Anrufe von Telefonnummern, die man nicht kennt, nicht annehmen und nicht gelistete Anrufe sperren lassen (bei swisscom: Hörer abheben > * drücken > 99 eingeben > # drücken.  Einschaltbestätigung abwarten > Hörer auflegen.)

Validierung, Abfrage, Nachweis.

Abends nach 6 Uhr kommt ein Kunde in die Apotheke mit einem Rezept für ein Schmerzmittel.

Wir sind voll beschäftigt und die Kollegin übernimmt ihn. Beim Eingeben in den Computer sieht sie, dass er schon einmal da war, aber sie kann seine Krankenkasse nicht validieren (geht normalerweise mit ein paar Knopfdrücken via Internet) – der Grund ist schnell klar: er war seit 2008 nicht mehr hier und inzwischen hat die Nummer gewechselt.

Pharmaassistentin (PA): „Ich bräuchte noch ihre aktuelle Krankenkassenkarte“
Kunde: „Sie haben meine Info im Computer“
PA: „Die Info ist nicht mehr aktuell.“
Kunde: „Dann fragen sie halt bei der Krankenkasse nach.“

(Grumpf. Nicht: „Könnten sie nicht bei der …“)

PA: „Es ist zu spät heute, die haben schon zu. Ich kann noch versuchen die manuelle Abfrage via Internet zu machen – wenn das aber nicht klappt, müssen sie das Medikament selbst bezahlen.“

Die Abfrage war mit der Nummer von 2008 nicht möglich.

Der Kunde stürmt aus der Apotheke ohne Medikament.

PA (nervös): „Hast Du das mitbekommen?“
Ich: „Ja. Du hast das richtig gemacht. Die Krankenkasse schreibt uns die sofortige Validierung der Versicherungsdeckung vor – ansonsten zahlen sie je nachdem nicht. Es kann ja einiges gewechselt haben. Dass wir auch noch seiner Kassendeckung her rennen, das ist reiner Goodwill von uns.“

Am nächsten Morgen kommt derselbe Kunde wieder in die Apotheke und erklärt:
„Ich habe die Krankenkassenkarte nirgends gefunden – ich zahle die Medikamente.“

Okay!

… Irgendwie habe ich das Gefühl, er hat die Kasse gewechselt und dann zuhause festgestellt, dass er bei der neuen sowieso selbst zahlen muss … ansonsten hätte er auch noch mit der aktuellen Krankenkassenabrechnung kommen können und ich hätte dann telefonisch nachgefragt.