Von Zahlen, Bots und Fake-followern …

In der 20 Minuten heute (ja, ich weiss schon, nicht gerade die Vorzeigeliteratur) ist ein Artikel über Blogger (speziell Fashionblogger) – und ihre Fans auf verschiedenen Netzwerken. Für professionelle Blogger ist die Anzahl Fans und damit die Reichweite wichtiges Kriterium beim Einholen neuer Aufträge und Kooperationen mit Firmen. Da sollte es wenig verwundern, wenn manche da … nachhelfen. Zum Beispiel indem sie Fans und Follower kaufen. Angeblich kosten 1000 Fans aus so „Click Farms“ gerade mal 15 Franken. Direkt ein Schnäppchen, wenn man denkt, was Facebook selber für Werbeanzeigen verlangt.

Das nachzuweisen ist nicht ganz einfach, aber es gibt Hinweise, die verdächtig sind: Wenn eine Vielzahl der Fans nicht aus Europa kommen, sondern aus Asien, Indien, Mexico … Weil man das nicht auf einen Blick sieht, gibt es im Netz ein Tool, das die Länder-Verteilung der Fans auf Facebook aufzeigen kann.

Ich habe es mit meiner Seite dort mal ausprobiert und dies herausbekommen:

facebookfans

Das sieht doch ziemlich … authentisch aus.

Ziemlich ähnlich auch wie die Besuche auf dem Blog selber (Daten vom 4. Oktober):

wpleser

Da könnte man fast stolz drauf werden … immerhin sehe ich mich nicht als professioneller Blogger – und auch mit dem Cave, dass manche den Blog nicht hier lesen, sondern im Feedreader oder per mail und die deshalb nicht erfasst werden – das finde ich beeindruckend. Man kommt aber wieder auf den Boden, wenn man derartiges liest: (Von einer Tech-Seite, wo sich jemand über mangelnde Kommentare auf dem Blog beklagte):

Kommentare werden von Menschen geschrieben. Leider sind 80 bis 95 % der vermeintlichen Leser nur Bots, die sich als Menschen tarnen. Und die schreiben keine Kommentare.

Ah – das wäre frustrierend: fast alles nur Bots? Also künstlich erzeugte Besuche und kaum echte Leser? Das will und kann ich kaum glauben.

Könntet ihr mal „Hallo“ oder „Piep“ sagen?

Optische Anpassungen

pharmamas-blog-kopie

Wie gefällt Euch der neue Header für Facebook / Twitter / Youtube und Google+?

Ich hatte etwas Spass mit dem Computer heute. Passend zum Thema: Apothekerin im Weltraum … da hört Dich niemand schreien …

Neue Blogs im Leser

kind und kittel – für mich die Blogentdeckung des letzten Monats, eine Ärztin, auch Mutter – und mit ganz ähnlichen Problemen wie die meinen. Ihr letzter Beitrag zur Vereinbarkeit ist genauso lesenswert, wie der Post über Zeckenentfernung (seitdem habe ich immer das Bild der herum-laufenden Zecke im Kopf …)

Auf Mama ist Kinderärztin bloggt Johanna mit Herz und Wissen über … genau das. Medizinische Themen und persönlicher HIntergrund dazu.

Auch DrNessy von happynessygirl ist Ärztin, bloggt aber neben medizinischem vor allem über (ihre) Fashion.

Justdisabled zeigt dafür mal die Patientenseite. Eigenbeschreibung: „eine Spastikerin erzählt über den alltäglichen Wahnsinn mit Handicap“ – gratuliere zu den ersten 6 Monaten Bloggen!

Nannyanny bezeichnet sich als „der wahre Supernanny Blog“ und hat interessante Beiträge, befindet sich momentan aber in der Sommerpause.

und natürlich: Ohne ApothekeR fehlt Dir was, eine Seite, die ich im Rahmen meiner Blogparade schon vorgestellt habe, die ich aber allen ans Herz lege, die wissen wollen, wie es in deutschen Apotheken zugeht (im Gegensatz zu denen in der Schweiz)

— ich bin sicher, ihr findet auch etwas für Euch zum lesen, das Euch über das Sommerloch hinwegbringt :-)

Online-Knigge für Ärzte

Gestern hat der FMH (das ist die Vereinigung der Schweizer Ärzte) eine 5-Seitige Empfehlung für die Ärzte herausgegeben über den Umgang mit sozialen Medien.

Nachzulesen hier: Empfehlungen Umgang mit Sozialen Medien für Ärztinnen und Ärzte.

Das fand ich noch interessant und manches (vieles) lässt sich auch auf Apothekerinnen und Apotheker übertragen (auch wenn wir nur im Nebensatz „… oder anderen Gesundheitsfachpersonen“ abgehandelt werden).

Die neuen Medien, speziell die „sozialen Medien“ wie Internet allgemein mit facebook, Twitter, Homepages und Blogs bieten viele neue Möglichkeiten und Chancen, aber auch Risiken. Es sind neue Wege zur Kommunikation … und so gut Austausch ist – im Gesundheitssystem unterliegt der wichtigen rechtlichen Beschränkungen … ich sage nur Patientengeheimnis!

Darüber habe ich – nur bezugnehmend auf den Blog – auch schon einmal geschrieben, siehe hier: Berufsgeheimnis, Schweigepflicht und Blog – das verhält noch immer.

Inhalte, Beiträge oder Bilder in den Sozialen Medien und im Internet sind schnell für eine beliebige und unkontrollierbare Anzahl Personen sichtbbar. Sie lassen sich kopieren, speichern, verbreiten oder weiterverwenden. Dadurch können unüberlegte Äusserungen und Bilder den Ruf einer Person oder eine Organisation in kurzer Zeit schwer schädigen. Zudem sind im Internet oder in den Sozialen Medien veröffentlichte Daten und Informationen kaum löschbar.

Informationen sind heute reines Geld und immer mehr Unternehmen und Organisationen (wie zum Beispiel Versicherungsgesellschaften) erstellen anhand von diesen differenzierte Profile … und werden die in Zukunft auch vermehrt benutzen.

Dementsprechend finden sich in den Empfehlungen Tipps wie:

  • keine Geräte für Fotos und Videos von Patienten verwenden, die auch privat genutzt werden.
  • Patientendaten weitmöglichst weglassen oder so  verändern, dass sie anonymisiert sind und nicht zugeordnet werden können. (Auch bei Kommunikation über nicht sichere Kanäle wie whatsapp, Chats etc. oder bei Präsentationen unter Kollegen wie an Weiterbildungen sollte man daran denken).
  • Patientenbezogener fachlicher Austausch zusätzlich nur in geschlossenen Gruppen auf professionellen und geschützten Plattformen.

Immer wieder auch gefragt: Soll ich Freundschaftsanfragen von Patienten auf Facebook als Arzt annehmen?

  • Dafür empfehlen sie getrennt vom privaten einen rein beruflichen Account für Praxis oder Spital (oder halt Apotheke) zu betreiben und mit Patienten nur darüber zu kommunizieren – also: Nein, Freundschaftsanfragen auf privaten Accounts besser zurückweisen.
  • Vorsicht auch, dass keine Ferndiagnosen gestellt werden – man sollte sich der Grenzen der Beratung und Behandlung über digitale Medien bewusst sein. So sollen konkrete Empfehlungen wenn überhaupt nur gegenüber persönlich bekannten Personen abgegeben werden.

Dann erinnern sie an der Stelle auch wieder daran, dass ein respektvoller gegenseitiger Umgang unter Kollegen auch im Internet gelten und Beiträge über andere Ärzte (und Krankenpfleger, Apotheker etc.!) sachlich und objektiv bleiben soll, auch dann wenn man anonym unterwegs ist.

Konkret zu Beiträgen:

fachliche Beiträge und Inhalte in Sozialen Medien und im Internet korrekt, aktuell, sachlich, professionell sowie verständlich gestalten. Es wird empfohlen, Angaben zur
Fachrichtung und Qualifikation des Autors, zur Absicht des Beitrags, zu Quellen, zum Datum der letzten Aktualisierung sowie Kontaktinformationen aufzunehmen, Ziele und Zielpublikum der verwendeten Sozialen Medien und Plattformen zu berücksichtigen, allfällige Interessenskonflikte (finanzielle, ideelle etc.) zu deklarieren und zu beachten, dass die Sache und nicht die Person des Arztes oder der Ärztin im Vordergrund zu stehen hat;

Alles sehr gute Anregungen, Sachen, die man wirklich durchdenken sollte, bevor man „irgendetwas“ veröffentlicht … mir persönlich aber etwas zu trocken. Ein paar Beispiele was passieren kann (und passiert ist) wären hier sicher hilfreich. Vielleicht stehen die auch in der ausführlichen Version? – die habe ich noch nicht gefunden.

Spannend fand ich noch das:
als Schutzmassnahme regelmässig im Internet Beiträge zur eigenen Person zu suchen und überprüfen.

Nur dass sie hier nicht schreiben, was man denn dann machen soll. Heute ist es nämlich schon etwas so, dass man da als Arzt (respektive Praxis) nicht den gleichlangen Spiess hat wie der Patient (oder irgendwer sonst, ja auch der Kollegoide) der sich auf Bewertungsportalen oder in den sozialen Medien auch anonym über den Arzt auslassen darf. Was hat man da für Möglichkeiten?

Ganz wichtig auch die Empfehlungen zu Datenschutz und Datensicherheit am Schluss – da haben noch so manche Nachholbedarf, da bin ich überzeugt.

Nach der Lektüre will ich von Euch wissen: wäre Euch jetzt klar, wie verhalten? Habt ihr noch eine konkrete Frage oder ein Beispiel dazu, die wir vielleicht diskutieren können?

Pharmama in den Medien (7)

wibaprilMein Blog kommt (einmal wieder) in einer Zeitschrift! In der Women in Business vom April wurde ich von Irene M. Wrabel für einen Artikel interviewt:

Blogs: Big im Business? Vom Hobby zum Geschäftsmodell – kann man mit Bloggen reich werden?

Die Antwort steht auch schon da: Es kommt ganz auf die Branche an. Das stimmt … und so als (ziemlich einsame) Apothekenbloggerin stehe ich natürlich ganz anders da als eine Modebloggerin oder eine Reisebloggerin … Wer mehr darüber nachlesen will, kann das Heft am Kiosk erwerben oder für den e-reader hier herunterladen (kostenpflichtig).

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Die anderen Bloggerinnen zeigen sich auch im Magazin in stylisch-eleganten Fotos … da komme ich (anonym bleiben wollende) schlecht mit :-). Trotzdem: Ist das nicht cool?!

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Die wahren Abzocker im Gesundheitswesen

Ein Gastbeitrag von Deborah Court, zuerst erschienen auf dem Blog der Bahnhof Apotheke Seligenstadt als Reaktion auf die heute überall in den Medien erschienene … ich kann’s nur Apothekenbashing nennen …in der „Welt“ und „Bild“ und mehr.

„Millionenbetrug in Apotheken mit Luftrezepten“ – so lautet heute eine große Schlagzeile der Sonntagszeitungen. Da ist mir doch fast mein Muttertagsfrühstück im Hals stecken geblieben. Ärzte und Apotheker machen angeblich gemeinsame Sache und bereichern sich gemeinsam an gefälschten „Luftrezepten“. „Die Welt“ zum Beispiel behauptet nicht nur, dass Betrug mit solchen eingereichten und nicht belieferten Rezepten existiert. Nein, ist es ist sogar von „hohen Dunkelziffern“ die Rede, die Krankenkassen ermittelten lt. Artikel in fast allen Bundesländern.

Einige Kriminelle gibt es sicher in jedem Berufsstand. Wie die ein solches Vorgehen überhaupt bewerkstelligen, ist mir ein Rätsel, wenn man die engmaschige Kontrolle bedenkt, die im Gesundheitssystem üblich ist. Ärzte müssen Verordnungen, besonders kostspielige, vor den Krankenkassen verantworten und ein Budget einhalten. Der Apotheker hat die Pflicht zur unverzüglichen Belieferung und dazu noch möglichst wirtschaftlichen Abrechnung. Der Bezug teurer Medikamente wird durch Rechnungen, die bei Bedarf vorgezeigt werden müssen, nachgewiesen, häufig müssen vor Belieferungen des Rezeptes Kostenvoranschläge eingereicht werden. Bei regelmäßigen teuren Verordnungen werden viele Versicherte von ihren Krankenkassen kontaktiert, der Erfolg kostspieliger Therapien muss durch den Arzt belegbar sein. Wie sollte ein solcher Betrug in großem Stil überhaupt stattfinden können, ohne aufzufallen? Es steht außer Diskussion, dass Betrug und Mißbrauch des berufseigenen Verantwortungsbereiches – besonders im Gesundheitswesen – aufgedeckt und geahndet werden müssen. Für wenige schwarze Schafe darf jedoch kein gesamter Berufsstand in den Dreck gezogen werden, nur weil es an sonnigen Frühlingswochenenden nichts Aufregendes zu berichten gibt. Ein Schelm, wer sogar geschickte Manipulation der Presse dabei vermuten sollte.

Die Krankenkassen werden sich gewiß über solche Schlagzeilen freuen, lenkt diese doch von der aktuellen Diskussion ab, warum es möglich ist, dass Apotheken ordnungsgemäß belieferte Medikamente der Versicherten aufgrund kleinster Formfehler auf dem Rezept – meist vom Arzt versehentlich nicht ganz korrekt ausgestellt – selbst nach Monaten komplett gestrichen und nicht erstattet werden. Im Fachjargon der Krankenkassen nennt man dieses Vorgehen „Nullretax“. In der Praxis bedeutet es, dass der Apotheker das Arzneimittel aus eigener Tasche bezahlen muss, obwohl der Versicherte es nach Einreichen des Rezeptes, genau wie vom Arzt verordnet, erhalten hat. Nach so langer Zeit – die Krankenkassen dürfen nämlich selbst nach Monaten oder sogar Jahren nachträglich noch Rezepte streichen, im Gegensatz zum Apotheker, der innerhalb von 4 Wochen abrechnen muss – kann natürlich kein Geld von den Patienten zurückgefordert werden. Dies wäre auch gar nicht zulässig. Also bleibt die öffentliche Apotheke auf den Kosten sitzen.

Natürlich können die Versicherten selbst nichts dafür, dass die Kassen mittlerweile externe Abrechnungszentren beschäftigen. Deren Mitarbeiter stürzen sich wie hungrige Geier auf minimalste Formfehler der Verordnungen, um hier und da noch ein paar Euro abzwacken zu können. Obwohl kein Fehler bei der Belieferung vorliegt, muss die Apotheke das volle finanzielle Risiko tragen, da sie prüfen muss, ob Rezepte ordnungsgemäß ausgestellt wurden. Oft handelt es sich jedoch lediglich z.B. um ein vergessenes Kreuz auf dem Formular, eine nicht angegebene Telefonnummer des Arztes, oder um ein ergänzendes Ausrufezeichen bei Mehrfachverordnungen. Wie gesagt, diese Rezepte wurden zu 100% korrekt beliefert; die Patienten haben die Medikamente genau wie vom Arzt verordnet erhalten. Erstattet werden sie dem Apotheker dennoch nicht, und selbst rechtliche Schritte sind nur selten erfolgreich.

Diese und zahlreiche weiter finanzielle Einsparungen auf Kosten der Patienten, Apotheken, Ärzte und anderen Leistungserbringer im Gesundheitswesen sind es, was wirklich in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gestellt werden sollte.