Zwei Anmerkungen von der Drogistin

Liebe Kunden in der Parfümerie. Es ist keine gute Idee, die Nase direkt an den Sprayer des Parfums zu halten um den Duft zu testen. Warum? Weil man da erstens nicht viel vom Parfum riecht – nur das, was vorher mal gespritzt wurde und weil, wenn das alle machen, die Möglichkeit gross ist, sich mit irgendwas anzustecken.
Ja, es ist Schnupfenzeit. Und nein, der Alkohol, der ist innen in der Flasche, draussen klebt dann das, was vorher eventuell in irgendeiner Nase war.

Für die Frau, die zum wiederholten Male nur in die Drogerie kommt, um gezielt nach einem speziellen Muster zu fragen: Nein, für Sie haben wir keine Widmer Augensalbe Muster mehr, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie einmal etwas bei uns gekauft haben. Muster sind für Kunden. Wenn sie nie etwas bei uns kaufen, sind sie auch kein Kunde.

Ende der Durchsage, danke für’s lesen.

Apotheken in aller Welt, 181: Metz, Frankreich

Ich habe bei meiner letzten Fotosafari an dich gedacht und auch mal Apotheken und eine Drogerie in mein Beuteschema aufgenommen. Die Bilder stammen alle aus Metz (Lothringen, Frankreich).
Seitdem es mich durch mein Studium in diese Stadt verschlagen hat, ist sie mir ziemlich ans Herz gewachsen. Sie hat einfach unglaublich viele
schöne Ecken.

Wenn du mir einen Gefallen tun willst, könntest auf die dt.-frz. Hochschule verlinken (dfh-ufa.org). Pharmazie kann man unter deren Dach
zwar noch nicht studieren, dafür Biologie, Chemie und jede Menge technischer Fächer. Vielleicht findet so ja noch der ein oder andere (schweizer)deutsch Sprechende nach Frankreich; bei uns sind die doch eher eine Minderheit (in der eh schon sehr überschaubaren Gruppe derer, die das Abenteuer binationales Studium gewagt haben)- leider.

Apotheke am Place St. Louis:

Apotheke am Place de la Republique

Apotheke En Fournirue

und natürlich hat es dort auch eine Drogerie:

Also ich muss sagen, dieses Metz könnte mir auch gefallen! Besten Dank an Kerstin für die Bilder!

Ver-ge-färbt

In die Drogerie kommt eine Kundin und reklamiert, weil die Textil-Farbe, die sie gekauft hat, um ein Kleid zu färben nicht funktioniert hat. Das heisst – irgendwie schon. Es hat einfach nicht die Farbe gegeben, die sie wollte und die auf der Packung ist. Jetzt will sie von uns das Geld zurück. Für die Textilfarbe und möglichst noch für das verfärbte Kleid! Denn schliesslich ist es unsere Schuld, dass das nicht geklappt hat.

Ein paar Fragen später ist klar, was passiert ist. Mit der Textilfarbe, die wir haben, kann man Baumwolle, Leinen oder Viscose färben. Kunstfasern wie Polyester etc. färbt es nicht – oder eben: anders. Das steht auf der Packung, in der Packungsbeilage und im Normalfall fragen wir auch was für eine Art Stoff der Kunde, der das will färben möchte – genau wegen dem. Die Kundin behauptet aber steif und fest, wir hätten nicht gefragt und darum sei das unser Fehler und sie will das Geld zurück.

Obwohl ich mir das eigentlich nicht vorstellen kann, bekommt sie von uns das Geld für die verwendete Packung zurück – aber nicht für das Kleid. (Es hat Grenzen, echt!)

Soviel zu der Annahme, die Leute würden die Beschreibungen, die mit einem Produkt mitgeliefert werden lesen. Das machen sie nicht. Nicht bei so einfachen Sachen wie Textilfarbe und leider auch nicht bei so wichtigen – und teilweise gefährlichen – wie Medikamenten.

Es zeigt nur einmal mehr, dass man davon einfach nicht ausgehen darf.

Bedienungsnotstand

„Den bediene ich nicht!“ Sagt die Drogistin und verschwindet.

„Und ich auch nicht“ – das war die Pharmaassistentin. Weg ist sie. Ich selbst bin grad an einem Rezept – ich kann nicht.

Die ältere Drogistin nimmt ihn dann.
Widerwillig.

„Was ist das Problem?“ frage ich sie, als sie danach zurückkommt.

Drogistin: „Der Typ kauft Kondome und erzählt einem, was er damit macht. Ausführlich. Und das sind Dinge, die ich weder hören, noch wieder erzählen möchte. Der ist pervers.“

Das ist alles, was ich aus ihnen herausbekomme. Und was ich weiss ist, dass sie sicher nicht prüde ist.

Aber so wie es aussieht, hat der wirklich bald niemanden mehr, der ihn bedient.

Jetzt haben Sie schon wieder diesen Ton!

Meine Drogistin ist im Moment am Boden zerstört wegen einer Kundin, die sie als „Respektlos älteren gegenüber“ betitelt hat.
Nicht, dass die Kundin sehr alt war.
Oder meine Drogistin respektlos.
Tatsächlich ist es genau die Drogistin, die ich nach Möglichkeit aussuche, wenn bei mir der Geduldsfaden kurz davor ist zu reissen, z.B. wenn ich schon hoch und runter nach dem Makeup gesucht habe, das die Kundin angeblich bei uns bestellt hat – von mir will sie nicht hören, dass es die falsche Drogerie ist, aber meine Drogistin bringt das mit Engelsgeduld rüber … und gibt ihr womöglich noch die richtige Adresse.

Aber die Kundin, die sie bedient hat sie auf dem Kiecker. Nach obiger Aussage:
„Sie sind ziemlich respektlos älteren gegenüber“
hat meine überraschte Kollegin sich rasch entschuldigt: „Entschuldigen sie bitte.“ und sie ruhig weiterberaten – was soll sie dazu auch gross sagen? Sich auf Diskussionen einlassen warum die Kundin jetzt denkt, sie sei respektlos, liesse das Ganze nur eskalieren.

Aber das war noch nicht alles.

Drogistin: „Und diese Grundlage eignet sich speziell für eher trockene, empfindliche Haut …“

Kundin: „Jetzt haben sie schon wieder diesen Ton!“

Drogistin: (baff) „…….“

Die Kollegin hat dann möglichst rasch ihre Beratung beendet, verkauft, was die Kundin wollte … und ich durfte sie nachher wieder moralisch aufbauen.