Unverständliches

Unleserliche Rezepte sind eines der (wenigen) Dinge, die ich in der Apotheke nicht ausstehen kann.

Sie verursachen enorme Mehrarbeit – ich muss es entziffern, eventuell die Kundin fragen was oder für was es ist und dann noch sicherheitshalber dem Arzt nachtelefonieren. Denn unleserliche Rezepte sind auch ein Sicherheitsrisiko: was, wenn ich mal versehentlich das falsche abgebe? Das ist eine Gesundheitsgefährdung und gibt noch mehr Arbeit das wieder – so möglich – in Ordnung zu bringen.

Letzten Samstag hatte ich ein Rezept, das ich tatsächlich nicht lesen konnte. Nada, njet, nix. Es hätte genausogut in arabisch oder chinesisch geschrieben sein können. Ich konnte es nicht entziffern (und ich bin sonst wirklich gut!), die Pharmaassistentin auch nicht, die Kundin hatte keine Ahnung für was es ist (das lasse ich hier mal unkommentiert) und der Arzt war – wie Samstag so üblich nicht erreichbar.

Weil die Kundin nicht aus der Gegend war, blieb mir nichts übrig als ihr das Rezept achselzuckend wieder zurückzugeben.

Das ist frustrierend.

Für sie und für mich.

Die vertrauenswürdigsten Berufe

Also DAS finde ich doch sehr erfreulich:

Jedes Jahr führt Readers Digest eine Umfrage in 16 Europäischen Ländern durch, um die „most trusted Brands“, also die vertrauenswürdigsten Marken zu ermitteln. Dabei fragen sie auch nach Berufen:

Wie hoch ist Ihr Vertrauen bei folgenden Berufsständen in Ihrem Land?

[In % der Wert für „sehr hohes“ bzw. „ziemlich hohes“ Vertrauen. Antworten zu 20 vorgegebenen Berufen. Basis: 23.287 Befragte in 16 europäischen Ländern,

Feuerwehrleute EUR 92% / CH 92%

Piloten EUR 89% / CH  94%

Apotheker EUR 87% / CH 88 %

Krankenschwestern EUR 85% /  CH 92%

Ärzte EUR 83% /  CH 88%

Quelle

Je nach Land ändert die Reihenfolge minim, die Apotheker sind aber eigentlich immer unter den ersten 4 Plätzen zu finden – was mich sehr freut.

Auch toll finde ich das mit den Feuerwehrleuten – da habe ich doch eine Zeitlang gleich 2 der respektabelsten Berufe gleichzeitig ausgeübt … :-)

Dass die Piloten teilweise stark gestiegen sind im Ansehen ist auch nicht erstaunlich nach der Glanzleistung der Landung im Hudson River.

Ein paar Bitten an die Ärzte

von der Apothekerin die Eure Rezepte ausführt …

Wenn ihr in einem Spital arbeitet und die Spitalrezeptblöcke benutzt, schaut zu, dass ihr einen eigenen Stempel habt, oder schreibt euren Namen lesbar unter die Unterschrift. Das vermeidet Telefon-odyseen, wenn ich oder eine andere Apothekerin mal wegen etwas nachfragen muss.

Auch an die Spitalärzte: vermeidet Abkürzungen. TDF ist KEINE offizielle Abkürzung für Tardyferon, auch wenn das vielleicht spitalintern so gehandhabt wird, auf Rezepten sind Abkürzungen verboten!

Schreibt leserlich! Bitte, bitte, bitte. Ich weiss schon, es ist langweilig, immer die gleichen Medikamente aufzuschreiben und Zeit habt ihr auch keine, aber wenn ich es nicht entziffern kann und anrufen muss, geht es noch länger. Ein einfacher Test: Rezept noch mal anschauen und überlegen, ob das ein Schulkind lesen könnte. Wenn nicht: noch mal schreiben!

Nett wäre es beim Patienten noch das Geburtsdatum dahinter zu schreiben (das wird eigentlich auch so gelehrt) dann passieren auch keine Verwechslungen, indem man es dem falschen Kunden zuordnet. Es gibt Familien da heissen Mutter, Tochter und wahrscheinlich auch noch die Grossmutter gleich. Ausserdem gibt es Hunderte „Frau Müller“.

Wenn ihr nach einem Medikament suchen müsst: Benutzt doch die aktuelle Ausgabe des Kompendiums. Das verhindert eher peinliche Rückrufe der Apotheke weil das Medikament nicht mehr existiert. Heute besteht auch die Möglichkeit nur den gewünschten Inhaltsstoff und Dosierung aufzuschreiben.

Wenn ihr viele Medikamente und lange Dosierungen aufschreiben müsst, benutzt bitte mehr als 1 Rezept von der Grösse A6. Ich brauche nämlich auch noch etwas Platz für die Angaben die wir brauchen, um mit der Kasse abzurechnen.

Fällt jemandem sonst grad noch was ein?

Telefon an den Arzt

Telefon an den Arzt, der nicht gerne Telefone bekommt von der Apotheke.

Arzt: „Ist da ein Problem mit dem Antibiotikum, das ich aufgeschrieben habe?“

Apotheker: „Nein, … aber mit dem zweiten Medikament auf dem Rezept haben wir Bedenken.“

Arzt: „Aber ich habe nur ein Antibiotikum darauf aufgeschrieben!“

Apotheker: „Genau das haben wir uns gedacht. Sie sehen also warum wir zögern die 100er Packung Dormicum die unter dem Antibiotikum steht abzugeben …“

Von da an war der Arzt irgendwie netter am Telefon.

Aber ich bin Ärztin!

Alte Frau kommt in die Apotheke: „Ich hätte gern ein Seresta“.

Apothekerin: “Haben Sie ein Rezept?“

Kundin “Das brauche ich nicht, ich bin Ärztin“.

Apothekerin: “Dann hätte ich gerne den Ärzteausweis und einen weiteren Ausweis“.*

Kundin: „Die habe ich nicht hier“.

Apothekerin: „Dann habe ich auch kein Seresta für sie“ (Da könnte ja jeder kommen“ ).

P.S: Sie kam ½ Stunde später mit einem Uralt-Diplom (praktiziert ja auch schon lange nicht mehr), aber immerhin!

*Bei Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln und anderen Medikamenten mit Abhängigkeitspotential verlange ich immer ausser dem Ärzteausweis noch eine normale Identitätskarte. Denn die Ärzteausweise haben kein Foto drauf. Wenn so einer mal abhanden kommt könnte ihn sonst jeder benutzen. Ganz Schlecht!

Und wenn wir grad beim Thema sind: Medizinstudenten sind keine Ärzte (ja, auch nicht, wenn ihr nur noch 1-2 Semester Ausbildung habt). Das heisst, ich bin nicht verpflichtet ihnen rezeptpflichtige Medikamente abzugeben. Ich tue es aber, wenn es mir vernünftig und nötig erscheint. Sonst nicht!

Medikamentenbestellung per mail

Mentikamentenbestellung – Vorbezug

Sehr geehrte Damen

Hiermit möchte ich einen Medikamenten-Vorbezug machen, da ich ab Morgen-Abend für längere Zeit im Ausland bin.

Bestellung:

BelockZok 5 mg  30 Tabletten

Lexontanil 3 mg  2 Pack à 30 Tabletten

Dormicum  2 Pack à 30 Tabletten

Orvitin-Nasenspray 1 Pack

Ich bin Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir die Medikamente noch heute liefern könnten, ich zahle bei Lieferung.

das Rezept erhalten Sie morgen, da mein Arzt heute seine Praxis geschlossen hat.

Wenn Sie Hauslieferdienst haben um so besser, ansonsten könnte ich die Medikamente so gegen 16 Uhr abholen. Bitte um raschmöglichsten Bescheid. Besten Dank und freundliche Grüsse

Herr Ichversuchsmal

Obiges ist ein mail, das wir einmal erhalten haben (inklusive Schreibfehler, exklusive Namen des Senders).

Interessant vor allem aus dem Grund, dass der Herr keiner unserer Kunden ist – d.h. er hat bisher noch kein Rezept bei uns eingelöst, ich habe keine seiner Daten. Er will (neben Nasenspray und Blutdruckmedi) 2 grosse Packungen Schlafmittel, und 2 Pack Beruhigungsmittel. Dazu lässt er uns keine Zeit das nachzuprüfen (tatsächlich nennt er nicht einmal den Namen des Arztes) und er sagt, er bezahlt selbst.

Verdächtig.

Ich telefoniere ihm und sage ihm, dass er die Medikamente besser in seiner Stammapotheke bezieht – da die ja seine Daten und alles hat. Für die dürfte es kein Problem sein, den Vorbezug zu machen.

Ein Vorbezug ist übrigens eben die Abgabe von  (rezeptpflichtigen) Medikamenten noch bevor man das Rezept hat. Für Kunden, die ihre Medikamente regelmässig in der Apotheke beziehen ist das im Normalfall auch kein Problem. Da wissen wir um die Dauermedikation und ob der Arzt Vorbezüge erlaubt. Für jemanden, der noch nie da war, ist das schon einiges schwieriger.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser.