Noch ein Argument gegen selbstdispensierende Ärzte

Selbstdispensation nennt man es, wenn der Arzt die Medikamente, die er verschreibt auch gleich selbst verkauft.

In der Schweiz ist das (leider) in einigen Kantonen generell erlaubt – selbst in den Gross-städten, wo es Apotheken in unmittelbarer Nähe hat.

Für den Arzt ist das ein Hochseilakt zwischen seiner Verantwortung als Monopolinhaber des Verschreibungsrechts und seinem Interesse an einem wachsenden Einkommen.

Arztapotheken sind zudem nicht öffentlich zugänglich und jeder Bezug in der Arztapotheke bedeutet eine Konsultation nach Tarmed (dem Abrechnungssystem der Ärzte), also massive Kosten in der Prämie.

Täglich finden über 300’000 Gespräche in der Apotheke statt (es gibt gut 1700 Apotheken in der Schweiz). Werden nun 10% davon in die Arztpraxis verlagert, wäre mit neuen Kosten von 1‘000‘000 (1 Million) Schweizerfranken pro Tag zu rechnen!

Denn die Beratung in der Apotheke ist (immer noch) gratis – und auch wir sind Fachpersonen des Gesundheitssystems und ausgebildet in der Triage – d.h. wenn es etwas ist, was weitere Abklärung oder Behandlung braucht, dann schicken wir die Leute zum Arzt … und sonst nicht.

Nachgefragt

Zur Abwechslung mal eine Begebenheit aus dem Spital, das mir so von einem Arzt erzählt wurde.

Man darf ja manche Medikamente nicht nehmen, wenn man schwanger ist … aber das muss abgeklärt werden.

Also:

Arzt: „Besteht die Möglichkeit, dass sie schwanger sind?“

Patientin: „Nein?“

Arzt: „Sind sie sicher?“

Patientin: „Ja.“

Arzt: „Sind sie sexuell aktiv?“

Patientin: „Ja!“

Arzt: „Haben sie noch ihre Periode?“

Patientin: „Ja!“

Arzt: „Benutzen sie die Pille oder andere Verhütungsmittel?“

Patientin: „Nein.“

Arzt: „Benutzen sie Kondome?“

Patientin: „Nein.“

Arzt: „Hat Ihr Mann / Freund / Sexualpartner eine Vasektomie gemacht?“

Patientin: „Nein.“

Arzt: „Also lassen sie mich das mal zusammenfassen: Sie haben noch die Periode, haben ungeschützten Geschlechtsverkehr … sie versuchen aktiv schwanger zu werden.“

Patientin: „Nein!“

Arzt: „Wie würden sie denn das nennen, wenn sie Sex haben und nichts zur Verhütung machen?“

Instant-Heilung

Nachdem uns Junior heute Nacht drei Mal aus dem Bett geholt hat und wieder beruhigt werden musste, damit er weiterschlief, war er heute Morgen dafür nicht aus dem Bett zu bringen.

Er schrie, wenn er den Kopf bewegte und hatte ziemlich Fieber.

So verbrachten wir den Vormittag zwischen Bett und Sofa. Er lief keinen Schritt, machte immer wieder „Aua!, Aua!“ wenn ich ihn bewegte, fing an zu weinen und trank und ass kaum was.

Das kenne ich so nicht von ihm. Im Normalfall ist er ein Wirbelwind mit grossem Bewegungsdrang – da beunruhigt es mich doch sehr, wenn er nur so herumhängt.

Algifor Sirup hilft anscheinend auch nur nicht.

Was könnte es sein? Erkältet ist er nicht, nicht das kleinste Schniefeln. Offensichtlich macht ihm aber der Kopf weh – hat er Migräne wie ich? Aber da passt das Fieber nicht rein. Die Zähne sind’s diesmal glaub’ auch nicht: da sind schon alle da die da sein sollen. Also: Mittelohrentzündung? Meningitis?… Manchmal ist das Fachwissen auch von Nachteil!

Mir gefällt das dermassen nicht, dass ich ihn dann um 2 Uhr, als es nicht besser wird, sondern eher schlimmer zum Kinderarzt anmelde. Zum Glück können wir um 4 Uhr hin. Junior verbringt die Zeit im Bett.

Der Arzt ist nicht weit entfernt, aber diesmal muss ich Junior hintragen, weil er immer noch nicht laufen will / kann.

Und beim Arzt? Hüpft er von der Liege, will sich absolut nicht anschauen lassen, rennt im Praxiszimmer umher… -das ist toll, sag Du dem Arzt dann mal: „Seit heute Morgen liegt er nur in der Gegend herum und weint bei jeder Bewegung.“

Jedenfalls komme ich mir vor wie die überbesorgte Gluckern-Mutter, v.a weil der Arzt nichts findet: die Ohren sind frei und gut belüftet, der Hals nicht rot, die Lungen auch ok.

„Wahrscheinlich Spannungskopfschmerzen und eine anfangende Erkältung.“ so die Diagnose.

Und wer läuft den ganzen Weg nach Hause und hat auf einmal praktisch gar nichts mehr?

Junior natürlich.

Unverständliches

Unleserliche Rezepte sind eines der (wenigen) Dinge, die ich in der Apotheke nicht ausstehen kann.

Sie verursachen enorme Mehrarbeit – ich muss es entziffern, eventuell die Kundin fragen was oder für was es ist und dann noch sicherheitshalber dem Arzt nachtelefonieren. Denn unleserliche Rezepte sind auch ein Sicherheitsrisiko: was, wenn ich mal versehentlich das falsche abgebe? Das ist eine Gesundheitsgefährdung und gibt noch mehr Arbeit das wieder – so möglich – in Ordnung zu bringen.

Letzten Samstag hatte ich ein Rezept, das ich tatsächlich nicht lesen konnte. Nada, njet, nix. Es hätte genausogut in arabisch oder chinesisch geschrieben sein können. Ich konnte es nicht entziffern (und ich bin sonst wirklich gut!), die Pharmaassistentin auch nicht, die Kundin hatte keine Ahnung für was es ist (das lasse ich hier mal unkommentiert) und der Arzt war – wie Samstag so üblich nicht erreichbar.

Weil die Kundin nicht aus der Gegend war, blieb mir nichts übrig als ihr das Rezept achselzuckend wieder zurückzugeben.

Das ist frustrierend.

Für sie und für mich.

Die vertrauenswürdigsten Berufe

Also DAS finde ich doch sehr erfreulich:

Jedes Jahr führt Readers Digest eine Umfrage in 16 Europäischen Ländern durch, um die „most trusted Brands“, also die vertrauenswürdigsten Marken zu ermitteln. Dabei fragen sie auch nach Berufen:

Wie hoch ist Ihr Vertrauen bei folgenden Berufsständen in Ihrem Land?

[In % der Wert für „sehr hohes“ bzw. „ziemlich hohes“ Vertrauen. Antworten zu 20 vorgegebenen Berufen. Basis: 23.287 Befragte in 16 europäischen Ländern,

Feuerwehrleute EUR 92% / CH 92%

Piloten EUR 89% / CH  94%

Apotheker EUR 87% / CH 88 %

Krankenschwestern EUR 85% /  CH 92%

Ärzte EUR 83% /  CH 88%

Quelle

Je nach Land ändert die Reihenfolge minim, die Apotheker sind aber eigentlich immer unter den ersten 4 Plätzen zu finden – was mich sehr freut.

Auch toll finde ich das mit den Feuerwehrleuten – da habe ich doch eine Zeitlang gleich 2 der respektabelsten Berufe gleichzeitig ausgeübt … :-)

Dass die Piloten teilweise stark gestiegen sind im Ansehen ist auch nicht erstaunlich nach der Glanzleistung der Landung im Hudson River.

Ein paar Bitten an die Ärzte

von der Apothekerin die Eure Rezepte ausführt …

Wenn ihr in einem Spital arbeitet und die Spitalrezeptblöcke benutzt, schaut zu, dass ihr einen eigenen Stempel habt, oder schreibt euren Namen lesbar unter die Unterschrift. Das vermeidet Telefon-odyseen, wenn ich oder eine andere Apothekerin mal wegen etwas nachfragen muss.

Auch an die Spitalärzte: vermeidet Abkürzungen. TDF ist KEINE offizielle Abkürzung für Tardyferon, auch wenn das vielleicht spitalintern so gehandhabt wird, auf Rezepten sind Abkürzungen verboten!

Schreibt leserlich! Bitte, bitte, bitte. Ich weiss schon, es ist langweilig, immer die gleichen Medikamente aufzuschreiben und Zeit habt ihr auch keine, aber wenn ich es nicht entziffern kann und anrufen muss, geht es noch länger. Ein einfacher Test: Rezept noch mal anschauen und überlegen, ob das ein Schulkind lesen könnte. Wenn nicht: noch mal schreiben!

Nett wäre es beim Patienten noch das Geburtsdatum dahinter zu schreiben (das wird eigentlich auch so gelehrt) dann passieren auch keine Verwechslungen, indem man es dem falschen Kunden zuordnet. Es gibt Familien da heissen Mutter, Tochter und wahrscheinlich auch noch die Grossmutter gleich. Ausserdem gibt es Hunderte „Frau Müller“.

Wenn ihr nach einem Medikament suchen müsst: Benutzt doch die aktuelle Ausgabe des Kompendiums. Das verhindert eher peinliche Rückrufe der Apotheke weil das Medikament nicht mehr existiert. Heute besteht auch die Möglichkeit nur den gewünschten Inhaltsstoff und Dosierung aufzuschreiben.

Wenn ihr viele Medikamente und lange Dosierungen aufschreiben müsst, benutzt bitte mehr als 1 Rezept von der Grösse A6. Ich brauche nämlich auch noch etwas Platz für die Angaben die wir brauchen, um mit der Kasse abzurechnen.

Fällt jemandem sonst grad noch was ein?