kleine Säcklein

Vor ein paar Tagen hatten wir ein Gespräch mit der Lehrerin von Junior – Kein Problem, es ist eigentlich alles in Ordnung, es ging nur darum, wie er in der Schule steht. Mathe geht sehr gut, Schreiben und Lesen hat er mehr Mühe. Unruhig ist er immer noch (ich denke nicht, dass das so bald weggeht), aber okay.

Jedenfalls bekomme ich, kurz nachdem ich wieder zu Hause bin einen Anruf von der Lehrerin.

Lehrerin (vorsichtig): „Haben Sie vielleicht ein Säcklein verloren? Ich habe nach ihrem Besuch eines am Boden gefunden.“

Pharmama: „Ich denke nicht, aber : Was ist denn drin?“

Frau Lehrerin: „Ich weiss nicht, es ist so ein ganz kleines …“

Pharmama: „Können Sie nicht reinschauen?“

Frau Lehrerin „Nein, das ist nur so ein kleines, zugeschweisstes? Mit etwas wie Pulver drin?“

Pharmama: „Zugeschweisstes? Steht denn irgendetwas drauf?“

Frau Lehrerin: „Moment ………………. Silikagel?“

Jetzt fange ich an laut zu lachen.

Pharmama: „Oh, so ein Säcklein!

exsiccant

Das muss aus meiner neuen Jacke rausgefallen sein. Das ist ein Säcklein Trocknungsmittel – findet sich in Sachen, die nicht feucht werden dürfen … wie in Medikamenten oder anscheinend auch in Jacken. Gestern habe ich schon so eines in der Wohnung gefunden.“

Frau Lehrerin: „Was mache ich denn damit?“

Pharmama: „Werfen Sie es einfach weg. Das ist ungiftig. Wie Sand.“

Frau Lehrerin: „Okay. Tut mir leid wegen der Störung.“

Nach dem Aufhängen fällt mir ein, warum die Frau Lehrerin so …. vorsichtig war. Die hat wohl gedacht da sei etwas … chemisches drin. Apothekerin verliert kleines eingeschweisstes Plastikpäckchen mit mysteriösem Pulver drin? Was mag das wohl sein?

Offensichtlich ist sie die nächste die mich für eine Drogendealerin hält.

Don’t kill the messenger

Wie sagt man jemandem, dass er nicht mehr lange zu leben hat?

Vielleicht eher nicht so (wie eine Kundin bei Spitalaustritt nach diversen Untersuchungen informiert wurde):

„Es ist ein Wunder, dass Sie noch leben. Das wird nicht besser werden, es wäre gut, wenn Sie, sobald Sie können, Sich einen Hospitz-Platz besorgen. Hier sind die Unterlagen für ihren Hausarzt. Wiedersehen!“

 

Ich bin froh, dass ich derartig schlechte Nachrichten nicht überbringen muss. Und ich bin mir sehr bewusst, dass es da keine Allgemeinformel gibt.

Die einen schätzen es, wenn man ihnen sagt, wie es ist und wie die Chancen stehen (auch wenn es da Spielraum gibt, dass man sich irrt),

Die anderen vertragen das gar nicht und wollen gar nicht wissen, wie es wirklich um sie steht.

Aber ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen wenn man nachfragt, darf man glaub ich schon verlangen, oder?

 

Ich hatte die Patientin relativ gleich nach dem Spitalbesuch mit dem Austrittsrezept in der Apotheke. Sie war –gelinde gesagt – geschockt.

Krebs ist einfach Scheisse.

Die Verhütungspille?

Ein junges Pärchen mit deutschem Akzent steht vor mir in der Apotheke. Sie schaut Ihn an, Er schaut Sie an, dann gibt Sie sich einen Ruck und sagt: „Ich brauche eine Verhütungspille“.

Und ich sage: „Haben Sie ein Rezept? Die sind hier alle nur auf Rezept erhältlich.“

Sie: „Nein, ich habe kein Rezept dafür.“

Pharmama: „Dann sollten sie vielleicht zum Arzt, sich eines ausstellen lassen? Falls sie keinen Arzt haben: Das Spital hat eine Frauenabteilung, wo sie auch ohne Termin hin können.“

Er: „Geht das nicht ohne?“

Pharmama: „Nein, für die Pille brauche ich ein Rezept – ich kann ihnen nicht einfach irgendeine geben. Ein Arzt muss sie vorher anschauen.“

Die beiden schauen sich wieder an und gehen.

Oder doch nicht? Ich sehe sie draussen vor der Türe diskutieren.

Schliesslich kommt Sie wieder herein.

„Ich habe im Internet gelesen, dass man in der Schweiz die Pille danach ohne Rezept bekommt.“

Ah – darum geht es.

Pharmama: „Das ist so. Allerdings ist das nicht als Verhütungsmittel gedacht – darum bekommt man sie auch nur … danach.“

Implizierend: ist das so?

Sie nickt: „Das habe ich verstanden. Ich brauche sie.“

Pharmama: "Gut – dann kommen Sie mit nach Hinten. Ich muss zuerst ein Gespräch mit ihnen führen."

Ehrlich – ich will es Ihnen nicht schwerer machen als nötig, aber: bitte redet Klartext. Eine Verhütungspille ist etwas anderes. Das hier ist nur die Notfall-kontrazeption. Die Pille danach.

Manche Tage

Manche Tage sind schlimm. Gestern war so einer. Keine Ahnung, an was es lag, aber … den ganzen Tag nichts als Hindernisse, Fehlerkorrekturen und seltsame Kunden.

Das ist gut für den Blog, aber für uns ist es … anstrengend.

Zum Beispiel:

Die Pharmaassistentin am Telefonieren mit der Versicherung.

Sie wählt, hört zu, wählt eine Nummer …

Ihr kennt das: 'Für Deutsch pressen Sie bitte die 1, pour Francais …' usw.

Die PA hört zu, wählt wieder eine Nummer, hört zu und bekommt auf einmal einen ganz seltsamen Ausdruck im Gesicht und hängt wieder auf.

Pharmama: "Was ist passiert?"

PA: "Du kennst die Ansage: „Alle unsere Mitarbeiter sind zur Zeit besetzt. Der nächste freie Mitarbeiter wird sich gleich um Sie kümmern. Sie befinden sich auf Platz …"

Pharmama: "Jaja. Und?"

"Platz Dreissig." Sagt meine Pharmaassistentin.

30!!

Wir versuchen's an einem anderen Tag wieder.

Danke – Bitte!

Der Ärztin auf den Anrufbeantworter gesprochen, damit sie zurückruft wegen einer Frage zu einem Rezept.

Sie ruft zurück.

Ärztin: "Habe ich vergessen die Dosierung aufzuschreiben?"

Pharmama: "Nein, aber Sie haben geschrieben eine Tablette morgens – und im Kompendium steht abends sei besser, weil das müde machen kann."

Ärztin: "Ah, nein, morgens ist gut bei dem Patienten. Aber: sehr aufmerksam. Danke!"

Pharmama (total überrascht – sollte ich nicht sein, aber …): "Oh, Bitte!"

Ich find's schön, wenn man höflich miteinander umgeht :-)

Apotheken aus aller Welt, 424: Sarp, Türkei

und nochmal die (bisher) stille Mitleserin:

Tuerkei_Sarp

Außerdem sende ich noch das Bild einer türkischen Apotheke zu der es noch eine kleine Geschichte gibt:
Leider musste ich (zwei Tage) nach meinem Unfall zum Arzt gehen, da mein Knie nicht abschwellen wollte.
An einem Freitagnachmittag sind wir in Sarp angekommen und direkt zum Arzt gegangen. In der Praxis gab es für uns keine ersichtliche Anmeldung, weshalb wir umher schauten und uns auf Deutsch unterhielten. Direkt haben uns freundliche Patienten angesprochen und uns dann die Richtung gezeigt, da wir kein Türkisch sprachen.
Wir sind direkt ins Behandlungszimmer gekommen und der Arzt hat mein Knie untersucht und wir haben uns auf Englisch unterhalten. Ich vermute er hätte auch mit mir geschimpft, das ich noch zwei Tage Motorrad gefahren bin, aber Sprachbarrieren können auch mal gut sein. ;-) Nach der Untersuchung sind wir mit einem anderen Mann (vielleicht einem Kollegen?) und meinem Rezept zur Apotheke gegangen. Dort hat der Kollege mit dem Apotheker gesprochen und dieser hat mit eine Salbe und Tabletten gegeben, selbstverständlich mit Dosieranleitung.
Dann sind wir aus der Apotheke komplimentiert worden und der Kollege hat sich verabschiedet. Wir standen ziemlich perplex vor der Apotheke und waren ziemlich durcheinander, da wir werder beim Arzt noch beim Apotheker irgendetwas bezahlt hatten. Wir hatten es beim Apotheker zwar versucht, aber alle haben den Kopf geschüttelt. Wir dachten dann noch, wir gehen bestimmt zurück zum Arzt und zahlen da dann alles, aber nein. Leider kam uns das Wochenende dazwischen und wir konnten es nicht wieder gut machen.