Xa xa xa

Abends um halb 6 Uhr bringt mir der männliche, ältere Patient ein Rezept. Dieses hier:

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Ich habe Mühe damit es zu lesen, aber da es von einem Urologen (Männerarzt) ausgestellt wurde und der erste Buchstabe höchstwahrscheinlich ein X ist … und die Dosierung 1 pro Tag … ich vermute Xatral uno. Ein Medikament gegen Störungen bei Prostatavergrösserung. Dauerrezept für 1 Monat. Aber ich rufe dem Arzt an, damit ich sicher bin.

Der nimmt das Telefon schon nicht mehr ab – das wird laut Anrufbeantworter nur bis 5 Uhr bedient und morgens ab 9 Uhr.

Gut, ich muss das Medikament sowieso bestellen, also sage ich dem Mann, dass er es morgen abholen kann und ich dann am Morgen halt grad noch den Arzt anfrage.

 

Am nächsten Morgen rufe ich in der Praxis an. Die Praxisgehilfin will es gefaxt haben. Können wir machen.

Zurück kommt dann dasselbe Fax mit demselben Rezept:

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Ah, doch eine Ergänzung. Gesehen? Da steht noch erläuternd 2.5mg. Sonst nix.

Na Super. Das sind dann wohl die anderen Xatral, nicht die uno, die man einmal täglich nimmt. Und die habe ich natürlich nicht bestellt.

Aber … weshalb steht dann bei der Dosierung 1×1?

Bei den 2.5mg steht dies in der Fachinfo unter Dosierung:

Bei Patienten ohne kardiovaskuläre Erkrankungen in der Anamnese beträgt die empfohlene Tagesdosis 3× täglich 1 Tablette zu 2,5 mg (7,5 mg täglich). Die erste Dosis der Behandlung sollte abends vor dem Zubettgehen eingenommen werden.

Ältere Patienten/Hypertoniker unter Behandlung: Bei älteren Patienten (über 75 Jahre) oder bei Patienten mit behandelter Hypertonie sollte die Initialdosis 1 Tablette à 2,5 mg morgens und abends betragen. Die Dosis kann dann je nach klinischer Wirkung angepasst werden.

Niereninsuffizienz:  Die Initialdosis beträgt bei Patienten mit Niereninsuffizienz 2× täglich 2,5 mg. Die Dosis kann dann je nach klinischer Wirkung angepasst werden (maximale Tagesdosis: 3× 2,5 mg).

Leberinsuffizienz: Die Initialdosis beträgt bei Patienten mit mässiger Leberinsuffizienz 2,5 mg einmal täglich und kann je nach klinischer Wirkung auf maximal 2× 2,5 mg täglich gesteigert werden.

Nochmals in der Praxis angerufen. Die sehr ungehaltene Praxisassistentin meint nur: „Ja, die Xatral 2.5mg einmal täglich. So hat er es aufgeschrieben.“

Pharmama: „Okay – das ist ungewöhnlich, die uno sind einmal täglich, die 2.5mg nimmt man nur am ersten Tag eine und danach 2 bis 3 pro Tag.“

MPA: „Moment.“ Sie haut mich in die Warteschlaufe, meldet sich mit „Sind sie noch dran?“ wieder (Ja. Ich habe es noch nicht aufgegeben) und sagt: „Er hat aufgeschrieben einmal eine pro Tag, auch im Patientendossier. Dann denke ich, er meint das auch so.“

Pharmama: „Sie denken … Wie sicher sind sie? Wollen Sie nicht vielleicht noch einmal nachfragen?“

MPA: Grummelgrummel … Versetzt mich kommentarlos wieder in die Warteschlaufe … entweder hat sie Angst vom Arzt, oder sie hat sonst Hemmungen ihn direkt zu stören, ich bin sicher, dass sie bisher damit nicht bei ihm direkt nachgefragt hat.

Nach längerere Wartezeit: „Sind sie noch dran?“

Pharmama: „Ja, immer noch.“

MPA: „1 Tablette pro Tag.“

Pharmama: „Okay? dann halte ich das so fest, Danke fürs nachfragen.“

Ich ändere das und nehme die 30er Packung Xatral 2.5mg aufs Rezept.

… Und muss dann beim bestellen merken, dass es das auf einen anderen als unseren üblichen Grossisten genommen hat … Weshalb? Lieferant nicht eingetragen. Hmmm? Noch ein Bestellversuch. Artikel nicht lieferbar, inaktiv. Huh?

Na dann. Muss es halt trotzdem die 60er Packung sein.

Gottseidank geht das bei uns und ich muss nicht nochmal in der Praxis anrufen um das Rezept ändern zu lassen … die MPA hätte mir wohl sonst den Kopf abgerissen.

Einen Monat später (nach dem nächsten Arztbesuch des Patienten also) kommt dieses Rezept:

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Ah. Ja.

Geht doch?

Sparen bei der Krankenkasse – Schweiz

krankenkassenwechsel

Die Spatzen (äh: Medien) pfeifen es von allen Dächern: auch nächstes Jahr werden die Krankenkassenprämien steigen. Um etwa 4-5%. Da wir da wirklich teils schon an der Schmerzgrenze sind und die Versicherung eine ziemliche finanzielle Belastung darstellt, werden sich entsprechend viele überlegen, was sie da tun können um zu sparen. Die Krankenkassenprämien sind nämlich nicht abhängig vom Einkommen oder Vermögen.

Hier ein paar Möglichkeiten (gute und auch schlechte):

Krankenkasse komplett künden:

Das geht eigentlich nicht – respektive nur, wenn man wechselt. Die Krankenkasse zählt zu den obligatorischen Versicherungen. Man muss bei einer Kasse versichert sein. Das gilt für alle in der Schweiz lebenden Personen (auch Zuzüger und Asylsuchende und Non-Papiers) und ab der Geburt, respektive Zuzug. Wenn man die Krankenkasse kündet ohne eine neue zu haben und dann später ein teures gesundheitliches Problem hat, für das man die Hilfe der Krankenkasse braucht – oder auch wenn man sich zu spät bei einer anmeldet), muss man der (neuen) Kasse die Prämien nachbezahlen. Dazu werden die Krankenkassenprämien um 30-50 % erhöht während der doppelten Dauer der nicht-versicherten Zeit (höchstens aber während 5 Jahren). Das lohnt sich nicht.

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Die Krankenkasse wechseln

Der klassische Weg – und wo einem hunderte Telefonverkäufer Hilfe anbieten. Immerhin zahlt sich das für sie aus: sie bekommen für jeden erfolgreichen Wechsel eine Kommission von bis zu 3 Monatsprämien – von den Kassen, die das unterstützen. Man kann sich vorstellen, dass da eine Empfehlung auch nicht ganz unvoreingenommen gemacht wird und vielleicht auch nicht die wirklich beste Lösung für den Patienten ist. Ich denke da an die vielen, die dank so Empfehlungen (auch von „Freunden“ dann bei einer Krankenkasse landen, die zwar günstig ist, aber wo man alles erst mal vorschiessen muss. Gerade so gut kann man selber schauen (zum Beispiel auf Comparis.ch oder priminfo.ch) – wenn man weiss, worauf achten:

Tipps zum Wechsel: (siehe auch Soll ich die Krankenkasse wechseln?)

Daten beachten:

  • 30. November: bis dann muss die Kündigung bei der Krankenkasse eingetroffen sein.
  • 30.Dezember: Bis dann muss man eine neue Versicherung abgeschlossen haben. – Sie ist ab dem 1. Januar gültig.

Krankenkassenprämien vergleichen vor allem Grundversicherung. Die Leistung ist bei allen Grundversicherungen die selbe (!), da gesetzlich vorgeschrieben, was übernommen werden muss.

Zufriedenheitsvergleiche anschauen: eigentlich sind die Leistungen in der Grundversicherung für alle Krankenkassen gleich, dennoch gibt es Unterschiede in der Servicequalität: wie gut/nett/schnell sind die Angestellten bei Problemen?

Wie sieht die Prämie mit den Sparmöglichkeiten aus (s.u.): bei Erhöhung der Franchise? Bei der Wahl eines speziellen Versicherungsmodelles (mehr dazu unten)?

Hier auch unbedingt Kontrolle ob die Krankenkasse tiers garant oder tiers payant ist. Wenn man regelmässig Medikamente braucht (oder sehr teure), ist es nicht optimal eine Versicherung zu wählen, die einen die Medikamente in der Apotheke erst selber zahlen lässt, selber die Rechnungen sammeln lässt bis zum Erreichen der Franchise und man die dann selber der Krankenkasse zur Rückvergütung einschicken muss. Diese Versicherungen sind aus dem Grunde (so) günstig, weil sie einen grossen Teil der Arbeit an die Patienten „outsourcen“. Wer das wirklich machen kann: okay, ansonsten empfehle ich die nicht. Dazu gehören Assura, Intras, Supra, Compact und noch einige kleinere.

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Sparmöglichkeiten innerhalb der Versicherung nutzen (auch bei einem Wechsel zu beachten):

Franchise erhöhen

Die Franchise ist der Anteil an den Gesundheitskosten, die man selber übernimmt, bevor die Krankenkasse zahlt. Bisher war es so, dass bei höherer Franchise die Prämien günstiger waren (etwas). Heute lohnt es sich hier gut hinzuschauen und zu vergleichen.

Ein spezielles Versicherungsmodell wählen

Viele Versicherungen bieten heute günstigere Modelle an, bei denen man weniger Prämien zahlen muss. Diese Modelle bedingen aber gewisse Einschränkungen, die man mit der Wahl freiwillig in Kauf nimmt. Dafür hat man 15-20% tiefere Prämien als bei der Standart Grundversicherung.

Beispiele: HMO / Hausarztmodell. Dabei verzichtet man auf die freie Arztwahl und muss bei gesundheitlichen Problemen immer erst einen speziellen Arzt aufsuchen, der vorher mit der Krankenkasse definiert wurde. Im Fall des HMO praktiziert der in einer speziellen Gesundheitseinrichtung, im Fall des Hausarztes hat man einen festen Hausarzt (nach Liste von der Krankenkasse ausgesucht). Ausnahmen gibt es für Notfälle oder den Gynäkologen, alle anderen Spezialärzte brauchen eine Überweisung.

Telmed: hier muss vor dem ersten Arztbesuch bei einem auftretenden gesundheitlichen Problem erst der telefonischen Beratungsstelle anerufen werden. Diese geben Verhaltensempfehlungen oder leiten den Patienten an Arzt, Spital, Spezialist weiter. Ausgenommen auch hie Notfälle und jährlich gynäkologische Vorsorgeuntersuchung.

Weitere Modelle machen Einschränkungen in der Spitalwahl oder dass man die Medikamente nur in einer bestimmten von der Krankenkasse definierten Apotheke(ngruppe) kaufen soll / muss oder (neu): erst Mal in der Apotheke vorstellig wird statt beim Arzt.

Allgemein Sparen: Für Originalpräparate statt einem Generikum werden die Kosten nicht immer voll vergütet und bei Arztbesuchen ausserhalb der oben genannten Vorgaben übernimmt man selber den vollen Behandlungspreis.

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Zusatzversicherung künden

Im Gegensatz zur Grundversicherung sind die verschiedenen Zusatzversicherungen der Krankenkasse nicht obligatorisch. Hier besteht teils Sparpotential (und das ist auch das, wo die Kassen den Gewinn machen … Millionengewinn dazu noch). Zusatzversicherungen übernehmen einen Teil der Medikamente, die die Grundversicherung nicht bezahlt. Das sind vor allem freiverkäufliche, solche wo Werbung gemacht wird und (häufig) nicht essentielle oder wichtige Mittel: Nasensprays, befeuchtende Augentropfen, Nahrungsergänzungsmittel. Die wichtigen Medikamente werden von der Krankenkasse übernommen. Sie zu streichen empfiehlt sich bei den Personen, die sowieso nicht auf die Franchise kommen und/oder nicht regelmässig Produkte aus der Zusatzversicherung beziehen (müssen). Wer nicht weiss, was von seinen Medikamenten da drunter fällt, kann bei seiner Apotheke nachfragen. Einziger Nachteil: Während man als junge Person sehr einfach Grund- und auch Zusatzversicherung wechseln kann, müssen einen die Kassen bei der Zusatz nicht aufnehmen … also schliessen die bei älteren Personen oder vorbestehenden Erkrankungen einen gerne mal aus, oder nehmen einen nicht mehr auf.

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Unfallversicherung bei der Krankenkasse künden:

Wer mehr als 8 Stunden in der Woche fest angestellt ist, ist über den Arbeitsgeber versichert. Bei Doppelversicherung kann man hier sparen.

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Prämienverbilligung beantragen.

Wer in „bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen lebt“ kann beim Kanton eine Prämienverbilligung zur Unterstützung beantragen. Die Kantone überweisen die dann direkt der Krankenkasse, so dass man nicht mehr so viel bezahlen muss. Arbeitslose und Rentner können das relativ problemlos, ebenfalls möglich ist das für Junge Personen (ledig, kinderlos und noch in Ausbildung) in finanziellen Nöten. Die Hürden für arbeitende sind ziemlich hoch (und selbständige haben fast keine Chancen), aber die Möglichkeit besteht.

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Keine Krankenkassenprämien mehr zahlen

Weil man immer noch versichert sein muss (Obligatorium!) kann einen die Krankenkasse nicht selber einfach aus der Versicherung ausschliessen. Aber: Die ausstehende Prämien verschwinden nicht einfach. Die Versicherung wird Zahlungsaufforderungen, Mahnungen und schliesslich Betreibungen schicken. Man bekommt einen Eintrag ins Betreibungsregister, der einen in Zukunft sehr hinderlich sein wird, wenn man mal eine Wohnung sucht oder für einen Arbeitsplatz ein Check gemacht wird. In manchen Kantonen setzt einen die Krankenkasse zusätzlich noch auf eine „schwarze Liste“, das bedeutet, dass sie nur noch absolute Notfallbehandlungen übernimmt (also, dann wenn man wegen einem Unfall im Spital landet). In den Apotheken muss man die Medikamente dann immer selber bezahlen … und auch die Besuche beim Arzt. Man kann dann auch die Krankenkasse nicht einfach wechseln … die neue Krankenkasse darf und wird einen erst aufnehmen, wenn die ausstehenden Prämien (alle!) bezahlt wurden. Alles in allem ist das wirklich nicht zu empfehlen!

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Anhand der Erfahrungen privat und auch aus der Apotheke kann ich sagen, dass sich die (kleine) Mühe, da zu wechseln oder Anpassungen zu machen wirklich lohnen kann – WENN man vorher geschaut hat, dass man nicht vom Regen in die Traufe wechselt. Das kann man aber mit den Tipps und Hinweisen oben gut – auch selber. Und falls man die Hilfe eines solchen „Beraters“ annimmt: jetzt wisst ihr, was ihr fragen könnt und auf was ihr achten müsst, bevor ihr den Vertrag unterschreibt. Danach ist es zu spät und man ist mindestens das Jahr bei der Krankenkasse.

Weshalb nicht!

Auf dem Rezept vom Arzt:

1 OP Condrosulf 800 Tbl

1 OP Glucosulf 75 Btl

letzteres ist schon mal nicht ganz korrekt: 750 müsste es heissen, für 750mg.

Der Patient, ein Mann ca. 55 Jahre alt und nicht sehr glücklich aussehend, reicht mir das Rezept mit den Worten: „Ich brauche nur das untere, vom oberen habe ich noch.“

„Okay,“ sage ich, „ich muss schauen, ob ich es schon hier habe, aber … die Krankenkasse wird das wahrscheinlich nicht bezahlen.“

Ich kenne das Problem bei dem Mittel schon. Es ist nicht das erste Mal, dass das in der Kombination verordnet wird und dass es nicht bezahlt wird ist der Grund, weshalb ich das nicht gerade häufig brauche.

„Weshalb nicht!“ fährt mich der Patient an

… und ich am Computer nachschauend: „Ja, die Krankenkasse übernimmt das wirklich nicht … es ist nicht auf der Spezialitätenliste – das ist das was von der Grundversicherung übernommen wird – und auch nicht auf der Hors List, das ist das was über die Zusatzversicherung geht. Wahrscheinlich, weil das keine Zulassung hat als Medikament, sondern nur als Nahrungsergänzungsmittel.“

Mann: „Dann nehme ich das auch nicht! Aber geben Sie mir einen Hustensirup!“

Und nachdem ich abgeklärt habe für was für eine Art Husten, wer, was und wie frage ich ihn beim einkassieren, ob er denn bei uns eine Kundenkarte hat.

„Sicher!“ sagt er und wirft mir die … Krankenkassenkarte auf den Tisch.

Ich fürchte ich weiss schon was kommt, aber ich schaue trotzdem mit dem Namen auf der Karte im Computer nach: Ja, keine Kundenkarte.

Pharmama: „Das ist nicht die Kundenkarte, das ist die Krankenkassenkarte. Sie haben bei uns noch keine Kundenkarte.“

Mann: „Ich bin im System, ich war schon einmal hier!“

Pharmama: „Ja, mit einem Rezept. Aber sie haben keine Kundenkarte bei uns. Über die Krankenkassenkarte kann ich das nicht abrechnen.“

Mann: „Weshalb nicht!“

Pharmama: „Weil Sie dann dafür ein Rezept bräuchten, ansonsten zahlt die Kasse das nicht.“

Mann: „Dann nehme ich das auch nicht!“

Und geht, den Kopf schüttelnd über die unmöglichen Zustände, die im Schweizer Gesundheitssystem offenbar herrschen.

Ich höre nur noch das obligatorische „Wofür zahle ich überhaupt Krankenkassenprämien!“ dann ist er draussen.

Tja. So funktioniert das nicht. Ganz und gar nicht.

Apotheken aus aller Welt, 740: Bobo-Dilasso, Burkina Faso

und nochmal Julia mit Apotheken aus Burkino Faso:

Die 2 anderen Apotheken in Bobo-Dilasso, Burkina Faso, habe ich im Vorbeigehen fotografiert, der Husten war dann abgeklungen. Man beachte die geparkten Motorroller, das mit Abstand häufigste Verkehrsmittel in Burkina Faso (im starken Gegensatz zu Nigeria). Jeder schien eines zu haben (ausgenommen auf dem platten Land, aber selbst da sah man eher Motorroller und Eselkarren als Autos).

Bobo-DilassoBobo-Dilasso1

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 4. Kurs Impfungen

Auf-dem-Weg

Lange habe ich nichts neues zum Thema geschrieben, dabei war ich noch nicht ganz fertig. Der Kurs zu den Impfungen fehlte noch und dann der Kurs Spritzen und Blutentnahme-techniken.

Ziel des Kurses Impfen:

Die Teilnehmer verstehen die Bedeutung von Impfungen im Kontext von Public Health und kennen die verschiedenen Möglichkeiten der Impfprophylaxe. Sie lernen die Epidemiologie von Infektionskrankheiten und durch Impfungen verhinderbare Krankheiten sowie den Umgang mit den entsprechenden Impfstoffen bei Adoleszenten und Erwachsenen. Die Teilnehmer kennen die klinischen und praktischen Aspekte der Anwendung von Impfstoffen. Sie können in den genannten Altersgruppen die Triage durchführen sowie Indikationen und Kontraindikationen, insbesondere auch bei Risikopersonen, identifizieren.

Zum Impfkurs selber: Um überhaupt zugelassen zu werden musste zu Hause Material studiert werden und dann online ein Test  gemacht werden. Den fand ich schon nicht ganz ohne. Am Tag selber wurde dann nach den Stunden Vortrag nochmals ein Test gemacht, der bestanden werden musste – ansonsten bekommt man den Ausweis für das bestehen des Kurses nicht …. den man dann braucht für den FPH Impfen.

Der Impfkurs war sehr interessant. Der Dozent Dr. Steffen hat 25 Jahre im Impfzentrum in ZH gearbeitet, ca. 500‘000 Beratungen und ca. 1 Mio Impfungen gemacht – also sehr viel Erfahrung mit dem Impfen. Es waren sehr viel Informationen, sehr kompakt aber gut herübergebracht. Für Euch habe ich ein paar „Trivia“, die ich aufgeschnappt habe und die mir teils neu waren:

Orales Polio-vakzin wurde früher in den Apotheken verabreicht. Das macht man nicht mehr: es führte (als Lebendimpfstoff) bei 1 von 1 Mio zu Lähmungen (wie die Krankheit selber). Bei pro Jahr 80‘000 Neugeborenen bedeutet das, dass alle 12 Jahre 1 Kind gefährdet ist. Und das war als Nebenwirkung zu übel, deshalb wechselte man auf IPV inaktiviert und spritzen …

Weshalb in Afghanistan/Pakistan die impfbaren Krankheiten zurückkommen: Weil der Taliban gegen Impfequipen angeht. Mit Grund (für sie jedenfalls): Ein Arzt hat vor Bin Ladens Festnahme auf den Strassen / in den Häusern Blutproben gesammelt. Angeblich zum Nachweis von Hepatitis B Antikörpern, in Wahrheit aber zur genetischen Identifizierung von Familienmitgliedern von Bin Laden. Der CIA hat das später publiziert (fies und doof!) und der Taliban hat das aufgegriffen und danach behauptet, dass Blutentnahmen schlecht sind und Impfungen sowieso dazu da seien die Fruchtbarkeit ihrer Frauen zu senken. Das führt heute dazu, dass Ärzteteams in den Gegenden angegriffen werden. Und dass Polio dort wieder auftritt. Saudi Arabien macht heute aber Druck, damit die Impfungen wieder zunehmen in Pakistan. Ansonsten wollen sie diesen keinen Zugang mehr zum jährlichen Hadsch geben.

Es gibt neu eine Malaria Impfung – gegen den Parasit, eine Novation – sie kommt in der Schweiz aber nicht in den Handel. Der Schutz der Impfung beträgt etwa 50% … was ziemlich unbefriedigend ist. Pro Jahr gibt es aber weltweit 600‘000 Todesfälle wegen Malaria, wenn man das mit Impfung in den stark betroffenen Ländern auf 300‘000 halbieren kann, dann ist das ein Erfolg.

In einer Apotheke in ZH Bellevue wurden Tropfen verkauft zur homöopathischen Malaria-Prophylaxe (!). Das führte dann (wegen Malaria) zu einigen Fällen in der Intensivstation. Selbst laut dem Präsidenten der Homöopathischen Gesellschaft der Schweiz ist Homöopathie nur therapeutisch und nicht als Prophylaxe gedacht … so wurde es von Hahnemann geplant. Aber es gibt natürlich immer welche, die das anders sehen. Manche Homöopathen geben das nach den Impfungen zum „ausleiten“ und gegen die möglichen Nebenwirkungen … dagegen ist soweit nichts einzuwenden.

Zum Thema Impfen von Gesundheitspersonal: Da war diese Reinigungskraft im ZH Spital (Tamile). In der CH ist die Prävalenz von Varicellen bei Erwachsenen ca. 90% – in den Phillipinen 30%!) Er hat sich in der CH angesteckt, hatte wenig Symptome (stille Erkrankung) und hat bei seiner Arbeit in der Intensivstation Leukämie-Kinder damit angesteckt. Das gab Todesfälle. Trotzdem gibt es auch in den Spitälern immer noch kein Impfobligatorium – aber ohne Impfschutz darf man jetzt zumindest nicht mehr auf der Intensivstation arbeiten.

Und wenn wir grad beim Arbeitsplatz sind: Lebendimpfstoffe sollen ja nicht bei Immunsupprimierten gegeben werden. Tragisches Beispiel weshalb nicht war der flight attendant (Flugbegleiter) mit HIV und CD4 < 100. Er wollte seinem Arbeitgeber nicht mitteilen, dass er HIV+ ist und ist dann an der Gelbfieberimpfung, die er für die Arbeit machen musste gestorben.

Hyperreaktion bei Überimpfung: das klassische Beispiel ist der Bauarbeiter mit häufiger Verletzung. Jedesmal, wenn der in den Notdienst geht (natürlich ohne Impfausweis) bekommt er eine Tetanusimpfung. Eine Hyperreaktion äussert sich als starke Reaktion auf die Impfung mit über 39 Grad Fieber, stark gerötetem und schmerzhaftem Arm. Das dauert dann über eine Woche. Ansonsten tritt Überimpfung aber kaum auf.

 

Grippe: Wie weit so eine Ansteckung via Luft bei zum Beispiel Grippe ist, ist länderspezifisch: Übertragungsdistanz für Grippetröpfchen laut BAG 1 m, in den USA: 6 foot = 1.5m…

Todesfälle Grippe: 400-1500 pro Jahr in der CH. Auf die Zahlen kommt man aber hauptsächlich durch die Statistische Auswertung der „Übersterblichkeit“. 2009 bei der Schweinegrippeepidemie wurde tatsächlich getestet. Die so bestätigte Todeszahl lag bei 20. (Das bedeutet nicht, dass an der Grippe tatsächlich nur so wenige sterben – das sind wirklich nur die bestätigten Zahlen für H1N1).

Ein Pandemie-Virus kann überall entstehen … und es gibt keine Früh-Warn-Mechanismen. Bei der Schweinegrippe war man nach ersten Berichten von 4% Letalität ausgegangen. Bei 1 Mio Erkrankten (üblich bei einer Grippeepidemie) wären das in der Schweiz 40‘000 Tote! – zum Glück war es dann doch nicht so arg.

Zu spezifischen Impfungen: Die Zoster-Impfung (gegen Gürtelrose) ist in der CH nicht mehr erhältlich, da die Firmen vorher in die USA / GB liefern … wo die Impfungen teurer sind. Die Firmen sind frei, sie dorthin zu liefern, wohin sie wollen (und nicht wohin sie gebraucht werden).

Impfungen müssen gekühlt werden. Die Berna hat früher Vivotif per Post Express versendet. Die Post legte diese Päckchen (weil wichtig) im Auto neben den Fahrer … unter die Windschutzscheibe. Irgendwann hat man dann Messthermometer mitgeschickt. Bei einer dieser Messungen wurden Temperaturen über 70 Grad gemessen (!). Danach hat man das nicht mehr so gemacht. Die Berna gibt es nicht mehr …

Triviathel – diese Impfung gegen Mumps hatte eine zu schwache Impfkomponente. Heute gibt es sie nicht mehr und die Impfprogramme am Computer rechnen sie nicht an = gilt wie gar nicht geimpft.

Hepatitis B-Impfung: je älter, je adipöser und womöglich noch Raucher, desto mehr ist die Immunantwort nach der Impfung verringert. Ab 20 Jahren nimmt sie ab. Gilt für die Grundimpfung und Booster. Der Dozent hat vor 30 Jahren 11 (!) Impfungen gebraucht um den benötigten Titer von 100 UIE zu erreichen. Normalerweise reichen 3-4 Impfungen für einen lebenslangen Schutz. Nach 2 Dosen rechnet man mit ca. 60% Schutz. Wenn der Titer bei Hepatitis B nicht erreicht wird: 1. Impfstoff wechseln (hilft häufig), 2. Japanische Methode: 1/10 Impfstoff intracutan

… letzteres wird noch toll, denn die Voraussetzung für den nächsten Kurs: Injektion und Blutentnahme ist ein genügend hoher Hep B Titer Voraussetzung. Ich muss zum Arzt das testen lassen … und im schlimmsten Fall nachimpfen.

Weitere Artikel in der Reihe (zum nachlesen: ist schon eine Weile her):

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 1. Gesetzliches

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 2. Fähigkeitsausweis

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 3. BLS AED Kurs