Was hat der Papst mit den Apotheken zu tun?

Auf den ersten Blick nicht viel. Dennoch hat er vor nicht allzu langer Zeit versucht Einfluss zu nehmen, indem er die Apotheker dazu aufgerufen hat, „gewissenhafte Bedenken“ an den Tag zu legen, wenn es um die Abgabe von Produkten geht, die „unmoralische Ziele haben“. Dazu zählt er Produkte zur Abtreibung und Sterbehilfe … und ganz sicher auch alles, was der Verhütung dient, denn der katholischen Kirche nach ist Sex ja hauptsächlich dazu da, sich fortzupflanzen.
Also keine Kondome, keine Verhütungspille und keine ‚Pille danach’ mehr durch die gläubigen Apotheker?

Etwas was bei uns unmöglich scheint, in Amerika, das einiges fundamentalistischer ist, jedoch (leider) schon gang und gäbe ist.
„Sorry, die Pille bekommen sie von mir nicht, das geht gegen meine religiösen Ansichten“.

Ich finde das geht einfach nicht. Wenn man nicht Beruf und Religion nicht trennen kann, dann sollte man sich einen anderen Job suchen – oder gar nicht erst diesen wählen. Wir sollten nicht unsere persönlichen religiösen oder moralischen Ansichten anderen Leuten aufzwingen.

Was würden sie sagen, wenn sie in die Metzgerei gingen und ein Schinkli im Teig verlangen und der Metzger sagt: „Tut mir leid, ich kann ihnen das nicht geben, das geht gegen meine religiöse Überzeugung“. (Die Voraussetzung ist natürlich, dass das eine normale Metzgerei ist und nicht eine koschere).

Dasselbe gilt für Männer, die Kondome kaufen, oder Frauen, die die Pille nehmen, oder abtreiben. Soll ich als Apothekerin ihnen meine (oder die des Papstes) Ansichten und Entscheidungen aufdrücken? Im Endeffekt ist es ihre Entscheidung, und sie müssen damit Leben. Kinder sind keine leichte Entscheidung und ich bin der Meinung, da wir die Wahl haben, ob wir welche wollen, dürfen wir auch wählen – im Endeffekt profitieren auch die Kinder davon, wenn die Mutter sich entscheidet zu warten, bis die Umstände gut sind.

Zur Info: ich bin katholisch erzogen worden. Ich war sogar mal Ministrantin (das sind die Messediener in den netten weissen Kutten, die Kerzen anzünden, Weihrauch schwenken und dem Pfarrer die Hände waschen) – das hat mich aber nicht davon abgehalten einen Freund zu haben und die Pille zu nehmen – was an sich schon ein Grund gewesen wäre mich zu exkommunizieren. Ich halte viel von persönlicher Freiheit und Vernunft … und darum werde ich mich von derartig irrationalen Aussagen eines Religionsoberhauptes nicht beeinflussen lassen in meiner Berufsausübung – so wie die anderen Apotheker in der Schweiz auch nicht (hoffentlich).

Vorsicht: die Schweiz kann ihrer Gesundheit schaden!

Laut einem Artikel in der 20 Minuten Zeitung ist also ein Schweizer Schüler schuld an der derzeitigen Masernepidemie in Österreich. Der Schüler einer Rudolf Steiner Schule – die Anthroposophen sind bekannt dafür, dass sie ihre Kinder nicht gerne impfen – hat also die Masern, die bei uns inzwischen endemisch sind, im Zuge eines Klassenlagers in die österreicherische Waldorf Schule gebracht. Auch dort waren offenbar einige nicht geimpft und so geht die Infektionskette munter weiter. Inzwischen sind es 260 Maserninfizierte in Österreich.

In der Schweiz ist die Lage ungleich bedenklicher. Das Gesundheitsamt warnt auch schon die Euro Besucher, dass sie sich vor dem Besuch gegen die Masern impfen lassen.

Die Situation ist auch bedenklich. Seit Januar dieses Jahr wurden 2000 Fälle registriert. Und die Masern sind nicht die „leichte Erkrankung“, wie sie von Impfgegnern gern dargestellt wird. Weltweit sind Masern der grösste Killer unter den Kinderkrankheiten, die man impfen kann. In der Schweiz ist die medizinische Versorgung sehr gut, deshalb sterben bei uns nicht soviele. Dennoch: Von den 2000 Infizierten mussten 130 wegen der damit verbundenen Komplikationen ins Spital, 80 Patienten hatten eine Lungenentzündung und 6 die gefürchtete Hirnhautentzündung.

Einer meiner Dozenten hat mal gesagt:

„Wenn die Masern Hirnfäule heissen würden, würden wohl auch mehr Personen ihre Kinder impfen lassen! Zum Glück bekommt ja nur ein kleiner Teil der mit Masern infizierten die damit verbundene Hirnhautentzündung – das ist fast wie ein umgekehrter Lottogewinn. Aber ich gehe bei meinen Kindern auch die relativ kleine Chance nicht ein. Denn wenn sie die Hirnhautentzündung bekommen, sind eine bleibende Schädigung des Gehirns mit den dazugehörigen Entwicklungsstörungen, geistiger Zurückgebliebenheit und Lähmungen zu erwarten.“

Darum liebe Leute: impft Euch und Eure Kinder gegen Masern! Je mehr Leute geimpft sind, desto weniger treten solche Epidemien auf.

Hier können sie alles über die Masernerkrankung nachlesen.

Es ist übrigens ein weitverbreiteter Irrtum, dass ein Kind nach dem Durchmachen einer schweren Erkrankung (wie Masern) einen „Entwicklungssprung“ macht. Vielmehr ist es so, dass es durch die Krankheit für deren Dauer in der natürlichen Entwicklung gebremst wird, sobald es wieder gesund ist das Verpasste aber rasch aufholt. Das sieht dann wie ein Riesenschritt in der Entwicklung aus, dabei ist es ein „Aufholen“.

Warum nur? Warum, warum?

Ja, warum kann Junior nachdem er im Tagi gewesen ist, nicht mal eine Nacht ruhig verbringen? Genauso wie heute Nacht. Um 3 Uhr musste er unbedingt was zu Essen haben … sobald wir herausgefunden haben, was das Problem war und ihm ein Fläschchen gemacht haben, war wieder Ruhe. Kriegt er nicht genug zu Essen in der Tagi? Sie haben mir das Gläschen wieder retourgebracht, das ich eingepackt habe, aber ich habe ihnen ja gesagt, er muss nicht unbedingt das essen, solange er genug anderes bekommt. Offensichtlich will er zusammen mit ihnen am Tisch essen – dasselbe wie sie. Kann ich ja verstehen.
Anscheinend klappt das aber nicht – ich muss wohl nochmals mit ihnen sprechen.

Jedenfalls brauche ich nach der Nacht eine Aufheiterung. Da kommt mir das hier gerade recht:


Das Lied ist übrigens „The lion sleeps tonight“ von den Tokens.

Beratung für … nix

Heute scheint eine Menge nur über den Preis zu laufen, anstatt über die Qualität. Ich denke, das ist ein Problem, das eine Menge Fachgeschäfte haben werden, nicht nur Apotheken (mein Mann klagt jedenfalls über dasselbe).

Man berät den interessierten Kunden ausführlich über das Für und Wider eines oder mehrerer Produkte – und dann geht der Kunde mit dem Wissen in den Discounter, weil er dort das Produkt (oder ein ähnliches) ein paar Franken günstiger kriegt.

Man beansprucht also die Zeit und das Wissen der Fachperson und der Dank für diese Dienstleistung  ist gar nichts.

Es mag schon sein, dass man für Produkte in der Apotheke mehr zahlt als -sagen wir mal im Supermarkt. Man sollte allerdings bedenken, dass es meist einen Grund dafür hat. Zum Beispiel die inzwischen weitverbreiteten und freiverkäuflichen Mineralstoff- und Vitaminpräparate. Denken sie ernsthaft, dass die Präparate die sie frei in der Migros oder dem Coop aus dem Regal nehmen können gleichwertig sind wie die, die sie in der Apotheke bekommen? In letzteren steckt eine Menge mehr Forschung und Wissen. So werden z.B. manche Mineral-Salze besser aufgenommen als andere, so dass 300 mg Magnesiumcitrat nicht gleichwertig sind mit 300 mg Magnesiumcarbonat. Manchmal macht auch tatsächlich das Verhältnis verschiedener Mineralstoffe den Unterschied oder auch die verwendeten Hilfsstoffe.

In dem Zusammenhang möchte ich die Geschichte einer befreundeten Apothekerin erzählen, die im Keller der Apotheke, wo sie zum arbeiten einsprang, diverse Packungen Vitamin C Brausetabletten aus der Migros gefunden hat. Sie waren in einem Regal, angeschrieben mit „Placebo Brausetabletten„.

Nun, Placebos sind Medikamente, die keinen Wirkstoff enthalten, sie werden in der Forschung eingesetzt als Vergleichspräparate oder (selten) vom Arzt verschrieben, wenn der etwas ausprobieren will. Aber wie gesagt: Placebos enthalten keinen Wirkstoff, deshalb war meine Kollegin erstmal entsetzt als sie die Packungen gesehen hat. Als sie jedoch die Inhaltsangaben gelesen hat, hat sie verstanden. Mit der geringen Menge Vitamin C (=Ascorbinsäure) in den Brausetabletten, geht alles bei der Bläschenentwicklung der Brausetablette drauf. Denn die Bläschen entstehen, wenn Natriumcarbonat mit Säure (in dem Fall die Ascorbinsäure) zu Kohlendioxid zersetzt wird. Also hat man am Schluss ein Glas Sprudelwasser ohne Vitamin C.

Clever, nicht? Und für den Laien kaum zu merken.

Juniors Entwicklung

Ich gehe nicht sehr gerne mit Junior auf den Spielplatz. Jedenfalls nicht zu den Zeiten, zu denen sich viele andere Mütter dort tummeln.

Nicht, dass Junior keine Freude hätte an Spielplatz und anderen Kindern. Er liebt es zu schaukeln und wenn andere Kinder da sind, hängt er ihnen immer dicht auf den Fersen, um zu sehen, was sie so machen.

Nein, mein Problem sind mehr die Mütter. Es scheint sich ein Konkurrenzdenken zwischen Müttern zu ergeben, sobald man mehrere an einem Fleck hat. Es liegt vielleicht zum Teil daran, dass manchen das Gesprächsthema fehlt neben ihren Kindern.

Wie dem auch sei, die Gesprächsentwicklung verläuft für meinen Geschmack zu oft in voraussehbaren Bahnen. „Wie alt ist er/sie denn?“ „Oh, und er krabbelt noch?“ oder „Er redet noch nicht? meine Julia hat schon mit 13 Monaten ‚Mama‘ gesagt“, oder „Ja, ja, Jungen brauchen oft länger, bis sie … etc. etc“.

Dazu ein paar Bemerkungen: Manche Eltern tun so, als ob es ihr Verdienst wäre, das ihr Kind krabbeln gelernt hat oder schon mit 10 Monaten laufen konnte. Das ist es nicht! Oder haben sie ihrem Baby vorgekrabbelt? Haben sie ihrem Baby ausführlich erklärt, wie es sein Gleichgewicht halten muss, die Knie etwas anwinkeln und die Füsse voreinander setzen? Kaum. Das einzige was man tun kann, ist die Umstände so günstig wie möglich zu gestalten.

Aufsitzen, krabbeln und laufen ist etwas, was Babys aus eigenem Antrieb und durch eigene Erfahrung lernen. Sie haben einen enormen Willen zu lernen und sich weiterzuentwickeln und es macht Spass, ihnen zuzusehen. Na klar ist man Stolz. Und wie! Aber man sollte sich darüber im klaren sein, dass man selbst nicht sehr viel dazu beigetragen hat.

Und genauso wenig kann man etwas dagegen, wenn das Kind halt nicht so früh diese Dinge tut. Es hat auch meist gar keinen Sinn, sich deshalb Sorgen oder Vorwürfe zu machen.

Interessierten Eltern empfehle ich das Buch von Remo H. Largo: „Babyjahre. Die frühkindliche Entwicklung aus biologischer Sicht“. Darin zeigt er sehr schön die Entwicklungsschritte, die ein Baby und Kleinkind macht und sagt dabei auch immer wieder deutlich, dass jedes Kind sein eigenes Entwicklungstempo hat.

 

Ich sage das alles nicht, weil Junior in irgendeinem Sinne langsam wäre. Nein, nein! Dies sind seine bisherigen Erfolge:

4 Monate: er dreht sich selber auf den Bauch

5 Monate: er hebt seinen Po

6 Monate: er dreht sich vom Bauch wieder zurück auf den Rücken

7 Monate: er sitzt selber auf

8 Monate: er zieht sich an Möbeln auf

9 Monate: der erste Zahn, das erste Mal durchschlafen

13 Monate: er läuft

Ich bin ja so stolz!  … Und wie macht sich ihrer?

Über die richtige Anwendung – Zäpfchen

Es ist unglaublich wichtig, dass man die Patienten über die Anwendung ihrer Medikamente richtig informiert. Das ist etwas, was ich immer wieder betonen muss bei meinen Mitarbeitern. Grundsätzlich darf man nichts, aber auch gar NICHTS als gegeben annehmen.

Wenn der Arzt auf dem Rezept aufschreibt, wie oft pro Tag eine Tablette geschluckt werden muss, so gehört das auf eine Etikette auf die Medikamentenpackung. Wenn es wichtig ist, ob vor, mit oder nach dem Essen auch.

Aber damit ist es noch nicht getan.

Offensichtlich genügt es nicht, wenn auf eine Packung entzündungshemmender Schmerzzäpfchen steht „3 mal täglich 1 Zäpfchen „.

Besser schreibt man: „3 mal täglich 1 Zäpfchen einführen“

Das einführen ist hier so hervorgehoben, weil es immer wieder vorkommt, dass Patienten versuchen, die Zäpfchen zu schlucken. Ich wette fast jeder Apotheker hatte schon einen Patienten, der zurückkam und reklamierte, er „könne diese Dinger nicht schlucken, sie sind zu gross!“ … oder „die schmecken so wachsig!“

Damit nicht genug habe ich schon von einem gehört, der Zäpfchen verschrieben bekommen hat gegen Ohrenschmerzen. Und jetzt raten sie mal, wo er die einführen wollte. Genau. Er kam dann zurück und meinte: „die Dinger sind zu gross für meine Ohren, gibt es die auch eine Nummer kleiner?“

Also sollte man am besten auf die Etikette schreiben: „3 mal täglich 1 Zäpfchen in den After einführen“ – aber irgendwo finde ich hat es Grenzen und das letzte grenzt an Patienten-bevormundung. Hat der Patient denn nicht auch irgendwo eine gewisse Eigenverantwortung für seine Gesundheit? Da gibt es schliesslich auch noch die Packungsbeilage wenn einem etwas seltsam vorkommen sollte.

Übrigens: bei Vaginaltabletten frage ich zur Sicherheit immer nach, ob die Patienten auch wissen, wo sie hingehören.

Ich werde noch einen Post machen, wo die korrekte Anwendung beschrieben ist.