All together now!

Ich habe ein paar Sachen zu bemerken zum heutigen Tag – obwohl ich ziemlich sicher bin, dass das nicht sehr viele lesen werden, denn heute kommt ja so ziemlich alles zusammen.

Zuallererst: Frohe Ostern allerseits! Feiert auch bei dem wahrscheinlich miesesten Osterwetter seit Jahren den Tag. Mit Kindern macht das sowieso noch viel mehr Spass.

pharmostern

Dann ist der erste April. Eigentlich ein Tag für Aprilscherze – ich versuche mich heute zurückzuhalten. Der fieseste Scherz heute wäre wohl, Junior nach Eiern und Schokolade suchen zu lassen … ohne vorher etwas versteckt zu haben.

pharmapril

Und dann habe ich Blogjubiläum. Runde 10 Jahre ist es her, dass ich blogge. Den ersten Blogpost habe ich (kein Aprilscherz!) am 1. April 2008 geschrieben. Ja, ich kann es selber kaum glauben.

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Leider (muss ich sagen) kommt auch bei mir in der Apotheke momentan alles zusammen, so dass ich nicht dazu gekommen bin, das so vorzubereiten, wie ich wollte. Eigentlich wollte ich ja ein Gewinnspiel veranstalten … aber … stay tuned!

Mehr demnächst. Hier.

Gesundheit!

Patient: Zieht Rezept aus der Jackentasche – zusammen mit einem getränkt-nassen-Nasenlappen.

(Das nur Taschentuch zu nennen, wäre zu nett)

Reicht mir das halb-feuchte und durchweichte Rezept, als ob ich nichts bemerkt hätte.

Bitte sagt mir, dass es in so einer Situation nicht unhöflich ist, sich gleich nach entgegennehmen des Rezeptes und danach nochmal die Hände zu desinfizieren.

 

Vordatieren und Einschränkungen umgehen?

Der Lehrling drückt mir 2 Rezepte in die Hand, die sie von einer Patientin bekommen hat. Die Rezepte sind identisch: für Isotretinoin Tabletten 10mg 30 Stück.
Nur dass auf dem einen Rezept ein Datum von Anfang März steht (5.3.) und auf dem anderen eines von gestern. Das ist übrigens ein Mittel gegen Akne.

Ich nehme mir eine Packung aus der Schublade und gehe das erklären.
Die Patientin empfängt mich schon mit den Worten: „Das sind aber 2 Packungen!“
Pharmama: „Ja, aber für dieses Medikament besteht eine Limitation. Ich darf das bis maximal 7 Tage nach Ausstellen des Rezeptes abgeben. Es ist bei diesen Tabletten ja auch ganz wichtig, dass Sie nicht schwanger sind oder werden, wenn Sie die nehmen. Deshalb braucht es regelmässige Kontrolle beim verordnenden Arzt – der stellt dann auch ein neues Rezept aus.“

In der Packungsbeilage steht das auch:

Verschreibungs- und Abgabeeinschränkungen
Verschreibungen für Isotretinoin müssen für Frauen im gebärfähigen Alter auf einen Behandlungszeitraum von 30 Tagen limitiert sein, und eine Fortsetzung der Therapie erfordert eine erneute Verschreibung. Idealerweise sollten der Schwangerschaftstest, die Ausstellung des Rezeptes und die Abgabe von Isotretinoin am selben Tag erfolgen. Die Abgabe von Isotretinoin muss innerhalb von maximal 7 Tagen nach der Ausstellung des Rezeptes erfolgen.

Meint die Patientin: „Ja – ich war halt in den Ferien. Ich habe die Rezepte per Post bekommen und bin erst jetzt dazu gekommen das einzulösen. Dann nehme ich das alte Rezept halt wieder mit und verlange ein neues vom Arzt.“

Jetzt, Frage:
Sie hat die beiden Rezepte ja offenbar gleichzeitig per Post bekommen. Der Arzt hat also mindestens ein Rezept „vordatiert“ … und ich bin nicht ganz sicher, ob er da die Kontrolluntersuchungen wirklich macht – oder einfach auf telefonische Anfrage das Rezept ausstellt. Immerhin … da ist die Fachinfo nicht ganz so eindeutig (siehe unten). Aber: Hätte ich da auch das Isotretinoin auf das neuere Rezept nicht abgeben dürfen, da es ja (da vordatiert) länger her ist seit der effektiven Ausstellung?

Zu den Kontrolluntersuchungen steht folgendes in der Fachinformation:

Kontrolluntersuchungen müssen in Intervallen von 28 Tagen festgesetzt werden. Unter Berücksichtigung der sexuellen Aktivität der Patientin und der Menstruationsanamnese (abnormale Menstruationen, Ausfall von Perioden, Amenorrhö) in der näheren Vergangenheit, muss festgestellt werden, ob regelmässige monatliche Schwangerschaftstests unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden müssen. Wo es notwendig erscheint, muss bei dem Untersuchungstermin zur Verschreibung oder in den 3 Tagen vor dem Besuch beim verschreibenden Arzt ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.

Hmmm. Gerade beim Isotretinoin (das ist Roaccutan, Curakne, Tretinac und andere Generika) bin ich unsicher, ob den meisten Ärzten die Einschränkungen der Verschreibung hier bewusst sind – und das ist ein Medikament, wo immer wieder Probleme auftreten können. Siehe auch weitere Blogpost dazu:

Kein Dosierungsfehler für den Konsumentenschutz

Wir verkaufen in der Apotheke Diverses um vom Rauchen loszukommen. Neben den klassischen Nikotinersatzpräparaten auch Spagyrik Spray zur Tabakentwöhnung. – Ja, tun wir. Es gibt immer wieder Kunden, die etwas zur Unterstützung wollen und ausdrücklich nicht die Kaugummi oder Pflaster oder den Spray mit Nikotin. Zigarettenabhängigkeit hat nicht nur eine körperliche, sondern auch psychologische Komponente. Da kann auch gut alternatives wie diese Spagyriksprays eingesetzt werden. Tatsächlich … wenn ich sehe, wie viele Leute einfach von der Zigarettensucht in die Nikotinkaugummisucht „umsteigen“ ist das vielleicht gar nicht die dümmste Idee.

Jedenfalls war die etwas komplizierte und ziemlich grumpelige Kundin, die sich vor etwa 2 Wochen ausgiebig zu den verschiedenen Produkten zur Tabakentwöhnung beraten lassen hat wieder da. Sie kam in der Zwischenzeit schon einmal vorbei um sich ausführlich darüber zu beklagen, dass auf dem Spagyrik-Spray die Dosierung  auch für Kinder angegeben ist.

Das stimmt … da steht (in etwa) drauf:

Erwachsene: je 3 bis 5 Sprühstösse in den Mund geben. Kinder bis 10 Jahre: je 2 Sprühstösse in den Mund geben.

So wie bei so ziemlich allen anderen Spagyriksprays auch. Die Standarddosierung halt.

Man hat ihr damals extra einen neuen Spray hergestellt mit der „richtigen“ Dosierung – und ja, wir haben die Dosierung auch sonst aus der Vorlage bei dem Rauchentwöhnungs-Spray raus genommen.

Heute kam sie also den nächsten Spray holen. Sie schaut ihn sehr genau an und meint dann: „Ah. Sie haben die Dosierung geändert.“

Drogistin Sabine (immer fröhlich): „Ja, wir sind lernfähig, und es hat auch wirklich nicht viel Sinn gemacht, oder?“

Kundin (todernst): „Es ist gut, dass sie das getan haben, ansonsten hätte ich Sie dem Kassensturz gemeldet!“

Für Nicht-Schweizer-Leser: der Kassensturz ist eine wöchentliche Fernsehsendung (gibt’s seit 1974, also so lange wie mich selbst) die über Konsum, Geld und Arbeit berichtet, Produkte-Tests macht und allgemein kritische Fragen zu aktuellen Konsumenten-Themen stellt. (Beschreibung aus der SRF)

Ah – ja. Mit dem Kassensturz drohende Kunden sind einem doch immer am liebsten, oder? Ich denke zwar, die haben besseres zu tun als das … und …. es ist ja nicht so, dass es rauchende Kinder nicht gäbe (unten seht ihr, was google als Bildergebnis dafür liefert)– oder dass man die Sprays nicht bei Kindern anwenden dürfe. kindrauchend

Ich persönlich glaube ja, dass der Nikotinentzug sie grumpelig macht. Immerhin ist das dieselbe Kundin, die damals bei der Erstberatung beim rauslaufen den Spagyrik Spray ohne zu bezahlen mitgenommen hat und dann stantepede (als sie es gemerkt hat) wieder damit reingekommen ist um sich bei der Kollegin zu beklagen, dass sie das zugelassen hat (!).

Aber vielleicht gehört sie auch einfach zu den Leuten, die mit einer negativen Einstellung durch’s Leben gehen. Das hat etwas Selbsterfüllendes: wenn man so viel Negativität ausstrahlt, kommt das von allen Seiten zu einem zurück.

Kundenmund – gefragt (3)

Apofragen3

Patient: „Schmecken Calcium-Kautabletten nach Knochen?“

Auch ein Oldie – Aber Gegenfrage: wie schmeckt denn so ein Knochen? Ich esse die normalerweise nicht mit :-) Ich persönlich finde, dass die meisten Calcium-Kautabletten so einen etwas „sandigen“ Beigeschmack haben, aber das liegt wohl darin, dass das etwas braucht, bis man es so kleingekaut, dass man es schluckt – und das wohl noch vor der kompletten Lösung des Calciums ist. Und ja: Sand habe ich schon gegessen – ist zwar schon länger her (als Kleinkind).

Das Knochen-Kauen erinnert mich an die Giraffe, die ich eben das schon mal machen gesehen habe in einem afrikanischen Nationalpark. Unser Führer hat das Verhalten damals mit „Calciummangel“ erklärt.