Natürlich Beratung

Beratung gestern in der Apotheke:

Kunde: „Ich brauche etwas gegen meine Sonnenallergie. Sehen sie, ich bekomme da immer so trockene Haut und Bläschen an den Fingern und das  juckt immer so. Ich hatte letztes Jahr etwas vom Arzt, das hätte ich gerne wieder.“
Pharmama: „War es denn rezeptpflichtig?“
Kunde: „Nein. Es war etwas natürliches, die Packung mit gelb und grün und so Blümchen drauf.“
Pharmama überlegt sich, was das sein könnte und bringt ihn erst mal zum Similasan Regal, wo es die Sonnenallergie-Salbe hat. Die hat ein wenig gelb drauf und ein Blümchen.
Kunde: „Oh, ist das eine Salbe? Ich hatte Tabletten.“
Pharmama: „Ah Tabletten?! Natürliche? Hmmmm.“
Ich glaube ich weiss, was das war. Ich bringe ihn zum Apothekenregal zurück und zeige ihm die CetEco von den Sandoz.

Kunde: „Ja, genau die waren es!“
Pharmama: „Ja, die sind gegen Allergien, aber ’natürlich‘ ist das nicht. Das ist ein Antihistamin.“
Kunde: „Ah ja? Ich nehme sie. …und die Salbe, die sie mir vorher gezeigt haben auch – meine Haut ist nämlich sehr trocken, mein Arzt hat mir auch einmal eine Mischung aufgeschrieben von etwas mit Nivea, was sie in der Apotheke machen mussten.“
Pharmama: „Ja, meist sind das Cortisonmischungen.“
Kunde: „Oh, das war Cortison? Uh, ich nehme gerne die von Similasan.“

…

Immer wieder erstaunlich, wie die Leute (nicht) informiert sind, über die Sachen, die sie nehmen.

Milchprodukte, polyvalente Kationen und Medikamente

Nun also – wie gewünscht – Teil 5 der Reihe Wechselwirkungen zwischen Nahrungs- und Genussmitteln und Medikamenten

Zuerst ein bisschen Chemie: Polyvalente Kationen nennt man die mehrfach positiv geladenen Teilchen zu denen Calcium, Eisen, Aluminium, Magnesium oder auch Zink in Lösung werden: Ca++, Mg++, Fe++ oder Fe+++ etc.
Diese Kationen sind Bestandteil von Antacida sowie Mineralstoffpräparaten und werden häufig im Rahmen der Selbstmedikation erworben oder ärztlich verordnet.

Calciumsalze finden sich in etlichen Multivitamin- und Monopräparate, auf Rezept zur Osteoporoseprophylaxe. (Calcimagon, Calcium Sandoz, Calperos ..)
Eisenpräparate sind bei Eisenmangelzuständen indiziert, beispielsweise während oder gegen Ende der Schwangerschaft. (Maltofer, Tardyferon, Ferrosanol…)
Magnesiumpräparate dienen bei Magnesiummangelzuständen als Ersatz. In der Selbstmedikation werden sie häufig gegen nächtliche Wadenkrämpfe eingenommen. (Magnesium Biomed, Magnesium Diasporal, Mag2 …)
Präparate mit Zink sind indiziert bei Zinkmangelzuständen; (Redoxon mit Zink, Zinkvital…) Zink findet sich zudem in vielen Multivitaminpräparaten.
In Antacida sind neben Magnesiumionen auch Aluminium und Calcium enthalten. (Rennie, Alucol, Riopan,…)

Ausserdem muss man daran denken, dass auch Nahrungsmittel diese polyvalenten Kationen in grösseren Mengen enthalten können, z.B. das in Milch und Milchprodukten (Käse, Yoghurt, Quark) enthaltene Calcium. Oder calcium- und magnesiumreichen Mineralwässer.

Was alle diese polyvalenten Kationen machen ist, dass sie im Magen zusammen mit den Wirkstoffen in manchen Medikamenten Verbindungen eingehen, die schwer löslich sind. Und diese können danach nicht oder nur wenig in den Körper aufgenommen werden. Daraus folgt eine Wirkverminderung bis Wirkungsverlust.

Deshalb:
Abstand von 2 Stunden einhalten zwischen der Einnahme dieser Kationen- sei es in Medikamenten oder Nahrungsmitteln und:

  • Schilddrüsenhormone: Levothyroxin (Euthyrox, Eltroxin, Novothyral, Tirosynt)
  • Gyrasehemmer- Antibiotika (Ciprofloxacin, Norfloxacin)
  • Tetracyclin-Antibiotika (Doxycyclin, Minocyclin)
  • Bisphosphonate (Osteoporosemittel) wie Alendronat (Alendron, Fosamax) oder Etidronat (Bonviva)

Bei den Antacida (den Mitteln gegen Magenübersäuerung) wie Rennie, Riopan, Alucol etc sollte man sicherheitshalber diesen 2 Stunden Einnahme-Abstand auch mit anderen Medikamenten einhalten, da man hier nicht nur das Problem der Komplexbildung mit den Kationen hat, sondern wegen der Magensäureneutralisation auch eine Veränderung des pHs und damit verbunden eine eventuelle Veränderung der Wirkstoffaufnahme – meist auch eine Verschlechterung.

Übrigens: Bei den Tetracyclinen gibt es grosse Unterschiede wie sie durch die gleichzeitige Einnahme von Milch beeinflusst werden. Bei Doxyzyklin, Minozyklin haben wir eine bis ca. 30% verminderte Serumkonzentration – Aber: andere Tetracycline, die in der CH nicht im Handel sind, werden mehr beeinflusst: bis 70% Verminderung.

Der Grund liegt darin, dass Doxycyclin ist verhältnismässig gut lipidlöslich, darum scheint die Substanz auch als Calciumkomplex durch die Membranen zu diffundieren und aufgenommen zu werden.

Bei einigen Doxycyclin-haltigen Spezialitäten wird die Einnahme mit Milch zur Reduktion möglicher Magenbeschwerden empfohlen. Da frage ich mich, ob es nicht besser wäre, das Antibiotikum statt mit Milch einfach während dem Essen zu nehmen? Das sollte gegen eventuelle Magenbeschwerden genauso gut helfen und nicht so problematisch sein wegen den polyvalenten Kationen wie in der Milch.

Die Namen in den Klammern sind die in der CH zugelassenen Medikamente – es handelt sich um eine Auswahl, es gibt noch mehr mit den Wirkstoffen. Die Liste erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Alkohol und Medikamente

Teil 4 der Reihe: Wechselwirkungen zwischen Nahrungs-/Genussmitteln und Medikamenten:

Dass man Medikamente nicht mit Alkohol zusammen nehmen soll, ist bekannt. Auf der sicheren Seite trinkt man am besten gar keinen Alkohol. Wobei: 1 Glas Wein pro Tag liegt bei den meisten Medikamenten trotzdem drin. Aber nicht mehr! Zur Sicherheit fragt man besser nach.

Alkohol dämpft das ZNS (Zentralnervensystem) und verstärkt alle ZNS aktiven Medikamente. Außerdem können alkoholische Getränke den Abbau von Medikamenten hemmen: während der Körper dabei ist, den Alkohol abzubauen, bleiben andere Wirkstoffe länger im Körper und wirken stärker / länger.

Wirkverstärkung / Wirkungsverlängerung bei:

  • Antidepressiva
  • Beruhigungsmittel, Tranquillizer
  • Barbiturate (Antiepileptika)
  • Schlafmittel: Chloralhydrat, Benzodiazepine …
  • Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen)
  • Diabetes Medikamente wie Metformin (hier ist auch eine Wirkverminderung möglich)
  • Insulin

Ausserdem: Alkohol macht eine Gefässerweiterung, darum kann es in Kombination zu Blutdruckabfall bis Kreislaufkollaps kommen bei:

  • Blutdruckmitteln
  • Mittel gegen Herz-Rhythmusstörungen
  • Durchblutungsfördernde Mittel

Medikamente, die in Kombination mit Alkohol den Magen, sowie den Darm reizen können:

  • Schmerzmittel
  • Kaliumsalze
  • Eisenpräparate

Medikamente, deren Wirkung durch chronischen Alkoholkonsum vermindert werden können:

  • Beruhigungsmittel
  • Schlafmittel
  • Blutgerinnungshemmende Medikamente

Und dann gibt es noch ein paar Medikamente, die sich überhaupt nicht mit Alkohol vertragen. Bei diesen kann einem schon bei einem Glas Bier oder Wein übel werden:

  • Disulfiram (Antabus) – hier nutzt man den Effekt auch zum Alkoholentzug
  • Das Antibiotikum Metronidazol (Flagyl, Arilin, Metrolag)
  • Das Antibiotikum Trimethorprim (wie in Bactrim, Cotrim, Nopil, Cotrimoxazol)

Wenn Männer einkaufen

Mann: „Ich hätte gerne Fluimucil 200.“
Drogistin: „Möchten sie es als Brausetablette, Beutel oder Tablette?“
Mann: „Nein, nicht das – das was man ins Wasser macht.“
Drogistin: „Also Brausetablette?“
Mann: „Nein, nicht Brause, das, was man in einem Glas Wasser auflöst!“
Drogistin: „Also im Beutel?“
Mann: „Bah, meine Frau will das – ach geben sie mir einfach alles, was sie haben, irgendeines davon wird es schon sein!“

Nikotin und Medikamente

Teil 3 in der Reihe: Wechselwirkungen von Medikamenten mit Nahrungs- und Genussmitteln: das Nikotin, respektive das Rauchen.

Ich lasse mich hier jetzt nicht über die schädlichen Wirkungen vom Rauchen und die suchterzeugende Wirkung des Nikotins aus, sondern möchte auf die Gefahren hinweisen, die in Kombination mit Medikamenten auftreten.

Rauchen und Nicotin (wie in den Nikotinersatzpräparaten Nicotinell und Nicorette) induziert das Isoenzym Cytochrom P450 1A2 (CYP1A2). Durch die erhöhte Aktivität des Leberenzyms werden Arzneistoffe, die überwiegend über CYP1A2 verstoffwechselt werden, beschleunigt eliminiert, was zu einem klinisch relevanten Wirkungsverlust führen kann.

Besonders betroffen sind Wirkstoffe wie

  • Theophyllin (Unifyl cont, Euphyllin)
  • Tacrin
  • Clozapin (Clopin, Leponex)

Ebenfalls beeinflusst werden u.a.

  • Propranolol (Inderal)
  • Clomipramin (Anafranil)
  • Imipramin (Tofranil)
  • Olanzapin (Zyprexa)
  • Fluvoxamin (FloxEx, Floxyfral)
  • Flecainid (Tambucor)
  • Pentazocin

Zur Vermeidung der Wechselwirkung sollte auf den Genuss von Zigaretten und anderen Tabakprodukten verzichtet werden. Gegebenenfalls (z.B. im Rahmen einer Raucherentwöhnungstherapie mit nikotinhaltigen Präparaten: Nicotinell, Nicorette) muss die Dosis der gleichzeitig verabreichten Arzneistoffe angepasst werden – nach oben, ansonsten kann es sein, dass sie nicht so wirken, wie sie sollen.

Die Namen in den Klammern sind die in der CH zugelassenen Medikamente – es handelt sich um eine Auswahl, es gibt noch mehr mit den Wirkstoffen. Die Liste erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.