Aufruf!

Vielleicht bin ich schon etwas spät dran – hier haben die Ferien ja teilweise schon begonnen, aber:

Falls ihr in die Ferien fahrt und dort eine Apotheke seht – macht doch ein Foto und schickt es mir – auf pharmama08(at)gmail.com – dann veröffentliche es hier auf dem Blog!

Das gilt auch für die, die nicht wegfahren und eine (vielleicht interessantere) Apotheke bei sich in der Nachbarschaft haben. Es darf auch Eure eigene Stammapotheke sein.

Ich will Eure Fotos!

Der nächste Kunde

Es gibt so Momente, da will man den nächsten Kunden einfach nicht übernehmen. Man sieht, wer in die Apotheke kommt, denkt „Oh, nein“ und schaut sich um, ob eventuell nicht doch jemand anders frei und willig ist, die die Person nehmen kann. Und dann, weil es unvermeidbar ist, strafft man die Schultern, setzt ein Lächeln auf und stellt sich dem Kunden.

Es ist die Kundin (oder der Kunde), der man schon zum Xten Mal dasselbe gesagt hat:
„Das Dulcolax ist nur für eine kurzzeitige Einnahme gedacht.“
„Der Nasenspray darf nur eine Woche am Stück angewendet werden.“
„Sie meinen das Benocten.“ (ein freiverkäufliches Schlafmittel – die Kundin tut immer so, als wüsste sie den Namen nicht und hat doch das Geld schon abgezählt bereit).
„Ist es für einen trockenen oder einen verschleimten Husten?“ – und die Antwort „Reizhusten, ich nehme es nur auf die Nacht“ kennt man auch schon.

All diesen habe ich das schon X mal gesagt und sie auf ihr Verhalten hingewiesen, mit ihnen geredet, sie auf Alternativen hingewiesen … und trotzdem kommen sie wieder mit demselben.

Oder es ist die säuerliche Kundin, der man einfach nichts recht machen kann. Man empfiehlt ihr etwas – und sie nimmt etwas anderes, was die Nachbarin ihr geraten hat. Man erklärt ihr ausführlichst ein Produkt – und am Schluss kauft sie es doch nicht -oder zumindest nicht hier. Das einzige was sie mit einem verkappten Lächeln annimmt sind die Müsterchen. Und nach denen fragt sie nicht nur, die verlangt sie.

Das sind die Kunden, wo ich etwas resigniert habe.

Aber: nach dieser Kundin, da kommt jemand neues – und jemandem , den ich wirklich beraten und wirklich helfen kann.

Und darum stehe ich wieder hier – und lächle. Gerne diesmal.

A tale of two … (2)

Der zweite Fall – nennen wir ihn Beat – kam zu uns im 3. Studienjahr. Er war Asylant aus einem afrikanischen Staat und ebenfalls politischer Flüchtling. Er hatte offenbar zumindest den Nachweis einer Ausbildung, sonst wäre er kaum direkt in das 3. Jahr gekommen.

Das Problem war nur, dass ganz offensichtlich riesige Wissenslücken vorhanden waren – soweit, dass ihm schliesslich nicht erlaubt wurde im Labor zu arbeiten. Zu gefährlich: er ist 3 x durch die obligatorische Prüfung zur „Sicherheit im Labor“ gefallen. Weil auch seine Muttersprache nicht deutsch war gab man ihm schliesslich noch die Möglichkeit die Prüfung mündlich (im Zweifelsfall auf englisch oder französisch) abzulegen, aber auch da scheiterte er. Man legte ihm schliesslich nahe im Jahr untendran anzufangen und die Grundlagen wieder aufzuarbeiten.

Was mir bei ihm in Erinnerung bleibt ist seine „Ich bin hier, gebt mir…“, respektive „ich habe das Recht auf…“ Einstellung. Am besten kommt das vielleicht darin zur Geltung, dass er sich bei uns Mitstudenten einmal beklagt hat, er habe kein Auto bekommen. Auto? – Ja, er müsse schliesslich mobil sein. Die Behörden haben ihm auf seine Eingabe nur ein GA-Jahresabo gegeben. Waaas? – Ein GA ist ein Generalabonnement: Damit kann man in der ganzen Schweiz jegliche Öffentliche Verkehrsmittel benutzen: Bus, Tram, Bahn, sogar Schiffe und Privatbahnen …  So ein GA kostet im Jahr um die 2000-3000 Franken. Aber: Er will ein Auto. Auch gratis natürlich. Er hat schliesslich ein „Recht“ drauf.

Er fiel dann aus oben genannten Gründen aus unserem Jahreskurs wieder raus … dass er weiterstudiert hätte, habe ich nicht mitbekommen. Für den Apothekerberuf war das in meinen Augen aber auch kein Verlust.

A tale of two …… (1)

Auch an Schweizer Unis studieren Ausländer – obwohl bei uns ja Studiengebühren erhoben werden. Apropos: wie hoch sind die eigentlich inzwischen? Ich habe angefangen mit (nur) 350 Franken pro Semester, das wurde dann langsam gesteigert auf 700 Franken pro Semester … darin ist allerdings Verbrauchsmaterial vom Labor und die (teuren) Bücher noch nicht enthalten.
Jedenfalls kommt es auch vor, dass wir Asylanten haben, die studieren. An 2 erinnere ich mich speziell. Ich entschuldige mich für Fehler in der Darstellung – so habe ich es erlebt und so erinnere ich mich daran.

Nummer eins, Sandra (Name geändert) kam zu uns im 2. Studien-Jahr. Sie stammt aus dem ehemaligen Yugoslawien, wo sie schon fertig ausgebildete Apothekerin war. Sie wohnte ursprünglich in Sarajewo in einer kleinen Wohnung, arbeitete in einer Apotheke. Eines Tages im Jahr 1992 ging sie ihre Eltern im benachbarten Montenegro besuchen. Sie fuhr mit dem Bus. Obwohl sie vorher die Unruhen des beginnenden Bürgerkrieges mitbekommen hatte, war sie nicht sehr beunruhigt – doch sie sollte eine der letzten sein, die die Stadt verlassen konnten. Ihr Bus passierte eine bewaffnete Strassensperre. Hinter ihr wurde die Stadt praktisch abgeriegelt – so dass sie keine Chance bekam wieder zurückzukehren. Ihre Wohnung mit all ihren Sachen, Unterlagen, Erinnerungen sah sie nie wieder. Sie hörte später, dass sie von Flüchtlingen in Beschlag genommen wurde.

In Montenegro bekam sie keine Arbeit, und wegen der weiteren Unruhen flüchtete sie zu Verwandten in die Schweiz. Sie bekam nur eine vorübergehende Aufenthaltsbewilligung – mit der man eigentlich auch nicht arbeiten gehen kann. Ausserdem wurde ihre Ausbildung nicht anerkannt – und sie hatte natürlich auch ihre Unterlagen nicht dabei, als sie ihre Eltern „kurz“ besuchen ging. Mit viel Energie hat sie es aber schliesslich doch geschafft, dass sie studieren durfte, dazu musste sie zuerst auch noch Deutsch lernen. Sie machte dann mit uns zusammen die Abschlussprüfungen.
Heute ist sie auch in der Schweiz anerkannte Apothekerin und lebt und arbeitet hier.
Bei ihr beeindruckte mich ihr Arbeitswille und Einsatz, ihr Engagement gegen die doch manchmal störrische Bürokratie, ihr Kampf darum, studieren zu dürfen.

Eine Erfolgsgeschichte würde ich sagen. Im Gegensatz dazu der zweite Fall …

Kontraindikationen und Schwangerschaft

Weil wir Apotheker nicht (mehr) dazu kommen alle Rezepte selbst auszuführen, haben wir unseren Helferinnen beigebracht, wenn sie uns das Rezept zur Kontrolle zeigen, noch jeweils ein paar Zusatzinformationen zum Patienten zu sagen: Ob er/sie das Medikament schon einmal hatte, falls ja: wann (das ist zurm schauen wegen Missbrauch), angezeigte Wechselwirkungen und -ganz wichtig: Allergien und ob „sie“ schwanger ist.

So bringt mir die eine Pharmaassistentin letzthin ein Rezept für Androcur. Die Frau hatte es schon mehrmals (eine Repetition auf ein Dauerrezept), keine Wechselwirkungen.
Als die Kundin weg ist, kommt die Pharmaassistentin wieder zu mir und sagt: “Als sie wegging … also, ich bin nicht sicher, ob sie nicht etwa schwanger ist.“
Au, Mist! Das Androcur sind Hormone und in der Schwangerschaft darf man sie nicht nehmen. Gut, sie sollte / könnte es wissen, aber sicher können wir nicht sein.

Das gab ein – eher peinliches – Telefon.
Nun gut, lieber so …

Sie war es dann übrigens nicht. Sorry für die Störung!

Puh.