Blogiges

Bringt es wirklich etwas, hunderte Kommentare auf irgendwelchen Seiten zu schreiben mit dem Inhalt „ Inspirierender Post. Habe einige schöne Denkanstoesse bekommen. Freue mich schon auf neue Posts.“ Oder: „Schöner Blog, habe ihn in gleich meinen Feedreader aufgenommen“ … wenn es gar nicht stimmt?  Seit ich auf WordPress bin hat Akismet über 10’500 Spam-Kommentare automatisch gekillt und mir nur wenige zum selbst entscheiden überlassen – die meisten davon im Stil von oben.

Wer bewertet einen Passwortgeschützten Artikel, den er/ sie gar nicht sehen oder lesen kann? Und warum so schlecht?

Wieso zeigt mein Counter von Feedreader über Wochen meist über 400 Leser an … und dann in einem Monat an manchen Tagen nur knapp über 200 – und das sind nicht mal die Samstage- das würde ich noch verstehen?

Muss ich bei jedem Twitter follower, bei dem ich sehen kann, dass es eine Firma, Werbeagentur oder ähnliches die über 2000 Leuten folgt, und nicht mal etwas mit meinen Themen zu tun hat denen zurückfolgen? Ich denke nicht.

Sollte ich frustriert sein, wenn jemand meine Artikel systematisch runter-„ratet“ ? – Sooo wichtig sind mir diese Sternchen oder Tablettchen dann auch nicht – Kommentare finde ich viel „belohnender“. – vorausgesetzt es sind nicht solche „inhaltslosen“ wie oben.

Ist das alles überhaupt wichtig?

Ehrlich währt am längsten

Die Kollegin in der Drogerie merkt, dass sie dem Kunden zuwenig herausgegeben hat – leider zu spät: er ist schon weg.

Weil es aber ein Stammkunde ist, telefoniert sie ihm später, dass sie ihm die 10 Franken auf die Seite legt, damit er sie abholen kann.

Der Kunde ist dankbar für die Meldung und kommt am nächsten Tag.
„Mit dem Geld, das ich gestern so nicht ausgegeben habe, gehe ich jetzt gleich 2 Lottoscheine kaufen!“ Strahlt er.

Und als er kurz danach wieder zurückkommt, drückt er der Drogistin einen Zettel in die Hand: „Das sind die Zahlen. Falls ich gewinne, bekommen sie die Hälfte!“

Nachtrag: Er hat tatsächlich etwas gewonnen!

Millionäre sind sie jetzt nicht, aber die beiden teilen sich die 30 Franken. :-)

Apotheken in aller Welt, 65: Nepal

Gesendet von einer stillen Blogleserin:

gestern bin ich aus meinem Urlaub in Nepal zurückgekommen, und als stille Leserin deines Blogs habe ich natürlich auch ein paar Apotheken (mit Detailaufnahmen per Zoom) fotografiert.
Einmal kam ich in die Verlegenheit, eine Apotheke zu brauchen, und mir wurde sehr freundlich und wie mir schien kompetent weitergeholfen, auch wenn das Äußere nicht unbedingt darauf hätte schließen lassen.

Ich bin sicher der Apotheker dort findet alles, was er hat und braucht, aber … so eine „Ordnung“ könnte ich hier nie haben :-)

Placebo gewünscht

Also dass ein Kunde in der Apotheke ausdrücklich ein Placebo verlangt hatte ich noch nie. Ihr?

Ok, zugegeben, es war nicht für ihn selbst – der Kunde wollte für die Freundin mit Haarausfall etwas. Offensichtlich hat sie eher diffusen Haarausfall, der periodisch wieder auftritt. Ich habe ihm das Priorin und Pantogar gezeigt und erklärt, dass sie es schon mindestens 3 Monate lang nehmen muss, damit ein Effekt sichtbar ist. Und das 2-3 Kapseln täglich.

Meint der Kunde: Ja, das sei ein Problem – er glaubt nämlich nicht, dass seine Freundin das durchhält und dafür ist ihm das gezeigte zu teuer– im Prinzip sucht er einfach etwas möglichst günstiges, das vielleicht noch den Nebeneffekt auf die Haare hat – aber das muss nicht sein … seiner Meinung nach liegt die Ursache vom Haarausfall der Freundin mehr im psychischen Bereich … ein Placebo wäre da gut.

Dass es in der Schweiz keine „echten“ Placebo Tabletten im Handel gibt, habe ich schon erwähnt …

Jetzt … suche etwas – nach Möglichkeit Tabletten oder Kapseln, möglichst günstig im Preis und mit wenig Wirkung, vor allem keiner negativen Wirkung oder vielleicht etwas Wirkung auf Haare oder Nerven …

Das war schwieriger als ich dachte … vor allem, weil ich darauf trainiert bin, eher das Wirksamste zu suchen, als das unwirksamste :-)

Wir haben uns dann auf Becozym forte geeinigt, ein Vitamin B-Komplex Präparat. 1 Tablette täglich – da kann fast nichts schief gehen. Und es wirkt auf die Nerven … mag gut sein, dass es ihr zumindest etwas bringt.

Was hättet ihr genommen?

Für das Gedächtnis

Ältere Dame: „Ich hätte gerne meine Tabletten für das Gedächtnis.“
Apothekerin: „Natürlich, welche waren es denn?“
Dame: „Ich erinnere mich nicht.“

Apothekerin denkt: „… in dem Fall scheinen sie nicht gut zu wirken.“

Magistralrezeptur

Das ist eine Geschichte aus meiner Praktikumszeit, einer Apotheke in der noch ziemlich viel Rezepturen gemacht wurden (dank einiger älterer Hausärzte in der Umgebung).

Auf dem Rezept stand: „Castellani solutio colorata 50 ml, 1 – 2 x täglich mit dem Wattestäbchen auftragen.“

Nun denn. Die farbige Castellani – Lösung wird bei Ekzemen, nässendem Hautpilz mit eventuell zusätzlicher Bakterieller Infektion und ähnlichem eingesetzt. Es ist eine unglaublich dunkelrote Lösung, die wenn man nicht aufpasst, Flecken macht, die nie mehr rausgehen – speziell aus Stoffen, aber auch sonst…

Wir hatten tatsächlich alles da, was ich für die Herstellung brauchte, also sagte ich dem Kunden, er solle am späteren Nachmittag wiederkommen, denn die Herstellung, die dauert ziemlich.

Das ist übrigens die Herstellungsvorschrift: (entnommen aus www.magistralrezepturen.ch):

Menge berechnet auf 100 g:
A Aceton 4,00g
B Ethanol 96% V/V 15,60g
C Fuchsin Stammlösung NRF 0,40g
D Wasser gereinigt 68,00g
E Resorcin 8,00g
F Phenol verflüssigt 80% 4,00g

Herstellung
1. A und B mischen, darin C lösen.
2. E separat in D lösen und diese Lösung der Fuchsinlösung zugeben.
3. F hinzufügen und 30 Min. kräftig mischen.
4. Anschliessend filtrieren.

1 Stunde später habe ich es tatsächlich geschafft, die Castellani-Lösung in eine kleine Glasflasche abgefüllt, alles protokolliert, die Etikette geschrieben …

Am Abend kommt der Kunde. Ich zeige ihm die Flasche, warne ihn vor den möglichen Flecken und erkläre die Anwendung, verpacke es ihm in einen Plastiksack und der Kunde geht. Er macht die Tür auf (noch keine automatische) und auf dem Weg hinaus schwingt er den Plastiksack … direkt an den Türrahmen!
*Klirr!* – *Schepper* – *Tropf*
….
Das Fläschchen ist kaputt, die knallrote Lösung tropft durch die zerschnittene Plastiktasche an Türrahmen und Boden …

Ich glaube man sieht die Flecken heute noch.

Auf der positiv-Seite: Weil es genauso viel Arbeit macht 50ml wie 100ml herzustellen, habe ich einen 100ml Ansatz gemacht – eigentlich für eine mögliche Wiederholung des Rezeptes – das habe ich grad dann brauchen können. :-)

Kleiner Nachtrag: Heute sollte die Castellani Lösung eigentlich nicht mehr eingesetzt werden, da sie einige Inhaltsstoffe enthält, die heute als obsolet angeschaut werden, da sie mehr schaden als nutzen.