Apotheken in aller Welt, 136: Königsfeld, Deutschland

Mona schickt uns dies:

Bei einem Besuch bei Verwandtschaft im kleinen Kurort Königsfeld im Schwarzwald, PLZ 78126, kam ich an der dortigen Schwarzwald-Apotheke vorbei. Laut Verwandtschaft war das auch „schon immer“ eine Apotheke, also mindestens seit der Kindheit meines Begleiters in den 70ern, vermutlich auch schon in den 1960ern.
Es war Pfingstmontag, daher konnte ich nur durch die Fenster linsen. Innen ist außer den üblichen Apothekenräumen auch noch ein Reformhaus untergebracht.
Sympathisch fand ich die Sitzbank samt Tisch vor der Tür, geschützt unter dem Vordach – und natürlich die Sonnenuhr an der Fassade.

Königsfeld ist heilklimatischer Kurort und Kneippkurort und noch dazu mit interessanter Entstehungsgeschichte – ursprünglich eine protestantische Enklave (der Brüdergemeine Herrnhut) mitten im Schwarzwald, wo im Gegensatz zur „dialektlastigen“ Umgebung hochdeutsch gesprochen wird.

Die ist aber auch süss!

Woher kommen unsere Medikamente? Am Beispiel: Insulin

Insulin ist das Hormon in unserem Körper, das für die Regulation des Zuckergehaltes des Blutes (und demnach der Gewebe) verantwortlich ist. Es macht das zusammen mit dem Hormon Glucagon, wobei das Glucagon für den Anstieg des Blutzuckers verantwortlich ist und das Insulin für dessen Senkung.

Wir brauchen Zucker als Antriebsstoff für unsere Zellen. Wie überall gilt aber auch hier: Zuviel ist schlecht. Speziell schlecht ist es, wenn der Zucker im Blut (unserem Transportsystem) zu hoch ist. Das schadet dann den Gefässen und gibt die ganzen Folgeerscheinungen, die man bei unbehandeltem Diabetes sehen kann: Blindheit, wenn die Gefässe im Auge betroffen sind, Amputationen, weil die Gefässe der Extremitäten zugehen, Nierenschäden und so weiter.

Wie aber hat man das Hormon – und damit eine Behandlung für Diabetes eigentlich gefunden?

Durch ein paar Fliegen.

House Fly on Wall
Image via Wikipedia

Das kam so: 1889 hat man Hunden wegen einem Experiment den Pankreas (die Bauchspeicheldrüse) entfernt. Im Lauf des Experimentes fand man, dass Fliegen vom Urin der Hunde, denen nun die Bauchspeicheldrüse fehlte mehr angezogen wurden.Wieso? Durch das Experiment hat man bei den Hunden – noch ohne es zu wissen – künstlich Diabetes verursacht. Der Zucker wurde via Nieren im Urin ausgeschieden – und Fliegen mögen Süsses, also …

Jetzt wusste man also, dass irgendetwas im Pankreas den Blutzucker niedrig hält.

Seit der Entdeckung versuchten viele Wissenschaftler die Sekrete des Pankreas zu extrahieren und als Mittel gegen Diabetes zu verwenden.

Der Name Insulin kommt übrigens von den Langerhanschen Inseln im Pankreas – dem Ort, wo das Insulin produziert wird.

1906 führte der deutsche Internist Professor Georg Ludwig Zuelzer  erstmals eine Injektion mit einem von ihm isolierten und von der Firma Schering hergestelltem Kälberpankreasextrakt namens Acomatol am Menschen durch. Der Extrakt war wohl wirksam, wegen der starken Nebenwirkungen konnte das Präparat nicht weiter verwendet werden.

1916 gelang es Nicolae Paulescu dann erstmals, Insulin aus Pankreasgewebe zu gewinnen.

1921 gelang auch Frederick Grant Banting und Charles Best die Extraktion von Insulin, sie nannten es „isletin“ – dafür bekamen sie 1923 den Nobelpreis

Damit ist die Geschichte aber noch nicht am Ende.

Die ersten Insulinpräparate wurden aus den Bauchspeicheldrüsen von Tieren hergestellt. Für mehrere Jahrzehnte war das auch die einzige Quelle für die Insulinproduktion. Die Tiere waren Schweine und Rinder. Deren Insulin unterscheidet sich zwar, wie man heute weiss an einigen Stellen vom menschlichen Insulin (im Fall vom Schwein ist der Unterschied eine einzige Aminosäure), war aber brauchbar.

Humaninsulin kam als nächstes – der Name ist aber irreführend, weil es sich nicht um Insulin aus menschlichen Bauchspeicheldrüsen handelt, sondern um ein Molekül, das chemisch identisch mit dem des Menschen ist. Gewonnen wurde es aus Schweineinsulin, indem man mit biochemischen Methoden die eine „falsche“ Aminosäure austauscht. 1983 wird dieses halbsynthetische Humaninsulin erstmals von der Firma Hoechst auf den Markt gebracht.

1979 gelang es Frankfurter Wissenschaftlern, das Gen für die Herstellung von Insulin aus menschlichen Zellen zu isolieren, und mittels Gentransfer in Mikroorganismen wie Bakterien (Escherichia coli) oder Hefen (Saccharomyces cerevisiae) zu bringen, so dass ab 1982 die Möglichkeit bestand, mittels dieser gentechnisch veränderten Organismen Humaninsulin in großen Mengen ohne den Einsatz tierischen Ausgangsmaterials von Schwein oder Rind zu produzieren.

Aufgrund der Diskussion über Chancen und Risiken von Gentechnik kam erst 1999 durch die aus der Firma Hoechst hervorgegangene Firma Aventis dieses neue Humaninsulin in den USA an den Markt.

Heute geht man noch weiter, indem man mit Insulinanaloga Abwandlungen hat, die eine kürzere oder längere Wirkdauer haben. So kann man ein bisschen mit der Anwendung des Insulins spielen – aber darüber wissen die betroffenen Diabetiker fast mehr als ich :-/

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Es gibt unterschiedliche Formen von Diabetes. Wenn die Bauchspeicheldrüse noch einigermassen funktioniert, wird versucht mit Tabletten die Insulinausschüttung anzuregen und die Empfindlichkeit der Gewebe auf das noch vorhandene Insulin zu verbessern. Wenn aber (fast) kein Insulin (mehr) vorhanden ist, dann muss man es halt ersetzen.

Two types of modern, pre-filled insulin syringes.
Image via Wikipedia

Insulin ist ein Proteinhormon und geht leider relativ leicht kaputt – weshalb es gekühlt gelagert werden muss – und zur Anwendung injiziert – also gespritzt. Wenn man es schluckt, zerstört die Magenenzyme die Struktur und macht es unwirksam. Es gibt Bemühungen nach einfacheren Anwendungsarten zu suchen, zum Beispiel zur Inhalation – es ist aber nichts auf dem Markt im Moment.Dennoch ist es ein ziemlich erstaunliches Medikament, v.a. wenn man bedenkt, dass noch vor nicht allzu langer Zeit Menschen mit Diabetes eine ziemlich schlechte Lebenserwartung hatten – kompliziert noch durch die auftretenden Beschwerden. Heute muss man kaum noch Amputieren wegen Diabetes-Folgen … vorausgesetzt die Leute halten sich an die Therapien …

Quellen: Wikipedia, Internet, Uniunterlagen …

Mathematik in der Apotheke

Ok, ich gebe es zu: Mathematik war nie wirklich meine Stärke. Nur zu gut ist mir noch in Erinnerung, als der Mathelehrer nach einer etwas verhauenen Prüfung mit einem Klassenkamerad diskutiert hat, der sich über den Notenabzug wegen Abschauen beim Nachbar beklagt hat.

Schüler: „Das finde ich unfair, wie wollen Sie wissen, ob ich abgeschaut habe?“

Lehrer: „Weil du genau wie dein Nachbar auf dasselbe falsche Ergebnis gekommen bist – mit genau demselben falschen Weg!“

Schüler: „Aber … wenn er schon direkt daneben sitzt …“

Lehrer: „Aber andere schauen nicht ab. Schau Dir mal Pharmama an, die sitzt direkt neben ihrem Freund. Er hat eine 5.5 und sie eine 3.5 – Sie schaut auch nicht ab!“

Jaaaa – Danke vielmals! Wie wäre es mit einem Notenzuschlag für Ehrlichkeit?

Aber keine Angst, für die Apotheke reicht meist einfaches Grundrechnen – nichts mehr mit Integralen, Wahrscheinlichkeitsrechnungen etc…

Meist sind das einfache Dinge wie: wie viele Tabletten muss ich abgeben?
Auf dem Rezept steht: „1-1-1 für 5 Tage“
Also 3 x 5 = 15 Tabletten braucht der Patient.

… Jetzt gibt es aber davon nur 10er und 20er Packungen, wobei 10 Tabletten 15.30.- und 20 Tabletten 23.80.- kosten. Welche Packung nehme ich jetzt?
Man wird die 20er Packung nehmen, weil das günstiger ist als 2 der 10er Packungen.

Oder

Auf dem Rezept mit Antibiotikasirup steht: „Morgens und abends je 5ml für 7 Tage“
Welche Packung muss ich also nehmen: die 70ml oder die 140ml? 
2×5=10 x7 – Ja, die 70 ml reicht.

Aber obiges ist ein Antibiotikasirup, da muss ich noch ein bisschen mehr rechnen, nämlich die Dosierung kontrollieren und nachrechnen.

Dosierung laut Kompendium: „Die empfohlene Tagesdosis …beträgt für Kinder zwischen 6 Monaten und 12 Jahren 15 mg/kg Körpergewicht in zwei Gaben (2× 7,5 mg/kg KG)“

Das Kind ist 3 Jahre alt und wiegt 17 kg (Danke an die Kinderärzte, die das gleich auf das Rezept schreiben).
Also: 17×7.5= 127.5mg.

Der Sirup enthält 125mg Wirkstoff pro 5ml, ich muss also 1 Löffel zu 5ml geben. Und das 2 x am Tag.

Die Dosierung, die der Arzt aufgeschrieben hat, stimmt also.

…

Dann kommt es auch noch vor, dass wir im Labor Verdünnungen anfertigen müssen.
Z.B. Ich habe nur Ethanol 96% und der Kunde braucht 100ml Ethanol 70%.

Da gibt es eine gut zu merkende und einfache Formel, nach der man gehen kann:

„Kunde mal Kunde durch Apotheke“

Oder anders geschrieben:

Kunde x Kunde
Apotheke

Also 70 (% will der Kunde) x 100 (ml will der Kunde) = 7000
geteilt durch 96 (% hat die Apotheke): 7000:96= 72.9

Wir brauchen also 72.9ml vom 96% Ethanol und füllen das dann auf 100ml mit Wasser auf:
100 ml – 72.9 ml = 27.1 ml Wasser braucht es.

Das geht auch wenn man aus 30% Wasserstoffperoxid solches das 3% ist machen will. Oder aus einer 50% Salicylvaseline eine 10% machen usw.

Kleiner Test:

Ich hätte gerne 100ml 3% Wasserstoffperoxidlösung, habe aber nur 30%. – Wie mache ich das?

Apotheken in aller Welt 27: Dublin, Irland

Kein Fehler, ein Repost, weil ich neue Bilder zu der Apotheke bekommen habe :-)

Schon wieder Dublin? Das scheint das Reiseziel des Sommers gewesen zu sein!

Jedenfalls schickt mir Julia dies:

nachdem ich letzte Woche in Dublin war kann ich nun auch endlich Apothekenbilder beisteuern.
Mercer Street Lower: Sehr kleine Apotheke, die neben den „typischen“ Apothekenartikeln auch Werkzeug, Batterien, etc. führte.
Wurde hier sehr nett bedient als ich zwangsläufig Verbandsmaterial kaufen musste.
Außerdem eine der wenigen Apotheken die das Wort „Pharmacy“ auch in gälisch an der Tür haben.
Temple Bar: genau so schrill wie das ganze Viertel (Vergnügungsviertel in Dublin mit vielen Pubs, Bars und Nachtclubs).

 

 

Nappo Nappo war auch da!

 

Hallo, ich habe habe mal wieder ein Bild für deine Sammlung „Apotheken aus aller Welt“.
Dieses mal aus Stephen Street Lower, Dubiln, IE. Hier mußte ich leider rein und was kaufen. Da ich mir eine fiese Erkältung zugezogen hatte.

und nochmals Julia

 

 

Es war noch ein Bild dabei, von der Boots in der Grafton Street – die haben wir hier aber schon einmal gehabt, darum habe ich es weggelassen.

Die Temple Bar Pharmacy hat das Hicks-Violett fällt mir auf. Ob die wohl auch zu der Kette gehört?

Apotheke auf Gälisch – das wollte ich schon immer sehen (oder zumindest seit der Gabaldon Highland Saga :-) )

welches Auge ist wichtiger?

Kunde in der Drogerie: „Ich hätte gerne eine Lesebrille mit +1 links und +2.5 rechts.“

Drogistin: „Leider haben wir nur Lesebrillen mit der gleichen Korrektur in beiden Gläsern, für das, was sie wollen, müssen sie zum Optiker.“

Kunde: „Dafür habe ich keine Zeit! Geben sie mir eine mit … äh … welches ist das wichtigere Auge?“

…

Lustig: das kann man herausfinden. Es ist zwar nicht für den Wunsch des Kunden oben geeignet -ich schätze mal das gibt Kopfschmerzen, aber das kann er selber ausprobieren.

Für manche Sportarten (wie z.B. Bogenschiessen) ist es aber wichtig, das zu wissen.

Und so geht es:

1. Beide Hände vom Körper wegstrecken und mit ihnen ein Dreieck bilden, durch das man schauen kann (siehe Bild).

2. Mit beiden Augen offen schaut man durch das entstandene Loch und fixiert etwas – einen Türgriff oder einen Lichtschalter, oder so.

3. Dann schliesst man das linke Auge . Bleibt das anvisierte Objekt im Blickfeld ist man dominant auf dem rechten Auge. Ist das Objekt nicht mehr sichtbar, respektive sind die Hände nach rechts gerutscht, ist man dominant auf dem linken Auge.

4. Jetzt das Ganze als Kontrolle nochmals, nur schliessen wir jetzt zum Test das rechte Auge. Bleibt das anvisierte Objekt im Blickfeld ist man dominant auf dem linken Auge. Ist das Objekt nicht mehr sichtbar, respektive sind die Hände nach links gerutscht, ist man dominant auf dem rechten Auge.

Oder: 1. und 2. wie oben, dann bringt man die Hände so wie sie sind näher an das Gesicht, wobei man weiter das Objekt anvisiert. Wenn die Hände das Gesicht berühren, befindet sich das Loch vor dem dominanten Auge.

Ziemlich erstaunlich, ich hätte gedacht, man schaut etwa durch beide Augen gleich. Ich bin offenbar dominant auf dem linken Auge. Ihr?