Unbelehrbar

Ein Mann kommt in die Apotheke und fragt nach etwas für sein schmerzendes rechtes Ohr. Er sagt es „fühle sich an, wie wenn Wasser drin wäre.“

Ich schaue mir das an. Sein Ohr ist entzündet, der Kanal praktisch vollkommen zugeschwollen und so wie es aussieht hat er Eiter drin.

Ich sage ihm, er soll dringend damit zum Arzt, ich kann ihm nichts geben.

1 Stunde geht vorbei, da kommt er wieder, in der Hand eine Flasche Ohrentropfen gegen Ohrenschmalz, gekauft in einer anderen Apotheke.

Er hält mir das Fläschchen hin und sagt: „Ich habe jetzt das hier benutzt und jetzt brennt es im Ohr!“

…

Apotheken in aller Welt, 166: München, Deutschland

Santanyi schickt uns dies: Danke!

In meiner näheren Umgebung gibt es leider keine interessanten Apotheken, daher habe ich mich sehr gefreut, im Münchner Stadtteil Solln (kurz vor dem Ortsschild Pullach) an der Wassermann-Apotheke vorbei zu kommen.

Hinein konnte ich leider nicht – sie war schon geschlossen – aber beim Blick durch die Schaufenster fand sich sowieso nur die übliche „Standard-Einrichtung“.

Die Apotheke hat ein paar nette Details, wie der Dreizack als Schildhalter und das Bullauge als Durchreiche (für den Notfalldienst).

Ich sollte auch in der Apotheke arbeiten …

Patientin, die bei der Assura versichert ist, leicht erbost über die Menge Geld, die sie für ihre Medikamente hinlegen muss: „Ich sollte auch einen Job in der Apotheke haben, dann bekäme ich das alles gratis.“

Die Frau musste ich enttäuschen. Ich bekomme als Angestellte in der Apotheke ein paar Prozente auf die Sachen, die ich selber kaufe. Was über die Krankenkasse läuft, dafür bezahle ich genau gleichviel wie sie. Vielleicht noch mit dem Unterschied, dass ich es meiner Kasse direkt abrechnen kann (was sich bei meiner Franchise aber nicht lohnt) – aber immerhin hat sie ja die Assura als Krankenkasse selbst ausgesucht.

 

Übrigens: da habe ich grad letzthin wieder gelesen, dass das Modell Tiers garant – also, dass man als Patient zuerst selbst bezahlen muss in der Apotheke oder beim Arzt eigentlich das übliche System wäre – also sozusagen der Normalzustand und dass das Modell Tiers payant, also dass der Leistungserbringer (Arzt, Apotheke) mit der Krankenkasse direkt abrechnet eigentlich als Ausnahme gedacht war.

Die Realität sieht heute in der Apotheke aber genau umgekehrt aus – die Patienten sind sich das auch so gewohnt, dass sie ausrufen, wenn es bei einer Kasse dann anders ist – und die Kassen, die das so verlangen werden wieder mehr. Der Trend geht (von den Kassen aus) eindeutig weiter in Richtung Tiers garant.  Ich bin gespannt auf nächstes Jahr.

Leute, schaut die Verträge gut an, die ihr unterzeichnet!

Mitgehört (6)

Kunde in der Apotheke:

„Allopathie – heisst das, dass ich die Medikamente per Telefon bestellen kann?“

:-)

Ich habe leider nicht mitbekommen, wie sie darauf gekommen sind, aber ich lasse mal Wikipedia den Begriff erklären:

Allopathie (von altgriechisch ἄλλος állos ‚anders beschaffen, verschieden‘ sowie πάθος páthos ‚Leiden‘), auch Allöopathie, war ursprünglich eine Bezeichnung Samuel Hahnemanns für bestimmte nicht-homöopathische Behandlungsmethoden. Später erweiterte Hahnemann den Begriff in die Richtung, in der er heute vor allem in alternativmedizinischen Kreisen benutzt wird: als Synonym für „Schulmedizin“.

Nein, mit „Hallo“ hat das nichts zu tun … aber theoretisch könnte man tatsächlich manches per Telefon bestellen.

War das nicht ein Argument für die Selbstdispensation?

… dass man für die Medikamente nicht noch einen Umweg (über die Apotheke) machen muss?

Gefunden bei 3-min.info unter dem Titel SD ist eine Zumutung für ältere Leute – Geschrieben von Heidi Mühlemann

E.S. (Name der Redaktion bekannt) wohnt im Kanton St. Gallen, einem Kanton, in dem der Medikamentenverkauf durch den Arzt die Regel ist. Nach Lesart der Ärzte ist die Selbstdispensation ein Dienst am Patienten. Man kennt die Argumente, z.B. jenes vom Umweg zur Apotheke, den man den alten, gebrechlichen Leuten nicht zumuten kann. Die Realität sieht dann allerdings anders aus. E.S. ist 84, wohnt allein, kommt einigermassen zurecht, hat aber einen Herzschrittmacher und ist ziemlich wacklig auf den Beinen. Zu Fuss zum Einkaufen zu gehen, wäre unmöglich. Dazu fehlt die Kraft, erst recht mit einer schweren Einkaufstasche an der Hand. Alle paar Wochen fährt sie zu ihrem Hausarzt, dessen Praxis im Nachbardorf liegt. Er kennt E.S. seit Jahren, weiss um ihren Gesundheitszustand. Er hat aber absolut keine Hemmungen, die alte Frau nach der Konsultation mit dem Bescheid zu verabschieden, sie könne ihre Medikamente am nächsten Tag abholen. Im Klartext: Der «Umweg» in die Apotheke, von denen sich am Wohnort von E.S. zwei in unmittelbarer Nachbarschaft zu Migros und Coop befinden, ist der alten Frau angeblich nicht zuzumuten. Aber dass sie jeweils den weiten Weg ins Nachbardorf nochmals auf sich nehmen muss, weil der SD-Arzt die seit Jahren gleichen Medikamente für seine Patientin nicht an Lager nehmen mag, aber nicht auf den Umsatz verzichten will, das ist dann kein Problem – für den SD-Arzt zumindest.

Würde der Arzt E.S. ein Rezept ausstellen, könnte sie ihre Medikamente holen, wenn sie ohnehin beim Einkaufen ist. Ausserdem bieten die Apotheken einen Hauslieferdienst an. Sie würden E.S. die Medikamente jederzeit ins Haus liefern und hätten die Medikamente für ihre Stammkundin wohl auch an Lager. Das verstehen Apotheker unter Patientenfreundlichkeit.

Ein Bedauerlicher Einzelfall? Dass es sehr schwierig ist für Kunden vom SD Arzt ein Rezept ausgestellt zu bekommen – das höre ich noch häufiger. Vor allem ältere Leute haben da oft Mühe – aber mir geht das genau gleich. „Ich hätte lieber ein Rezept dafür – geht das?“ Das braucht enorm Überwindung – ist aber häufig auch sinnvoll.