Eine gute und eine schlechte Nachricht

Heute habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht: Gut für mich, vielleicht nicht ganz so gut für Euch: Pharmama geht nämlich in die Ferien.

Das bedeutet, dass es hier in den nächsten 2 Wochen ruhiger sein wird. Zum Bloggen komme ich da nämlich kaum – vielleicht schicke ich aber das eine oder andere Foto.

Wünscht uns gutes Wetter, eine schöne Reise und vor allem einen ruhigen Flug (ich hasse fliegen!).

Aber bitte.

Wenn Sie ein Rezept bringen für ein Medikament -sagen wir mal Marcoumar -und danach noch ein Aspirin kaufen wollen und die Apothekerin Sie auf die (gefährliche) Wechselwirkung zwischen den beiden aufmerksam macht, sagen Sie: „Das macht nichts, ich will das trotzdem!“

Und wenn die Apothekerin sich dann weigert, ihnen das zu verkaufen, stürmen Sie aus der Apotheke, dann kommen sie nach 2 Minuten wieder zurück um weiter zu schimpfen.

Wenn auch der Kunde, der das ganze gezwungenermassen mitbekommen hat, Ihnen dann noch sagt, dass sie besser auf den Rat der Apothekerin hören, rufen sie noch in die Runde: „Ich mache ihnen einen Gefallen, indem ich diese Apotheke benütze! Aber von jetzt an, gehe ich nur noch in die (Discountapotheke), DIE stellen nie in Frage, was ich nehme!“

Und das ist natürlich viel besser für Sie.

Apotheken in aller Welt, 174: Bad Wildbad, Deutschland

Um Deine Sammlung von Apothekenbildern zu erweitern, kommen hier mal bei sonnigem Wetter aufgenommene Bilder der Flößerapotheke, in der ich arbeite.
Grüße aus dem Schwarzwald,
pharman/stefan

*Das* darf man natürlich auch – seine Apotheke vorstellen. Danke vielmals an Stefan für die Bilder seiner wirklich hübschen Apotheke – so eine Kinderecke hätte ich auch gerne bei uns! Und Roboter statt Schubladen … :-)

Ausnahmesituationen

Kunde mit Rezept – und wie es von Zeit zu Zeit vorkommt, treten dabei einige Fragen auf. Die Pharmaassistentin ruft mich zur Hilfe.

Ich versuche das mit dem Mann zusammen abzuklären – dabei wird er zunehmend ärgerlich. Trotzdem bleibt er höflich und kooperativ. An einem Punkt meiner Befragung, lässt er durchscheinen, dass er demnächst weggeht: in die Ferien. Als ich meine Antworten habe und ihm erkläre, dass die Pharmaassistentin den Arzt anrufen muss, wegen einer Änderung, lässt er seinen Ärger durchscheinen, indem er sagt: „Ich brauche einfach die Medikamente! Ich bin auf Chemotherapie und habe nicht mehr lange zu leben.“

Rechts und links wird es ruhig. Vielleicht war das auch nur mein Eindruck, aber irgendwie scheint in dem Moment alles weiter weg. Selbst der Mann wird jetzt ganz still. Vielleicht ist ihm sein Ausfall etwas peinlich.

Einem Impuls folgend frage ich ihn: „Wohin gehen sie denn in die Ferien?“
Das muss der richtige Schritt gewesen sein, denn sein Gesicht hellte sich sichtbar auf, als er mir antwortete.

Während die Pharmaassistentin telefoniert, hatte ich noch eine sehr nette Unterhaltung mit ihm, wobei ich nicht nur von Ferienort, sondern auch von seinen Enkeln zu hören bekam, auf die er sehr stolz war.

Nachdem wir das mit seinem Rezept endlich aussortiert haben, dankt er mir tatsächlich noch.

Ich bin froh, dass ich zumindest mit den Medikamenten ein bisschen helfen konnte, aber ich denke, das war nicht der Grund für den Dank.

Es ist so wichtig, dass man nicht nur den Patienten, sondern auch den Menschen hinter den möglichen medizinischen Problemen sieht.

Hoppla?!?

Irgendwie … glaube ich, dass die Reaktion des Arztes auf die Nachricht, dass er auf das Insulin Rezept als Dosierung „vor dem Essen 5 ml injizieren“ geschrieben hat, nicht „Hoppla“ lauten sollte …

Neues von der Nicht-Kundin

Unsere „Nicht-Kundin“ telefoniert im Moment wieder regelmässig.

„Nicht-Kundin“ deshalb, weil wir mit ihr eine Abmachung haben, dass sie alle ihre Medikamente in einer Apotheke holt – das aus Erfahrung, sie hat angefangen, uns, die andere involvierte Apotheke und den Arzt gegeneinander auszuspielen. Ausserdem nimmt sie die Sachen nie, wie vorgeschrieben … Jetzt muss sie einfach alles in der anderen Apotheke beziehen – die haben dann auch die Info, was sie schon bekommt und können so besser schauen, was für sie geht.

Das hält sie aber nicht davon ab, bei uns anzurufen – mindestens 1x täglich, mit so tollen Fragen wie:

Nicht-Kundin (NK): „Könnte ich bitte die Apothekerin sprechen?“
Ja, es muss die Apothekerin sein. Immer. Eine einfache Pharmaassistentin oder gar Drogistin könnte ihre Fragen nicht beantworten. (Sagt sie).
„Ich habe vom Arzt Dulcolax verschrieben bekommen, wie muss ich das nehmen?“
(Wurde das nicht schon in der anderen Apotheke bei der Abgabe erklärt?)
Pharmama: „Am Abend vor dem Schlafen 1-2 Tabletten, dann können sie am anderen Morgen auf die Toilette.“
NK: „Wie lange dauert das, bis das wirkt?“
Pharmama: „Etwa 8 Stunden, darum nimmt man es ja vor dem Schlafen.“
NK: „Wann muss ich dann ins Bett?“
Pharmama: „Dann, wenn sie normalerweise gehen – die Tablette wirkt über Nacht.“
NK: „Dann muss ich nicht länger warten, mit dem Schlafengehen?“
Pharmama: „Nein. …  Denken sie aber bitte daran, dass das den Darm ziemlich vollständig leert, das bedeutet, sie müssen nicht gleich wieder am nächsten Tag auf die Toilette, das kann ein paar Tage dauern und bedeutet nicht, dass man schon wieder verstopft ist. Nehmen sie es nicht regelmässig!“

Nächster Tag, Nächstes Telefon – andere Apothekerin.
NK: „Könnte ich bitte die Apothekerin sprechen?“
„Wieviel kosten die Dulcolax Tabletten bei ihnen?“
„Und die Dulcolax Zäpfchen?“

Nächster Tag, Nächstes Telefon. Ich wieder.
NK: „Könnte ich bitte die Apothekerin sprechen?“
„Wie lange dauert es, bis das Dulcolax wirkt?“
Pharmama: „Das habe ich ihnen doch letzthin schon erklärt? : Etwa 8 Stunden … „(usw.)
NK: „Und die Zäpfchen?“
Pharmama: „Die gehen etwas schneller: zwischen 30 und 60 Minuten normalerweise.“
NK: „Und wenn ich beides genommen habe?“
Pharmama: „… Sie haben die Tabletten und die Zäpfchen genommen?“
NK: „Ja.“
Pharmama: (Grrrrumpf – ich sagte ja, sie hält sich nicht an Therapieanweisungen) „Das soll man nicht. Entweder oder reicht aus.
Ausserdem: wenn sie die Dinger ständig nehmen, können sie bald nicht mehr ohne die auf die Toilette.“
NK: „Und was soll ich jetzt tun?“
Pharmama: “ …damit aufhören für die nächsten paar Tage?“

… Oh ja – und wenden sie sich in Zukunft bitte wieder an die Apotheke, die ihnen die Medikamente auch abgegeben hat. Ich bin sicher, die sind auch daran interessiert, wie sie sie anwenden :-(