Muskelschmerzen auf Sulawesi

Thomas von Minahasato. wordpress.com schickt uns dieses Bild und wünscht „Salam hangat“:

Hier 1 Photo von einem Apotheken-Eingang in einer Mall in Manado/Nordsulawesi/Indonesien. “Njeri Otot” bedeutet Muskelschmerz. Vom Arzt verschriebene Medikamente werden meist in exakter Menge verkauft – ohne Originalverpackung und Informations-Zettel.

Muskelschmerz

Oh – da haben wir mal wieder Counterpain.

Regividerm … sorry: Mavena B12 Salbe – mal wieder

Ich habe heute ein mail bekommen. Aber – bevor ich das wiedergebe, macht mir den Gefallen und lest rasch den Post nach, auf den sich der Schreiber bezieht:

Entstehung und Niedergang eines "Wundermittels"

Fertig? Dann lest das mail dazu:

Guten Tag,

kürzlich habe ich einen älteren Beitrag in ihrem Blog gelesen zum Thema Regividerm Salbe.

Mir fiel sofort nach dem Text ein das muss ein Apotheker geschrieben haben.
Ich habe mir die Salbe gekauft von der Firma Mavena.
Diese Salbe kostet inzwischen fast 30 €. In der Schweiz 41,85 CHF Was kostet die dann wohl im Einkaufspreis bei Endpreisen von 22€ bis umgerechnet 31 €? Da verkauft man als Apotheke natürlich deutlich weniger als von Cortisonsalben dies per Rezept..!
Diese Cortisonsalben verschreiben Dermatologen fast ausschließlich auch wenn sie kaum helfen.

Nun fragt sich der Kunde warum es selbst bei Internetapotheken extreme Preissprünge gibt bei einer kostet die Mavena Salbe (1) 21.75 € und bei einer anderen fast 31 €.
Die Krankenkassen zahlen nur Cortisonsalben.

Also es geht da kaum um Patienten sondern ausschließlich um den schlichten Umsatz. Man will ja weiter Cortisonsalbe verkaufen

(1) Regividerm darf sie sich ja nicht mehr nennen!

Evtl. sollte man als Apotheker auch so ehrlich sein das es schlicht auch um den Umsatz geht.

MFG

Und jetzt meine Fragen:

Hat diese Person meinen Post wirklich gelesen? Hat sie verstanden, was ich geschrieben habe – oder habe ich mich zu undeutlich ausgedrückt?

Wirklich – ich will niemanden davon abhalten diese Salbe zu kaufen. Probiert es aus, wie ihr wollt. Meine Erfahrung (und die meiner Patienten in der Apotheke) ist einfach: Funktioniert leider meistens nicht. Ansonsten hätte ich nämlich heute noch Nachfrage danach. Die habe ich nicht.

Wenn es funktionieren würde, wäre es mir auch Umsatzmässig egal, ob ich die verkaufe oder Kortison-Salbe. Tatsächlich dürfte ich an der mehr verdienen, da man sie ja bezahlen muss. Die Kortison-Salbe wird nur darum von den Krankenkassen übernommen, weil die Wirkung da bewiesen ist. Und weil sie nach Studien als Medikament zugelassen wurde. Beides trifft auf die MavenaB12 nicht zu. Die böse Pharmaindustrie (zu denen aber auch Mavena irgendwo gehört) hat das nicht gemacht.

Geschmacksmuster

Passend zum Thema gestern – Geschmackssache.

Die Kundin kommt in die Apotheke. Sie ist unzufrieden damit, wie der Hustensirup schmeckt, den sie vom Arzt verschrieben bekommen hat.

Frau: „Haben sie mir eine Probe vom Pecto Calmin, das ich versuchen kann?“

Pharmama: „Nein, tut mir leid, habe ich nicht.“

Frau: „Ich bin sicher, sie haben da hinten eine offene Flasche – sie könnten mir auch einfach einen Teelöffel voll abfüllen. Das Zeug kostet alles, wissen sie?“

Ich musste einen Moment innehalten und mir überlegen, ob sie das ernst meint. Manchmal fragen einen die Leute in der Apotheke scherzhaft nach Mustern von Medikamenten – speziell rezeptpflichtigen … Das war hier nicht der Fall.

Pharmama: „Ich habe leider nichts zum testen. Aber so teuer ist das Mittel nicht …“

Frau: „Meinen Sie das ernst? Wenn ich es nicht gratis bekomme zum testen, nehme ich es nicht!“

Okay – was soll ich darauf schon sagen.

Pharmama: „Vielleicht finde ich ihnen etwas günstigeres?“

Frau: „Es geht nicht ums Geld! Ich habe Geld! Was ich nicht habe, ist ein gut-schmeckender Hustensirup … und dabei wollen Sie mir offenbar nicht helfen. Also Danke für nichts.“

Pharmama (immer bemüht eine Lösung zu finden): „Und wie wäre es mit Kapseln?“

Frau: „Kann ich nicht schlucken.“

Sie geht weg. Ich hätte sonst hinten im Büro noch viel zu tun gehabt, aber ich blieb einen Moment vorne. Der beste Weg einen solchen Problem-Kunden zu vergessen ist einem anderen Kunden zu helfen – was ich dann schnell konnte.

Geschmacksrichtungen

tumblr_mgbc90lJbc1qlfdjlo1_500
Quelle

In den USA gibt es die Möglichkeit Antibiotika-Sirupe vom Apotheker mit Aroma versehen zu lassen. Das geht von den normalen Geschmacksrichtungen (Erdbeer, Orange, Vanille  …) bis zu exotischerem, wie zum Beispiel: Rind, Hühnchen oder Thunfisch. (Siehe Bild oben). Gut, wenn ich es richtig verstanden habe, sind die eigentlich für Tiermedikamente gedacht, aber man *kann* das natürlich auch für Menschen brauchen. So ein Antibiotika-Sirup mit „Red Angus Beef“-Geschmack hat doch was männliches an sich ;-)

Das mit dem Aromatisieren fände ich auch hier noch lustig. Geben tut es verschiedene künstliche Aromen zum zugeben nämlich schon. Im Galenik Praktikum habe ich mal von allen ein paar Mini-Fläschchen (die vom Gaschromatographen) abgefüllt – zum Probe-riechen …  (fein!).

Wie darf euer Medikamenten-Sirup denn schmecken, wenn ihr wählen könntet?

Verständigungsprobleme

Meine Pharmaassistentin hat einen Kunden, der kein Deutsch kann. Und auch kein Französisch, englisch oder italienisch oder spanisch. Er hat ein Rezept – und ich frage mich, wie er sich dafür wohl mit dem Arzt verständigt hat.

Auf dem Rezept eine Salbe gegen Schmerzen: Voltaren dolo Gel und eine Nasensalbe.

Meine Kollegin fragt mich, ob sie das auf das Voltaren Gel wechseln soll – immerhin wird das von der Grundversicherung übernommen im Gegensatz zum dolo. Zur Erklärung: es ist in beidem dasselbe drin, nur wird für das dolo Werbung gemacht, darum wird das nur teilweise von der Zusatzversicherung übernommen, während das „normals“ über die Grundversicherung abgerechnet wird.

Aber ich habe schon mitbekommen – das würde er nicht mal ansatzweise verstehen, wenn ich oder sie versuchen ihm das zu erklären, also bleibt es bei genau dem, was der Arzt aufgeschrieben hat.

Die Kollegin schreibt es an: „2-3 x täglich auftragen auf die schmerzenden Stellen“

Er: „Für wo ist das?“

PA: „Für wo Sie Schmerzen haben.“

Er: „Wo?“

PA: „Ich weiss nicht, wo Sie Schmerzen haben…. Wo Aua? Da gehört es hin. … Haben Sie verstanden?“

Er sieht nicht so aus.

PA: „Dort, wo Sie Schmerzen haben. Einreiben.“

Sie imitiert das einreiben auf dem Rücken, dann auf dem Arm.

Er nimmt die Nasensalbe: „Das für Augen?“

PA: „Nein! Das ist für die Nase“ *Deut* „Da!“

Sie nimmt die beiden Tuben in die Hand.

PA: „Nochmals: das hier für die Schmerzen“ (zeigt die grosse Tube) „2 bis 3 mal pro Tag“

Sie nimmt die kleine Tube in die Hand

PA: „Das hier für die Nase .. auch 2 bis 3 Mal pro Tag“ Sie nimmt ihre Finger zu Hilfe. „Ok?“

Er: „Ok.“

Der Mann nimmt seine Medikamente.

Beim Herauslaufen macht er aber noch einen Abstecher zum Kosmetikkasse.

Dort wirft er seine Salben unserer Drogistin auf den Tisch:

Er: „Für wo die?“

Sie schaut ihn erst mal entsetzt an.

Drogistin: „Äh, Grüetzi?“

Dann liest sie die Etiketten.

Drogistin: „Die hier ist für in die Nase“ (deut!) „Die hier gegen Schmerzen.“

Er: „Wo?“

Drogistin: „Wo Sie Schmerzen haben?“

Er: ???

Drogistin: „Aua?“ verzieht pantomimisch das Gesicht dazu.

Er: „Autsch?“

Drogistin: „Ja – dort einreiben.“

Er nimmt seine Salben und geht – kein „Danke“, kein „auf wiedersehen“, nichts.

Hat er es jetzt begriffen?

Ich hoffe, er hat zuhause jemanden, der lesen kann.

Was macht der, wenn er stärkeres braucht? Oder Tabletten zum einnehmen?