Don’t kill the messenger

Wie sagt man jemandem, dass er nicht mehr lange zu leben hat?

Vielleicht eher nicht so (wie eine Kundin bei Spitalaustritt nach diversen Untersuchungen informiert wurde):

„Es ist ein Wunder, dass Sie noch leben. Das wird nicht besser werden, es wäre gut, wenn Sie, sobald Sie können, Sich einen Hospitz-Platz besorgen. Hier sind die Unterlagen für ihren Hausarzt. Wiedersehen!“

 

Ich bin froh, dass ich derartig schlechte Nachrichten nicht überbringen muss. Und ich bin mir sehr bewusst, dass es da keine Allgemeinformel gibt.

Die einen schätzen es, wenn man ihnen sagt, wie es ist und wie die Chancen stehen (auch wenn es da Spielraum gibt, dass man sich irrt),

Die anderen vertragen das gar nicht und wollen gar nicht wissen, wie es wirklich um sie steht.

Aber ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen wenn man nachfragt, darf man glaub ich schon verlangen, oder?

 

Ich hatte die Patientin relativ gleich nach dem Spitalbesuch mit dem Austrittsrezept in der Apotheke. Sie war –gelinde gesagt – geschockt.

Krebs ist einfach Scheisse.

Die Verhütungspille?

Ein junges Pärchen mit deutschem Akzent steht vor mir in der Apotheke. Sie schaut Ihn an, Er schaut Sie an, dann gibt Sie sich einen Ruck und sagt: „Ich brauche eine Verhütungspille“.

Und ich sage: „Haben Sie ein Rezept? Die sind hier alle nur auf Rezept erhältlich.“

Sie: „Nein, ich habe kein Rezept dafür.“

Pharmama: „Dann sollten sie vielleicht zum Arzt, sich eines ausstellen lassen? Falls sie keinen Arzt haben: Das Spital hat eine Frauenabteilung, wo sie auch ohne Termin hin können.“

Er: „Geht das nicht ohne?“

Pharmama: „Nein, für die Pille brauche ich ein Rezept – ich kann ihnen nicht einfach irgendeine geben. Ein Arzt muss sie vorher anschauen.“

Die beiden schauen sich wieder an und gehen.

Oder doch nicht? Ich sehe sie draussen vor der Türe diskutieren.

Schliesslich kommt Sie wieder herein.

„Ich habe im Internet gelesen, dass man in der Schweiz die Pille danach ohne Rezept bekommt.“

Ah – darum geht es.

Pharmama: „Das ist so. Allerdings ist das nicht als Verhütungsmittel gedacht – darum bekommt man sie auch nur … danach.“

Implizierend: ist das so?

Sie nickt: „Das habe ich verstanden. Ich brauche sie.“

Pharmama: "Gut – dann kommen Sie mit nach Hinten. Ich muss zuerst ein Gespräch mit ihnen führen."

Ehrlich – ich will es Ihnen nicht schwerer machen als nötig, aber: bitte redet Klartext. Eine Verhütungspille ist etwas anderes. Das hier ist nur die Notfall-kontrazeption. Die Pille danach.

Kama sutra für Verheiratete

The married kama sutra – zeigt eine ganze Menge … nicht sexueller Positionen mit Erklärungen.

marriedkamasutra

Da steht drunter:

Wenn der Mann leicht den Nacken der Frau küsst und die Frau zärtlich seine Brust streichelt und das Kind kommt schreiend in das Zimmer gerannt, weil es ein erschreckendes Geräusch gehört hat oder sonst so ein Blödsinn, dann nennt man das die „unterbrochene Begegnung“.

Sagt mir nicht, *die* Position käme nie vor :-)

Hier gibt’s noch mehr Bilder zum reinschauen:

http://marriedkamasutra.com

Natürlich kann man auch grad das ganze Buch kaufen gehen:

Manche Tage

Manche Tage sind schlimm. Gestern war so einer. Keine Ahnung, an was es lag, aber … den ganzen Tag nichts als Hindernisse, Fehlerkorrekturen und seltsame Kunden.

Das ist gut für den Blog, aber für uns ist es … anstrengend.

Zum Beispiel:

Die Pharmaassistentin am Telefonieren mit der Versicherung.

Sie wählt, hört zu, wählt eine Nummer …

Ihr kennt das: 'Für Deutsch pressen Sie bitte die 1, pour Francais …' usw.

Die PA hört zu, wählt wieder eine Nummer, hört zu und bekommt auf einmal einen ganz seltsamen Ausdruck im Gesicht und hängt wieder auf.

Pharmama: "Was ist passiert?"

PA: "Du kennst die Ansage: „Alle unsere Mitarbeiter sind zur Zeit besetzt. Der nächste freie Mitarbeiter wird sich gleich um Sie kümmern. Sie befinden sich auf Platz …"

Pharmama: "Jaja. Und?"

"Platz Dreissig." Sagt meine Pharmaassistentin.

30!!

Wir versuchen's an einem anderen Tag wieder.

Danke – Bitte!

Der Ärztin auf den Anrufbeantworter gesprochen, damit sie zurückruft wegen einer Frage zu einem Rezept.

Sie ruft zurück.

Ärztin: "Habe ich vergessen die Dosierung aufzuschreiben?"

Pharmama: "Nein, aber Sie haben geschrieben eine Tablette morgens – und im Kompendium steht abends sei besser, weil das müde machen kann."

Ärztin: "Ah, nein, morgens ist gut bei dem Patienten. Aber: sehr aufmerksam. Danke!"

Pharmama (total überrascht – sollte ich nicht sein, aber …): "Oh, Bitte!"

Ich find's schön, wenn man höflich miteinander umgeht :-)

Come-back

Der Arzt hat dem Patienten, der neu zu uns kommt Atorvastatin Sandoz 80mg verschrieben – die haben wir noch nicht Lager – tatsächlich gar keine von den 80mg, also bestellt meine Kollegin ihm die auf den nächsten Tag, einen Samstag.

Am nächsten Tag kommen sie. Beim kontrollieren der Bestellung sehe ich, dass die Dosierung ½ Tablette am Morgen ist (was man noch gelegentlich macht, um Geld zu sparen) – aber gerade die von Sandoz haben offenbar bei den 80mg keine Bruchrille.

Doof.

Der Patient ist nicht erreichbar, also bestelle ich auf den Nachmittag 80mg von einer anderen Firma MIT Bruchrille – und schreibe eine Erklärung auf den Bestellzettel. Das Medikament lasse ich aber für den Fall, dass er vorher kommt und zum zeigen noch hier.

Der Patient kommt auch prompt um die Mittagszeit und meine PA versucht ihm das zu erklären. Es kommt nicht gut an – keine Ahnung, wie sie es formuliert hat, oder ob es hier an der Sprachbarriere lag: er fängt an sich merklich aufzuregen von wegen "Mein richtiges Medikament ist nicht da? Sie haben es mir auf heute versprochen! Schlechter Service! Ich gehe wieder in die XY Apotheke zurück, da ..!"

Ich greife ein.

"Hallo Herr … ich bin die Apothekerin. Ich habe hier ihr Medikament …" – zeige ihm nochmal die Schachtel. "Das ist genau das, was der Arzt ihnen verschrieben hat. Wir haben es hier. Sie können es haben. ABER … ich habe gesehen, dass sie je ½ Tablette nehmen müssen. Diese hier" (zeige) "haben keine Bruchrille. Ich habe ihnen – wenn sie das möchten – eine Packung mit Bruchrille bestellt – die ist ab 4 Uhr hier. Sie dürfen diese hier nehmen – ABER – die anderen sind einfacher und genauer zu teilen."

Patient: "Ah. Okay, ich komme heute mittag wieder."

… Na dann!

 

Nachtrag: Er hat das Medikament mit der Bruchrille abgeholt.

Am Montag kommt er wieder und fragt: "Wo ist mein anderes Medikament?"

Pharmama: "Welches andere?"

Patient: "Was noch auf dem Rezept stand – nicht das Atorvastatin, das Blutdruckmittel!"

Pharmama: "Da stand nichts anderes mehr auf dem Rezept." Ich suche es heraus und zeige es ihm (nochmals).

Patient: "Da sollte aber noch etwas stehen: … Amlodipin."

Pharmama: "Sollen wir beim Arzt nachfragen?"

Patient: "Ja."

Stellt sich heraus: der Arzt hat es vergessen aufzuschreiben. Ich bestelle ein neues Rezept und der Patient bekommt (schon jetzt) sein Blutdruckmittel.

 

Oh – und es ist damit immer noch nicht fertig: Etwa 1 Woche später kommt er wieder mit seiner Packung Atorvastatin zurück und sagt:

"Die habe ich im Normalfall aber immer am Abend genommen!"

Und richtig: Da steht neu drauf ½ am Morgen. – so wie der Arzt das aufgeschrieben hat.

Was ich ihm auf dem Rezept auch nochmals zeigen muss. Nur inzwischen auf dem Scan im Computer und nicht mehr auf dem Original, da es inzwischen eingeschickt wurde.

Ich zeige ihm das also und bestätige, dass er es problemlos auch am Abend nehmen kann … und er geht wieder.

War es das jetzt, oder kommt er noch mit einer Frage wegen dem Amlodipin zurück?