Apotheken aus aller Welt, 424: Sarp, Türkei

und nochmal die (bisher) stille Mitleserin:

Tuerkei_Sarp

Außerdem sende ich noch das Bild einer türkischen Apotheke zu der es noch eine kleine Geschichte gibt:
Leider musste ich (zwei Tage) nach meinem Unfall zum Arzt gehen, da mein Knie nicht abschwellen wollte.
An einem Freitagnachmittag sind wir in Sarp angekommen und direkt zum Arzt gegangen. In der Praxis gab es für uns keine ersichtliche Anmeldung, weshalb wir umher schauten und uns auf Deutsch unterhielten. Direkt haben uns freundliche Patienten angesprochen und uns dann die Richtung gezeigt, da wir kein Türkisch sprachen.
Wir sind direkt ins Behandlungszimmer gekommen und der Arzt hat mein Knie untersucht und wir haben uns auf Englisch unterhalten. Ich vermute er hätte auch mit mir geschimpft, das ich noch zwei Tage Motorrad gefahren bin, aber Sprachbarrieren können auch mal gut sein. ;-) Nach der Untersuchung sind wir mit einem anderen Mann (vielleicht einem Kollegen?) und meinem Rezept zur Apotheke gegangen. Dort hat der Kollege mit dem Apotheker gesprochen und dieser hat mit eine Salbe und Tabletten gegeben, selbstverständlich mit Dosieranleitung.
Dann sind wir aus der Apotheke komplimentiert worden und der Kollege hat sich verabschiedet. Wir standen ziemlich perplex vor der Apotheke und waren ziemlich durcheinander, da wir werder beim Arzt noch beim Apotheker irgendetwas bezahlt hatten. Wir hatten es beim Apotheker zwar versucht, aber alle haben den Kopf geschüttelt. Wir dachten dann noch, wir gehen bestimmt zurück zum Arzt und zahlen da dann alles, aber nein. Leider kam uns das Wochenende dazwischen und wir konnten es nicht wieder gut machen.

Geister-Apotheker

Darauf bin ich zufällig gestossen – ich wusste dass es das gibt in manchen Ländern, aber dass das *so* ein Problem ist?

Es gehört zum Berufsbild des Offizin Apothekers die Abgabe der Medikamente zu überwachen und die Patienten nach bestem Wissen und Gewissen über Medikamente und Gesundheitsprobleme zu beraten.

Dafür hat er in der Apotheke anwesend zu sein. So sagt das Gesetz – nicht nur bei uns in der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern. Tatsächlich ist es so, dass eine Apotheke die keinen Apotheker anwesend hat schliessen muss. Und der Apotheker selber, der es wagt während der Öffnungszeit einen Ausflug von mehr als ein paar Minuten zu machen -und auch noch dabei erwischt wird -bekommt einen unschönen Eintrag in sein Leumundszeugnis und eine Strafe. Womöglich verliert man die Berufsbewilligung.

Alles schon passiert.

Trotzdem gibt es Länder, die das offensichtlich etwas lasch handhaben – weil da kaum kontrolliert wird. Die Philippinen zum Beispiel.

Der Apotheker ist dort in der Apotheke wohl angestellt – er stellt sein Diplom zur Verfügung für die nötigen Betriebsbewilligungen etc. … (und wird dafür bezahlt) und ist dann gar nicht dort. Nicht nur der Verwalter der Apotheke, sondern auch sonst kein angestellten Apotheker. Das sind Geister-Apotheker.

Nach einer neusten Untersuchung (vom April diesem Jahr) und einer Umfrage hatten dort 70 Prozent der Apotheken keinen Apotheker anwesend zu dem Zeitpunkt, als die Apotheke besucht wurde. Aber 100 Prozent hatten ein „Zertifikat“ anhand dessen ein Apotheker dort arbeitet und die Verantwortung übernimmt.

Hoppla.

Man trifft also durchschnittlich in den Philippinen nur in jeder Dritten Apotheke auf einen Apotheker?

Dabei wird das auch dort bestraft: mit bis zu 4000 Philippinischen Pesos oder einer Haftstrafe nicht unter 6 Monaten bis maximal 4 Jahre.

Okay – 85 Franken Strafe sind nicht gerade viel … die Haftstrafe dagegen kann heftig sein. Aber da muss mehr kontrolliert werden, wenn da etwas ändern soll.

Es gibt dort 20’000 Drug Stores (die nicht lizensierten ausgenommen) aber nur 12’600 registrierte Mitglieder der Philippinischen Pharmacist Association … da gibt es wirklich ein Problem!

Quelle: http://newsinfo.inquirer.net/391941/public-warned-on-ghost-pharmacists

http://rxistsource.blogspot.ch/2013/07/wanted-ghost-pharmacists.html#.UnQL4KXuPfb

Beim googeln bin ich dann auch noch auf das gestossen: Da bietet eine (pensionierte) Apothekerin in Makati City, Manila ganz offen ihre Lizenz an – zum mieten. Quelle. Sie will dafür 7000 PhP pro Monat. Lohnt sich.

WTF!

rentadiploma

Drogenverkäufer!

Letztens in einer Weiterbildung.

Es entspannt sich eine kleine Diskussion über die Kontrolle bei der Abgabe.

Mit-Pharmazeut: „Ja, und nicht nur Medikamente, auch bei den Drogen und …“

Der Weiterbilder (kein Pharmazeut) unterbricht (ungläubig):

„Ihr verkauft Drogen??“

So ziemlich alle Teilnehmer (grinsend): „Ja!“ „Klar.“ „Natürlich!“

Weiterbilder: „Aber…“

Eine hilft aus: „Das ist die Bezeichnung für Tees: Tee-Drogen oder nur Drogen … kommt von ‚getrocknet’!“

Weiterbilder: „Aaaahhaa!“

Ja, wir verkaufen Drogen :-)