Kreative Anwendungsformen

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„Kann ich meine Akne-mycin Kapseln auch öffnen, den Inhalt in meine Tagescreme machen und das dann auf das Gesicht auftragen?“

Lieber nicht. Das hat nicht den gleichen Effekt … Oder: vielleicht fragen Sie besser ihren Arzt, damit der was anderes verschreibt?

Werbeanruf gegen Telefonwerbung

Gerade eben: Telefon. Nummer unterdrückt (liebe ich gar nicht, hätte ich besser nicht abgenommen, aber ich war gerade in milder Stimmung, also ….)

Ich: „Hallo?“(Bei unterdrückter Nummer sehe ich nicht ein, weshalb ich mich mit dem Namen melden soll).

„Frau Pharmama?“ (Ah, den Namen haben sie also).

Ich: „Ja?“

Frau (ohne Namensnennung): „Firma…Blablabla …“ irgendetwas von „Wir haben gehört, sie bekommen viele Werbeanrufe, die Sie stören ….“

Ich: „So wie den hier …“

(Wird einfach ignoriert) … „Es gibt jetzt eine Lösung dagegen ….“

Ich: „Ja, ich habe einen Stern-Eintrag im Telefonbuch …“ (der ist dazu gedacht so Werbenarufe zu verhindern, macht sie faktisch illegal, aber …)

Frau: „Der wird ja häufig ignoriert …“

Ich: „Ja – so wie sie hier jetzt grad.“

Frau: „Hier geht es nicht um einen Werbeanruf sondern um Datenschutz! …“

(An der Stelle fange ich an zu lachen.)

„Sind sie nicht daran interessiert?….“

…Sie hat dann gemerkt, dass sie damit bei mir nicht durchkommt und einfach aufgehängt.

Hab’s dann gegoogelt, was sie eigentlich wollte. Sieht so aus, als verkaufen die da Abos oder Einträge in Listen gegen solche Anrufe. Beides anfangs günstig und dann teuer und ständig (selbsterneuerndes Abo, plötzliche Vertragsänderungen …) und nützt leider nicht mal etwas.

Aber irgendwie fand ich das amüsant. Da machen sie Werbeanrufe gegen Werbeanrufe???

Vom Notfall

Ein junger Mann kommt in die Apotheke und möchte etwas für sein schmerzendes Handgelenk, das er während der Unterhaltung mit der anderen Hand an sich gepresst hält. Nach etwas ausfragen stellt sich heraus, dass er es zumindest sehr beschädigt, vielleicht sogar gebrochen hat bei einem kleineren Unfall am Abend vorher.

Ich rate ihm in die Notfallstation vom Spital zu gehen, das anschauen zu lassen.

Er: „Da komme ich gerade her.“

Pharmama: „Was?“

Er: „Ja, Ich habe über 2 Stunden gewartet, bis sie ein Röntgenbild gemacht haben, dann habe ich nochmals 4 Stunden gewartet … und es ist niemand gekommen um etwas zu sagen, man hat mir nichts gegeben an Schmerzmittel, nichts. Da bin ich gegangen.“

Pharmama: „Oh. – Aber das Bild wurde gemacht?“

Er: „Ja.“

Pharmama: „Dann sollten Sie zumindest noch einmal vorbei die Diagnose abholen, an Schmerzmittel kann ich Ihnen etwas geben, aber vielleicht muss das …“

Er: „Ich kann aber nicht noch mal so lange warten. Kann ich nicht woanders hin?“

Man ruft rasch in die Walk-In-Klinik an um nachzufragen, wie die das sehen aber … die machen auch nichts, da er im Spital ja schon geröngt wurde – es bestehen Zweifel, dass die Krankenkasse das dann noch übernimmt.

Es bleibt ihm nichts übrig, als noch einmal im Spital einzuchecken.

Ja, mit einer gebrochenen Hand ist man kein absoluter Notfall … trotzdem …

Dossiereröffnung

Aufnahme eines Patienten und Eröffnung eines neuen Patientendossiers:

Pharmama: „Sind irgendwelche Erkrankungen bekannt? Zucker, hoher Blutdruck, Schilddrüsenerkrankungen …?“

Patient: „Nein.“

Pharmama: „Nehmen Sie Medikamente regelmäßig ein?“

Patient: „Ja, Triatec und Aspirin Cardio.“

Pharmama: „Dann … haben Sie also doch hohen Blutdruck?“

Patient: „Nur, wenn ich meine Medikamente nicht nehme.“

und das ist der Grund weshalb ich jetzt bei neuen Patienten vor allem nach den Medikamenten frage …

LogopädiSCHeS

Auszug aus dem Elternheft (das Heft, mit dem in Juniors Schule Informationen zwischen den Eltern und den Lehrern ausgetauscht werden):

Liebe Familie Pharmama,

Junior sollte bitte übers Wochenende den folgenden Zungenbrecher üben:

Schälle sie nit an sällere Schälle, sälli Schälle schällt nit.

Schälle sie an sällere Schälle, sälli Schälle schällt

(Auf „sch“ und „s“ Laute achten)

Richtig, Junior hatte noch Anfang Schulzeit ein Problem mit dem S und SCH, weshalb er auch Logopädie hatte (man erinnere sich an diese Szene :-) ) und wo das Problem so ziemlich behoben wurde. Dann hatten wir vor ein paar Wochen den Unfall hier

Und jetzt kommt der Eintrag im Heft …  weshalb ich es mir nicht verkneifen konnte, dann unter den Kommentar von meinem Kuschelbär, dass wir das natürlich üben werden folgendes zu schreiben:

Ihnen ist aber schon klar, dass das mit „frisch“ abgebrochenem Zahn wieder Probleme gibt?

Die Lehrer haben’s echt nicht leicht – momentan sind sie auch noch mehr belastet, weil offenbar in der Parallelklasse eine Lehrerin ausgestiegen ist und sie auch noch die Klasse übernehmen müssen. Ich habe Angst, dass sie dann Juniors Lehrer auch noch verheizen, deshalb will ich nicht zu fest reklamieren, aber … echt jetzt.

Buchrezension: Medikamentenabhängigkeit

Einmal wieder ein Fachbuch, das ich vom Schattauer Verlag zum anschauen bekommen habe: Medikamentenabhängigkeit Entstehungsbedingungen – Klinik – Therapie.

Der Autor Prof. Dr. med. Michael Soyka ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie und seit 2006 Ärztlicher Direktor der Privatklinik Meiringen in der Schweiz – und mit diversen Forschungsprojekten und Publikationen im Bereich der Medikamentenabhängigkeit sehr qualifiziert, darüber zu schreiben.

  • Das Buch beginnt mit zwei (kurzen) Fallvorstellungen;
  • Beantwortet Fragen der Epidemiologie (Verbreitung dieser Störungen);
  • Geht auf die einzelnen Substanzen ein, die abhängig machen können: von Analgetika, Tranquilizer und Hypnotika, Anxiolytika und andere psychotrope Substanzen, Psychostimulantien und auch weitere Substanzgruppen: Laxantien, Potenzmittel, Diuretika, Rhinologika;
  • Zeigt die Ätiologie (Grundlagen) von Missbrauch und Abhängigkeit;
  • Listet die Diagnostischen Kriterien für Missbrauch und Abhängigkeit
  • Und gibt Einblick in die Psychotherapie bei Missbrauch und Abhängigkeit.

Es ist dabei ausgiebig mit Quellen, Grafiken, Listen und Formularen belegt und hat einen grossen Anhang mit weiterführender Literatur sowie zahlreiche Adressen von Schmerzkliniken und anderen hilfreichen Institutionen – diese für Deutschland, leider nicht für die Schweiz.

Das Buch richtet sich vor allem an Ärzte – nicht nur die, die speziell in diesem Bereich arbeiten, sondern auch die Hausärzte, denn in der Prävention von Suchterkrankungen sind alle gefragt. Für mich als Apothekerin waren neben dem Erkennen von Missbrauch und der Prävention vor allem die Teile interessant, die sich mit den frei verkäuflichen, abhängig machenden Mitteln befassen: Abführmittel, Nasenspray, OTC-Schmerzmittel.

Speziell fand ich noch diesen Absatz unter Psychotherapie bei Missbrauch und Abhängigkeit, wo es im Kapitel 6.3 Apotheker um ein Modellprojekt von 2013 geht: „Ambulanter Entzug von Benzodiazepin-abhängigen Patienten in Zusammenarbeit von Apothekern und Hausarzt“ (in Auszügen:)

Der Apotheker hatte als kurzfristig und ortsnah verfügbarer Ansprechpartner in diesem Projekt eine Schlüsselrolle. … Apotheker und Ärzte wurden vor Beginn geschult. Am Anfang stand ein ausführliches Beratungsgespräch zwischen Apotheker und Patient in der Apotheke … dann wurde in Absprache mit dem behandelnden Arzt ein Abdosierungsplan erstellt (Entscheidung beim Arzt) und der Verlauf dokumentiert.

83% beendeten die Abdosierung innert 24 Wochen. Nachuntersuchungen nach 3 Monaten zeigten, dass von den 30 Patienten, die im Verlauf der Intervention das Medikament vollständig abdosiert hatten 24 nicht erneut Benzodiazepine konsumiert haben (80%).

Bei Apothekern betrug der Zeitaufwand pro Patient insgesamt bei 6.5 Stunden, bei Ärzten im Mittel bei einer Stunde. Insgesamt stand das gute Bewertungsergebnis der Zusammenarbeit mit dem Apotheker durch die Ärzte im Widerspruch zur Erreichbarkeit und Aufgeschlossenheit der Mehrzahl der Ärzte. Die Initianten des Modells stellten fest, dass die Bereitschaft zur Teilnahme bei den Ärzten zunächst niedrig war, diejenigen Ärzte, die teilgenommen haben aber die Zusammenarbeit mit dem Apotheker sehr wertschätzten.

Das lässt hoffen. Gerade bei Benzodiazepinen und Z-Substanzen sehe ich in der Apotheke heute viel Missbrauch – oft gefördert durch indifferenziertes Verschreiben auch als Dauermedikation.

Das Buch bietet eine Menge an Fakten. Ich fand es etwas trocken, aber interessierte Personen finden darin alles, was sie an Grundlagen zur Erkennung von Abhängigkeit und Behandlungsansätze dazu brauchen.


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